Überwachung 2.0

Ab 2010 werden alle Telefon- und Internet-Verbindungen gespeichert

6. November 2009, 07:32

Österreich gibt Widerstand auf und führt Vorratsdatenspeicherung ein

Die Regierung unternimmt einen neuen Anlauf zur Umsetzung der EU-weit vorgeschriebenen "Vorratsdatenspeicherung" von Telefon- und Internet-Verbindungen. Ab 2010 sollen damit auch in Österreich Verbindungsdaten automatisch gespeichert werden. Weil eine entsprechende Richtlinie aus dem Jahr 2006 noch nicht umgesetzt wurde, hatte die EU-Kommission Österreich beim Europäischen Gerichtshof verklagt.

"Mindestumsetzung"

Die zuständige Infrastrukturministerin Bures hat nun beim Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte einen Gesetzesentwurf in Auftrag gegeben, der eine möglichst zurückhaltende "Mindestumsetzung" der umstrittenen Überwachungsmaßnahme bringen soll. Das betrifft etwa Angaben darüber, von wo aus, wie lange und mit wem der Besitzer eines Handys telefoniert, welche Internet-Seiten die Kunden besuchen und an welche Adressen sie Emails schreiben. Nicht gespeichert werden die Inhalte von Telefongesprächen, SMS und Emails.

Löschung der Daten nach sechs Monaten

Der Gesetzesentwurf sieht die Löschung der Daten schon nach sechs Monaten vor (laut Richtlinie kann diese Frist zwischen sechs und 24 Monaten betragen). Der Zugriff soll den Behörden außerdem nur bei Verdacht einer schweren Straftat und auch dann nur mit richterlichem Befehl möglich sein, berichten mehrere Tageszeitungen in ihren Freitag-Ausgaben. Ausnahme: Zur Abwehr eines angekündigten Verbrechens oder zur Lebensrettung (z.B. "Handypeilung" nach Lawinenabgang) ist ein Zugriff auch ohne richterlichen Befehl möglich.

Diskussion

Der Entwurf soll bis 24. November in Begutachtung gehen. Die Löschung der Daten nach nur sechs Monaten sei mit der ÖVP akkordiert, in Details gebe es aber noch Diskussionsbedarf, hieß es im Infrastrukturministerium. Das Innenministerium hatte sich in der Vergangenheit stets für längere Fristen stark gemacht, hat nun in diesem Punkt aber eingelenkt, wie ein Sprecher von Innenministerin Maria Fekter bestätigte. Bei einigen Punkten gebe es aber noch Gesprächsbedarf.

Ein großer Brocken zwischen SPÖ und ÖVP ausgeräumt

Das Innenministerium sei zu dem Schluss gekommen, dass eine Frist von sechs Monaten für die Speicherung der Daten von Telefon- und Internetverbindungen ausreiche, erklärte Fekters Sprecher. Damit wurde ein großer Brocken zwischen SPÖ und ÖVP ausgeräumt, der dazu beigetragen hatte, dass Österreich die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung aus dem Jahr 2006 bisher nicht umgesetzt hat und dafür auch von der EU-Kommission verklagt worden war.

Innenministerium als Hardliner

Allerdings enthalte der Gesetzesentwurf der Infrastrukturministerin auch Punkte, "wo es noch Gesprächsbedarf gibt", so der Sprecher. Offen sei etwa noch, welche Delikte unter "schwere Straftaten" fallen - der Zugriff der Behörden auf die Daten soll nämlich nur bei Verdacht einer schweren Straftat und bis auf wenige Ausnahmen auch dann nur mit richterlichem Befehl möglich sein.

Unklar sei aber beispielsweise, ob auch Betrugsfälle im Internet unter diese Definition fallen. Das Innenministerium trete jedenfalls dafür ein, dass die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden hier nicht eingeschränkt werden, so der Sprecher. Man sei aber zuversichtlich, eine entsprechende Einigung mit dem Regierungspartner erzielen zu können.

