Die Furcht vor dem Domino-Effekt

05. November 2009 18:44
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    Foto: apa/ young

    Aufgereiht wie Dominosteine. Noch haben die Boxen-Damen leicht lachen, setzt sich jedoch der Rückzugstrend fort, könnte die Formel 1 daran zerbrechen.

Nach Honda, BMW und Toyota denkt man auch bei Renault an den Rückzug - Ferrari sieht Streit mit FIA und Ecclestone als Grund

Maranello/Hamburg - Ferrari schlägt Alarm. Erst Honda, dann BMW, nun Toyota und schon bald auch Renault? Die Formel 1 erlebt einen noch vor kurzer Zeit kaum für möglich gehaltenen Exodus und steht vor dem tiefgreifendsten Wandel der vergangenen Jahre. Um den Ernst der Lage in der Formel 1 zu beschreiben, bemühte Ferrari die Literatur. Die Situation nach dem Ausstieg von Toyota verglich das Team aus Maranello mit dem Agatha-Christie-Roman "Ten Little Indians". Doch die Realität sei "sehr viel ernster", schrieb Ferrari in seiner ungewöhnlichen Mitteilung zum Rückzug der Japaner.

Außerordentliche Sitzung in Paris

Renault will spätestens bis zum Jahresende entscheiden, ob man weitermachen wird "Sie werden sich gedulden müssen", sagte Konzern-Chef Carlos Ghosn nach einer Vorstandssitzung am Donnerstag in Paris. "Wir werden bezüglich unserer Teilnahme an der Formel 1 noch vor Ende des Jahres eine Entscheidung bekanntgeben."

Renault hatte in diesem Jahr wegen der Aufdeckung der Rennmanipulation im Vorjahr in Singapur für Negativschlagzeilen in der Formel 1 gesorgt. Das Team wurde deshalb vom Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) im September zu einer Sperre von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Ex-Teamchef Flavio Briatore wurde als Hauptschuldiger lebenslang gesperrt.

Bereits vor dieser FIA-Entscheidung waren bereits Gerüchte aufgekommen, dass Renault mit Saisonende aussteigen könnte. Der französische Konzern ist derzeit in der Formel 1 nicht nur mit einem Werksteam, sondern auch als Motorpartner von Red Bull Racing aktiv. Sollte Renault sich tatsächlich zurückziehen oder sich auf die Motorenlieferung beschränken, würden nur noch der Mythos Ferrari und Mercedes als Hersteller übrig bleiben.

Die italienische Zeitung "La Stampa" befürchtet bereits einen "Domino-Effekt". "La Repubblica" glaubt: "Die Formel 1 bricht auseinander." In dem Roman von Agatha Christie werde der Schuldige erst gefunden, weil einer nach dem anderen stirbt, setzt Ferrari seine Buch-Besprechung fort und endet mit der Frage: "Wollen wir abwarten, bis dies bei uns passiert oder wollen wir für das Formel-1- Buch ein anderes Ende schreiben?"

Schuldzuweisungen

Die Gründe für die Flucht der vergangenen elf Monate sowie den angekündigten Rückzug des Reifenlieferanten Bridgestone seien weniger ein Resultat von wirtschaftlichen Krisen, meint Ferrari. "Die Wahrheit ist, dass dieser allmähliche Rückzug aus der Formel-1-Gemeinde mehr zu tun hat mit dem Krieg gegen die großen Automobilhersteller, den diejenigen in den vergangenen Jahren geführt haben, die die Formel 1 managen." Adressaten der Schuldzuweisungen aus Italien sind der Automobil-Weltverband FIA und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone.

Die Ferrari-Verantwortlichen tun sich offensichtlich schwer mit dem Umbruch in der Formel 1. Im kommenden Jahr heißen die Gegner der Scuderia nicht mehr BMW, Toyota oder - wie noch 2008 - Honda. Sie haben dann - ausgenommen Lotus - weniger klangvolle Namen wie Manor, USF1, Campos oder BMW-Sauber-Käufer Qadbak - sofern diese Teams überhaupt in der Lage sind, zu starten. Man könne sagen, dass es sich ausgleicht, weil es genug Teilnehmer gebe, schrieb Ferrari und warnte: "Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Wir müssen das kommende Jahr abwarten und schauen, ob tatsächlich so viele Teams beim Rennen in Bahrain am Start stehen und wie viele bis zum Saisonende durchhalten."

