Hintergrund

Die Schlechten ins Kröpfchen

5. November 2009, 16:19

Früh übt sich, wer ein Arbeitsloser werden will: Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr Startnachteil am Jobmarkt

Sie gehen weniger lang in die Schule, studieren seltener, kriegen schlechter bezahlte Jobs und machen weniger oft Karriere: Kinder von MigrantInnen. Das ist zwar bekannt, doch die Statistik verschleiert: Denn es ist nicht die Herkunft, die Chancen nimmt, sondern der soziale Status der Eltern. Und da Zugewanderte aus Nicht-EU-Staaten im Schnitt schlechter verdienen als EU-BürgerInnen in Österreich, sind Kinder aus türkeistämmigen oder serbischstämmigen Familien häufiger betroffen als andere.

Von "bildungsfernen Schichten" ist hier oft die Rede, und oft wird damit unterstellt, dass es Eltern mit Migrationshintergrund nicht so wichtig sei, welche Ausbildung ihre Kinder haben.

Bildung ist wichtig

Diesem Vorurteil widerspricht Sozialforscher Konrad Hofer vehement: "Das Gegenteil ist der Fall. Eltern, die selber Bauarbeiter und Hausfrau waren, wollen unbedingt, dass es ihre Kinder einmal weiter bringen als sie", sagt Hofer, der erforscht hat, was Jugendliche mit Migrationshintergrund dazu bringt, sich für einen bestimmten Beruf und gegen einen anderen zu entscheiden.

Hofer hat die Jugendlichen in der Hauptschule gefragt, was sie einmal werden wollen. "Was sehr auffällig war: Bauarbeiter, Paketzusteller, Wachdienst-Angstellter, Reinigungskraft und KFZ-Mechaniker - also die Berufe der eigenen Eltern - sind dabei überhaupt nicht vorgekommen." Die Jugendlichen wollten Profifußballer oder Einzelhandelskauffrau werden - und landeten später dann doch oft hinter der Supermarktkassa oder am Bau.

Früh arbeitslos

Warum ist das so?, fragte sich Hofer. Aus 400 Interviews mit Jugendlichen filterte er jene Faktoren, die den Tatbestand "Migrationshintergrund" zum eindeutigen Startnachteil am Arbeitsmarkt machen. Dass dem so ist, wird inzwischen nicht einmal vom Arbeitsminister geleugnet und wurde jüngst erneut statistisch belegt: Von momentan 12.000 bisher erfolglosen Lehrstellensuchenden in Österreich hat weit mehr als die Hälfte einen Migrationshintergrund. Wer schon in der Jugend vergeblich Job sucht, ist laut AMS-Expertise auch im späteren Leben häufiger arbeitslos. Und selbst bei den Höherqualifizierten schaut es nicht rosiger aus: Laut einer OECD-Studie haben Migrantentöchter und -söhne mit einem Uni-Abschluss weit weniger Chancen am Arbeitsmarkt als ihre KollegInnen ohne Migrationshintergrund.

Vitamin B-Mangel

Dass dem so ist, liegt nicht am blanken Rassismus der Unternehmen - sondern an einer Grundeigenschaft des österreichischen Arbeitsmarktes: "Vitamin B" wiegt mehr als das beste Zeugnis. "Ich kenne kein Politikerkind, das Probleme hat, einen Job zu finden", sagt Hofer. "Und die sind wirklich nicht alle so blitzgescheit." Drei Viertel der Jobs würden informell vergeben.
Anders gesagt: Keine Super-Eltern heißt keine Super-Zukunft. Da können Mama und Papa noch so sehr darauf achten, dass das Kind brav lernt - das Ferialpraktikum kriegt es dann doch im Holzlager, und nicht, wie die Hofratstochter, in der Anwaltskanzlei.

Am schwersten wiege jedoch die frühe Selektion im Schulsystem: Hofer erzählt von Mädchen, die Apothekerinnen oder Geologinnen werden wollen - und später doch erfolglos nach einer Friseurinnen-Lehrstelle suchen. "Diese Mädchen haben irgendwann erkannt, dass sie von der dritten Hauptschul-Leistungsstufe aus nie den Sprung zur Uni schaffen werden", sagt Hofer. So gesehen wäre die Einführung der Gesamtschule auch eine integrationspolitische Maßnahme.

