Kruzifix-Debatte schwappt nach Österreich

5. November 2009, 16:44
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    foto: apa/dpa/frank rumpenhorst

    Nach dem Urteil des EMGR will nun auch in Österreich die Sozialistische Jugend eine Klage gegen die Kreuze in den Klassenzimmern einbringen.

Während Teile der ÖVP vehement für die Beibehaltung der Kreuze in Klassenzimmern eintreten, sind andere schon dabei, Klagen vorzubereiten - Die SPÖ kalmiert

Die schwarzen Landeshauptleute Erwin Pröll und Josef Pühringer waren die ersten, die auf das Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wonach in Italiens Schulklassen keine Kreuze mehr hängen sollen, reagiert haben. Sie traten vehement dafür ein, dass die Kruzifixe auch in Zukunft in Österreichs Klassenzimmern hängen bleiben sollen. Pröll sprach in der "Kronen Zeitung" gar von einem "Werteverlust", sollten die Kreuze nicht mehr in den Schulen hängen.

"Übertrieben", findet Günter Kräuter, Bundesgeschäftsführer der SPÖ. Er appelliert im Gespräch mit derStandard.at, die "emotionale Debatte" ruhig anzugehen und bemüht sich um Zurückhaltung. Es sei eine sehr heikle und sensible Frage, die man diskutieren müsse, sagt Kräuter. Aber er tritt für eine geschlossene Vorgehensweise ein und verweist auf die Rechtslage - nämlich darauf, dass das Urteil noch gar nicht rechtskräftig sei.

"Wir wollen das machen"

Anders die Position der roten Parteijugend, die - alles andere als zurückhaltend - eine Klage vorbereitet, damit auch in Österreich die Kreuze abgehängt werden müssen. "Wir wollen das machen", bestätigte Philipp Lindner von der Sozialistischen Jugend im Gespräch mit derStandard.at. Man sei gerade dabei, Kontakt mit Verfassungsjuristen aufzunehmen, um alles Rechtliche abzuklären. Schließlich stehe ein Prozess bevor, der jahrelang dauern könnte.

Unterstützenswert findet das Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Er selber will keine Klage einbringen, sagt jedoch: "Ich finde, dass wir Klarheit brauchen." Die Trennung zwischen Kirche und Staat sei "nicht vollzogen" und daher das Vorhaben zu unterstützen.

"Widerspruch zur Laizität"

Dass es Klagen geben wird, glaubt auch Niko Alm, Initiator der der Laizismus-Initiative, die ebenfalls für eine Trennung von Staat und Religion eintritt. Er berichtet im Gespräch mit derStandard.at auch davon, dass er eine entsprechende Person kenne, die eine Klage vorbereitet. Alm ist der Meinung, dass das Religionsunterrichtsgesetz ein paar wenige Religionen, nämlich der christlichen, ein Privileg einräume. Diese Sonderstellung "widerspricht der Laizität".

Auch Christoph Baumgartner vom Freidenkerbund, der sich für die jüngste Buskampagne verantwortlich zeigt, betonte in einer Aussendung: Sollte es Klagen gegen die Schul-Kreuze geben, werde man diese selbstverständlich unterstützen.

"Ausdruck von Menschenrechten"

"Mit Besorgnis" hat unteressen der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte aufgenommen. Ein Kreuz sei "niemals ein Zeichen der Intoleranz", sondern vielmehr "Ausdruck von Menschenrechten, der Präsenz von Religion im Alltag", wird er in einer Aussendung zitiert: "Wer religiöse Symbole aus dem öffentlichen Raum entferne, "entfernt letzten Endes die Religion aus dem öffentlichen Leben." (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 5.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1058
Franz Plesner
00
17.2.2010, 12:01
Kruzifix in der Öffentlichkeit ?

Religion und Staat gehören getrennt!

Foromat
00
10.11.2009, 05:42

ist das Kreuz nicht auch teil unserer Kultur ?

Eher würde ich vorschlagen, symbole anderer Glaubensgemeinsachften (Muslimischen, jüdischen) in Klassenzimmern aufzuhängen.

Ein Mehr an Kulturvielfalt wäre doch wünschenswerter als ein weniger.

