Proteste gegen GM

Zornige Opelaner wollen sich nicht erpressen lassen

6. November 2009, 06:30

Der Zorn der Opel-Mitarbeiter auf GM ist nach dem geplatzten Magna-Deal groß. Zehntausende protestierten gegen die US-Mutter

Berlin/Rüsselsheim - Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält staatliche Finanzhilfen an die Opel-Mutter General Motors (GM) für möglich. Zunächst müsse der Konzern den Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen, sagte Schäuble der "Neuen Presse".

Opel-Mutter GM, die den Opel-Verkauf an den Zulieferer Magna und die russische Sberbank absagte, droht der Belegschaft mit Insolvenz, wenn die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sind. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, sich eng mit US-Präsident Barack Obama abzustimmen.

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Langsam schwebt ein Plakat mit "Stinkefinger" an der Statue von Opel-Gründer Adam Opel am Stammwerk in Rüsselsheim vorbei. "GM, hau ab!" steht darauf. "Freiheit für die Sklaven von GM" , heißt es auf einem anderen Transparent. Auch akustisch machen zehntausende Opelaner an diesem Donnerstag an allen vier Standorten (Rüsselsheim, Kaiserslautern, Bochum, Eisenach) auf sich aufmerksam: Viele haben Trommeln und Trillerpfeifen mitgebracht, um ihre Wut auszudrücken.

Sie sind nicht nur empört darüber, dass GM Opel jetzt doch behalten will, sondern auch über die Sparpläne, die bereits von Detroit aus nach Deutschland getragen wurden: GM fordert ja den Abbau von 10.000 Jobs und droht für den Fall, dass die Opel-Mitarbeiter nicht zu Zugeständnissen bereit sind, unverhohlen mit der Insolvenz des deutschen Autobauers.

"Drohung, Erpressung und Einschüchterung" , nennt Opel-Betriebsratschef Klaus Franz diese Vorgehensweise. Für ihn ist klar, wohin der Weg nach den gescheiterten Verhandlungen gehen muss: Opel soll wieder eine Aktiengesellschaft werden. Franz: "Wir brauchen eine selbstbewusste AG und nicht ein Anhängsel, das durchregiert werden kann von General Motors." Das gemeinsam mit den Arbeitnehmern ausgearbeitete Sanierungskonzept gelte jetzt in der vereinbarten Form nicht mehr.

Drei Forderungen an GM

Doch gleichzeitig machte Franz deutlich, dass die Arbeitnehmer zu Gesprächen bereit seien. Abgesehen von der Umwandlung Opels von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft fordern sie eine "materielle Absicherung" im Gegenzug für Zugeständnisse. Wie diese aussehen soll, ist unklar. Außerdem wollen sie einen eigenen Tarifvertrag zur Sicherung des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim.

Unterstützung kommt von der deutschen Politik. Kanzlerin Angela Merkel hat mit US-Präsident Barak Obama telefoniert und bei ihm auf ein neues Konzept für Opel gedrängt. Laut ihrem Sprecher Ulrich Wilhelm war Obama in die GM-Entscheidung nicht eingebunden. GM hat Deutschland mittlerweile versichert, den Brückenkredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Auch am Montag, wenn Bundeskanzler Werner Faymann in Berlin mit Merkel zusammentrifft, wird Opel ein Thema sein. Trotz der schweren Verärgerung Deutschlands kann GM auf Staatshilfen von Berlin hoffen. Wenn ein Sanierungsplan vorliege, dann könne man darüber reden, ob Mittel aus dem Deutschlandfonds fließen, sagt Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU).

Er warnt jedoch: "Die Amerikaner dürfen nicht glauben, dass sie Deutschland in irgendeiner Form erpressen können." Ins gleiche Horn stößt der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Man werde dem US-Management keine "Gewinnmaximierung erlauben, indem sie die deutschen Arbeitnehmer als Geiseln nehmen."

