"Nein, es ist nicht 1938"

5. November 2009, 18:51
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    foto: standard/hendrich

    Avraham Burg, Präsident der Knesset  von 1999 bis 2003, glaubt an eine bessere Gesellschaft: in Israel und anderswo.

Avraham Burg plädiert für ein Israel, das die Shoah überwindet

Wien - Aus Neapel kommend, wo sein Buch Hitler besiegen - das er auf Einladung des Kreisky-Forums und des jüdischen Magazins Nu in Wien vorstellte - den Premio Napoli gewonnen hat, freut sich Avraham Burg über die Nachricht aus Israel, dass sein neues Werk über die Fünf Bücher Mose bereits in den Bestsellerlisten ist. Das Interesse an Hitler besiegen wird aber kaum zu toppen sein - wobei dem ehemaligen Präsidenten der Knesset teilweise empörte Ablehnung entgegenschlägt.

Er liebe die Polemik, sagt Burg, aber die Frage, ob ein Ort wie Wien nicht ein schwieriger Ort sei, um über seine Forderung zu diskutieren, dass "Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss" bejaht er: "Ich komme hierher mit etwas sehr Schwerem. Normalerweise habe ich keine Angst, Fehler zu machen, hier bin ich immer auf der Hut."

"Für eine bessere Welt" , hat Avraham Burg als Widmung in sein Buch geschrieben. Er sieht sich selbst als ein Mann mit einer Utopie: "Ich glaube an eine bessere Gesellschaft. Und die Aufmerksamkeit der Welt für Israel ist so groß, dass es eben nicht nur unsere Konversation ist. Das ist nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance. Denn wenn ich meine Probleme löse, ist das vielleicht auch der Schlüssel für die Lösung anderer."

Vielleicht zu früh

Die Wirkung seines Buches, das vor zwei Jahren erschienen ist, lässt sich nicht absehen, sagt Burg, es sei sehr früh für eine derartige Infragestellung der Post-Shoah-Gegenwart. Aber die Rezeption sei ermutigend.

Der Anmerkung, dass er heute vielleicht ein Kapitel über den israelischen Iran-Diskurs - Ahmadi-Nejad als Hitlerfigur, der Israel mit einem "zweiten Holocaust" bedroht - schreiben würde, widerspricht Burg nicht. Ahmadi-Nejad sei eine Herausforderung für sein eigenes System, für den Islam, für die Region, für den Westen, für den Osten. Ja, Ahmadi-Nejad sei ein ernstes Thema.

"Aber die israelische hysterische oder zynische Ausbeutung - das war jetzt on record -, aber auch die echte Sorge ist eine Sache, die man sich näher anschauen sollte. Netanyahu sagt, Ahmedi-Nejad sei ,1938 noch einmal von vorne'. Ist er das? Haben wir 1938 eine mächtige Armee gehabt, einen Staat, 200 verleugnete Atombomben, haben wir die unzweideutige Unterstützung der Weltsupermacht gehabt? Hat 1938 die katholische Kirche für uns ihr Dogma geändert? Nein, es ist nicht 1938, und wer das sagt, minimiert die Bedeutung des Holocausts"

Auch mit der Partei, die ihn 1999 an die Spitze des Parlaments brachte, geht er ins Gericht. Dabei verweist Burg aber auch auf die Krise der linken Parteien international. In Israel habe die Arbeitspartei ihre drei wichtigen Themen aufgegeben: Sie sei wirtschaftlich nicht mehr links, sie habe das Konzept der Trennung von Religion und Staat anderen Parteien überlassen. Und das Dritte: "Als Ehud Barak im Jahr 2000 als Führer des Friedenscamps sagte ,Wir haben keinen Partner‘, hat er nicht weniger getan, als die Position der Arbeitspartei als führende Friedenspartei zu killen." Burg hat die Partei verlassen, als diese in eine Koalition eintrat, in der auch - der jetzige Außenminister - Avigdor Lieberman saß. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2009)