Sich mit der Sinnfrage auseinanderzusetzen ist - und nichts anderes tun Glaubensgemeinschaften - ist doch eines der höchsten Ziele ?

Wenn wir ein Problem hätten, dass die Kirche sich in die Tagespolitik permanent einmischen würden, könnte ich die Aufregung ja noch verstehen.

Gibts es in Österreich ein Problem mit krichlicher Unterdrückung, selbst vor 25 Jahren als ich in die Schule ging, war es kein Problem sich von Religionsunterricht abzumelden, wir ja jetzt wohl nicht anders sein, oder ?

Ich gebs zu
00
9.11.2009, 22:58
Nur ein zarter Hinweis auf die Fakten:

Staat und Kirchen sind in Österreich getrennt. (Anders wäre ja ein Abkommen zwischen den beiden weder nötig noch möglich.)

Was sich hier einige wünschen, ist eine Neudefinition des Verhältnisses zwischen Kirche/n und Staat.

NUAZO
00
11.11.2009, 15:39

sind sie nicht, schon mal was vom konkordat gehört?

Ich gebs zu
00
11.11.2009, 17:13
Schon einmal bedacht, dass man ein Konkordat nur

zwischen von einander getrennten Parteien beschließen kann?

Wenn Sie wissen wollen, wie eine Staatskirche funktioniert, würde ich ein bisschen Studium in Dänemark, Schweden, UK.... empfehlen.

zusatzprotokoll
41
9.11.2009, 11:28

Ich weiß nicht, ob es unten schon wer geschrieben hat, aber bei 1000+ Postings:

Alle Kreuzabhänger sollten dann bitte schon konsequent handeln und nicht an den arbeitsfreien kirchlichen Feiertagen mitpartizipieren, sondern arbeiten gehen!

g'stieß
11
10.11.2009, 14:44
was am konzept "gesetzlicher feiertag" verstehen's denn nicht?

also, langsam zum mitdenken:

es gibt tage, an denen etwas begangen wird - ostern, weihnachten, 1. mai, staatsfeiertag etc.

da im jahr 1933 eine katholisch-klerikal-autoritäre regierung am werk war, wurden die eckdaten des krichenjahrs zu gesetzlichen bezahlten arbeitsfreien gemacht - und wie die menschen so sind: sie haben sich dran gewöhnt.

nachdem die verfassungsordnung von 1929 wieder hergestellt war, wurden die feiertage ein wenig evangelisch und republikanisch ergänzt und gesetzlich verankert (feiertagsruhegesetz). heutzutag ist das im arbeitsruhegesetz geregelt.

es ist ein historischer zufall, dass die arbeitsruhe zt an christlichen festtagen stattfindet.

zusatzprotokoll
00
10.11.2009, 20:32

Und wie die Menschen so sind: sie haben sich auch an das Kreuz gewöhnt!
Oh, Pardon, das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!

grasfresser
00
10.11.2009, 18:03
http://www.ekd.de/sonntagsr... mente.html


Der Sonntag ist auch nach fast 2000 Jahren noch lebendig.

ARO5
13
9.11.2009, 13:58

Natürlich ist es schon gebracht worden. Wir Standard Poster wissen ja: Kein Argument ist so blöd, als dass sich nicht mindestens zwei Befürworter finden.

zusatzprotokoll
00
9.11.2009, 15:05

Dann lassen Sie sich bitte auch dazu herab, mir zu erklären, warum dieser Vergleich blöd ist!

ARO5
00
9.11.2009, 18:49

Ist ungefähr so, wie wenn Sie Leuten, die nichts von Technik verstehen, das Fernsehen verbieten wollen. Ein gesetzlicher Feiertag ist eine Implikation, die vielleicht von der Idee auf Religion fußt. Wenn Sie die rel. Feiertage für alle abschaffen, dann OK.

zusatzprotokoll
00
9.11.2009, 19:14
"Ein gesetzlicher Feiertag ist eine Implikation, die vielleicht von der Idee auf Religion fußt."

Das ist Ihre Meinung, vielleicht auch Hoffnung. Tut mir Leid, so richtig gelungen ist Ihr Vergleich nicht. Jedenfalls nicht gut genug, um o.a. deftige Worte zu erklären.