Enttäuscht über den Rückzieher von GM ist auch der russische Regierungschef Wladimir Putin. Zwar werde seine Regierung weiterhin in Russland mit General Motors zusammenarbeiten. Doch man werde den "eigentümlichen Geschäftsstil im Umgang mit europäischer Konkurrenz" berücksichtigen. Bei Opel und der britischen Tochter Vauxhall könnte bald eine neue Führung eingesetzt werden. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.11.2009)

 

Kommentar posten
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Sheriff Jack Mauer
00
6.11.2009, 12:18

In ein paar Jahren (oder Monaten :-)) bekommt Onkel Frank das Werkl um einen Apfel und ein Ei geschenkt.

materazzi
01
6.11.2009, 11:39

GM ist zu 70% verstaatlicht. Ohne Staatshilfe wären die Lichter schon aus. Opel hat mit GM Null Zukunft. Mit Magna wäre vielleicht was gegangen!

Tschortschy
10
6.11.2009, 11:31
Ohne Power Ewig Letzter

vielleicht wäre Opel nicht in dieser Lage wenn sie ordentliche Autos gebaut hätten.

onlymehdy
00
6.11.2009, 10:20

Die Frage ist doch wer führt da wen aus der Krise, GM-Opel oder Opel-GM!

Peter Wassertheurer
00
6.11.2009, 10:38
Käufer!

Letztlich nur die Käufer! Fehlen die, wird sich jedes Konzept negativ auf die Belegschaft auswirken. Dann heißt Sanierung nur Werke zusperren, Leute entlassen. Wenn eine Belegschaft von 50.000 jährlich insgesamt 2 Millionen Opel baut und die Zahl 2 Millionen ständig nach unter fällt, kann das nur bedeuten, dass die Belegschaft im Verhältnis dazu zu groß ist. Ich brauche nämlich für 1,6 oder 1,4 Millionen gebaute Opel keine 50.000 Personen mehr. Die Alternative dazu wären dann, was derzeit bei GM in den USA und bei Opel in Europa passiert, öffentliche Subventionen, um die negative Bilanz dieses Mißverhältnisses (rote Zahlen) auszugleichen. Das hat aber auch wegen der EU-Vorgaben ein schnelles Ablaufdatum.

Peter Wassertheurer
01
6.11.2009, 10:01
Was ist das Problem? Dann kauft doch Opel!

Natürlich verstehe ich den Ärger der Opelaner in Deutschland und sonstwo in Europa. Was aber ist das eigentliche Problem? Ist es wirklich GM? Im Grunde sind es die rückläufigen Verkaufszahlen bei Opel. Alle, die sich jetzt wegen GM vor Wut an den Kopf greifen, sollen einen Opel kaufen. Stimmen die Verkaufszahlen wieder, hat Opel mit GM und umgekehr kein Problem mehr. Solange der Verkauf im Keller liegt, wird Opel rote Zahlen schreiben - das hätte dann auch Magna nicht ändern können. Also Leute, kauft Opel. Ich habe das letztes Jahr auch gemacht und bin zufrieden. Mein Dank gilt den Opelanern! Nur so kann Opel gerettet werden: Kaufen!

Nono
10
6.11.2009, 09:54
So überraschend ist die Aktion nicht, ...

da zeigen die Gier-Kapitalisten uns Europäern ganz einfach wo "der Bartel den Most holt".

p c2
00
6.11.2009, 09:51
"Zum teufen mit General Motors"

passender wäre,

gibt's genug und ausschliesslich private investoren?
nein?
dann,
zum teufel mit gm und opel!

max coochi
00
6.11.2009, 09:49
Krieg

ihr habts no immer net kapiert, das wirtschaft krieg ist. lests mal sun zu "the art of war", dann werde ihr verstehen, warum man so agiert. so agierten nicht nur konzerne, sonder jedes 1 mann/frau büro - wenns ums eigene überleben geht.

franz der freie
 
01
6.11.2009, 09:29
ja, der wahlkampf ist vorbei, nun sind wir wieder in der realität.

gm hat der merkel ein wenig im wahlkampf geholfen. so wie man eben einem besetzten land hilft.

