Virtueller Rassismus gegen Chinas Halle Berry

7. November 2009, 10:48
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    foto: der standard/herbert

    Anonyme Schmähungen im Internet gegen Lou Jing und ihre Mutter (im Bild bei einem Show-Auftritt) lösten in China eine öffentliche Diskussion über Rassis-mus aus.

Lou Jing löste bei Talentshow virtuellen Sturm aus: Blogger schmähten sie ihrer Hautfarbe wegen - Viele stellten sich auf ihre Seite

Lou Jing hat große Augen, aus denen sie spitzbübisch vom Foto auf ihrer Webseite schaut. Die hübsche 20-Jährige ist eine waschechte Schanghaierin, aber mit schwarzer Haut und ganz unchinesischem Aussehen. Daran störten sich bei Vicky Lou, wie sie sich auf ihrem Webblog auch nennt, weder ihre Mitschüler, mit denen sie aufwuchs, noch ihre Kommilitonen auf der Schanghaier Theaterschule.

Riesen Erfolg

Als sie sich im Frühsommer zur Talentsuche nach dem Idolmodell beim Schanghaier TV-Hit Auf zum Endspurt - ihr Engel des Orients anmeldete, wusste sie noch nicht, was sie für einen virtuellen Sturm damit auslösen würde. Die fotogene, natürlich plaudernde und auch singende junge Frau schaffte es nach wochenlangen Auswahlshows unter die ersten fünf, ein Riesenerfolg für die Anfängerin.

Schmähungen

Doch da war schon das virtuelle Geraune im Internet im Gang. Zuerst spöttisch und neidisch, dann boshaft und schließlich offen rassistisch. Die anonymen Blogger nahmen Anstoß an ihrer schwarzen Haut. Anfangs stellten sie ihre bissigen Fragen nur im Scherz. Ob Lou Jing die Tochter von US-Präsident Barack Obama sei. "Hunxue" (Mischblut) schrieben die Blogger.

Das war nur der Auftakt. Das Time-Magazin widmete der Debatte um den angehenden Star eine Geschichte, die Lou Jing über China hinaus bekannt machte, und stellte im Titel die Frage: "Kann ein Mädchen mit binationaler Herkunft zum Idol Chinas werden?" Die Antwort der Blogger war ein klares "Nein".

Rassismus hat zwar im Vielvölkerstaat China historisch keine Wurzeln, aber es kam immer wieder zu Ausbrüchen von Fremdenfeindlichkeit. Während der Kulturrevolution wurde jeder, der mit einem Ausländer zu tun hatte, zum Verräter gestempelt. Diese Xenophobie ist latent überall vorhanden, obwohl Ausländer nur eine Minderheit in China darstellen. Kinder aus den jährlich knapp 3000 geschlossenen interkulturellen Ehen sind noch seltener.

"Ich werde kämpfen"

Im Fall Lou Jing schlugen Chinas virtuelle Rassisten unter der Gürtellinie zu. Sie fabrizierten Gerüchte über die Herkunft des Mädchens und den angeblich liederlichen Lebenswandel der Mutter. Daran stimmte nur, dass ihre Mutter eine Affäre mit einem schwarzen Amerikaner gehabt hatte, der Schanghai verließ, noch bevor das Mädchen geboren wurde. Lou Jing wuchs in geordneten Verhältnissen, behütet und trotz ihrer dunklen Haut von anderen Kindern akzeptiert auf, schaffte mit guten Schulnoten und ihrem einnehmenden Wesen die Aufnahme auf die angesehene Schauspielschule.

Als Schock erlebte sie die schmierigen Bemerkungen und den bösen Schmäh im Internet. Über ihre Verletzungen gibt sie in ihrem vielbesuchten Blog Auskunft. Sie habe bitter geweint. In der ersten Zeit, als sich die Blogger im Internet an Gemeinheiten überboten und lokale Zeitungen über ihre Mutter und sie Gerüchte streuten, konnte sie abends nur einschlafen, wenn sie das Lied der I am strong von North hörte. Dann sang sie mit "Ich bin stark. Ich werde kämpfen. Ich bin tapfer."

Dabei wollte sie längst resignieren und "den bösartigen Journalisten und Internetbloggern sagen: Ihr habt gewonnen". Weiter schreibt Lou Jing: "Ich musste immer daran denken, wie ich zum ersten Mal von ihnen gefragt wurde, ob ich als Kind ungerecht behandelt wurde. Ich kann mich nicht erinnern, habe ich geantwortet. Jetzt aber kann ich mit Gewissheit sagen: Euer bösartiger Umgang mit mir ist die ungerechteste Behandlung, die ich in meinen Leben bisher erlebte."