Park statt Hausübung

Auch, dass Migrantenkinder zuhause weniger gefördert würden als Kinder ohne Migrationshintergrund, stimmt laut Hofer nur bedingt: Nachhilfeinstitute seien "voll mit Migrantenkindern". Wer ausreichend verdiene, könne sich jedoch die wirkungsvolleren Einzel-Nachhilfestunden leisten, und Nachkommen der Gastarbeitergeneration verdienen nun einmal weniger als der Schnitt. Dazu kommt, dass bildungsarme Eltern oft wenig Einblick haben, wie das Schulsystem funktioniert. Da könne das Kind, das lieber in den Park gehen will, den Eltern vormachen, es gebe heute eben keine Hausübungen. "Und mangels besseren Wissens muss die Mutter es ihm glauben." (mas, derStandard.at, 5.11.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2
Topfenbaby
00
10.11.2009, 00:44
Stimmt!

Migranten sind oft unterrepräsentiert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_... itarbeiter

Drago+
01
6.11.2009, 18:11
Von der Hauptschule zur Uni

wird auch für einen Nicht-Migranten unmöglich sein. Da muss dazwischen einiges gemacht werden. Zuerst ein paar Jahre büffeln für die Studienberechtigung, und dann fängt der Spaß erst richtig an. Aber nicht versagen, an die 80% der Akademiker sind immer noch Akademikerkinder, die sind von klein auf mit Sachen konfrontiert, z.B. mit einem Wortschatz, von dem der durchschnittliche Erwachsene nicht weiß, dass dieser existiert. Wenn man es vom Arbeiterkind bis zum HTL-Abschluss schafft, egal ob Migrant oder Nicht-Migrant, hat man schon großartiges geleistet.

kingkade21
110
6.11.2009, 13:09
Dieses ewige Benachteiligungs-Geschreibe

Ehrlich - es geht doch im Grunde genommen nicht um die Herkunft.

Es geht bei der Arbeitsplatzsuche schlicht um ganz grundlegende Fähigkeiten:

- gutes Deutsch
- gute Rechtschreibung
- minimale Allgemeinbildung
- genügend Motivation
- gute Umgangsformen

Wer das nicht erfüllt, wird es sehr schwer haben einen Arbeitsplatz zu finden.

Unabhängig, ob Migrant oder Nicht-Migrant. Diese Fähigkeiten kann sich wirklich jeder aneignen - soferne der Wille dafür vorhanden ist. Nur der scheint oft nicht sehr ausgeprägt zu sein – unabhängig von der Herkunft.

ps1
70
6.11.2009, 18:00
danke für ihre weisheiten!

die haben Sie jetzt einfach mal so aus dem bauch heraus hingeschrieben - und weil Ihr posting ganz ohne deutschfehler geschrieben ist, sollen wir Ihnen die wohl als wahrheiten abkaufen.
nein danke!

kingkade21
00
10.11.2009, 13:47
bitte

nur zur Info:

1. Ich suche keinen Job, ich habe einen.

2. Wenn ich einen Job suche würde, dann hätte meine Bewerbung mit Sicherheit keinen Rechtschreibfehler. Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen einem Posting im Standard und einem Bewerbungsschreiben.

3. Was wollen Sie eigentlich sagen? Wie ist Ihre Meinung, abgesehen davon, dass Sie sich über meine Rechtschreibfehler aufregen?

der paulek
 
22
6.11.2009, 15:59
sie können es sich vielleicht nicht vorstellen

aber es ist tatsächlich so, dass namen entscheiden, ob wer eine chance bekommt sich überhaupt vorzustellen.
ein mehmet wird weniger oft eingeladen als ein kevin und der weniger oft als ein sebastian.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
00
13.1.2010, 01:08
sebastian

kommt mir keiner ins Unternehmen, denn das ist entweder ein Bobo dem alle hinten runtergefallen sind oder ein Wastl, also ein Landei.

Hmmm... richtig angenehm, auch einmal in Vorurteilen zu schwelgen ;)

kingkade21
17
6.11.2009, 18:06
was ich mir alles nicht vorstellen kann

Stellen Sie sich einmal vor: Ich habe eine kleine Firma und ich habe schon einige Male Personal gesucht. Und es macht bei uns KEINEN Unterschied, ob jemand Maier oder Dragomir heißt.

Es macht aber sehr wohl einen Unterschied, WIE sich jemand bewirbt.

