"Überleben in der Krise"

SPÖ-Faxen um den ORF

6. November 2009, 18:18
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    Innig ist anders: ORF-Chef Wrabetz (li.) und Kanzler Faymann: Der verlor heuer bei den Medientagen kein Wort über den ORF.

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    Wrabetz im Abwehrkampf gegen Faymann - "profil"-Cover aus dem Frühjahr 2009.

Als reichte eine rote Mehrheit im ORF nicht, wenn sich die Koalition nicht auf neue Gremien einigt: Das Faible der SPÖ für die Faxwahl von Publikumsräten regt Spekulationen um die ORF-Führung an

Gerhard Zeiler frühstückt Sonntag "bei mir": Claudia Stöckl plaudert in Ö3 mit dem Chef der RTL Group. Das ist Europas größter TV-Konzern, dessen Werbefenster den ORF mehr als 110 Bruttomillionen kosten. Pluralismus im ORF unter Alexander Wrabetz.

Gerhard Zeiler war der gegen Konkurrenz erfolgreichste ORF-Chef. Mancher Küniglberger hofft: Zeiler kehrt zurück (wenn ihm die Politik freie Hand lässt).

Zwei Tage vor Zeilers Auftritt setzte die SPÖ den ersten Schritt zur absoluten Mehrheit im ORF (DER STANDARD berichtete): Per Wiener Zeitung lud das Kanzleramt Bewerber für die Faxwahl des Publikumsrats ein. Die gewann sie stets. Dazu die vom Bundeskanzler 2010 neu bestellten Publikumsräte, und die SP schafft die absolute Mehrheit im Stiftungsrat. Mit der kann man neue Generäle wählen. Sie abzusetzen brauchte es allerdings zwei Drittel der 35 Stiftungsräte.

Generäle absetzen? Ab Herbst 2008 demontierten Kanzler Werner Faymann und Medienstaatssekretär Josef Ostermayer Alexander Wrabetz öffentlich. Doch Wrabetz leistete Widerstand, begann den geforderten Sparkurs. Und Faymanns Nachfolgewunsch, TV-Chefredakteur Karl Amon, wirkte nicht begeistert von dem Job.

Im Frühsommer schien sich Faymann mit Wrabetz abgefunden zu haben. Und auch Freitag hörte man aus dem Kanzleramt vom "guten Weg", auf dem sich der ORF-Chef befinde. Offener Angriff hat sich im ersten Anlauf nicht bewährt.

Szenarien um die Zukunft von Alexander Wrabetz kursieren derzeit zwischen Wiens City und dem Küniglberg, auf der Suche nach dem Sinn der SP-Faxen für eine womöglich nur kurze Mehrheit bis zum neuen ORF-Gesetz.

Keine Faxwahl im SP-Entwurf 

Bisherige Entwürfe des Kanzleramts für ein neues ORF-Gesetz strichen die Faxwahl. Aber im ersten Entwurf stand ja auch dezidiert, dass die Amtszeit des ORF-Generals mit seinem Inkrafttreten endet. Und von einer unabhängigen Medienbehörde war dort noch keine Rede.

Im Koalitionsprogramm von SPÖ und ÖVP steht: "Die Auswahl der Publikumsräte durch Faxwahl soll überdacht werden, gleichfalls die Möglichkeit der Nominierung von Publikumsräten durch die Bundesregierung." Durch die Bundesregierung, nicht mehr durch den Kanzler. Das Recht störte die VP in ihrem ORF-Gesetz 2001 noch nicht, als sie den Kanzler stellte.

Gegen die Faxwahl spricht aus ihrer Sicht, dass die SPÖ zweimal so durchschlagend mobilisierte. Diesmal könnten sich andere Fraktionen den Wahleinsatz gleich sparen: Nicht nur aus der ÖVP hört man nun von "Zurückhaltung" bei der Kandidatur. 191.000 Faxe von Gebührenzahlern langten 2005 ein. 100.000 kamen laut ORF aus Fax-Sammelaktionen - der SPÖ, auch des schwarzen Roten Kreuzes. Den ORF kostete die Wahl je 1,2 Millionen Euro. Das Geld könnte er auch für Programm brauchen.

Druckmittel für ORF-Poker 

Warum besteht die SPÖ auf die Faxwahl, wenn sie womöglich nur für Wochen eine absolute Mehrheit bringt? Sie geht offenbar davon aus, dass das nächste ORF-Gesetz nichts an den Gremien ändert. "Die ÖVP will den kleineren Aufsichtsrat nicht", bestätigt ein roter Verhandler indirekt. Stimmt nicht ganz: Die Volkspartei wollte ihn nicht zusätzlich zu Stiftungs- und Publikumsrat, die sie lieber zu einem kleineren Rundfunkrat vereinte. Mit mehr Gewicht der Bundesländer dort. Statt des Aufsichtsrats gilt nun ein Präsidium des Stiftungsrats als Kompromissvariante. Selbst wenn die Koalition noch an den Gremien schraubt: Eine rote Mehrheit dient als Druckmittel für Gespräche über das ORF-Gesetz.

Der Ö3-Chef ruft selbst zurück, warum Zeiler: eben ein "interessanter Gast", "die Woche in Wien". Montag spricht der ehemalige RTL-Mann Hans Mahr im Zigarrenklub, auch roter Generalsanwärter. Thema: "Überleben in der Krise? Überleben durch die Krise!" Vielleicht hat er noch Tipps für Wrabetz. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.11.2009)

AndreasK
00
8.11.2009, 13:05
Der ORF muss für die RTL-Fenster bezahlen?

Na das ist ja interessant. Was das dem ORF wieder kostet...

Nach über 10 Jahren heißt das vielleicht doch eher "Konkurrenz", nicht "Kosten"? ;-)

ohromat
04
7.11.2009, 16:50
faxwahl?

also ich bin für die fernschreiberwahl.
oder cb-funk wahl.
oder noch besser morsewahl.

Das Nichts
00
6.11.2009, 21:18
Egal welche Partei sich den ORF schnappt


ich geb mir den Küniglbergmüll sicher nicht mehr.

Die GIS-gebühr sehe ich mittlerweilen als meinen Beitrag zur Volksverblödung und damit ist mein Sodbrennen weg, denn auch ich habe meine Vorteile wenn die Masse uninformiert bleibt.

chez guevara
00
6.11.2009, 19:36
so gehts

ziemlich abgefaxt diese art dem nettozahlenden publikum mitbestimmungsmöglichkeit vorzugaukeln. erstens die gebührenzahler erstellen mehrheitlich die wahlliste. zweitens aus dieser werden dann die selbstverständlich ehrenamtlichen funktionärInnen gewählt.

besson
01
6.11.2009, 18:23

barbara stöckl, eher ein radiogesicht, verdankt ihren intensiven einsatz im orf dem sehr nahen einsatz bei zeiler. da soll bei der schwester kein platz beim frühstück sein? nicht immer sind verschwörungen an allem schuld.

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