Faymann gegen Gusenbauer, Teil 2

Thomas Mayer, DER STANDARD, 5. November 2009, 18:24
  • Artikelbild
    foto: apa

VP-Außenminister Michael Spindelegger hat in der SPÖ kurzfristig für Irritationen gesorgt. Denn entgegen bisherigen Behauptungen in Wien, wonach Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer für den Job des ersten EU-Außenministers nicht einmal im Gespräch gewesen sei, obwohl vor allem die spanischen Sozialisten diesen gerne gehabt hätten, schließt Spindelegger das nicht ganz aus. Und setzt noch eins drauf, indem er andeutet, die ÖVP würde Gusenbauer im Falle des Falles unterstützen: "Sollte es wider Erwarten die Möglichkeit geben, dass Österreich den Hohen Repräsentanten stellt, müsste die ÖVP über ihren parteipolitischen Schatten springen. Parteipolitik darf nicht über den Interessen des Landes stehen", sagt er im Kurier-Interview. Nachsatz: "Die SPÖ müsste auch Wolfgang Schüssel unterstützen, sollte es die Chance auf den Ratspräsidenten geben."

Der Außenminister räumt ein, dass er in Brüssel "am Rande" vom Kandidaten Gusenbauer gehört habe. Dessen Chancen schätzt er gleichwohl gering ein. Alles eine feine Anspielung auf des Kanzlers Satz, dass er "bisher nur in Österreich von Schüssel gehört habe". Der Ex-Kanzler gilt bei den Christdemokraten als chancenreicher Kandidat für den Posten des ersten ständigen EU-Präsidenten. Europaweit wunderten sich führende Medien über die "Schwerhörigkeit" des SPÖ-Chefs. Das deutsche Frühstücksfernsehen machte sich darüber lustig.

Und in dieser Woche kam Faymann nun die Ehre zuteil, im der berühmten Glosse "Entre nous" der in Brüssel erscheinenden European Voice, einem Ableger des renommierten Economist, prominent dargestellt zu werden. In diesem Format werden "unter uns" mit spitzer Feder Hintergründe von Personalien in der Union abgearbeitet. Diese Glosse ist eine der meistgelesenen in EU-Zirkeln.

Die Freude des Kanzlers und SPÖ-Chefs darüber dürfte aber zwiespältig ausfallen. Unter dem Titel "Probleme am Horizont" stellt die Voice gleich eingangs fest, dass Faymann sich mit seinen Bemerkungen "ins Eck gestellt" habe. Insbesondere über die Aussage, dass Gusenbauer allein schon deshalb nicht Kommissar werden könne, weil Österreich nicht ihn sondern bereits Johannes Hahn nominiert habe, wundert sich das Blatt: Denn sein Vorgänger als SPÖ-Chef sei "letzte Woche als Kandidat für den Hohen Repräsentanten der Außenpolitik aufgetaucht". Um dem eins draufzusetzen, hätten die SPE-Spitzen Faymann mit Zapatero und Rasmussen beauftragt, einen SP-Kandidaten zu finden.

Schluss der European Voice: Was immer der Kanzler tut, ist für ihn ungünstig. "Wird Schüssel Präsident und Hahn bleibt Kommissar, hat die ÖVP zwei Topjobs und die SPÖ keinen. Wenn Gusenbauer EU-Außenminister wird, bekommt Faymann Krieg in der Koalition. Wenn Österreich keinen der beiden Topjobs bekommt, werden alle Faymann dafür verantwortlich machen."

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Stifter
02
8.11.2009, 17:39

Thomas Mayers Gerüchteküche findet immer irgend etwas, was man Faymann negativ umhängen kann.

urs debhilet
11
8.11.2009, 20:39
Faymann findet

schon selbst immer etwas, das man ihm negativ umhängen kann.

Hans Klade
00
9.11.2009, 20:47

Faymann unterstützt einen englischen Kandidaten für den EU-Außenminister.