Und wahrscheinlich können Sie sich jetzt wirklich nicht vorstellen, welche Bewerbungen man des öfteren bekommt. Denn das konnte ich mir auch nicht vorstellen, bis ich das erste Mal einen Mitarbeiter gesucht habe. Ist leider die Realität.

Mirstetta Toni
02
10.11.2009, 12:08
Stimmt!

genau meine erfahrungen!

torch
 
02
9.11.2009, 09:00

Das entspricht auch meinen Erfahrungen mit akademischen bzw. angehenden akademischen Personal.

Beste Erfahrungen mit Migranten bzw. Migrationshintergrund aus dem ehem. Ostblock, da ist der Wille zur Leistung ganz massiv vertreten, exzellente Kenntnisse etc., Motivation.

Wenn jemand sich schon bei der Bewerbung nicht näher für das zukünftige Aufgabengebiet und die zu behandelnden Themen interessiert und die Ansage kommt, wie Überstunden generell nicht, kein einziges Praktikum während der Studienzeit absolviert wurde, da lieber Ferien gemacht wurden und beim Studium nur Scheine gemacht wurden, dann sieht es wohl für für alle Bewerber gleich finster aus. Selten kommt die Ansage ich will, ich kann und befasse mich gerade, da Wissenlücke.

littletinyflibbertigibbet
00
13.11.2009, 14:08

überstunden und urlaubsvertretungen kommen nicht in frage. es gibt absolute ausnahmsfälle, die jedoch niemals zur regel werden dürfen, da ich an mein recht auf weiterbildung beharren muß (und lebens-
lang lernen); zudem müssen Sie berücksichtigen, dass ich meine mannigfaltigen talente alle gleichermaßen entwickeln sollte, um durch sie und mit ihnen und in ihnen dann doppelt und dreifach meinem herren (dem staate?) mit (nicht unbeträchtlichen) zinsen das zurückzuzahlen, was ich ihm schulde.
die frommen herren von der industriellenvereinigung (die auch in der ams-aufsichtsriege thronen dürften), die lernen's wohl nie.

ruthwinkler
02
6.11.2009, 11:36
Sehr richtig!

Interessant auch der Hinweis auf den hohen "Vitamin-B"-Faktor (der bzw. dessen Mangel) natürlich nicht nur die "mit Migrationshintergrund" trifft.
Ein dummer Fauxpas ist aber schon die vermeintliche Differenzierung zwischen "Einzelhandelskauffrau" und "Supermarktkassa". Die sogenannte Einzelhandelskauffrau hat gute Aussicht mitsamt ihrem Lehrabschluss in diesem brillanten Fach dann eben hinter einer solchen Kassa zu sitzen.

Mirstetta Toni
00
10.11.2009, 12:10
oder mit HAK Matura

am flughafen schwechat im ausgabeschalter einer leihwagenfirma zu sitzen.

Chien de Pique
01
6.11.2009, 14:26

Ja. Ist bestenfalls gleich ambitioniert wie Friseuse.

Sobieski, Jan III.
02
6.11.2009, 09:47

Jugendliche die eigentlich Profifußballer (besonders originell) oder Einzelhandelskauffrau werden wollten, schließlich am Bau oder im Supermarkt enden, werden gewiss eines Tages dieses Sozialsystem "erhalten"

Columbo25
04
6.11.2009, 08:11

Was für ein lustiger Artikel: wollten Einzelhandelskauffrau werden, und steht dann doch hinter der Supermarktkasse- da kann ich nur sagen: Gratuliere: Du bist Einzelhandelskauffrau geworden.

Hamit_Hatemi
212
5.11.2009, 19:27

Wieso ausländische Namen ein Nachteil sind?

Das glaube ich gar nicht, es kommt nur draufan, wo man arbeiten will. Bei einer internationalen Firma ist das sicherlich kein Nachteil.

Allerdings sollte man darüber nachdenken, wieso "Gastarbeiter"-Kinder der 3. Generation noch immer Vornamen wie Tuncay, Abdülhamit oder Muhammet haben. Die Nachnamen sollten da egal sein, aber die Wahl der Vornamen zeigt schon, wie disintegrativ manche sind.
Das Namen wie Tanja oder Helga als Türkisch durchgingen, weiß ich und trotzdem nimmt sie keiner, weil sie ja doch deutsch wären.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
00
13.1.2010, 01:22
Franz Josef Yesilyurt?