Avraham Burg: Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss. Campus 2009

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18 Postings
Igor Gassner
10
14.12.2009, 15:43
Dieser Mann hat meine Hochachtung und er

ist ein echter Patriot von denen es so und so immer wenige gibt. Totengedenken ist eine Sache mehrere Länder ideologisch necrologisch auszurichten ist gefährlich krank und wird zu politischen Fehlentscheidungen führen. Ein alter TRick der Mächtigen siehe Leninmausuleum die verewigung des Totenkultes im Bezug auf Personen wurde hier auf ein Volk übertragen.

omar chamra
30
11.11.2009, 07:46
In der hier gerne zitierten Tel Aviver Tageszeitung Haaretz

ist ein Artikel erschienen, der auch das Thema von A. Burg behandelt und einige Fragen beantwortet:
http://www.haaretz.com/hasen/spa... 27159.html

lucullus1
01
11.12.2009, 11:37

Also der Artikel hätte tatsächlich auch in den 38er Jahren in Deutschland erscheinen können. Man müsste nur "jewish Anti-Semitism" mit z.B. "volksfeindlichem Denken" ersetzen. Und innerstaatliche Kritik als Krankheit abzukanzeln ist wohl auch als autoritär einzuordnen......

sicklikejosef
 
80
10.11.2009, 12:30
Warum Israel die Shoah überwinden muss, aber nicht Deutschland oder Österreich

Das ist eine der Fragen, die deshalb fehlen, weil sich sonst die regulären Schlußstrichantisemiten hierzulande unwohl fühlen würden.

Flavio Maffia
30
8.11.2009, 14:54

zu den Saboteuren der Gerechtigkeit ;-)

Man kann sein Schicksal hinnehmen so wie es ist, ganz klar.

Aber eins darf man nicht vergessen, jemand der die Meinung anderer teilt und sich ihrer darum annimmt aus dem einfachen grund seiner notwendigkeit der wird sein werk erst beginnen wenn die welt begreift, dass Gott keinen Namen hat aber viele Feinde kennt.

ich frage mich wann ich meinen Weg fortsetzen kann ohne, dass niedrigere Wesen diesen weg unnötig erschweren.

denn mit menschlichkeit hat das genauso viel zu tun wie mit dem jüdischen Pazifismus während 1932 bist 1945...

Flavio Maffia
30
8.11.2009, 14:47

Mit der Wirtschaftskrise wurde eine ganze Welt zerstört und das war auch gut so.

Ich meine ich habe keine Lust hier zukünftige Probleme zu diskutieren weil sie einfach in einer anderen Liga spielen.

Aber nur als Beispiel was sich in Ägypten zusammenbraut und nach Osten ziehen wird, das sollte doch auch ein Problem sein das aus unterschiedlicher Sichtweise verbindet.

ich frage mich nur, bei diesem Trauerspiel wer dafür verantwortlich ist, dass der hauptakteur, der eröffner des Spieles bei diesen Spielen vermutlich abwesend sein wird.

das ist das zionistische Erbe, vergesst das nie denn die welt wird diese zeit sicherlich nicht vergessen ;-)

wer glück und liebe verbindet und glaubt das würde gerecht sein ist selber schuld...

Flavio Maffia
31
8.11.2009, 14:13

eigentlich beendete ja der zionismus für das volk von zion was ja immer noch posttraumatisch wirkt.

Gut, die Welt hat sich verändert, vor allem auf die letzten 7 Jahre gesehen.

Aber irgendwie mangelt es an Leuten mit Weitblick.

Es gibt genügend Probleme in der nahen Zukunft die eigentlich keinen platz für blasphemie lassen sollten, trotzdem, so scheint die Welt zu sein...

ich frage mich nur, bei aller Menschlichkeit ;-), welche Erwartungen man hat wenn man diesen kryptischen Kurs beibehält...