Horrende Ausgaben

An der Situation, die Ferrari nun beklagt, sind die Hersteller allerdings auch selbst schuld. In dem Machtkampf zwischen ihnen mit der FIA und Ecclestone ging es vor allem auch um Kostenreduzierungen. Durch den Einstieg der Automobilkonzerne war in den vergangenen Jahren aus dem Millionen-Geschäft Formel 1 ein Milliarden-Geschäft geworden. Die Ausgaben stiegen horrend. Toyota hat über 2,5 Milliarden Euro seit 2002 ausgegeben, um auf dem Asphalt- Abenteuerspielplatz mitzumischen.

In der Saison 2008 kurvten noch mehr Werksteams oder Teams mit Konzern-Beteiligung als Privat-Rennställe auf den Strecken der Welt. Dass die Flucht nun zu einem Zeitpunkt erfolgt, da die Kosten sich auf vergleichbar überschaubare 100 Millionen Euro beschränken sollen, zeigt, wie ernst die Wirtschaftssituation der Unternehmen ist.

Aber auch PS-"Pate" Ecclestone muss sich Gedanken über seine Strategie "Go east" machen. Immer mehr Rennen finden in Asien oder dem Mittleren Osten statt. Hier sieht der Brite die Märkte der Zukunft. In Japan hat die Formel 1 allerdings viel von ihrer Popularität verloren. So sind 2010 nun weder ein Team noch voraussichtlich ein Fahrer aus dem "Land der aufgehenden Sonne" dabei.

An der Börse in Tokio spielte Toyotas Ausstieg kaum ein Rolle. Wichtiger waren die Quartalszahlen, die im dritten Viertel des Jahres überraschend einen leichten Gewinn auswiesen. Der Kurs sank um 0,8 Prozent und war damit besser als der Trend im Nikkei-Index, der ein Minus von 1,3 Prozent verzeichnete. (APA)

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Lausbub
08.11.2009 01:30
An eine Formel 1 ohne Autohersteller wird man sich gewöhnen müssen!

In der Einstellung gegenüber dem Automobil hat sich eindeutig der Zeitgeist geändert. Da sich in nur wenigen Jahren Spritverbrauch, Emissionsniveau und Nachhaltigkeit als sehr gewichtige Marktfaktoren durchgesetzt haben, passt die Formel 1 einfach nicht mehr in das Image, das ein Autokonzern vermarkten will. Egal ob Premiummarke oder Massenkleinwagen. Was soll man in der Formel 1 beweisen, wenn man nicht gerade ein Hersteller von Supersportwagen wie Ferrari ist?
Dennoch hat die Formel 1 immer noch genügend Fans, deshalb wird sie auch noch lange bestehen, ohne Automobilkonzeren halt. Na und? Das wird dem, was den Fans an der Formel 1 gefällt keinen Abbruch tun.

re-play
16.11.2009 13:09

"gewöhnen müssen" ist gut, immerhin gabs bis jetzt mehr F1 ohne große Werke als mit.
Und im Endeffekt find ich es gut, weil das Hineinpulvern von Unmengen an Geld m.E. die F1 mehr ruiniert hat als der jetzige Rückzug der großen Firmen.

hellfast
08.11.2009 21:47

es wird halt auch immer absurder für die großen automobilkonzerne. image-mäßig kann man gegen die kleinen "privat"-teams nur der kürzeren ziehen.

STIHL 026
06.11.2009 22:16

eine gesundschrumpfung, die dem sport nur guttun kann.

Alpine_ 161
 
06.11.2009 21:48
alles und egal

wichtig ist das die rennen endlich wieder ein bissl mehr action haben und nicht nach der 1sten runde sind die positionen vergeben. ausfälle gibts sowieso fast keine mehr für was soll man noch zuschaun.

filk
06.11.2009 14:41
hinfallen kann einjeder, aufstehen ist die kunst!!!

ob werksteam oder "bastlerbude", ich habe kein problem damit; gabs immer und wirds immer geben; "copersucar" mit weltmeister fittipaldi, "wolf" mit peterson, ligier, arrows oder brm; ferrari war immer da als werksteam!es bedarf wieder einwenig mehr realität, weniger starallüren!weniger überheblichkeit - mehr kind im manne! ganz ehrlich; der sport lebt von bubenträumen!dafür brauchen wir aber keine strecke ala abu dhabi oder singapur!wir wollen einfach ein paar wahnsinnige sehen, halsbrecherisch fahrend, alles riskierend und mit sicherheit keine geschäftsmänner die sich vom scheitel bis zur sohle vermarkten!aber leider ist das die realität in unserer welt, a la beckham, schumacher,woods oder sogar popstars a la sarkozy oder berlusconi!

