Der heimische Fußball wird immer spannender. Denn Dietmar Constantini verzichtet auch gegen Spanien auf Mainz-Legionär Andreas Ivanschitz. Der Teamchef konnte seine Entscheidung nicht schlüssig begründen.
Wien - "Das Leben ist eben ungerecht" , sagte Teamchef Dietmar Constantini am Freitag in Wien. Dieser Satz gehört prinzipiell auf eine Verbotsliste gesetzt, freilich stimmt er in all seiner Schlichtheit. An Erklärungen sind vor Constantini schon Philosophen, Kardinäle und Päpste gescheitert. Da hat der Fußball auch keine Chance. "Das Leben ist eben ungerecht."
Der Teamchef hätte der Einfachheit halber sagen können: "Das Leben ist gerecht." Das ist ihm nicht eingefallen, sonst hätte er Andreas Ivanschitz in den Kader fürs Länderspiel am 18. November in Wien gegen Europameister Spanien berufen müssen. Constantini hat nicht, zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass er schon vor Wochen eine Rückkehr des Mainz-Legionärs in diesem Jahr ausgeschlossen hatte. "Mit Sturheit hat das nichts zu tun, im Frühjahr schauen wir weiter" , sagte er damals. Und wiederholte es jetzt.
Der Teamchef ließ perplexe Menschen zurück, antwortete auf die Frage, ob das Leistungsprinzip abgeschafft wurde, nicht einmal ausweichend. "Die Diskussion ist hin und wieder lähmend. Aber das ist Teil des Geschäfts. Es ist halt so, dass sich die Öffentlichkeit auf einen draufhaut, wenn er gut spielt. Ich muss nicht jede Entscheidung rechtfertigen." Was der arme Ivanschitz noch alles tun muss, um zurückkehren zu dürfen (er will es), bleibt Constantinis Geheimnis. Mainz zur Meisterschaft schießen? Mit Mainz die Champions League gewinnen? Oder sollen ihn die Bayern abwerben - sie könnten ja im Gegenzug Ribery, Robben, Toni und Klose in die lustigste Stadt Deutschlands schicken? Viele Fragen, kaum Antworten. Ein Hoch auf den Eiertanz.
Eine der ersten Maßnahmen war die Absetzung von Ivanschitz als Kapitän, Constantini wollte ihn aus der Schusslinie nehmen, das war bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Dann fehlte die Kraft für 90 Minuten, zudem sei die Position im System nicht vorgesehen. Und so gut sei die deutsche Liga auch wieder nicht. Während einer Aussprache in Mainz ist man sich nähergekommen, das Comeback schien fix. Ivanschitz wollte dann laut Constantini eine Stammplatzgarantie, Ivanschitz hat versichert, diese nie verlangt zu haben. Ein Missverständnis?
"Kein Verbrecher"
Und nun sagte Constantini: "Er ist jetzt auf einem Level, wo er 90 Minuten Vollgas gibt, Tore schießt und auflegt. Er ist einer der besten Fußballer Österreichs." Ratlosigkeit. "Das Leben ist eben ungerecht." Aber vielleicht meint es Constantini nur gut: "Es wäre am einfachsten, ihn jetzt zurückzuholen. Verlieren wir gegen Spanien, könnte man sagen, wir haben mit Ivanschitz verloren." Die Bundesliga-Trainer wollten die Entscheidung nicht kommentieren (Tenor: "Geht uns nichts an." ), Kärntens Frenkie Schinkels fiel aus der Reihe. "Normal kann man über Ivanschitz nicht mehr hinwegsehen, er ist ja kein Verbrecher."
Da das Leben eben ungerecht ist, wurde Erwin Hoffer, der in Neapel immerhin Platz auf der Tribüne hat, nominiert. Constantini: "Auch aus Dankbarkeit. Er ist mitverantwortlich, dass das Team in der Öffentlichkeit wieder Kredit hat. Aber natürlich hat die Dankbarkeit irgendwann ein Ende." Dass er auf die Jugend setzt, verteidigte der Teamchef. Mit Rapids Peter Pacult, der gemeint hat, es genüge schon, zweimal mit dem Hintern zu wackeln, um einberufen zu werden, habe er sich ausgesprochen: "Ich frage alle Trainer, ob sie den oder den für reif genug halten. Es haben immer alle zugestimmt, ich verstehe die Diskussion nicht."
Das Leben ist eben ungerecht. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 6.11. 2009)
Der 23-Mann-Kader des österreichischen Fußball-Nationalteams für das Länderspiel am 18. November (20:45 Uhr) in Wien gegen Europameister Spanien:
Tor: Robert Almer (Austria Wien/0 Länderspiele), Christian Gratzei (Sturm Graz/1 Länderspiele/1 Gegentor), Helge Payer (Rapid/20/24)
Abwehr: Aleksandar Dragovic (Austria Wien/6/0 Tore), Christian Fuchs (VfL Bochum/28/0), György Garics (Atalanta Bergamo/22/1), Manuel Ortlechner (Austria Wien/5/0), Jürgen Patocka (Rapid/4/0), Paul Scharner (Wigan Athletic/28/0), Franz Schiemer (RB Salzburg/11/1)
Mittelfeld: David Alaba (Bayern München Amateure/1/0), Julian Baumgartlinger (Austria Wien/3/0), Daniel Beichler (Sturm Graz/4/0), Christopher Drazan (Rapid/1/0), Andreas Hölzl (Sturm Graz/8/2), Jakob Jantscher (Sturm Graz/5/0), Zlatko Junuzovic (Austria/4/0), Veli Kavlak (Rapid/6/0), Yasin Pehlivan (Rapid/7/0)
Angriff: Erwin Hoffer (SSC Napoli/15/2), Marc Janko (RB Salzburg/13/7), Stefan Maierhofer (Wolverhampton/10/1), Roman Wallner (LASK/26/6)