Stolz ist nicht sich als Israeli zu bezeichnen, stolz ist ein deutscher jude zu sein mit römisch-katholischer auffassung ;-)

Das sollte man nicht vergessen bei all der Erbärmlichkeit....

Möge die Welt erkennen wie hilflos sie ist.

8donet
63
7.11.2009, 13:59
Wieos wird Kritik an Antisem., wie

zB Fetzpepi, nicht veröffentlicht, deren antisem. Unsinn aber gerne?

DieBo
55
6.11.2009, 09:15
"Nein, es ist nicht 1938" Aus der Sicht Israels gebe ich ihm völlig recht. Aus der Sicht des Iran nicht. Für die Menschen dort können sich die nächsten Jahren zu einem Alptraum entwickeln. So wie im Irak und Afghanistan.

sc AN
56
6.11.2009, 15:12
Die letzten Jahre waren dort ja ganz toll


Ausser für Ehebrecherinnen, angebliche Homosexuelle, Studenten, polit. Andersdenkende, Ungläubige, ...



Fetz Pepi
98
6.11.2009, 08:58
zu hinterfragen

Man kann bei Manes Sperber als völlig unverdächtigem Zeitzeugen nachlesen welchen Schutz und welch günstige Bedingungen die Donaumonrchie den Juden geboten hat, aber auch er verliert in einer für diese Kreise üblichen Weise nie einen einzigen Gedanken was zu dem Umschwung geführt hat und haben könnte und über die Rolle des Judentums im 20. Jahrhundert. Faktum ist auch dass sich die Juden über das Vorrücken der Mittelmächte im 1. Weltkrieg, auch der Deutschen an der Ostfront sehr gefreut haben.

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
10
9.11.2009, 17:51
Eine interessante Analyse über die Beziehung der Juden Palestinas...

zum osmanischen Reich bzw. Großbritannien, am vor und während dem ersten Weltkrieg gibt von Tom Segev "Es war einmal ein Palestina" nachzulesen. Es war jedenfalls ein geteiltes Verhältnis.

Aber was hat das eine oder andere mit dem Thema zu tun?

Fetz Pepi du musst mal lernen zwischen den Begriffen Jude und Israeli zu unterscheiden. Ich weiß nicht was du mit deinem Post behaupten willst, aber ein jüdischer Österreicher 1910 hatte eine andere Sozialisation als ein jüdischer Israeli 2010.

Aber wenn man nie den Menschen, seine Probleme und sein Umfeld betrachtet sondern immer nur den Juden erkennt, dann wird man nie in der Lage sein einen konstruktiven (Diskussions-) Beitrag zu leisten.

MarioV
20
7.11.2009, 13:58

Es ist doch alles bekannt.

Austro-Spanier0
91
6.11.2009, 15:54
Du bist nichts anderes als ein dreckiger Fetzen.

Dani B.
99
6.11.2009, 10:49

antisemitischer dreck von fetz pepi ohne bezug zu avraham burgs buch. was willst du eigentlich sagen? die juden sind selbst schuld an der shoah? "die" haben sich ja gefreut am vorrücken der mittelmächte. totaler schrott, fetzi.

Com Pirx
14
7.11.2009, 21:19

Der Bezug zu dem Buch ist wirklich schwer erkennbar.

Als Aussage über die Einstellungen der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und Österreich während des Ersten Weltkriegs ist sie historisch korrekt.

Austro-Spanier0
72
6.11.2009, 15:53
Wie sein nick bereits andeutet

hat der Pepi einen Fetzen und noch dazu einen gewaltigen.

Nick Tameer
45
6.11.2009, 10:34

"... aber auch er verliert in einer für diese Kreise üblichen Weise nie einen einzigen Gedanken was zu dem Umschwung geführt hat und haben könnte und über die Rolle des Judentums im 20. Jahrhundert"

Warum so g'schamig? Könnten Sie ein wenig deutlicher werden, was war's denn nun? Ach, eh egal, Hauptsache, die Juden waren schuld.

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