Eiertanz

Österreich, wie es singt und lacht

06. November 2009 18:00
  • Artikelbild
    Foto: apa/ jaeger

    ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini und Co-Trainer Manfred Zsak (li) haben entschieden: Kein Ivanschitz, kein Dag, kein Stranzl dafür Hoffer und Alaba.

  • Artikelbild
    fotos: apa/anspach/jäger

    Ivanschitz (26) halfen sechs Tore und sechs Vorlagen nichts, vielleicht legt er am Samstag zu, Mainz begrüßt Nürnberg. Constantini (54) lähmt die Diskussion, er bleibt seiner Linie treu. "Vielleicht liege ich falsch. Liege ich zu oft falsch, bin ich eh weg."

Der heimische Fußball wird immer spannender. Denn Dietmar Constantini verzichtet auch gegen Spanien auf Mainz-Legionär Andreas Ivanschitz. Der Teamchef konnte seine Entscheidung nicht schlüssig begründen.

Wien - "Das Leben ist eben ungerecht" , sagte Teamchef Dietmar Constantini am Freitag in Wien. Dieser Satz gehört prinzipiell auf eine Verbotsliste gesetzt, freilich stimmt er in all seiner Schlichtheit. An Erklärungen sind vor Constantini schon Philosophen, Kardinäle und Päpste gescheitert. Da hat der Fußball auch keine Chance. "Das Leben ist eben ungerecht."

Der Teamchef hätte der Einfachheit halber sagen können: "Das Leben ist gerecht." Das ist ihm nicht eingefallen, sonst hätte er Andreas Ivanschitz in den Kader fürs Länderspiel am 18. November in Wien gegen Europameister Spanien berufen müssen. Constantini hat nicht, zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass er schon vor Wochen eine Rückkehr des Mainz-Legionärs in diesem Jahr ausgeschlossen hatte. "Mit Sturheit hat das nichts zu tun, im Frühjahr schauen wir weiter" , sagte er damals. Und wiederholte es jetzt.

Der Teamchef ließ perplexe Menschen zurück, antwortete auf die Frage, ob das Leistungsprinzip abgeschafft wurde, nicht einmal ausweichend. "Die Diskussion ist hin und wieder lähmend. Aber das ist Teil des Geschäfts. Es ist halt so, dass sich die Öffentlichkeit auf einen draufhaut, wenn er gut spielt. Ich muss nicht jede Entscheidung rechtfertigen." Was der arme Ivanschitz noch alles tun muss, um zurückkehren zu dürfen (er will es), bleibt Constantinis Geheimnis. Mainz zur Meisterschaft schießen? Mit Mainz die Champions League gewinnen? Oder sollen ihn die Bayern abwerben - sie könnten ja im Gegenzug Ribery, Robben, Toni und Klose in die lustigste Stadt Deutschlands schicken? Viele Fragen, kaum Antworten. Ein Hoch auf den Eiertanz.

Eine der ersten Maßnahmen war die Absetzung von Ivanschitz als Kapitän, Constantini wollte ihn aus der Schusslinie nehmen, das war bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Dann fehlte die Kraft für 90 Minuten, zudem sei die Position im System nicht vorgesehen. Und so gut sei die deutsche Liga auch wieder nicht. Während einer Aussprache in Mainz ist man sich nähergekommen, das Comeback schien fix. Ivanschitz wollte dann laut Constantini eine Stammplatzgarantie, Ivanschitz hat versichert, diese nie verlangt zu haben. Ein Missverständnis?

"Kein Verbrecher"

Und nun sagte Constantini: "Er ist jetzt auf einem Level, wo er 90 Minuten Vollgas gibt, Tore schießt und auflegt. Er ist einer der besten Fußballer Österreichs." Ratlosigkeit. "Das Leben ist eben ungerecht." Aber vielleicht meint es Constantini nur gut: "Es wäre am einfachsten, ihn jetzt zurückzuholen. Verlieren wir gegen Spanien, könnte man sagen, wir haben mit Ivanschitz verloren." Die Bundesliga-Trainer wollten die Entscheidung nicht kommentieren (Tenor: "Geht uns nichts an." ), Kärntens Frenkie Schinkels fiel aus der Reihe. "Normal kann man über Ivanschitz nicht mehr hinwegsehen, er ist ja kein Verbrecher."

Da das Leben eben ungerecht ist, wurde Erwin Hoffer, der in Neapel immerhin Platz auf der Tribüne hat, nominiert. Constantini: "Auch aus Dankbarkeit. Er ist mitverantwortlich, dass das Team in der Öffentlichkeit wieder Kredit hat. Aber natürlich hat die Dankbarkeit irgendwann ein Ende." Dass er auf die Jugend setzt, verteidigte der Teamchef. Mit Rapids Peter Pacult, der gemeint hat, es genüge schon, zweimal mit dem Hintern zu wackeln, um einberufen zu werden, habe er sich ausgesprochen: "Ich frage alle Trainer, ob sie den oder den für reif genug halten. Es haben immer alle zugestimmt, ich verstehe die Diskussion nicht."