"Üble chinesische Gewohnheit"

Die Angriffe auf Lou Jing motivierten erstaunlich viele Chinesen dazu, sich gegen den Webpöbel auf die Seite der jungen Frau zu schlagen. "Ich habe uns Chinesen bisher für engstirnig gehalten, aber nicht für rassistisch", meldete sich etwa "Airen" zu Wort. Die einflussreiche Medienprominente Hong Huang prangerte auf ihrer Webseite den Rassismus an, den sich Chinesen nicht leisten könnten: "Wie kurz ist unser Gedächtnis, wenn wir als einst selbst Diskriminierte jetzt auf andere herabblicken?" Es sei eine "üble chinesische Gewohnheit, dunkle Haut zu verachten und helle Haut anzubeten".

Das alles geschehe zudem zu einer Zeit, wo die US-Amerikaner mit ihrer "im Gegensatz zu unserer alten Zivilisation nur 300-jährigen Geschichte in der Lage sind, einen Schwarzen zu ihrem Präsidenten zu wählen". Einer der bekanntesten Kolumnisten Chinas, Raymond Zhou, brach in einem ganzseitigen Artikel die Lanze für "Chinas Halle Berry", auf deren positive Ausstrahlung und ihre mutige Mutter, die ihr zur Seite steht, alle stolz sein müssten, statt "bei einem schwarzen Engel rotzusehen".

Der Vorfall hat Nachdenken ausgelöst, wie Chinas Gesellschaft, die keine freie Presse kennt, mit dem weitgehend unzensierbaren Internet umgehen soll; dessen Einfluss im positiven wie im negativen Sinne sich auf die Gesellschaft wie kein anderes Medium immer mehr auswirkt. Mit 360 Millionen Menschen nutzen allerdings erst 27,1 Prozent der chinesischen Bevölkerung das Internet.

Misstrauen

Lou Jing sieht sich aber nicht als Opfer des Internet. Im Gegenteil. Sie nutzt es, um sich zu wehren. Auf ihrer Webseite hat sie das Lied Ich bin stark, das ihr wochenlang Trost spendete, als Leadsong geladen und den Text veröffentlicht. Ihre Mutter und sie klagten gegen einen Journalisten der Schanghaier Abendzeitung wegen übler Nachrede und Rufschädigung. Im Oktober nahm das Schanghaier Huangpu-Gericht die Klage auf Widerruf und auf eine Geldbuße von 5700 Euro gegen die Zeitung und den Journalisten an, der nie mit Mutter oder Tochter gesprochen hatte. Lou Jing sagte am Telefon zum Standard, dass sie ihr Studium fortsetzt und ihre Kurse an der Schanghaier Theaterakademie weiter besucht. Für Interviews sei sie noch nicht bereit. Verletzungen und Misstrauen sitzen zu tief.

(Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD/Printausgabe, 7.11.2009)

Kommentar posten
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gugl hupf
03
10.11.2009, 13:51
"Rassismus hat zwar im Vielvölkerstaat China historisch keine Wurzeln"

... woher genau hat der autor denn diesen blödsinn? die verachtung der han-chinesen für andere volksgruppen im eigenen land ist geradezu ein bilderbuchbeispiel für rassismus.

Lethawae
00
11.11.2009, 06:23

Wenn die Wahrheit nicht schön klingt ersetzen wir sie halt.

Yojimbo
00
9.11.2009, 14:04
Rassist, der

Person die auf andere mit dem Finger zeigt um von sich selbst abzulenken. Siehe auch -> Problem, psych.; Minderwertigkeitkomplex; usw.; http://www.stupidedia.org/stupi/Rassist ;
http://www.nazis.de/inidia/ra... sismus.htm ;

;-)

wieso auch nicht
00
9.11.2009, 11:24

In China darf man auch den Hinweis auf Einsteins jüdische Eltern nicht in einer Ausstellung anbringen: http://www.judentum.net/israel/einstein.htm

beowulf2
 
00
11.11.2009, 10:04
Hier eine Studie wo 214 Chinesen befragt wurden:

"The best-known Jewish figure was Albert Einstein, followed by Karl Marx, Henry Kissinger and Moses. Only three of those polled expressed hostility to Israel or to Jews. "
http://www.sino-judaic.org/pointseas... ecked.html