Kritik von den Grünen, BZÖ und der FPÖ

Die FPÖ und die Grünen haben sich abermals gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen. Auch die nun von der SPÖ vorgeschlagene "Minimalvariante" sei abzulehnen, erklärte der freiheitliche Technologie- und Konsumentensprecher Gerhard Deimek in einer Aussendung. Der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz begrüßte zwar, dass Infrastrukturministerin Doris Bures Fachleute zur Erarbeitung des Gesetzesentwurfs hinzugezogen hat, äußerte aber grundsätzliche Bedenken.  

Für Deimek ist die Überwachung des Systems Vorratsdatenspeicherung nicht gewährleistet, weiters sei die "totale Kontrolle der Menschen durch staatliche Organisationen nicht wünschenswert". Die entstehenden Kosten müssten außerdem letztendlich von den Kunden der Telefon- und Internetprovider bezahlt werden, kritisierte der Abgeordnete.

SPÖ darf sich von der ÖVP nicht "über den Tisch ziehen" lassen

Die systematische Speicherung von Anrufdaten und IP-Adressen der Bevölkerung sei mit der Privatsphäre und dem Schutz vor unberechtigter Verfolgung nicht zu vereinbaren, meinte Pilz in einer Aussendung. Die Regierung müsse sich um die Wahrung der Menschenrechte "zumindest bemühen", die SPÖ dürfe sich dabei von der ÖVP nicht "über den Tisch ziehen" lassen.

BZÖ-Justizsprecher Stadler sprach von einem "Anschlag auf die Freiheits- und Bürgerrechte". (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1100
Jimmy Moon, angehender Pastor.
00
30.11.2009, 00:35

die eu is viel zu früh dran. 2014 wär für diesen akt viel passender gewesen. nur 30 jahre nachdem orwells fiktiver alptraum stattfand, wird er wirklichkeit...

teleschirme in jeden haushalt!

Lichtfreak
02
20.11.2009, 19:12
wer kennt die lästigen Fragen bei einer spontanen Ausweiskontrolle?

Der kann erahnen, was für Fragen kommen können, wenn man, warum auch immer, in den Fokus dieser Überwachungsfaschisten kommt...

Lichtfreak
03
20.11.2009, 18:39
Die EU scheint der DDR beigetreten zu sein

und wir dürfen es nicht wissen...

Welcome Stasi


Doch was ist dort passiert?

Hinweis: "Wir sind das Volk"

Lichtfreak
00
20.11.2009, 18:35
In ein paar Jahren:

Fahnder zum Kollegen:

Du, die heisse Tochter vom Wirt hat ihrem Freund den Laufpass gegeben, die bagger ich jetzt an.
Kannst mir mal rausfinden, was die so gerne hat?

1 Woche später:
Die Kuh hat mich kalt abblitzen lassen, der Kuh lad ich jetzt aber was hoch....

//\\//\\(())(())TT
 
11
12.11.2009, 11:06
Matt Canalegrande
07
11.11.2009, 04:40
wie organisiert man eine Demo

ich bin sofort dabei. DAS DARF NICHT UMGESETZT WERDEN. DAS IST ILLEGAL!!!

iohui
03
10.11.2009, 03:52
fortsetzung: bures, bandion-ortner und fekter hätten die chance sich doch noch zu unserer verfassung, dem rechtsstaat (unschuldsvermutung!) und den menschenrechten zu bekennen, indem sie dieses gesetz gegenüber der eu als menschenunwürdig verweigern.


andernfalls wird es klagen hageln.

sollen wir jeder einzeln klagen oder eine sammelklage beim europäischen gerichtshof für menschenrechte einbringen?

oder gibt es vielleicht in diesem verdam§mten land oder in dieser verdam§mten eu irgendeine stelle, die
von amts wegen verpflichtet oder wenigstens zuständig ist,
die bürger vor dem verfassungsbruch einiger minister sowie vor dem verstoß gegen die europäische menschenrechtskonvention durch die eu (als herausgeber dieser richtlinie) zu schützen? diesen rechtsbruch verhindern oder abschaffen?
gibt es in der gesamten eu keine einzige juristisch kompetente person, die unsere rechte beschützen kann und diesem unrecht ein ende setzt?

