Warum leisten wir uns einen Rechnungshof? derStandard.at hat beim ehemalige Präsidenten Franz Fiedler nachgefragt
Diesmal haben wir eine Frage vom User mehr wissen erhalten. Er fragt: Warum leisten wir uns einen Rechnungshof, wenn doch ohnehin alles, was er anprangert wirkungs- und ergebnislos bleibt?
derStandard.at hat bei Franz Fiedler, ehemaliger Präsident des Rechnungshofs, nachgefragt.
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"Das stimmt nicht", lautet seine knappe, aber klare Antwort. Von 1992 bis 2004 war Fiedler Präsident des Rechnungshofs. "Es bleibt nicht alles ergebnislos", sagt er. Manchmal aber dauere es eben entsprechend und man müsse mit längeren Zeitspannen rechnen. Fiedler weist zudem darauf hin, dass - gäbe es den Rechnungshof nicht - man überhaupt keine Kontrollinstanz hätte. Niemand würde kontrollieren, wie mit dem Steuergeld umgegangen wird.
"Kontrolllücken"
Fiedler sieht aber trotzdem Reformbedarf. Einige Kompetenzen sollten ausgeweitet werden, findet er. So ist er etwa der Meinung, dass es dem Rechnungshof möglich sein soll, alle Gemeinden zu prüfen. Derzeit ist das nur bei jenen Gemeinden der Fall, die mehr als 20.000 Einwohner haben. Kleinere Gemeinden dürfen nur dann kontrolliert werden, wenn es einen Auftrag der Landesregierung gibt. Diese Anträge würden aber meistens "zu spät" kommen. Hier gebe es eindeutig "Kontrolllücken", die es aufzufüllen gelte, so Fiedler.
Er erinnert beispielsweise an den Fall des Bürgermeisters von Pasching, der 2006 wegen Amtsmissbrauchs, schweren Betrugs und Untreue zu einer unbedingten Geldstrafe und einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Er wurde u.a. schuldig gesprochen, weil er das Geschäftsführergehalt der mehrheitlich im Eigentum der Gemeinde stehenden Straßenfinanzierungsgesellschaft kassiert hatte und zusätzlich den vollen Bezug eines hauptamtlichen Bürgermeisters.
Debakel um Skylink
"Auch schlecht" sei, dass der Rechnungshof Direktförderungen der EU an österreichische Personen oder Firmen nicht kontrollieren dürfe, sondern nur Förderungen an Gebietskörperschaften, so Fiedler weiter. Und er appelliert zudem, dass der Rechnungshof künftig auch jene Firmen prüfen können soll, an denen die öffentliche Hand zu 25 Prozent beteiligt ist. Derzeit sei das ab 50-prozentiger Beteiligung möglich. Wäre diese Regelung schon in Kraft, hätte es das Debakel um Skylink am Wiener Flughafen nicht gegeben, sagt er. (rwh, derStandard.at, 8.11.2009)