PMM
00
8.11.2009, 19:53

.. soso ... es stimmt also nicht, dass Werner F. Alfred G?

verteilerkreis
02
6.11.2009, 15:40
aha: ein Standard-Autor bezieht sich also aufs deutsche Frühstücksfernsehen

Wie bitte?1
00
6.11.2009, 23:15
nur in der hoffnung einmal eine richtige sau zu gesicht zu bekommen

rechtschreipfehler
00
6.11.2009, 19:03

manche schauen eben über den verteilerkreis hinaus.

nullachtfünfzehn_
10
7.11.2009, 10:13

aber anscheinend nicht unser liesinger exBezirksPolitiker

evamacon
13
6.11.2009, 14:49
Doppelmühle

So etwas nennt man Doppelmühle ...
Schüssel ist zwar ein blendender Rhetoriker, war aber einer der schlechtesten Außenminister, die Österreich je hatte. Er war ja gleichzeitig Vizekanzler und als solcher mit seinen internen Ränkespielen beschäftigt. Als Haiders Leib-Schüssel hat er uns ja in der Folge auch den besten Finanzminister aller Zeiten beschert - auch so einen Blender!

Christine P.
 
12
7.11.2009, 10:29
Kaum ein Politiker der Nachkriegszeit

hat das Ansehen Österreichs innerhalb der Mitgliedsstaaten der Union so ramponiert, wie es Schüssel mit der Regierungsbildung 1999/2000 getan hat. Hier war nicht nicht nur die Art und Weise des Vorgehens, sondern auch die Schadensbegrenzung nach den internationalen Protesten letztklassig.

True Earl Grey
42
7.11.2009, 17:14
Unsinn!

Die EU hat sich mit diesen unsäglichen Sanktionen
selbst beschädigt. Und Schüssel war mit Sicherheit
der beste Kanzler der letzten 25 Jahre.

Die Marslady
03
6.11.2009, 22:42
Werte @evamacon,

sehr treffend formuliert!
W.Schüssel war zwar ein halbwegs passabler Vizekanzler, aber kein kompetenter Aussenminister, da hier keine diplomatische Erfahrung und mehrerer Fremdsprachen nicht kundig.
Ausserdem hat Schüssel & Co uns den jüngsten und inkompetentesten Finanzminister der 2.Republik beschert und das über sagenhafte sechs Jahre lang.
Dieses "teure Erbe" können wir ÖsterreicherInnen nun ausbaden.

Red Zone
35
6.11.2009, 13:16

laaaangweilig!

(mayer sieht seine chancen auf einem pressesprecher-job dahinschwinden und muss nun weiter die standard-leser mit eu-halbwissen und övp-gerüchten versorgen. bis an sein lebensende. mes condoléances, à vous et à votre famille.)

Motosan
00
6.11.2009, 11:41
Und sowas nennt sich staatstragende Koalition

Immer dem anderen eine voll ins Freßbrett. So wie sich diese Politiker international gebärden verhalten sie sich auch national. Zum speiben. Weiß schon, hier nur zu posten ist auch keine Lösung, aber wer geht mit mir zum Parlament. In der linken und rechten Hand je einen nassen Fetzen.......

nullachtfünfzehn_
00
7.11.2009, 12:49

bringt aber doch ein bischen etwas, denn die Parteizentralen lesen bei solchen für die Partei relevanten Themen genau mit.
Es gibt dort auch genug "Maxln" die unter den verschiedensten Namen dann versuchen das Forum auf "Parteilinie" zu bringen und jede Kritik zu widerlegen

Motosan
00
8.11.2009, 07:38
Wenn es den so wäre

liebe(r) rnullachtfünfzehn, leider gibt es in den Parteizentralen keine Maxln die sich irgendwelche relevanten Dinge durchlesen oder sich durch die Leserbriefe arbeiten. Die Maxln suchen nur die relevanten Beiträge für den Chef. Zum Speichelablassen. Auf daß er ja eh richtig interpretiert und dergleichen wurde. Und dann die Sindflut. Würden Parteizentralen in der Tat unsere Postings lesen dann hätte die Wiener Berufsfeuerwehr einen Dauereinsatz in der Löwelstraße 18. Dort ist Feuer am Dach. Und in der ÖVP-Zentrale soll es angeblich ein Bild vom Engelbert Dollfuß herumhängen. Dort muß die Feuerwehr auch hin - zum wegschwappen. Gute Nacht Österreich.

Nik M
49
6.11.2009, 10:37
OeVP unterstuetzt Gusenbauer, wenn die SPOe Schuessel unterstuetzt - das klingt fair, ist es aber nicht.

