Das Boulevard-Magazin liefert dazwischen auch ein paar Themen, die mehr oder weniger zwischen den Stühlen gelandet sind - Etwa eine neue Europatournee von Jerry Lee Lewis
Nicht nur (deutsche) Privatsender gönnen sich Boulevard-Magazine, auch die seriöse ARD betreibt mit Brisant ein solches. Dieses bemüht sich immerhin einige moralische Grundsätze hochzuhalten und nicht in jede Niederung unserer Zivilisation mit vollem Licht und geiler Linse reinzugehen.
Da liefert man dazwischen auch ein paar Themen, die mehr oder weniger zwischen den Stühlen gelandet sind. Etwa eine neue Europatournee von Jerry Lee Lewis, legendärer Rock-'n'-Roll-Pianist und wegen seines aggressiven Spiels als "The Killer" in den Musikgeschichtsbüchern verewigt.
Jerry Lee ist heute ein betagter Mann, dessen Wildheit sich stellenweise längst peinlich ausnimmt, wie der Beitrag am Donnerstag gezeigt hat, als der Killer in Frankreich ankam und dort mit schwerem Jetlag vor ebenfalls schon ergrauten Fanklub-Vorständen des "Röck en Röll" eine Pressekonferenz gab.
Das erste Konzert stand dann gleich unter einem schlechten Stern, Jerry Lee litt laut seiner mitreisenden Tochter unter einer schweren Magenverstimmung - was sich in einer eher matten Darbietung niederschlug. Noch im Fernsehen wirkte der heute 74-Jährige wie ein steifer Automat, in dessen Fingern gerade noch genug Restenergie war, um sich ein auf Autopilot gespieltes Great Balls Of Fire abzuringen.
Das wollte man nicht wirklich sehen, also zappte man weg. Dabei entstand zufällig ein passender Übergang: Brisant zeigte den "Killer" bei der Pressekonferenz gerade noch in eher wenig kühlen Filzpantoffeln, schon wurde man von Grandpa Abe Simpson in ebensolchen am Nebenkanal empfangen. Da wie dort renitente alte Männer, ein bisserl würdelos, aber - "Goodness gracious" - schon sehr super! (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.11.2009)