Kein Verständnis für Personalpolitik: "Eine Linie hat er nur bei Ivanschitz und mir" - Verteidiger vermutet: "Ich werde nicht gebraucht und gewollt"
Moskau - Martin Stranzl hat Teamchef Dietmar Constantini aufgrund dessen Personalpolitik
heftig kritisiert. Der Legionär von Spartak Moskau, der vom Tiroler
ebenso wie Andreas Ivanschitz nicht für das Spanien-Länderspiel
einberufen worden war, warf dem Nationaltrainer gegenüber der APA -
Austria Presse Agentur unter anderem vor, bei der Kadernominierung
mit zweierlei Maß zu messen und würde sich mehr Aufrichtigkeit
wünschen.
Die von Constantini oft beschworene Linie ist für Stranzl nicht
erkennbar. "Eine Linie hat er eigentlich nur bei Andi (Ivanschitz)
und mir. Ansonsten frage ich mich schon, nach welchen Kriterien der
Kader zusammengestellt wird."
Während der Teamchef für das Spanien-Match den in den vergangenen
Wochen auf die Tribüne verbannten Erwin Hoffer einberief, verzichtete
er neben DFL-Topscorer Ivanschitz auch auf Stranzl, obwohl der
29-Jährige beim aktuellen Zweiten der russischen Liga einen
Stammplatz hat. "Eigentlich hat es geheißen, dass er nur Spieler
holt, die auch bei ihrem Verein zum Einsatz kommen. Jetzt aber sind
auch solche dabei, die überhaupt nicht spielen", wunderte sich der
Innenverteidiger.
"Er soll mir das direkt sagen"
Stranzl, dem am Samstag bei der 1:2-Niederlage von Spartak Moskau bei Krilja Sowjetow ein Eigentor unterlief, wurde in dieser Woche von Constantini über seine
Nicht-Berücksichtigung informiert. "Er hat mich angerufen und mir
gesagt, dass er mich nicht dazunehmen kann, weil er keinen anderen
weglassen will." Daraus zog der Innenverteidiger den Umkehrschluss:
"Ich sehe das so, dass ich nicht gebraucht und gewollt werde. Er soll
mir das direkt sagen. Dann ist der Kas' gegessen und ich kann mich
mehr auf meine Familie und meinen Verein konzentrieren."
Dadurch würde sich Constantini laut Stranzl auch einige
öffentliche Diskussionen ersparen. "Er sollte so ehrlich sein und
sagen, dass er mit anderen Spielern plant. Dann gibt es nicht vor
jedem Spiel ein Theater", meinte der Burgenländer auch mit Blick auf
Ivanschitz. "Ich habe immer ehrlich meine Meinung gesagt und würde
mir auch einen dementsprechenden Umgang mir gegenüber wünschen."
Stranzl wurde im ersten Constantini-Match am 1. April wegen
mangelnder Spielpraxis aussortiert. Beim 0:1 im Juni in Serbien war
er wieder mit von der Partie, dann sagte er für das August-Match
gegen Kamerun wegen einer Blessur ab und wurde dafür von Constantini
öffentlich gerüffelt. "Dabei war das mit ihm so abgesprochen", sagte
der Abwehrspieler, der die September- und Oktober-Spiele in der
WM-Qualifikation wegen einer Knieverletzung versäumte.
Bei aller Kritik an Constantini würde Stranzl dennoch jederzeit
für das Team zur Verfügung stehen. "Wenn ich einberufen werde,
komme ich sofort. Ich spiele ja nicht für Constantini oder
irgendeinen anderen, sondern für Österreich." (APA)