Interessant - Der Spiegel (eines der größten Käse Blätter zum Thema China, Andreas Lorenz Inkompetenz und Sinophobie zeigte sich schon öfters) zu dem Thema:
"Wer Albert Einstein war, weiß in China - fast - jedes Kind. Allerdings: Dass er Jude und ein leidenschaftlicher Verfechter eines Judenstaates war, ist nicht so bekannt. Nach dem Willen des Pekinger Kulturministeriums soll dies auch so bleiben. "
Aber zumindest, wird - versteckt und verschönt - erwähnt, dass es um Einsteins Zionismus ging.

beowulf2
 
00
9.11.2009, 13:54

Zwischen in China darf man keinen Hinweis auf Einsteins jüdische Eltern anbringen und China will sich nicht in die Nahoststreitereien reinziehen lassen, seh ich einen großen Unterschied.

Aber es ist klar, jede Drecksschleuder - auch wenn sie noch so niveaulos ist, darf eingesetzt werden. Jetzt stellen wir Chinesen noch als antisemitisch hin, stimmts?
Falls sie Jude sind - was ich einmal stark bezweifle - sollten sie mal daran denken, dass gerade China viele Juden im WK2 aufgenommen hat.

Übrigens seit dem 8. Jahrhundert kamen Juden nach China und China ist das einzige Land in dem es historisch keine Judenverfolgungen gab - nein die Juden sogar so intergriert waren, dass sie sich mit den Chinesen vermischt haben.

Lethawae
00
11.11.2009, 06:24

"Zwischen in China darf man keinen Hinweis auf Einsteins jüdische Eltern anbringen und China will sich nicht in die Nahoststreitereien reinziehen lassen, seh ich einen großen Unterschied."

Den Unterschied sehe ich auch.
Aber wie genau läßt man sich in die Nahoststreitereien hineinziehen wenn man erwähnt, daß Einsteins Eltern Juden waren?!?

beowulf2
 
00
11.11.2009, 09:45

Es ging ja nicht um das jüdische, sondern um das zionistische. Das wird in dem Artikel oben ja unter dem Tisch gekehrt.
Die Israelis wollten überall Einsteins pro-zionistische Haltung betonen. Die Araber regten sich auf, dass diese Ausstellung in Wahrheit eine Werbekampange für den Zionismus wurde und Einstein als Werbeträger instrumentalisiert wird.
Und die Chinesen haben dann da die Bremse gezogen. Einsteins jüdische Herkunft wird in China übrigens öfters erwähnt als bei uns.
Hier ein interessanter Artikel zu chinesisch-jüdischem Verhältnis:
http://www.newyorker.com/online/bl... ood-f.html

wieso auch nicht
00
10.11.2009, 11:34

"Sich nicht in den Nahostkonflikt reinziehenlassen" ist gut. Zwischen China und diversen Ländern im Nahen Osten bestehen Rüstungsabkommen.

Und was Einsteins jüdische Eltern mit dem Nahostkonflikt zu tun haben, würde ich auch gern wissen.

Spaceman Spiff
10
9.11.2009, 11:16

Im Gegensatz zu Oesterreich, sind wenigstens die Kinder nicht rassistisch.

AlBundyFan
 
00
9.11.2009, 09:35
hmm

natürlich gibts rassisten aber die sind in der minderheit - auch hier.
sonst würde es nicht passieren,daß:
- sie in ihrer ganzen kindheit niemals mit rassimus zu tun hatte
- sie bei dieser show von ziemlich vielen chinesen auch gewählt wird.

es gibt also anscheinend viel mehr chinesen, die nichts gegen schwarze haut haben, als welche denen es was ausmacht.

beowulf2
 
00
9.11.2009, 12:02
Lou Jing sieht sich auch selber als Chinesin und wird auch als Chinesin betrachtet. Sie ist auch von ihrem Verhalten/Redeweise und Denken chinesisch und dadurch auch integriert.

Es gibt aber durchaus Stereotype gegenüber Schwarzen und kulturell auch ein hohes Konfliktpotenzial (wenn Schwarze über Chinesen schimpfen, ist das dann eigentlich auch Rassismus? ;-)
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist eher das die Mutter eine außereheliche Affäre mit einem Amerikaner hatte, der dann abhaute. Erst als die Mutter im Fernsehen auftrat und das rauskam, kamen die häßlichen Postings im Internet. Dadurch wurden die Stereotype und "Empörung" ausgelöst.
Es stellte sich aber eine große Zahl der Poster auf die Seite von Lou Jing. Ich sehe die Geschichte aber nicht rein negativ. Durch die Öffnung Chinas, kommt es auch zu einer Zuwanderung und Kontakt mit Fremden. Da ist eine Diskussion gar nicht einmal schlecht.

