Ein Bezirk im Fokus

05. November 2009 11:02
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    Foto: schülerstandard

    "Favorite Places" in Favoriten.

Junge Migranten fotografieren "Favorite Places" in ihrem Heimatbezirk Favoriten

Wien - Das Vorhängeschloss an der schmiedeeisernen Kette an den Stäben des Fußballkäfigs fällt vorbeigehenden Spaziergängern kaum auf. Doch auf einige Jugendliche aus dem zehnten Wiener Gemeindebezirk hinterlässt es einen bleibenden Eindruck. So bleibend, dass sie es mit ihrer bunten Lomo-Kamera ablichteten.

"Die Jugendlichen haben Sachen aufgezeigt, die sie stören. Zum Beispiel, dass die Käfige schon um 21 Uhr schließen", erklärt Cornelia Gundacker, Sozialarbeiterin und Streetworkerin von "back on stage", der mobilen Jugendbetreuung in Favoriten. Sie und ihre Kollegen bilden seit den Sommermonaten das Verbindungsstück zwischen Favoritner Jugendlichen und dem neu gegründeten Kunstverein "Salon sichtbar". Im Mittelpunkt steht dabei das Projekt Favorite Places, durch das die Vereinsgründer Selina de Beauclair und Jürgen Böheimer den Jugendlichen eine Möglichkeit geben wollten, "sich visuell auszudrücken und zu zeigen, was ihrer Meinung nach in ihrem Bezirk gut läuft und wo es Probleme gibt". Auf zweiter Ebene sollten die Ergebnisse der Bezirksbetreuung helfen, Probleme wahrzunehmen und Verbesserungsmöglichkeiten für die Bezirksplanung aufzuzeigen. Ähnliche Projekte könne man sich durchaus auch mit anderen Bevölkerungsgruppen vorstellen, sagt Christoph Gollner von der Gebietsbetreuung Favoriten.

Unter den dreißig Elf- bis 18-Jährigen Teilnehmern, denen im Laufe ihrer Besuche bei "back on stage" kostenlos Einwegkameras ausgehändigt wurden, waren auch die Schwestern Franciska und Sylvia

Agyemang. "Ich wollte jedem zeigen, was mir gefällt im zehnten Bezirk und was nicht - deshalb habe ich für drei Wochen die Kamera überall hin mitgenommen", schildert die 13-jährige Sylvia.

Während sie zufrieden ein Stück Fladenbrot isst, laufen auf einer Leinwand hinter ihr Fotos ab, auf denen vor allem ihre Schule, der unter Jugendlichen beliebte Wielandpark und Geschäfte am Reumannplatz in den Vordergrund gerückt sind. Sylvia ist stolz, ihre Bilder nun sogar im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

"Back on stage" und "Salon sichtbar" erhoffen sich von diesem Projekt vor allem einen Anstoß für die Arbeit der Wiener Gebietsbetreuung Stadterneuerung, in deren Räumlichkeiten die Fotos an hellblauen Wänden ab sofort zu sehen sind. "Mit den Ergebnissen sind alle sehr zufrieden", so Gundacker. "Wir sind wirklich sehr erstaunt über die Vielfältigkeit und die Perspektiven der Fotos." Dass von den dreißig ausgeteilten Kameras zwölf zurückgekommen sind, sei eigentlich ein ziemlich guter Schnitt angesichts dessen, dass "back on stage" eine niederschwellige Einrichtung sei, erklärt die Streetworkerin: "Es hätte genauso gut sein können, dass keine einzige Kamera zurückkommt."

Bei der Projektumsetzung gab es dennoch Schwierigkeiten. So waren die Treffen zur Fotobesprechung "schwierig, da sich die Jugendlichen, mit denen wir zusammenarbeiten, schwer tun mit Uhrzeiten und fixen Terminen".

Mit ihrem ersten Projekt dieser Art zeigten sich Böheimer und de Beauclair aber "im Großen und Ganzen sehr zufrieden". Sylvia ist begeistert und hat allen Freunden von der Ausstellung erzählt. "Ich würde noch einmal mitmachen.(Ina Bauer/ Magdalena Leder/DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2009)

Die Ausstellung der "Favorite Places" läuft bis 10. November (Mo bis Mi 9.00-12.00, Do 13.00-19.00, Fr 9.00-12.00) im Gebäude der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, Quellenstraße 149, in 1100 Wien.

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