Heiße, braune Brühe mit starker Heilkraft

1. Dezember 2009, 06:41
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Wie Peloide wirken, wem sie helfen und warum sich ein 42 Grad heißes Moorbad anfühlt wie ein 37 Grad warmes Wasserbad

Es ist eine dunkelbraune Brühe, die sich nicht einmal sonderlich warm anfühlt, eingelassen in eine silberne Wanne. Dabei hat ein Moorbad im Paracelsus Kurhaus in Salzburg bis zu 42 Grad Celsius. Liegt man in der Wanne, fühlt sich das 42 Grad heiße Moor ungefähr gleich an wie eine Wassertemperatur von 37 Grad. "Das kommt daher, dass das Moor die Außentemperatur der Haut annimmt und die Hitze nachpuffert", erklärt Gerhard Smöch, Leiter der Kurhausbetriebe. Die im Moor gelösten Substanzen übertragen die Wärme durch Leitung.

Schmerzlindernd und entgiftend

So ein Bad wirkt zweifach: Die Hitze lindert Schmerzen, die im Moor enthaltenen Heilstoffe entgiften und entschlacken. Bei einem Moorbad wird dem Körperkern des Patienten eine siebenfach größere Wärmemenge zugeführt als durch ein gewöhnliches Wasserbad. Die Temperatur im Körperkern steigt langsam und schonend an, es entsteht eine Art künstliches Heilfieber. Die Überwärmung mobilisiert die eigenen natürlichen Abwehrkräfte und bewirkt eine bessere Durchblutung, was wiederum dazu führt, dass Stoffwechselschlacken, so genannter "Körpermüll", gelöst und durch die Niere ausgeschieden werden.

Huminsäure und unzählige Pflanzenstoffe

Die Inhaltsstoffe der braunen Brühe sind Huminsäure und Kieselsäure sowie unzählige weitere Pflanzenstoffe. "Aber auch Mineralstoffe wie Kupfer, Eisen, Magnesium und Mangan sind darin enthalten", ergänzt Kurärztin Gertrud Hasslacher. Am besten untersucht sei die Huminsäure: "Sie wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral, andere Moorinhaltsstoffe haben östrogenähnliche Wirkung."

"Pelos" steht für Schlamm

Moor gehört neben Schlamm, Schlick, Lehm oder Fango (Vulkanerdschlamm) zur Gruppe der Peloide. Sie entstehen, wenn sich Pflanzenreste unter Luftabschluss verwandeln. Das Wort "Peloide" kommt aus dem Griechischen, wo "Pelos" für Schlamm steht. Das Leopoldskroner Moor ist zwischen 12.000 und 15.000 Jahre alt.

Erkrankungen des Bewegungsapparates

"Die Hauptanwendungen von Moor sind Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Abnützungen der Wirbelsäule oder der Gelenke", weiß Kurärztin Hasslacher. Moor helfe aber auch bei Entzündungen der Muskulatur, rheumatischen Erkrankungen, Verspannungen sowie bei Erkrankungen der Haut. Außerdem regen Moorbehandlungen Stoffwechsel und Immunsystem an.

Auch wer nach einer Operation eine schmerzende Narbe habe, könne von einem Moorbad profitieren, so Smöch. In Salzburg werden Physiotherapie-Patienten vorweg mit Moor behandelt, um die Schmerzen zu lindern und so die nachfolgende Therapie zu erleichtern. Sogar bei einem bisher unerfüllten Kinderwunsch kann Moor helfen: "Hier wird die östrogenähnliche und die entspannende Wirkung der Inhaltsstoffe genutzt", erklärt Hasslacher.

Medizinische Mooranwendungen sind rezeptpflichtig. Vorsicht geboten ist bei Schwangeren, Personen mit hohem Blutdruck oder offenen Wunden sowie bei Menschen, die Hitze schlecht vertragen - in solchen Fällen ist von Moorbädern oder - packungen abzuraten.

Ältestes Moorheilbad Österreichs

In Salzburg werden die Moorvorkommen im Stadtteil Leopoldskron schon seit fast 190 Jahren genutzt, die Mozartzstadt ist damit das älteste Moorheilbad Österreichs. Der Torf wird auch heute noch von so genannten Moorbauern gestochen, die die erdige Masse fast täglich mit dem Traktor  ins Kurhaus bringen. Neben dem großen Container, voll beladen mit der erdigen Masse, steht ein Kübel mit aus dem Torf gefischten Zweigen und Geästen. "Zu uns kommen Sammler, die sich solche Stücke holen, zum Beispiel um sie in ihre Oldtimer zu hängen", sagt Kurhausleiter Smöch.

Ruhephase nötig

In der so genannten "Moorküche" wird der Torf zerkleinert und mit Wasser vermischt, bis er eine braune, dicke Flüssigkeit ergibt. Diese wird dann entweder für Moorbäder verwendet oder portionsweise in Moorpackungen abgefüllt, die kalt (etwa bei Entzündungen) oder warm aufgelegt werden. "Ein Moorbad dauert rund 15 Minuten", erklärt Smöch. Wegen der hohen Temperatur sei es wichtig, nicht länger darin zu bleiben und nach der Reinigung eine Ruhe- und Schwitzphase einzulegen. Die Moorpackungen werden 20 Minuten lang auf einzelne Körperteile aufgelegt. Rund zehn Mooranwendungen sind nötig, um die richtige Wirkung zu erzielen.

Zurück in die Natur

Nach der Anwendung kommt das Moor in Salzburg übrigens dahin zurück, wo es hergekommen ist: in die Natur, genauer genommen in den Fluss Salzach. Die Moorpackungen finden sich letztendlich zwischen Blumen und Gemüse wieder - sie werden als Gartenerde verwertet. (Maria Kapeller, derStandard.at)

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    In einem Moorbad sollte man nicht viel länger als 15 Minuten bleiben, eine Ruhephase ist im Anschluss unbedingt nötig.

  • So sieht der Torf aus Leopoldskron aus, wenn er von den Moorbauern per Traktor ins Kurhaus gebracht wird.
    foto: maria kapeller

    So sieht der Torf aus Leopoldskron aus, wenn er von den Moorbauern per Traktor ins Kurhaus gebracht wird.

  • In der so genannten "Moorküche" wird der mit Wasser vermengte Torf in Packungen abgefüllt.
    foto: maria kapeller

    In der so genannten "Moorküche" wird der mit Wasser vermengte Torf in Packungen abgefüllt.

  • Das auf 42 Grad erhitzte Moor fühlt sich eher lauwarm an, weil es die Außentemperatur des menschlichen Körpers annimmt.
    foto: maria kapeller

    Das auf 42 Grad erhitzte Moor fühlt sich eher lauwarm an, weil es die Außentemperatur des menschlichen Körpers annimmt.

  • Eine mit Heilmoor gefüllte Wanne im Salzburger Kurhaus Paracelsus: Rund zehn Anwendungen sind nötig, um die gewünsche Wirkung zu erzielen.
    foto: maria kapeller

    Eine mit Heilmoor gefüllte Wanne im Salzburger Kurhaus Paracelsus: Rund zehn Anwendungen sind nötig, um die gewünsche Wirkung zu erzielen.

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