ARO5
00
9.11.2009, 20:20

Ein gesetzlicher Feiertag gilt, unabhängig davon, welches Verhältnis man zu seiner Begründung hat. Wenn man Ihrer Argumentation folgt, dürften Islamisten auch nicht am 25. und 26.12 zu hause bleiben.

Braunhuber
01
9.11.2009, 20:38
Feiertage in Konkordat von 1933 geregelt

Im Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhle und der Republik Österreich vom 5. Juni 1933 sind im Artikel IX die Feiertage geregelt:

Die Republik Österreich anerkennt die von der Kirche festgelegten Feiertage, diese sind:
alle Sonntage;
Neujahrstag;
Epiphanie (6. Jänner);
Himmelfahrtstag;
Fronleichnam;
Fest der heiligen Apostel Peter und Paul (29. Juni);
Mariä Himmelfahrt (15. August);
Allerheiligen (1. November);
Tag der Unbefleckten Empfängnis (8. Dezember);
Weihnachtstag (25. Dezember).

http://www.verfassungen.de/at/konkordat33.htm

Foromat
00
10.11.2009, 05:43

das mag schon sein. trotzdem gelten Sie auch für Nicht-Christen.

Elisabeth Irgendwer
01
9.11.2009, 13:08
warum?

was hat meine Religion (bin Katholikin) damit zu tun, dass in staatlichen Einrichtungen religiöse Symbole aller art nichts verloren haben? Wie kommen Sie darauf, dass ich die christl. Feiertage deswegen nicht mehr mitfeiern darf? Religion ist Privatsache. Der Staat muss neutral bleiben. Wenn Sie davon ausgehen, dass alle, die das Abhängen der Kreuze fordern, ab sofort nicht mehr Katholiken sein wollen, dann nenn ich das sehr naiv.

zusatzprotokoll
10
9.11.2009, 15:11

Na ja, stimmt! Freiwillig die Abnahme zu fordern, ist halt ein wenig ungewöhnlich.
Ihrem aggressiven Ton zufolge könnten Sie aber auch ein Troll sein?

Elisabeth Irgendwer
00
9.11.2009, 16:48
Troll

ich könnte einer sein - aber ich bin keiner. Ich bin jemand, der überzeugt davon ist, dass Religion nichts in staatlichen Einrichtungen verloren hat. Falls für Sie mein Posting aggressiv rübergekommen ist, entschuldige ich mich.

zusatzprotokoll
10
9.11.2009, 19:18

Ihre für den Bedarfsfall ausgesprochene Entschuldigung wäre selbst in diesem nicht notwendig. Die Aggressivität habe ich nicht auf mich bezogen sondern dem Thema gegenüber.

Pannonia Jack
11
9.11.2009, 12:32

Die "Religiösen" sollten aber dann auch arbeiten gehen! Keine ungerechtfertigte Differenzierung bitte!

hotta
00
9.11.2009, 09:38
Erschütternd

Für die Bischöfe mag der Verlauf der Diskussion erschreckend sein, bringt er doch zum Ausdruck wie weit sich die Menschen im "christlichen Europa" glaubensmäßig vom Erlöser am Kreuz entfernt haben, sodass sie das Kruxifix an der Wand nicht mehr aushalten. Antwort auf die Kreuzesfrage: Glaube JA - Kirche und Kreuze NEIN?

hotta
00
9.11.2009, 09:26
Tradition

Es werden sich Bischöfe zu Wort melden, das Kreuz verteidigen und auf traditionelle Gewohnheiten hinweisen. Die "Abhänger-Befürworter" sollten akzeptieren, dass in der r.k. Kirche die Tradition eine der Säulen des Glaubens darstellt .

hotta
00
9.11.2009, 09:18
Selbstbestimmt

Vorschlag: Lassen wir das Europäische Urteil einmal beiseite und diskutieren wir die Kreuzesfrage frei weg. Wenn erst einmal die hochgehenden Emotionen zur Ruhe gekommen sind, könnte eine sachliche Diskussion beginnen. Ausgang unbestimmt.

Jerry P.
00
10.11.2009, 21:03

Find ich eine sehr gute Idee. Vielleicht könnten wir auch gleich mal die Frage stellen was Menschen mit dem Kreuz identifizieren und warum es sie so abschreckt?

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