Staatshilfe für GM nur bei Erhalt aller deutschen Werke würde von Brüssel nicht akzeptiert - Wirtschaftsminister: Opel hat kein Anrecht auf staatliche Hilfe
Dortmund/Berlin - Die EU-Kommission will Pläne
von Deutschlands Bundesregierung und Ländern verhindern, Staatshilfe
für General Motors und Opel nur beim Erhalt aller deutschen Werke zu
gewähren. Der Sprecher der zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes
sagte der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe), es bestehe kein
Zweifel daran, dass eine Staatshilfe, die an die Bedingung des
Arbeitsplatzerhalts in Deutschland geknüpft werde, "kaum mit den
Binnenmarktregeln in Einklang zu bringen sein dürfte" und deshalb von
Brüssel nicht akzeptiert werde.
Weiter hieß es, das Ziel von EU-konformen
Restrukturierungsbeihilfen sei immer der langfristige Erhalt des
Unternehmens. Über Einzelheiten müssten die Unternehmen aber nach
rein betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden können. Dabei sei
zumindest denkbar, dass dieses Ziel - und damit die Rettung von Jobs
in anderen EU-Staaten - nur mit dem Abbau von Arbeitsplätzen in
Deutschland erreicht werden könne.
Der Kroes-Sprecher stellte auch klar, dass für GM Hilfen aus dem
von der EU zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise generell
genehmigten Rettungsschirm für Unternehmen nicht in Frage kommen.
Dieser Finanzrahmen sei für eindeutige Krisenfolgen reserviert. Er
können nicht benutzt werden, um innerhalb der EU "Bedingungen für
bestimmte Unternehmensstandorte durchzudrücken". Nur so lasse sich
ein Subventionskrieg in der Europäischen Union vermeiden.
Brüderle: "Kein Anrecht auf staatliche Hilfe"
Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer
Brüderle (FDP) hat sich skeptisch zu staatlichen Hilfen für den
angeschlagenen Autobauer Opel geäußert. "Mit Interventionen in den
Wirtschaftsprozess sollte sich der Staat grundsätzlich zurückhalten",
sagte Brüderle der "Wirtschaftswoche". "Wie es ausgeht, wenn sich die
Politik zu Wahlkampfzwecken in unternehmerische Belange einmischt,
hat das Beispiel Opel ja gerade noch einmal eindrücklich vor Augen
geführt."
Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) könne zwar wie jedes
andere Unternehmen auch Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland
beantragen, es gebe aber "kein Anrecht auf staatliche Hilfe". Ein
solcher Antrag könne auch abgelehnt werden, wenn das Konzept als
nicht tragfähig erscheine. "Dies ist in der Vergangenheit schon
mehrmals geschehen", sagte Brüderle.
Koch: "Erwarten einen eigenen
Beitrag von GM"
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) empfahl General
Motors, keine deutschen Staatshilfen für Opel in Anspruch zu nehmen.
"Es passt einfach nicht zusammen, erst alles selber machen zu wollen
und dann dem Steuerzahler in Deutschland und Europa die Rechnung zu
stellen", sagte Koch dem Magazin "Focus". "Wenn GM um finanzielle
Hilfen bitten würde, erschwerte dies gewiss eine schnelle Rettung.
Opel hatte kurz vor der Insolvenz der Konzernmutter einen
Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erhalten. Der
Kredit läuft zum Monatsende aus. GM hatte sich bereiterklärt, die
bisher ausgezahlten Gelder pünktlich zurückzuzahlen. Der
ursprüngliche Plan, Opel mehrheitlich an ein Konsortium um den
österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna zu verkaufen, war
Mitte der Woche gescheitert.
Koch will Staatshilfen für den Opel-Mutterkonzern General Motors an
weitreichende Bedingungen knüpfen. "Erst muss das Unternehmen den
Übergangskredit zurückzahlen", sagte Koch den Dortmunder "Ruhr
Nachrichten" (Samstagsausgabe). Außerdem müsse zunächst die
Liquidität von Opel gewährleistet werden. "Wir erwarten einen eigenen
Beitrag von GM", sagte Koch.
Generell wollte der CDU-Politiker die Gewährung staatlicher Hilfen
aber nicht ausschließen. "Natürlich kann GM Anträge auf Staatshilfe
stellen. Diese würden aber kritisch geprüft, weil es um Steuergeld
geht", sagte er dem Blatt. Die GM-Forderung nach Zugeständnissen der
Opel-Belegschaft im Zuge der Konzernsanierung wies Koch mit der
Begründung zurück, die Beschäftigten hätten bereits sehr
weitreichende Zugeständnisse gemacht. Auch den Mitarbeitern sei
allerdings klar, dass ohne Arbeitsplatzabbau die Sanierung nicht
gelingen werde. Er erwarte jedoch, dass es "keine betriebsbedingten
Kündigungen" geben werde.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)
hatte staatliche Hilfen für Opel vom Erhalt aller deutschen Werke
abhängig gemacht. Ähnlich hatte sich der rheinland-pfälzischer
Regierungschef Kurt Beck (SPD) geäußert. (APA/AFP/Reuters)