Der Autoexperte Wilfried Sihn erwartet nach dem geplatzten Deal zwischen GM und Magna Werksschließungen bei Opel. Für Aspern sieht er keine Gefahr
Der Autoexperte Wilfried Sihn erwartet nach dem geplatzten Deal zwischen GM und Magna Werksschließungen bei Opel. Für den Standort Wien-Aspern sieht er keine Gefahr, sagte er zu Günther Oswald.
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STANDARD: General Motors (GM) will Opel doch nicht verkaufen. Welche Auswirkungen hat die Absage?
Sihn: Man wird sich sicher überlegen, ob man die Produktionsstruktur aufrechterhält. Die zukünftigen Märkte von Opel liegen sicher nicht in Deutschland. Ich rechne damit, dass eines von vier Werken in Deutschland, am ehesten Kaiserslautern, geschlossen wird. Auch das Werk in Belgien wird sicher zur Diskussion stehen. Ich gehe aber auch davon aus, dass Opel-Aspern nicht gefährdet ist. Aspern ist von der Produktionsstruktur und der Technologie hervorragend aufgestellt. Die werden ihren Weg gehen, egal unter welcher Führung.
STANDARD: Was hat letztlich zum Platzen des Deals geführt?
Sihn: Nachdem Angela Merkel von der EU-Kommission gezwungen wurde, zu sagen, dass die deutsche Staatshilfe jedem Investor zur Verfügung stehen würde, hat sich für GM einfach eine neue Situation ergeben. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich gesagt haben: Wir wissen eh selbst, wie es geht.
STANDARD: Hat Opel nun überhaupt eine Überlebenschance?
Sihn: Sicherlich. Die Frage ist, wie gut man Opel für die Zukunft fit macht. Man hat in den letzten fünf Jahren die Qualität in den Griff gekriegt. Aber eingebettet in GM waren sie nicht erfolgreich. Die besseren Chancen hätte Opel aber sicher mit Magna gehabt.
STANDARD: Was bedeutet die GM-Entscheidung nun für Magna?
Sihn: Als die Geschichte mit der EU-Kommission auf den Tisch kam, war das für Magna die perfekte Situation, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ohne das Gesicht zu verlieren.
STANDARD: Also kann Magna eigentlich froh sein?
Sihn: Für Magna war es eine gute Entscheidung. Das Unternehmen steht zwar gut da, hat aber - wie alle Zulieferer - große Umsatzrückgänge, was zu Strukturveränderungen führen muss. Die haben genug Hausarbeiten zu erledigen. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2009)
Zur Person
Wilfried Sihn (54) ist Professor für Betriebstechnik und Systemplanung an der TU Wien.