Gesundheitsrisiko: Duftbäumchen im Auto

07. November 2009 09:17

Aromastoffe in Duftbäumen multiplizieren das Risiko des Rauchers an Krebs zu erkranken

Regensburg - Er baumelt brav am Rückspiegel und versprüht sein Vanille- Kokos- oder Tannenaroma: der Duftbaum. Doch hängt er im Auto eines Rauchers, wird er zum wahren „Krebs-Turbo". Laut einer Aussendung von obx-medizindirekt multiplizieren Duftbäume das Risiko von Rauchern, an Krebs zu erkranken.

Es sind Duftkerzen und Duftbäume, die Michael P. Jaumann, Vorsitzender des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte, anklagt. Für ihn ist das „Chemie-Schrott". Sein Ärger über die kleinen Accessoires, die Autofahren und Wohnen behaglich machen sollen, ist medizinisch begründet: „Was diese Produkte ausgasen, ist besonders für Raucher fatal. Denn für diese Personengruppe wird das Krebsrisiko nicht nur erhöht, sondern geradezu multipliziert." Es sind nicht nur die Bäumchen, die zum „Krebs-Turbo" werden. Auch neue Teppichböden oder der Computer und der Laser-Drucker verströmen Gase und Partikel, die das Krebsrisiko in einem Raucherhaushalt erhöhen.

Seit den 60er Jahren hat sich die Sterblichkeit bei Männern, die an Krebs in Mundhöhle und Rachen erkrankt sind, vervierfacht. Die Sterblichkeit bei Kehlkopfkrebs hat sich beinahe verdreifacht - und das, obwohl immer weniger Menschen rauchen. Jaumann: „Wir sind den USA diesbezüglich zwar zehn Jahre hinterher. Dennoch sehen wir bei der Zahl der männlichen Raucher einen deutlichen Abwärtstrend - bei Frauen leider noch nicht. Dass die Todesrate bei Krebs trotzdem so gestiegen ist, lässt sich durch die lange Latenz und zusätzliche Umwelteinflüsse erklären." Insgesamt ist die Häufigkeit der Tumore in Mund, Rachen und Kehlkopf in den letzten zwanzig Jahren auf das Dreifache angestiegen. 12.400 Menschen erkranken daran jährlich in Deutschland.

Alkohol und Rauchen vor Umwelteinflüssen

Trotz erfolgreicher neuer Konzepte wie Laser-Chirurgie und interdisziplinärer Behandlungsstrategien, also Operationen, radio- und chemotherapeutische Interventionen, konnte die Gesamt-Überlebensrate bei Tumoren von Kopf oder Hals seit 1973 nur um 1,7 Prozent auf 52,3 Prozent gesteigert werden. Bei frühzeitiger Erkennung liegt die Überlebensrate bei 85 Prozent.

Vor den Umwelteinflüssen kommen die bekannten Risikofaktoren wie Alkohol - drei Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholsüchtig - und das Rauchen: In jeder Zigarette stecken 4.000  zum Teil extrem gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. Wie diese Risiko-Faktoren auszuschalten sind, liegt auf der Hand: Abstinenz. Doch wie kann man sich vor Umwelteinflüssen schützen? Jaumann: „Man muss seinen eigenen Blick schärfen: Wie kann ich meine direkte Umwelt, meine Wohnung, meinen Arbeitsplatz, gesünder gestalten? Man sollte alles vermeiden, was künstliche Aromen ausströmt. Dazu gehören zum Beispiel Duftkerzen und Duftbäume. Aber auch aus neuen Möbeln oder Teppichen strömen ungesunde Gase, ebenso aus Computern und Laserdruckern. Diese kann man natürlich nicht einfach abschaffen. Trotzdem gibt es einen einfachen Trick, wie man die Belastung deutlich vermindern kann: Einfach häufiger lüften. Darüber hinaus sollte man alles reduzieren, was Feinstaub erzeugt. In einem Raucherhaushalt ist der Feinstaubgehalt der Atemluft deutlich höher. Wie auf einer verkehrsreichen Straßenkreuzung." (red)

Sunflare
09.11.2009 10:31

Was mir ein bisschen abgeht, ist die Erklärung, WARUM diese Multiplikation des Krebsrisiko entsteht...

fuchstritt
08.11.2009 10:33

dem der sich so ein stinkeding ins auto hängt dem ist eh nicht mehr zu helfen. allein wenn i an den geruch denk wird mir übel.da lieber noch alter tschickgestank, aber ehrlich *schüttel*

alexanderletten
 
07.11.2009 13:42

Bleibt nur die Frage, warum sich der Raucher seinen teuer (im doppelten Sinne) bezahlten "Duft" mit chemischen Blödsinn verunstaltet?

maxbz
08.11.2009 10:08

Selbst Raucher mögen nur frischen Duft und nicht das, was in den Polstern hängt.

alexanderletten
 
08.11.2009 12:08

Warum raucht er dann im Auto, wenn er frischen Duft "mag"?
Wahrscheinlich aus dem selben Grund, wie er den Tabakrauchgeruch "mag", diesen aber zum FE rauslässt, weil er keine Luft mehr bekommt.

anlumo
08.11.2009 04:26

Für mich bleibt die Frage, warum der Raucher seine teuer (=mit dem Leben) erstandene Lunge mit Zigaretten verunstaltet.

alexanderletten
 
08.11.2009 11:44

Das ist im Gegensatz zum deklarierten "Genuß" des Tabakrauches ziemlich simpel zu beantworten.Wenn über 80% der Raucher vor dem 20 Lebensjahr beginnen zu rauchen, ist die Motivation dazu, gruppendynamisch gesehen Coolness sowie die Bereitschaft, Erwachsen werden zu wollen bzw. es zu sein, zu zeigen. Den Rest erledigt die Sucht.

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