Dive Bars in L. A.: Einer geht noch

8. November 2009, 16:47

Berühmt wurden die Dive Bars und ihre Gäste durch die Hollywood-Verfilmung von "Bar Fly" mit Mickey Rourke. Eine Übersicht des Genres in L. A.

Tattle Tale Room
Regelmäßige Dive-Bar-Besucher wissen um die entsprechenden Verhaltensregeln. Zunächst liegt der Schlüssel darin, das Richtige zu bestellen: nämlich Bier oder Hochprozentiges. Wer einen Cocktail ordert, hat schon verloren. "Bourbon ist immer eine gute Wahl, und mit Jim Beam und Wild Turkey bekommt man richtig viel Whisky für sein Geld", sagt Steve, der Bartender der Tattle Tale Room Bar. Sie existiert seit über 40 Jahren und ist bereits ein Landmark in der lokalen Geschichte, auch wenn an diesem Platz im Jahr 1897 nichts passierte, wie eine Tafel an der Hauswand neben der Tür zum Eingang der Bar lakonisch feststellt.

5401 Sepulveda Blvd, Culver City (keine Website)

Dive Bars
Neonschilder und nackte Glühbirnen statt Kristallluster und indirektem Ambience-Licht, Barhocker aus Holz statt gepolsterter Loungechairs, Flaschenbier und billiger, hochprozentiger Alkohol statt einer Selektion feiner Weine und raffinierter Cocktails. So könnte man das Konzept einer Dive Bar - das englische Wort für Kneipe, Spelunke - beschreiben. So unattraktiv dies klingen mag, Dive Bars sind eine Philosophie, unverfälschte und hochgeschätzte Institutionen mit einer entspannten Ausstrahlung.

Das größte Mekka für Dive Bars ist Los Angeles, und das nicht nur, weil Charles Bukowski hier gelebt und den Stoff für seine Geschichten in den zahlreichen Bars der Stadt gesammelt hat. L. A. zeichnet sich durch seine "Neighbourhoods" aus, aktuell rund 113 laut einer Umfrage der New York Times. Jede dieser Nachbarschaften hat ihre Infrastruktur, und dazu gehören eben auch die Dive Bars. In Zeiten der Rückbesinnung auf traditionelle Werte tragen neuerdings eine Reihe von Fan-Communities zur Huldigung dieser Plätze bei. So etwa die "World Dive Bar Tour", die per Internet alle zwei Wochen zum Mittwoch-Treff in einer ausgewählten Bar aufruft.

www.worlddivebartour.com

Hinano Café
Gleich neben Santa Monica liegt Venice Beach, einst ein Hippie-Mekka, nun bevölkert von wohlhabenden Yuppies und Kreativen. Hier liegt das Hinano Café, eine klassische Dive Bar. Das übliche Ambiente und ein bisschen mehr - Pool Tables, ein langer Holztresen als Bar, eine Jukebox, jede Menge Sägespäne auf dem Boden, gratis Popcorn aus einem Automaten, die besten Burger der Stadt und die Erinnerung an Jim Morrison, der hier Stammgast gewesen sein soll. Die Legenden um ihn sind zahlreich: von der angeblichen Wohnung in Venice Beach, die es nachweislich nie gegeben hat, bis hin zu seinen Auftritten im Hinano Café, wo er auf der Bar tanzend an die Wand gepinkelt haben soll. Zum Bedauern der Fans ist die Wand renoviert worden.

15 Washington Blvd, Venice (keine Website)

Chez Jay's
Was wäre Los Angeles ohne Hollywood und seine Celebrities, für die freilich auch die Dive Bars der Stadt Anlaufstationen sind. Eine davon ist Chez Jay's in Santa Monica. Modelle von Booten, Fischernetze und Muscheln, kitschig arrangiert mit Lichterketten, bilden das für eine Dive Bar eher ungewöhnliche Ambiente. Henry Kissinger, Marlon Brando und George Clooney waren schon da. Ihren Platz in der US-Geschichte verdiente sich die Bar allerdings 1971, als Daniel Ellsberg, ein Pentagon-Mitarbeiter, angeblich hier streng geheime Regierungsdokumente an einen New York Times-Journalisten übergab. Diese Papiere wurden später als "Pentagon Papers" bekannt. Ein anderer Stammgast soll Frank Sinatra gewesen sein, an den heute noch ein Plakat erinnert.

1657 Ocean Ave., Santa Monica, www.chezjays.com

Del's Saloon
Wesentlicher Bestandteil einer Dive Bar ist ein Pool Table, und im besten Fall nicht nur einer, sondern mehrere, sowie andere Spielangebote. Del's Saloon in West L. A. ist beliebt als Sports-Bar, mit zwei Pool-Tables, zwei Dart-Boards sowie sieben TV-Screens mit Live-Sportübertragungen. Bei größeren Sportevents lässt der Barkeeper Pizza für alle bringen, und das ist schon etwas Besonderes, denn eine Dive Bar bietet üblicherweise kein Essen an. Jeden Mittwoch und Samstag gibt es Karaoke. Das Bier wird in Gläsern mit der Aufschrift "Stolen from Del's Saloon" serviert, alle anderen Drinks in Plastikbechern. Und die Happy Hour ist hier von sechs bis elf Uhr früh - nicht abends wie sonst auf der Welt.

12238 Santa Monica Blvd, www.delssaloon.com

(Doris Rothauer/DER STANDARD/Rondo/6.11.2009)

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