Das Leben ist eben ungerecht. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 6.11. 2009)

Der 23-Mann-Kader des österreichischen Fußball-Nationalteams für das Länderspiel am 18. November (20:45 Uhr) in Wien gegen Europameister Spanien:

Tor: Robert Almer (Austria Wien/0 Länderspiele), Christian Gratzei (Sturm Graz/1 Länderspiele/1 Gegentor), Helge Payer (Rapid/20/24)

Abwehr: Aleksandar Dragovic (Austria Wien/6/0 Tore), Christian Fuchs (VfL Bochum/28/0), György Garics (Atalanta Bergamo/22/1), Manuel Ortlechner (Austria Wien/5/0), Jürgen Patocka (Rapid/4/0), Paul Scharner (Wigan Athletic/28/0), Franz Schiemer (RB Salzburg/11/1)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München Amateure/1/0), Julian Baumgartlinger (Austria Wien/3/0), Daniel Beichler (Sturm Graz/4/0), Christopher Drazan (Rapid/1/0), Andreas Hölzl (Sturm Graz/8/2), Jakob Jantscher (Sturm Graz/5/0), Zlatko Junuzovic (Austria/4/0), Veli Kavlak (Rapid/6/0), Yasin Pehlivan (Rapid/7/0)

Angriff: Erwin Hoffer (SSC Napoli/15/2), Marc Janko (RB Salzburg/13/7), Stefan Maierhofer (Wolverhampton/10/1), Roman Wallner (LASK/26/6)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 917
Mortimer
12.11.2009 20:46
Dietmar, das Team ist kein EGO-Trip!

K R
13.11.2009 00:18
JEDER erfolg ist ein egotrip

Alibaba2009
11.11.2009 16:46
Ist doch eh egal. Die minderwertigen Mannschaftsleistungen hebt auch kein Ivanschitz.

derjournalist
10.11.2009 12:12
Wenn sich alles umdreht

Eigentlich müsste ich ja mitleid haben mit dem andreas - hab ich aber irgendwie nicht. Eigentlich müsste der andreas spielen würde ich sagen. Sag ich aber nicht. Denn vor ein paar jahren hätten der pogatetz und der scharner auch spielen müssen. haben sie aber nicht. und eigentlich dürfte der philipp lahm jetzt auch keine strafe bekommen. bekommt er aber. pogatetz hat bei uns damals auch das fehlende system, die fehlende philosophie, die fehlende professionalität im team beklagt. ivanschitz stellte sich damals klar gegen pogatetz. und heute fällt ihm die fehlende professionalität, die pogatetz und scharner ja damals ansprachen, auf den kopf.

freeye
11.11.2009 10:48
in erster linie hat er sich gegen

scharner ausgesprochen (und das zurecht)

florione peppone
10.11.2009 23:23

ihr rhetorischer "stil" wird nur vom jenseitigkeitsnahen inhalt unterboten - könnte ich jetzt sagen. und - huch, hab ichs auch schon gesagt.

Robart
 
10.11.2009 13:36

was labern sie denn da?

eine fauxpas wie scharner (jetzt kapitän) hat sich ivanschitz nie erlaubt!!

das einzige was er falsch macht ist anscheinend zu gut zu spielen!!

was constantini betrifft bin ich mir mittlerweile sicher, das er KEIN grader michl ist.

derjournalist
10.11.2009 14:13

Labern ist das was Sie tun mein Herr.

derjournalist
10.11.2009 12:04
Lasst uns diskutieren

Stellen wir einmal das ganze Kasperltheater hinten an. Vergessen wir Ivanschitz, Alaba, Hoffer und Patocka. Wenn das österreichische Team eine Philosophie hätte, ein System, eine taktische Ausrichtung, dann würden sich die Fragen nicht stellen. Dann wäre es nicht erheblich ob ein Ivanschitz einberufen wird. Dann würde das Werkl rennen. Da es das nicht gibt. Ja, bitte, lasst uns diskutieren!

Helmut Mayer
09.11.2009 15:46
Ich hielt...

...Constantini eigentlich immer fuer ganz OK, als ich ihn allerdings vor ein paar Wochen im Interview mit Gerhard Dorfer sah, war ich doch ueberrascht von den vielen, recht einfaeltigen Antworten...und auch in der Causa AI ist es eigentlich erstaunlich, dass ein erfahrener Trainer solche Anfaengerfehler macht.
Letztlich geht es gar nicht um AI, sondern um die Glaubwuerdigkeit von C. Die ist schon dahin, denn was soll sich ein Spieler denken, wenn AI nicht einberufen wird, ein Alaba/Hoffer/Patocka aber schon?