Klingt wie Jessica Hollergschwandtner.

Spass beiseite: Namen haben uralte Bedeutungen die wie Musik oder Essen die kulturenverbindenenden Aspekte betonen, wenn man sich damit einlässt.

Es gibt im türkischen soweit ich weiss, zB gleich drei Frauennamen die alle Aspekte der Liebe betonen: Sevgi, Sevda, Sevil. Oder Sevilay, die im Mondlicht geliebte (frei übersetzt). Schlecht?

Aber eigentlich wäre ich für eine Namensgebung nach Art der Native Amercans: im jungen Erwachsenenalter seinen Weg und seinen Namen finden. Damit aus einer Rosi nicht irgendwann nur eine Rolle Stacheldraht wird und aus einem Franz ein Duckmäuser.



torch
 
20
9.11.2009, 09:32

Mir gefällt z.B. Aaliya, Rosana, Naima, Nalan und Shirin weit besser als Wiltrud, Wilfrida, Kriemhild & Co.

Mit Nalan und Shirin verbindet mich darüber hinaus eine angenehme Erinnerung an sehr charmante Mitarbeiterinnen und eine erfolgreiche Teamarbeit.

Es kann also auch ganz gut umgekehrt sein, dass einem diese nicht unbedingt traditionell heimischen Vornamen positiv einnehmen.

Meine mitunter exotischen MitarbeiterInnen waren auch bei den Klienten beliebt, was primär aber an der Art des Charakters der Personen lag.

littletinyflibbertigibbet
00
19.11.2009, 03:03
ähm...

aha

Hamit_Hatemi
01
9.11.2009, 16:16

Also Kriemhild gefällt mir sehr gut - und für einen Namen germanischen Ursprungs (sind ja leider allesamt nicht so mein Geschmack) ist er sicher einer der schönsten.

Tut mir leid, aber mir gefällt der wirklich gut :-)

Krawuzi Kabuzi
31
6.11.2009, 16:35
disintegrative Namen???

So wie?
Bela Rabelbauer

Oder wie die Nationalratsabgeordnete:
Alev Korun
Tanja Windbüchler-Souschill
Carmen Gartelgruber
Mario Kunasek
Laura Rudas

Die sind auch alle sicher furchtbar disintegrativ, oder?

Ernsthaft, es ist ziemlich Blunzen wie jemand heißt, welche Hautfarbe oder "Migration" (ein Unwort) er/sie hat, wie schief die Nase ist. Einzig und allein die Qualifikationen, soziale Umgangsformen und Motivation sollten für die Jobsuche erforderlich sein.
Leider ist in dem klienen Land wie Österreich noch immer Vitamin B und das richtige Parteibuch erforderlich für viele Jobs.

Krawuzi

Hamit_Hatemi
00
13.1.2010, 16:01

Ich glaube, Sie verstanden meinen Kommentar nicht...

Laura, Mario, Carmen und Tanja werden von einem Österreicher nicht als "ausländisch" gesehen.

Es gibt einen Unterschied zwischen "Ahmet Türker" und "Hermann Kirisits". Erkennen Sie ihn auch?

grandia
21
6.11.2009, 12:46
deutsche vornamen für türkische kinder ... lol

mathilde, isolde, johana, eulalia(?) ... würden sehr zu nachnamen wie "erdogan" passen ... ;)

oder georg (schurli) yakmiz ... (name von der redaktion geändert ...)

wieso nennen österreichische eltern nicht ihre kinder: hassan, ismael,ayse oder dragan/dragica ? lauter schöne namen ...

dopelnamen wären auch ein hit!

karl-mustafa, hansi-ahmed, joschi-jusuf, bruce-lee-peter, andreas-mirko, miroslav-gertschi ...

was fallen euch noch so für namen ein?

Katze Konstantine
05
6.11.2009, 18:31

Und wieso ist es ganz normal, dass in Wien ca. 50% einen tschechischen Nachnamen und einen dt. (oder auch eingedeutschten), jedenfalls in Ö gängigen Vornamen haben. Da wurden die Kinder dann schon lieber Franz als Frantisek genannt, um Nachteile für die Kinder zu vermeiden. Mohammed ist ein Nachteil bei der Jobsuche, genauso wie Kevin, und vielleicht sollte man sich überlegen, ob Namen, die nunmal mit Vorurteilen verknüpft sind, das Beste für das Kind sind.

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