Umgang mit Bildungswütigen

Eine Win-Win-Situation schaffen

Maria Kapeller, 15. November 2009, 16:30
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    foto: ap/nasser ishtayeh

    Im besten Fall bedeutet eine berufsbegleitende Weiterbildung eine Win-Win-Situation: Der Mitarbeiter profitiert von den Karrieremöglichkeiten, das Unternehmen vom zusätzlichen Know-How.

Rewe, Bank Austria, Skidata und Microsoft Österreich über den Umgang mit berufsbegleitender Weiterbildung - Gegenseitiges Profitieren steht im Vordergrund

Berufsbegleitende Weiterbildung - was bringt sie dem Mitarbeiter, was dem Unternehmen? Wie wird sie betrieblich gefördert, welche Aufstiegschancen gibt es? derStandard.at hat einen Rundruf bei vier heimischen Unternehmen gestartet, um diesen und weiteren Fragen auf den Grund zu gehen.

Grundsätzlich gilt: Wer sich berufsbegleitend weiterbildet, fördert seine Karriere aktiv. Bei den befragten Unternehmen stehen Mitarbeiter, die sich freiwillig fortbilden, hoch im Kurs. Das hat zwei Gründe: Sie werden als überdurchschnittlich engagiert sowie als hoch motiviert angesehen. Beim Handelskonzern Rewe kann Weiterbildung für die Mitarbeiter konkret bedeuten "komplexere Aufgaben zu übernehmen und ihnen so wesentlich raschere Karriereschritte zu ermöglichen", sagt Pressesprecherin Corinna Tinkler. Beim Schrankenbauer Skidate habe man vor allem "bei der Nachbestzung von Führungspositionen Chancen", erklärt Finanzvorstand Michael Hofer. Des Weiteren bekomme man die Möglichkeit, Projekte sowohl national als auch international zu leiten.

Bei der Bank Austria warten auf künftige Absolventen bereits entsprechende Jobs. "Schon während des Studiums kann in einem mittelfristigen Entwicklungsplan mit dem Mitarbeiter erarbeitet werden, wie seine künftigen Perspektiven in der UniCreditGroup aussehen könnten", heißt es dort. Bei Microsoft Österreich findet regelmäßjig eine "Mid-Year-Career-Discussion" statt, bei der Mitarbeiter und Manager gefordert sind, an ihrer zukünftigen Berufslaufbahn zu arbeiten. "Faktoren wie berufsbegleitende Weiterbildung nehmen hier eine wichtige Stellung ein", sagt HR-Director Jenny Dinich.

Abschlussarbeiten und Bildungstage

Der Mehraufwand lohnt sich also, Weiterbildung wird honoriert. Aber wie sieht es mit konkreter Unterstützung von Seiten der Unternehmen aus? Abschlussarbeiten werden von allen befragten Betrieben unterstützt, etwa durch Information, fachliche Beratung oder die Vermittlung von Experten für Interviews. Bei Rewe erfolgt die Hilfestellung "individuell": "Bildungsurlaub, Karenzierung beziehungsweise flexible Arbeitszeiteinteilung werden je nach Einzelfall vereinbart", so Tinkler.

Bei Skidata ist rund ein Drittel der Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. "Hier ergeben sich auch immer wieder Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit renommierten Universitäten", erklärt Hofer. Neben Forschungsprojekten und Diplomarbeiten gebe es für sich weiterbildende Mitarbeiter auch finanzielle Unterstützung. Auch bei der Bank Austria sei man schon für Studiengebühren aufgekommen, zusätzlich werden Bildungstage gewährt, die Mitarbeiter für Seminare oder Prüfungen verwenden können. Bei Microsoft Österreich stehen jedem Mitarbeiter fünf Bildungstage pro Jahr zur Verfügung, sehr flexible Arbeitszeiten gebe es ohnehin.

Gelerntes in der Praxis anwenden

Wenn Unternehmen berufsbegleitende Weiterbildung von Mitarbeiter unterstützen, versprechen sie sich davon vor allem, dass das gelernte Wissen unmittelbar in der Praxis eingesetzt wird. Außerdem, dass der Betrieb von "neuen, konkreten in der Jobpraxis anwendbaren Skills" und dem "Blick über den Tellerrand" der jeweiligen MitarbeiterInnen profitiert, so Jenny Dinich von Microsoft.

"Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es sich dabei um proaktive und zielstrebige Mitarbeiter handelt, die das Unternehmen bei der Bewältigung von Herausforderungen benötigt und auch behalten möchte", heißt es bei der Bank Austria. Auch bei Skidata ist man der Meinung, "dass sich hochqualifizierte und kompetente Mitarbeiter positiv auf den gesamten Erfolg des Unternehmens auwirken." Man unterstütze daher auch immer öfter internationale Fortbildungen, die den "weltweiten Aktivitäten und Netzwerken zu Gute kommen." Man habe die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter, die sich weiterbilden, ihr Knowhow schon während der Ausbildung im Unternehmen umsetzen würden und nicht erst danach. "Dadurch hat das Unternehmen schon von Beginn an Vorteile", erklärt Hofer.