The Duh
09.11.2009 15:23
naja...

..alles halb so wild.

wobei patocka, ortlechner und (seit seinem Transfer) Hoffer verstehe ich halt einfach nicht - hab ich aber auch vor dem Spanien Spiel nicht. Mir fehlt wohl der professionelle Trainerweitblick, um den scheinbar unabkömmlichen Wert dieser Spieler im Team zu erkennen.

El Rick
09.11.2009 14:35
"Verlieren wir gegen Spanien..."

Also, ich bin davon überzeugt, dass wir verlieren. Die Frage ist nur wie hoch. Da wird der Ivanschitz nicht die große Rolle spielen.

Wäre aber interessant gewesen, ihn mal in einem Testspiel mit den jungen Wilden aufzustellen. Aber nein, bloß nicht solche Gelegenheiten nutzen.

Aber der Didi denkt sich wohl, dass es eh nur noch ein Spiel ist und dann hat er Ruhe bis ins Frühjahr...

Atterl
 
09.11.2009 11:54

Und die Tro... posten weiter....

Stimmt eh, wegen seiner bisherigen großen Leistungen musst den schitz sowieso sofort einberufen.

Wer wenn nicht er wird durch Europe pflügen, wie früher schon!

spoiled ballot
09.11.2009 15:01
dann hör halt auf damit

Gabriel 's Horn
08.11.2009 18:59
Als Ernst Happel starb....

und Dietmar Constantini das Team übernommen hat - da war ich ein glühender Befürworter ihn als Teamchef zu besetzen.

Heute stehe ich anders dazu. Jemand der aus purer Sturheit auf einen Andreas Invanschitz in der Form seines Lebens verzichtet verdient diesen Titel nicht.

Selbst die von uns so unbeliebten Deutschen lachen bereits über soviel Sturheit.

Ich bekräftige neuerlich.

Andreas vergiß das Team - welches weder bei der nächsten EM noch WM die Endrunde erreichen wird - konzentrier DICH auf deine Karriere.

Ich garantiere, der nächste Teamtrainer - und das wird nicht mehr lange dauern wird dich wieder einberufen.

Robart
 
09.11.2009 12:56

bis zur bekräftigung stimme ich zu!

nur aufs nationalteam verzichten soll er um himmels willen nicht!

bob dylan
08.11.2009 14:49
aus Dankbarkeit setzt er Hoffer ein?

Weil er in der Vergangenheit so viel für´s Team geleistet hat.
Wenn das ein Kriterium ist, kann er auch Krankl und Prohaska anberufen, die haben auch einiges geleistet.

thailandpeter2
08.11.2009 19:08
dankbarkeit

...und der wallner muesste im sturm auch gesetzt sein - der hat naemlich im team auch schon 6 tore geschossen!

Sergey Y. 26
08.11.2009 14:07

Wie kann der Ortlechner besser sein als Dag?

tom büchse
08.11.2009 20:11

gar net - er is halt a haberer vom didi

Shevchenko
08.11.2009 13:19
Der Blick des Träners

Schaut man sich das Bild links an, könnte man glauben, der Träner leidet. Hat er ein, zwei oder mehrere Probleme, so muss er sie lösen. Dass AI wohl gegen Spanien das Match nicht alleine biegen kann, dass wissen wir auch, Herr Constantini. Ihre Vorstellungen sollten sie AI schon persönlich mitteilen. Bankdrücker wie Hoffer und Maierhofer gegen Spanien zu bringen ist mutig. Chapeau, Herr Constantini. Aber AI und Dag (spielt bei Besiktas immerhin beim TR-Meister und Pokalsieger) sind keine Verstärkung. Fußball-Großmacht Österreich kann aus Vollen schöpfen - hama scho lang nimma gehabt. Sorgenfalten Constantinis: mit Argument der Unfitness von AI vor drei Wochen noch, hat er sich seine Parallewelt gschnitzt, die ihm nun Sorgen macht.

freudenstein
08.11.2009 09:51
Da bin ich ja richtig froh,...

dass der AI gestern wieder mal seine Normalform ausgespielt hat. Nur weiter so Andi, dann bleibt mir dein Gemurkse wenigstens in Nationalteam erspart.

Robart
 
09.11.2009 12:57

AI war immer der einäugige unter den blinden

der Kanzler ist eines + sein Vize schaut so aus
 
08.11.2009 04:24
Stranzl hat gestern wieder seine Torgefährlichkeit bewiesen.

Pruhahahahaha.

Die Stimme des Marktes
08.11.2009 01:36
Aber dafür...

...Patocka, Ortlechner und Schiemer als RV. Der Constantini spinnt. Aber wahrscheinlich ist es die überlegene Kompetenz seines Co, der seine internationale Karriere mit einem Gastspiel beim FC Vaduz gekrönt hat... *kopfschüttel*
Da reden wir nicht einmal von Kreisklasse...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 917

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.