Frotzel
10
6.11.2009, 09:24
Wann erkennen Gewerkschafter, daß Automaten nicht streiken?

Das Denkmuster ist veraltet wie bei Kaufleuten, die glauben daß Automaten Autos kaufen.

Politikern, also Leuten die in Warmluftblasen flüchten weil sonst zu Leistungsschwach, traue ich das Erkennen der Zukunft nicht zu, obwohl die behäupln die Glaskugel lesen zu können.

Gelogen!

Die Zukunft ist im Internet zu finden, wo Ideen geboren und angeboten werden. Die Politik macht mit den Grenzen das Ganze nur schwieriger.

Von Predigern samt deren erschaffenen Allfuzzies gar nicht zu reden.

Obama spührt die neue Richtung - unser spüren nur den neuen Wind - mißdeuten das als Furz!

Ganerc-Callibso
00
6.11.2009, 09:15
absolut frech, was GM da aufführt

José Atento
00
6.11.2009, 08:38
Ist das eine Drohung?

<Opel-Mutter GM, die den Opel-Verkauf an den Zulieferer Magna und die russische Sberbank absagte, droht der Belegschaft mit Insolvenz, wenn die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sind.>

Also ich kenne Ö Unternehmen, die wurden von ihrer D Mutter in die Insolvenz getrieben, obwohl sie profitabel gearbeitet hatten.
Was geschah dann?
Der Ö Masseverwalter verkaufte die Firma.
Und diese Firma existiert heute noch, während die D Mutter, zerschlagen wurde.
Personalabbau gab es eigentlich hauptsächlich vor der Insolvenz. Ist auch logisch, denn diese kündigt sich in der Regel an.

Aber bei einem Produktionsunternehmen wie Opel würden da wohl einige Leute auf der Strecke bleiben.

Ich fürchte daran geht jedoch kein Weg vorbei.

internetsüchtlerin
00
6.11.2009, 07:41

opel ist anscheinend in der bisherigen form nicht überlebensfähig

d.h. so brutal es klingt, den mitarbeitern muss klar sein, dass massiv eingespart werden muss - dh eine arbeitsplatzgarantie oder ähnliches ist utopisch

wie sollen die forderungen erfüllt werden - woher soll das geld kommen? wenn keine autos gebaut werden, die am markt erfolgreich sind, wird opel/gm sowieso sterben - es nützt ja nix wenn ich fleissig opel produziere die mir keiner abkauft

und dass ein konzern wie gm nicht an seinen mitarbeitern interessiert ist, sollte einem leider auch klar sein

Ganerc-Callibso
00
6.11.2009, 09:20
das ist ihnen doch klar - man hat immer mit Kündigungen und Einsparungen gerechnet

aber GM ist mit ihren Ideen und Konzepten gescheitert - jemand anders muß her, der wieder Vertrauen aufbauen kann...

José Atento
11
6.11.2009, 08:49
Die Ursache:

ist, dass Zentralbanken ein Geldsystem aufgezogen haben, das falsche Preissignale entstehen lässt. D.h. die Autobauer waren in den letzten Jahren der Meinung, dass sie die Kapazitäten erhöhen können, weil die Wirtschaft real wächst. Das war aber nicht der Fall. Alles ist eine immer mehr sich aufblähende Schuldenblase.

Das lief auch in anderen Sektoren so ähnlich.
Diese sind derzeit aber weniger in den Medien präsent. Z.B. Fluglinien oder Bauwirtschaft.



Die Lösung?
Ist wohl nicht so einfach in einem Posting zu beschreiben ;-)
Guter Hinweis: www.mises.org

José Atento
01
6.11.2009, 08:43
Das Problem:


In der Automobil- Industrie wurden in den letzten 10 Jahren massive Überkapazitäten erhalten und aufgebaut.

Das ging solange gut, solange die Finanzierungen auf Pump gut liefen.
Doch jetzt kehrt die Realität zurück. Die Zeit des Schuldenabbaues ist gekommen. Jetzt müssen weltweit in dieser Branche die Kapazitäten reduziert werden. Besonders in EU und USA.