Zeitmanagement und Zielsetzung

Dass die Qualität der Mitarbeit durch die zusätzliche Belastung einer Ausbildung leide, glauben die Verantwortlichen nicht. Bei der Bank Austria könne man auf Wunsch die Arbeitszeit vorrübergehend reduzieren, was auch in einigen Fällen angenommen würde. Bei Skidata weiß man aus Erfahrung, dass sich insbesondere Personen mit einem ohnehin guten Zeitmanagement einer zusätzlichen Ausbildung widmen. Jenny Dinich von Microsoft hat beobachtet, dass Mitarbeiter es "sehr erfolgreich schaffen, die verschiedenen Anforderungen unter einen Hut zu bringen - was möglicherweise auch mit ihrer eigenen Motivation zu tun hat, ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen."

"Win-Win-Situation" schaffen

Nun steht also scheinbar fest: Wer sich weiterbildet, erhöht seine Karrieremöglichkeiten im eigenen Betrieb. Aber berufsbegleitende Weiterbildung kann nicht nur für den Mitarbeiter, sondern auch für das Unternehmen einen Mehraufwand bedeuten. Was, wenn sich der Mitarbeiter nach Abschluss der Ausbildung gegen den Betrieb und für neue Wege entscheidet? "Kein Thema" sind solche Szenarien bei Rewe: Mitarbeiter, die sich weiterbilden, seien von Haus aus engagiert, motiviert und wertvolle Bestandteile des Unternehmens. Auch bei der Bank Austria habe man in dieser Hinsicht gute Erfahrungen. Bei Skidata bietet man dem Mitarbeiter Entwicklungsschritte an, um solchen Szenarien vorzubeugen. "Das ist ein fester Bestandteil unserer Mitarbeitergespräche", sagt Hofer. Auch Microsoft setzt auf Kommunikation: Man will schon in Vorhinein sicherstellen, dass kontinuierlich eine enge Verbindung zwischen Job und Weiterbildung besteht. Der Abschluss des Studiums oder der Ausbildung könne so eine "Win-Win-Situation" darstellen. (mak, derStandard.at, 16.11.2009)

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18 Postings
maxauthority
00
18.11.2009, 09:46

Ist es ein "Zufall", dass der Artikel das berufsbegleitende Studium so hoch lobt, und dann die
"Messe fuer das berufsbegleitende Studium" einen riesigen Werbebanner auf der Seite hat?

Linus Tintifax
01
16.11.2009, 16:31
faszinierend

wie hartnäckig solcher schwachsinn in den karriere-teilen der zeitungen verbreitet wird. abgesehen davon dass aus sicht der unternehmen weiterbildung als individuelle entscheidung bzw. anforderung betrachtet wird tut man gut daran, den vorgesetzten managern nichts von einem geplanten bildungsupgrade zu erzählen da man sonst sofort als mögliche konkurrenz wahrgenommen wird. merke: ein schlauer geschäftsführer stellt niemals jemanden ein, der ihm (eindeutig) überlegen ist.

BlueFish
00
17.11.2009, 15:58
Sorry aber das ist Blödsinn

A Führungskräfte bringen A Mitarbeiter ins Unternehmen, B bringt C und D.

andi083
00
16.11.2009, 16:48

nichts sagen, kann aber nach hinten auch los gehen....

fadelini
00
16.11.2009, 15:01
fernab der realität

wer sich nebenberuflich weiterbildet gilt als unflexibel, weil er sich nicht an seine berufliche situation anpasst, sondern sie verbessern will.

fadelini
00
16.11.2009, 15:32

und liebe frau Dinich,
bei den M$ Partnern bekommt man sowieso nur dann einen Job, wenn man als Fussabtreter tauglich ist.

macindd
04
16.11.2009, 13:28
Die rosarote Brille der PR

Erstens sind gerade einmal vier Unternehmen, dazu noch für Österreich untypisch große, nicht aussagekräftig. Zweitens ist den Unternehmensvertretern, wenn sie zu so einem Thema befragt werden, klar, dass sich hier PR-mäßig eine gute Gelegenheit ergibt, das Unternehmen im schönsten Licht darzustellen.

Die Realität sieht anders aus. Beim Vorstellungsgespräch zu erwähnen, dass man abends noch eine Weiterbildung macht, kann verhängnisvoll sein. Es wird von vornherein angenommen, dass man in Gedanken nicht bei der Arbeit und mglw. nicht voll einsatzfähig ist und den Job nur als temporäre Lösung sieht. Außerdem besteht die Angst, dass man danach mehr Gehalt verlangen könnte. Nur Nachteile :-)

Vertrauen kann man sich nur auf sich sich selbst.