Gusenbauer hat in seiner Amtszeit versucht, die Kluft, die sich zwischen SPOe und OeVP gebildet hat, zu schliessen. Er hat immer wieder harte Kritik aus den eigenen Reihen in Kauf genommen, um der OeVP entgegenzukommen. Das ist so weit gegangen, dass er schliesslich die Unterstuetzung seiner Leute und die Position des BK verloren hat.

Schuessel, der Antidemokrat der 2.Republik, hat ohne Not die Kluft zwischen SPOe und OeVP ueberhaupt erst geoeffnet. Schuessel ist getrieben von blindem Hass auf alles, was sozialdemokratisch ist.

Es waer nur recht und billig, wenn die OeVP Gusenbauer unterstuetzt, als eine Art von spaeter Anerkennung. Aber Schuessel ist kein Politiker europaeischen Formats. Den kann man nicht unterstuetzen.

Alf100
14
6.11.2009, 12:24
Gusenbauer hat den KAnzler verloren, weil ihm die eigene SPÖ in den Rücken gefallen ist

als der Gusi die Gewerkschaftsrige aus dem Parlament verbannte, wartete die SPÖ nur auf die erste Chance den Gusenbauer in den Rücken zu fallen.
Er war der Partei zu gebildet und sein Programmm zu erfolgversprechend, da er eine wirkliche Koalition mit sinnvollen Lösungen wollte.

Aber soetwas konnte die SPÖ-Basis (incl. Gewerkschafts-Filz) nicht akzeptieren

Wie bitte?1
00
6.11.2009, 23:28
wartete die SPÖ nur auf die erste Chance

einerseits d'accord mit den gewerkschafltern. der vergleich (faymann-gusenbauer) macht sicher.
aber wer nur auf die erste chance gewartet hat, war - da möcht ich doch wetten - schon die gewerkschaftsriege selbst und nicht die spö als solches und als ganzes, denen sind das bawag-gap und seine konsequenzen schon sehr sauer aufgestoßen.
was die spö-basis betrifft, so tickt die vermutlich auch nicht soviel anders als die övp-basis oder auch die anderer parteien: wahlergebnisse über alles ... das (dass gusenbauer bei einer verbrannte-erde-politik der schüssel-adepten nur abkacken konnte) war ja die große chance der hundstorfer und wie sie alle heißen für einen relaunch

zxj
23
6.11.2009, 12:19
Man könnte es aber auch anders formulieren:

Die SPÖ getrieben vor blindem Hass auf alles, das auch nur den Anschein erweckt, etwas mit Schüssel zu tun zu haben. Immerhin hat Schüssel es gewagt, die SPÖ aus ihrer Rolle von Gottes Gnade als Kanzlerpartei in die Opposition zu schicken.

Ein Trauma, von dem sich die Partei und ihre Bonzen nie erholt haben.

Wie bitte?1
02
6.11.2009, 23:48
Ein Trauma, von dem sich die Partei und ihre Bonzen nie erholt haben.

Stimmt doch nicht:
Klima hat sich in Argentinien bestens erholt.
Edlinger bei Rapid auch.
Und unter Gusenbauer (und der zeitgenössischen blauen und tw. auch schwarzen, Stichwort Gehrer, Strasser, Bartenstein, Trottelpartie in der Regierung) hat sich die frischgebackene Oppositionspartei erst mal ganz gut saniert. Ziehen Sie nicht über Burgstaller und Voves und fragen Sie nach bei Klasnic und Schausberger.

Ignatius von Stein
42
6.11.2009, 12:15
...

[...Schuessel ist getrieben von blindem Hass auf alles, was sozialdemokratisch ist. ...] .... ICH AUCH ! Mülleimer der Geschichte, tu Dich auf und verschlinge diesen lebenden Toten ..genannt Sozialismus!

Wie bitte?1
00
6.11.2009, 23:50

Loyola halten, Goschenfalten.

Nik M
01
6.11.2009, 13:53

Und was hat ihnen die Sozialdemokratie getan, dass sie sie so hassen muessen?

Ignatius von Stein
10
6.11.2009, 17:45
...

Sie zwangsbeglücken mich mit Ihrer kollektivistischen Politik. Gesamt gesehen sind sie Geschichte ... aus und vorbei .. Sie haben nichts mehr zu unserer gesellschaft beizutragen und haben einen lächerlichen Bundeskanzler an die Spitze Österreichs gehievt, was dem Land schlechtes tut.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.