iohui
03
10.11.2009, 03:52
langsam kommt licht ins dunkel. für die eu verhandlungen und herausgabe der eu richtlinie sind folgende minister verantwortlich:


der zuständige kommunikationsminister: gorbach
justizminister: gastinger
innenminister: prokop

deren nachfolger sind:
kommunikationsminister: faymann, bures
justizminister: maria berger, bandion-ortner
innenminister: platter, fekter

ministerin bures ist nicht nur völlig überfordert, sondern möchte mit dem ganzen nichts zu tun haben und auf keinen fall für irgendwas verantwortlich sein (wozu ist sie eigentlich ministerin?), wie man hier im original nachlesen kann:
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI... 60949.html

diese 9 minister oder exminister respektieren unsere verfassung nicht, in der unsere grundrechte (schutz der privatsphäre) festgelegt sind.

Ober Heinzi
015
9.11.2009, 10:17
Wer nix zu verbergen hat,

der sollte auf jeden Fall sein Kreuzerl bei der nächsten Wahl direkt vor der Wahlkommission machen - warum auch nicht.

Er sollte seinen Chef gleich ein eMail schicken, welche Krankheiten er in der Vergangenheit hatte, welche Porno's er auf youporn.com anschaut, was er bei Amazon bestellt, welche polit. Gesinnung er hat, wieviel er für Urlaube/Puffbesuche/Saufgelagen ausgibt.

Wie lange er täglich auf dem Häusl sitzt, rauchen geht und Kaffeetrinkt und über dies hinaus - seine gesamte Vermögenssituation auf den Tisch legen.

Wer nix zu verbergen hat.... das dümmste aller Argumente!!!!!!

maruh
04
9.11.2009, 10:12

dns-sperre, vorratsdatenspeicherung, rfid-chip, indect,...

erinnert mich an die jahre 1933 bis 1945. einziger unterschied ist das wir "freiwillig" eine grosse gemeinschaft geworden sind.
ach ja, ist euch schon mal was aufgefallen am euro?! da steht genau nichts drauf. man darf das ding nicht kopieren weil man damit das © verletzt und nicht weil es angeblich geld ist.

ein hoch der new world order!

Monopoly mit Hut
00
9.11.2009, 09:56
Vorsicht, Kunde

Unfreiwillig musste ich heute beim Lesen der Rubrik "Vorsicht, Kunde" des c't magazins 24/2009 lachen. Dort geht's um Betrügereien mit VoIP-Anschlüssen und man findet folgendes Zitat:

"Lediglich die im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung erhobenen Daten seien noch vorhanden, doch ließen sich diese nicht für die Verfolgung der Betrüger nutzen."

Pullover aus Lurch
00
9.11.2009, 09:35
Tempora mutantur nos et mutamur in illis

Die Piratenpartei entdeckt hoffentlich bald das sK-Prinzip, dann besteht noch Hoffnung.

JacklDiHop
00
9.11.2009, 09:08

ich wünsche dem beamten, der dieses posting liest/auswertet, nen schönen guten morgen...

eltrombone
04
9.11.2009, 08:10

ich bin/war jahrzehntelang unparteiisch. doch als ich diese horrormeldung gelesen habe gabe es für mich nur eins: www.piratenpartei.at

Roland Berger
 
03
9.11.2009, 05:16
warum geht eigentlich bei diesem Thema niemand auf die Strasse !?!

Wenn Studenten so lange den Audimax wegen hier relativer Kleinigkeiten besetzen, sollte doch endlich mal österreichweit gegen diese Überwachungsgesetze protestiert werden!

Und noch was: der 9.11. ist schon mehr als acht Jahre vorbei, dass dieses Ereignis noch immer als Rechtfertigung für Gesetze herangezogen wird, ist nicht nachvollziehbar!

Vorname Nachname
02
9.11.2009, 12:22
EXCELLENTE FRAGE

warum zum henker geht neiomand in der ganzen EU wegen dieser blockwart gesetzgebung auf die strasse

haben wir denn schon jedes gespuer fuer totalitaere gesetzgeber verloren?

was trennt uns denn noch von einem unterdrueckungsstaat der von einem unkontrollierbaren staats-macht-apparat gelenkt wird?

der buerger ist der souveraen!

warum macht der staat dann laufend gesetze gegen den buerger?