Es herrscht also ein sehr harter Verdrängungswettbewerb.
Diejenigen, die nicht genügend Reserven haben und nicht die richtigen Modelle verkaufen können, werden wegfallen müssen.

Wenn Staten (Politiker) in diesen erforderlichen Prozess eingreifen kommt wie immer Mist heraus. Siehe Opel.
Und vor allem es kostet die Steuerzahler enorm viel Geld.

Karl Hubert Triernpurg
10
6.11.2009, 06:44
genau...


...viel besser ist es doch als arbeitnehmer den staat (die billaverkäuferinnen....) zu erpressen um weiterhin ein nicht marktfähiges produkt zu erzeugen und damit selber megacash, megaabfertigung und gigaprivilegien (auf steuerzahlerkosten) zu erhalten

hagane
00
6.11.2009, 08:36

welche gigaprivilegien hat denn so der normale opel mitarbeiter und wie hoch ist denn sein megacash?

galawa
02
6.11.2009, 06:24

die gm entscheidung ist fraglos diskussionswürdig, aber in einem punkt haben die schon recht: wo ist der unterschied beim stellenabbau von 10.000 menschen? ob es gm oder magna durchführt macht für diese personen keinen unterschied

gk76
05
6.11.2009, 07:33
der Unterschied liegt in der Zukunft von Opel

Magna wäre im eigenen Interesse daran interessiert gewesen einen gesunden Autobauer aufzubauen der langfristig im Wettbewerb bestehen kann. GM will das Entwicklungszentrum inkl. Kleinwagen Knowhow.

José Atento
00
6.11.2009, 08:52

Ich denke, der Hr. Stronach hat aus der Misere einfach nur versucht herauszukommen und stürmte mit dem Opelkauf nach vorne.

Es drohte doch sein Hauptkunde GM wegzusterben.

Wenn dieser aber vielleicht doch nicht wegstirbt (ich bezweifle das), dann wäre er sicher froh, wenn er dieses Abenteuer (Autoproduzent) vielleicht nicht eingehen müsste.

C18H27NO3
00
6.11.2009, 10:01

magna ist autozulieferer und beliefert nicht ausschliesslich GM. Stirbt GM, werden mehr andere automarken verkauft und auch die kaufen bei magna.
Das Opel experiment war...naja, Hr. Stronach ist auch schon etwas älter...

der Kanzler ist eines + sein Vize schaut so aus
 
00
6.11.2009, 06:21
Also, damit diese Geschichte richtig schön rund wird und unvergessen,

MUSS Opel jetzt einfach pleite gehen. Ich will schreiend demonstrierende Ruhrpottsäue sehen, aggressive Currywurstfresser, die ganze Palette durch. Merkel soll getortet werden, GM-Manager mit Eiern beworfen, und und und...

Sonst würde man das Ganze leider bald vergessen, und dazu dauert diese Geschichte schon zu lange. Sie hat Potential zum Revolutionsfunken.

Das Wort
05
6.11.2009, 05:35
Weil sich Kapital und Mitarbeiter spalten lassen!

Beide wollen den optimalen Vorteil - wenn geht auf Kosten des Anderen.

Die wirklichen Nutznießer sitzen nicht in den Betrieben, aber bestimmen darüber.

Ein Modell der Gemeisamkeit wird von Nichtsnutzen hintertrieben, weil sonst müßten die arbeiten.

Risken zu teilen muß gelernt sein, und - in weniger Jahren als gedacht, hat die Automatisation den Arbeitsmarkt total im Griff.

Was dann? Die politisch versprochenen Arbeitsplätze sind Vorspiegelungen - Politlügen wie die Wirtschaftskurbel!

Die Freiheit Erwerb zu finden wird mit Vorschriften eingeengt, aber die Verantwortung für die Folgen mit €cents abgegolten - man möcht Sklaven.

Mit jedem Streik werden etliche "geschaffen"!

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