BlueFish
00
17.11.2009, 16:03
Welche Weiterbildung?

Wenn die Weiterbildung mit dem Job zu tun hat, wird kein Unternehmen damit ein Problem haben. Wenn ich allerdings einen neuen Job und damit eine neue Herausforderung annehme und gleichzeitig Makrame Perfektion in 4 Semestern mache und jeden zweiten Tag früh weg muss, darf man sich nicht wundern wenn ein Arbeitgeber nicht begeistert ist.

pottery
00
15.11.2010, 16:18

Oh doch. Als ich abends eine Weiterbildung gemacht hab, die ich für den Job brauchte, musst' ich zwei Mal Job wechseln. Beim Bewerbungsgespräch meinten zwar alle "toll, unterstützen wir", aber als ich dann jeden Tag um 5 gehen musste, da hat die Sache dann anders ausgeschaut.

Jens Berger
03
16.11.2009, 17:52
gebe Ihnen Recht

Interessant finde ich zudem, dass hier offenbar die Pressesprecher befragt wurden.

Na die werden's ja wissen :-))

andi083
06
16.11.2009, 09:51
achhh wie gern wäre ich bei einer dieser firmen...

also die firmen, die berufsbegleitende weiterbildung unterstützen, kann man wahrscheinlich auf einer hand abzählen.

ich habe bis jetzt eher nur negative erfahrungen gemacht. für die firmen, für die ich gearbeitet habe, denen war es ziemlich egal, ob man prüfungen hat oder nicht und ob man mal früher weg muss wegen dem studium. eher das gegenteil, als ich meine arbeitszeit von 50 wochenstunden auf normale 40 wochenstunden reduziert habe, hat man mir nahe gelegt sich entweder für die firma oder für das studium zu entscheiden, was ich dann auch gemacht habe (selbstverständlich habe ich mich fürs studium entschieden)

defaultuser
00
16.11.2009, 15:19

Ich gebe meinen Vorpostern vollkommen recht. Ich selbst habe berufsbegleitend ein Informatikstudium absolviert und meiner Firma war das vollkommen egal obwohl ich bereits facheinschlägig arbeitete. Die Firma war an einer Nutzung des von mir erworbenen Wissens nicht interessiert. Man hatte eher die Befürchtung, dass ich mit höheren Gehaltsforderungen aufwarte oder meine Position neu definiert haben wollte.Wenigstens hat man mir keine Steine in den Weg gelegt und mich im Betrieb in Ruhe meine Diplomarbeit schreiben lassen welche obwohl 100% betriebsbezogen auch niemand in der Firma interessierte. Ich bin trotzdem froh dass ich das Studium durchgezogen habe.

BlueFish
00
17.11.2009, 16:09
Bedarf udn keine Unterstützung?

Es muß doch einen Bedarf geben und wenn der nicht da ist, dann hat es für das Unternehmen keinen Vorteil. Wenn dir Untertsützung wichtig ist, muß man etwas studieren dass dem Unternehmen nutzt. Hast du danach gefragt?
Und eine Diplomarbeit während der AZ ist eine bezahlte Diplomarbeit und das ist eine große Unterstützung!!

A. E. Neumann
21
16.11.2009, 13:16

Ich denke, die genannten Firmen werden kein Kunstgeschichtestudium oder ähnliche Zeitverschwendung fördern...

andi083
13
16.11.2009, 15:34

abgeshen davon, dass ich kunstgeschichte nicht als zeitverschwendung bezeichnen würde du kartoffelbauer, habe ich betriebswirtschaft u. e-business studiert und obwohl dieser laden für den ich gearbeitet habe, es mehr als notwendig hatte, sein business zu reformieren, wurde ich eher als risikofaktor aufgrund des studiums angesehen

A. E. Neumann
01
16.11.2009, 17:27

Punkt 1: Ein Studium fördert nicht unbedingt die Umgangsformen. Sie sind das beste Beispiel dafür.

Punkt 2: Wer sagt, dass Ihr Arbeitgeber ausgerechnet von Ihnen Kenntnisse in Betriebswirtschaft und e-Business erwartet? Hat er Ihnen gesagt, dass er das gerne hätte?

Aus meiner Sicht hat der Arbeitgeber eine ganz rationale Sicht auf die Situation, denn ein Studium ist die ineffizienteste Art und Weise sich Wissen anzueignen, das im Job direkt und sofort nutzbar ist. Wieso soll er für sowas auf die Leistung einer -vermutlich gut qualifizierten- Kraft verzichten?

Hoinz
 
12
16.11.2009, 08:45
Das Angebot berfusbegleitender Studiengänge

in Österreich ist jedoch als dürftig zu bezeichnen...

Management Quatscher
01
15.11.2009, 23:38

WIN-WIN ist gut.

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