Flexibler Kollektivvertrag brachte für viele geringere Erhöhung
Wien - Die flexible Gestaltung der Kollektivlöhne je nach Unternehmenserfolg hat in der Elektro- und Elektronikindustrie einer Vielzahl der Beschäftigten weniger Geld gebracht. "Insgesamt haben 78 Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten die Konjunkturklausel beantragt. Das ist rund ein Drittel aller dem Kollektivvertrag unterliegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 60 eingereichte Anträge, die rund 16.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betreffen, konnten erfolgreich bearbeitet werden", teilte der Branchen-Fachverband am Donnerstag in einer Aussendung mit. Er begrüßte erwartungsgemäß die Konjunkturklausel und sah darin einen Erfolg der Sozialpartnerschaft.
Laufende Verhandlungen
Derzeit laufen gerade die Verhandlungen für die 170.000 Metaller und die 520.000 Beschäftigten des Handels. Der Handel ist gerade in die Gespräche gestartet, bei den Metallern hingegen wurde bereits drei Runden lang ergebnislos gesprochen, die Folge sind derzeit Protestmaßnahmen in den Betrieben und ein Überstundenboykott. Die Arbeitgeber wiederum haben gedroht, statt mit der Gewerkschaft auf Betriebsebene weiter zu verhandlen, was der ÖGB als Angriff auf die Sozialpartnerschaft sieht. Knackpunkt bei den Verhandlungen sind die Forderungen der Industrie nach längeren Durchrechnungszeiten für Überstunden, wodurch sich die Ausgaben für die Mehrleistung verringern würden. Am 13. November wird in der Metallindustrie weiter verhandelt.
Wie die Elektronikindustrie hatten auch die Metaller im Vorjahr ergebnisabhängige Lohnerhöhungen akzeptiert. Dass eine derartige Lösung auch heuer kommen wird, gilt laut Verhandlungskreisen als wahrscheinlich. In der Elektro- und Elektronikindustrie sah die erfolgsabhängige Lösung so aus: Für alle Betriebe, die im 1. Quartal 2009 gegenüber dem 1. Quartal 2008 einen Umsatzrückgang von 15 Prozent und mehr hatten, wurde die Möglichkeit für eine geringere Ist-Erhöhung von 1,4 statt 2,2 Prozent geschaffen.
Erfreuliches gibt es von der Kurzarbeit zu berichten. Seit November 2008 nahmen 26 Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie Kurzarbeit in Anspruch, betroffen davon waren in diesem Zeitraum insgesamt 8.720 Beschäftigte. Per 10. Juli 2009 befanden sich 5.200 Personen in Kurzarbeit. Aktuell wird in elf Elektro-Unternehmen mit 3.947 Beschäftigten kurzgearbeitet, Tendenz rückläufig. (APA)