Lichtfreak
00
20.11.2009, 18:22
Weil der Bürger

durch gewisse Medien gleichgeschaltet und manipuliert wird und wurde. Angst halt!

Aber hier irren alle!

Die Totalüberwachung ist ja sicher auch nur eine VT ... und warum man diese will, die NWO, die ja auch....

Peter Gay-Heim
01
9.11.2009, 04:00

Alle Macht geht vom Volke aus und kehrt nie wieder zurück.

Leider ist das derzeit der ist Zustand. Genau aus diesem Grund sollten sich unsere Politiker noch wünschen, dass wir Politik verdrossen wären.
Machen wir uns doch selbst die Politik die wir sehen wollen.
http://www.piratenpartei.at - Freie Menschen, freies Wissen, freie Kultur

celesto
00
9.11.2009, 02:40

also normal sind österreichische vertreter eh gut, aber sie werden halt immer doofer. der druck der EU war sicher zu groß, aber wir sind ja nur so klein, zahlen aber trotzdem mehr nettobeitrag als deutschland. super logik :P

benmat
02
9.11.2009, 01:00

Erst hebt die EU die Neutralität Österreichs auf (wie bereits geschehen) und jetzt wird jeder Bürger ohne Verdacht rund um die Uhr überwacht.

Wozu haben wir überbezahlte, inkompetente Politiker bitte? Was arbeiten die überhaupt? Können die auch mal die Interessen der Personen vertreten die sie gewählt haben? Ist das nicht der Sinn der Demokratie?

Ist die Beschneidung der Bildungsmöglichkeiten für das Volk auch per Brief aus Brüssel gekommen?

Dumme Menschen lassen sich leichter "handhaben". Gebildete Menschen wehren sich gegen solche Ungerechtigkeiten. Dass passt natürlich nicht ins Brüsseler Konzept. Zudem wählen gebildete Menschen keine dummen Politiker. Besonders gefährlich u.a. für die ÖVP...

benmat
01
9.11.2009, 01:05

und dann wagt es der Pröll auch noch zu sagen, dass Grundrechte wie Meinungs-, Rede-, und Versammlungsfreiheit illegale Werkzeuge sind. Ich mache mir große Sorgen...

keiner da
00
9.11.2009, 19:42

wot ze???? wann und bitte wo hat er das gesagt? ich dachte eben, ich les net recht ... andererseits, mich wundert nix mehr

iohui
01
8.11.2009, 23:54
bankgeheimnis

wo verkriechen sich denn die überwachungsgelüste dieser unwerten minister, beamten und politiker beim ach so heiligen bankgeheimnis?
wie erklären sie uns das, herr pröll?
warum keine personenzugeordnete lückenlose aufzeichnung und vorratsspeicherung aller finanztransaktionen?

das wäre wenigstens unverzichtbare voraussetzung um wirtschafts- und steuerverbrechen - auch auf internationaler ebene - schnell und lückenlos aufzuklären und auf alle fälle relevanter als die milliarden emails an hasibutzi0815 und zugriffe auf aktuelle news-, erotikseiten und nachschlagewerke.

gauner
00
8.11.2009, 20:23
Wer FPÖ und BZÖ...

... ernst nimmt ist selber schuld!

iohui
01
8.11.2009, 20:18
"Das würde bedeuten, dass er solange als schuldig gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist."


http://futurezone.orf.at/stories/1631238/

bittschön was ist los mit unserer justiz und unserem rechtsstaat, dass er da keinen riegel vorschiebt?

ich BESTEHE auf der unschuldsvermutung und erwarte von unserem rechtsstaat, dass er mir die garantiert.

meine privaten telefon- und internetdaten dürfen erst bei begründetem (!!!) verdacht gesammelt werden.*

wenn mir das nicht garantiert wird, habe ich begründeten verdacht, dass die politik unseren rechtsstaat nicht akzeptiert, und verlange, dass diese rechtsbrecher sofort aus ihren funktionen entfernt werden.


*) das gilt für alles was über das für die rechnungslegung erforderliche hinausgeht und ich habe über diese massnahme im detail informiert zu werden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1100

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.