Zaungast8
 
06.11.2009 18:06
100 % Zustimmung

Und was Ferrari anlangt kommt wieder der Sonderstatus zum tragen.
Streng genommen war die Scuderia Ferrari von ihren Anfängen in den 30ern an - verglichen mit Mercedes, Auto Union und Alfa - selber die Bastelbude eines Emporkömmlings, die ab den 50ern halt auch selbst Autos gebaut hat - so wie Lotus einige Jährchen später.
Von einem regelrechten "Werk" im Rücken kann man erst seit dem Fiat-Einstieg Anfang der 70er sprechen ...

soamist
 
06.11.2009 12:27
WERKSTEAM LOGAN

°°__°°
08.11.2009 09:54

wohl eher DACIA oder?

verleih nix
06.11.2009 12:14
und wenn dann nur mehr privatteams fahren, dann zählt die fahrerische leistung wieder etwas

... und das zusehen macht noch mehr freude. obwohl man sich da heuer ohnehin nicht mehr beklagen konnte.

mika33
06.11.2009 09:49
Ist doch immer schon so in der F1, schaun sie mal die teams vor 20 Jahren an,

welche sie davon heute noch finden.

Wechsel und Flukuation wird da immer geben .... so gesehen nichts neues ...

Muhu
 
06.11.2009 06:34
Was ist das für ein sexistisches Aufmachfoto?

Ich hoffe da wird von dieStandard auch eine Zitrone vergeben.

frunzi002
09.11.2009 15:50

cooler Beissreflex den Sie da eingebaut haben. Und zum Artikel auch eine Meinung oder suchen Sie nur nach vermeintlichen Ungerechtigkeiten die Zeitung durch? Müsli.

Kugelmugel
09.11.2009 13:30
das ist der grund, warum so mancher (auch ich) überhaupt den artikel angeklickt hat...

nun (nach dem durchlesen) bin ich allerdings enttäuscht, habe mir was anderes erwartet... ;o)

Ultra
06.11.2009 10:35
ein bild mit frauen ist nicht per se sexistisch

bissl nachdenken, dann das maul aufreißen!

glindan
06.11.2009 09:15
und Ihr Kommentar...

...reicht zumindest für den Hirni des Tages.

Porqué no te callas?
06.11.2009 09:02

nicht sexistisch sondern rassistisch. das sind ja nur chinesinnen ;)

Sputnik740
06.11.2009 10:08

hm oder japanereinnen oder thailänderinnen oder oder oder :-)

NoComment
06.11.2009 11:22

eh wurscht schauen eh alle gleich aus ;-)

Der Große von Gegenüber
06.11.2009 12:47

zumindest von unten ...

mais11
06.11.2009 13:14

You made my day!
ROR!!! (=LOL für Nicht-Asiaten)

Simplicius Simplicissimus
06.11.2009 01:06
In früheren Jahren ...

... waren für das Publikum eher die Fahrer wichtiger. Es werden außerdem auch neue Teams fahren. Vielleicht gibt es auch einen "Einheitsmotor" wie seinerzeit Cosworth. Zu Jochen Rindts Zeiten gab es auch nur Ferrari-, Ford- und Matra-Motoren, soviel ich weiß. Übrigens: Totgesagte leben länger! ...

Zaungast8
 
09.11.2009 05:16
bei der Aufstellung

fehlen ( mindestens ) noch Coventry Climax, Repco, Serinissima, BRM ...

Aber ab '68 hats zum Glück einen absolut Konkurrenzfähigen Motor ausm Regal gegeben. Und das, ohne dass das Reglement drauf bestanden hätte.

Jet Fuzzi
05.11.2009 23:46

Also, mich wundert die Krise der F1 nicht. Obwohl ich eigentlich ein Auto-Freak bin, der gerne Rennen anschaut, hab ich schon Jahre kein F1 - Rennen gesehen: zu steril. Überholmanöver allenfalls in der Box, Zweikämpfe Fehlanzeige... das ist nicht das, was ich als Real Racing bezeichnen würde. Jede Tourenwagenmeisterschaft ist da interessanter; und das ohne abgehobene Diven a la MSC. Dazu kommt, dass aus Herstellersicht die Formel 1 viel zu weit von den Autos des Alltags weg ist - ein Mercedes, der ein Rennen gewinnt, kann kaum mehr die Kompetenz von Mercedes als Autohersteller kommunizieren. Warum Milliarden investieren, wenn nix zurückkommt?

Ronald Tekener
06.11.2009 10:54

Tja, dann haben Sie in dieser Saison wohl nicht zugeschaut. Da gab es einige sehr spannende Zweikämpfe und Überholmanöver.

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