gerda marder
00
9.11.2009, 00:25

warum eigentlich Hale Berry? Im Ernst jetzt, ich kenn mich da nicht so aus

Die andere Meinung
 
53
9.11.2009, 09:17
weil in österreich jeder schwazre eine seltenheit ist

und fürn standard also jede x-beliebige schwarze promintente als 'sinnbild' herhalten muss.

wieso auch nicht
00
9.11.2009, 11:21

Sag mal, liest du den Artikel auch oder kommentierst du nur? "Chinas Halle Berry" kommt aus der chinesischen Presse, siehe Artikel.

solandre
 
13
8.11.2009, 18:44

eine frage der identifikation. wirklich, am allereinfachsten ist es die welt in menschen zu teilen, welche man mag und welche man nicht mag. dann braucht man sich nicht an so dingen wie herkunft, staatlichkeit, hautfarbe, geschlecht, sexualität, parteizugehörigkeit, beruf, etc aufhängen.

A Voice
01
9.11.2009, 15:47
Nein, geht nicht

dann müßte man sich ja mit jedem und zwar mit der Person auseinandersetzen.

Frankensteins Fekter
24
8.11.2009, 18:30

Viele Chinesen sind nicht nur Rassisten, sondern haben auch eine sonderbare Einstellung gegenüber Behinderten.
Rollstuhlfahrer werden sehr gerne ausgelacht. Vermutlich kennt man solche Menschen in China nicht da Sie dort unauffällig "entsorgt" werden.
Ein wirkungsvolles Gegenmittel gibt es allerdings: Das Zeigen des gestreckten Mittelfingers und ein verächtlicher Blick, läßt das dümmliche Grinsen schlagartig einfrieren!
Junge Moslem begnügen sich mit kurzen Bemerkungen wie zu Beispiel "Scheiß Rollstulfahrer"
Diese Erlebnisse kenne ich aus eigener Erfahrung "Querschnittlähmung Thorax 10"

klar kent
00
9.11.2009, 16:53

naja, woher wollens wissen, dass es chinesen waren? für die meisten österreicher sehen alle ost-asiaten gleich aus. aber davon abgesehen, haben sie nicht ganz unrecht, dass ein teil der chinesen kein benehmen hat oder fragwürdige einstellung.

aber bitte ned verallgemeinern. es gibt sicher genug chinesen, die wortlos an ihnen vorbeigegangen sind, ohne sie auszulachen oder sonstiges.

Lethawae
00
11.11.2009, 06:27

"naja, woher wollens wissen, dass es chinesen
waren?"

Vielleicht ist es in China passiert, dann stehen die Chancen recht gut, daß es welche waren.

"für die meisten österreicher sehen alle ost-asiaten gleich aus."

Was ich übrigens nie verstehen werde.
Wer Thais, Han, Japaner und Koreaner nicht auseinanderhalten kann muß blind sein.

klar kent
00
11.11.2009, 15:34

"Vielleicht ist es in China passiert, dann stehen die Chancen recht gut, daß es welche waren. "

naja, wenn sie das ursprungspost lesen, dann schliesse ich mit hoher wahrscheinlichkeit aus, dass das in china passiert ist. es gibt einige indizien, was natürlich kein beweis ist.

beowulf2
 
22
9.11.2009, 02:40

hmm - da haben aber andere wieder ganz andere Erfahrungen gemacht:
http://www.trotzdem-china.com/

Es stimmt zwar, dass Chinesen keinen Schänierer haben zu Glotzen wenn irgendetwas vom Alltag abweicht, aber ihre Interpretation zeigt mehr von ihrer Voreingenommenheit als von der Realität.

Genauso wie ein Poster weiter unten, der das aufgeregte laute "Ausländer" gerufe von chinesischen Kindern oder Bauern mit dem gemurmelten "ausländer" eines Strache Wählers gleichsetzt.

floh803
00
8.11.2009, 20:43

Jo, alle Chinesen sind echt voll von Vorurteilen!

In Esterreich wär so was nicht passiert.

mrsonguku1
61
8.11.2009, 14:58

Länder wie China oder Japan sind kein Einwanderungsland, haben demensprechend auch keine Erfahrung im Umgang mit Ausländern. Daher ist es auch kein Wunder, dass es dort Rassismus herrscht. Sogar bei uns gibt es immer noch Rassismus.

gutartiger Bösmensch
19
8.11.2009, 18:24
Österreich ist ein Einwanderungsland

und Rassismus gibt es hier mehr als genug.

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