Köpfe des Tages

Die Audimax-Besetzer

04. November 2009 18:21

Die Besetzer im Audimax der Uni Wien verstehen sich als Kollektiv, der Hörsaal ist seit mittlerweile zwei Wochen ein politisches Reservat, wo Basisdemokratie geprobt und gelebt werden kann

Es gibt keinen Kopf des Tages. Es gibt viele Köpfe oder jeden Tag andere. Die Besetzer im Audimax der Uni Wien verstehen sich als Kollektiv, der Hörsaal ist seit mittlerweile zwei Wochen ein politisches Reservat, wo Basisdemokratie geprobt und gelebt werden kann.

Visionen und Worte verlangen auch hier nach einem Publikum, und das Audimax bietet auch eine Bühne. Thomas, lange schwarze Dreadlock-Mähne, Medizin-Student, Sprecher der Arbeitsgruppe "Widerstand mit Verstand" , kommuniziert den gemeinsamen Auftritt so: "Auch wenn wir in manchen Details nicht übereinstimmen, werden wir dafür Sorge tragen, nach außen ein einheitliches Gesicht zu wahren. Gleichzeitig liegt in unserer Vielfalt unsere größte Stärke."

Überhaupt gibt es eine große Leidenschaft, die das Kollektiv vereint: die Liebe zur Debatte. Und überraschenderweise - zur geordneten Debatte. So manche Arbeitsgruppe, die nur ein gutes Dutzend Leute umfasst, kommt nicht ohne Rednerliste aus. "Denn bei uns kommen nicht nur die Lautesten zu Wort" , wird einem scharf das Wort abgeschnitten, wenn man sich nicht an die Redeordnung hält.

Dass ein selbstbewusstes Frauenverständnis ein wesentlicher Teil der Bewegung ist, zeigt neben der "gegenderten" Redeordnung (Frauen werden vorgereiht) auch eine vielbeklatschte Meldung im Plenum: "Männer sollen sich, bevor sie reden, überlegen, ob das, was sie sagen wollen, nicht schon eine Frau gesagt hat oder nicht auch eine Frau sagen könnte."

Aus diesem Grund werden auch die Social Communities im Internet als basisdemokratische Kommunikationsform so sehr geschätzt. Das Gesicht der rosahaarigen Politikstudentin Lou Hefner ist allen bekannt. Als eine der aktivsten Twitterinnen schlägt sie etwa sofort Alarm, wenn die Heizung abgedreht wird.

Wenn die "Generation Pragmatismus" den größten Hörsaal des Landes besetzt, dürfen auch praktisch-funktionale Vorschläge nicht fehlen: "Wir könnten uns mit der Polizei solidarisieren, damit wir nicht geräumt werden" , führte ein Sprecher ins Treffen. Denn man teile zumindest eine gemeinsame Forderung mit der Exekutive: mehr Geld vom Staat.

Der typische Audimax-Besetzer trägt Che Guevara nicht am T-Shirt, ist aber sofort Feuer und Flamme dafür, zu diskutieren, warum ein Poster des Guerillaführers an der Wand hängen soll oder eben nicht. Und wie in jeder politischen Bewegung gibt es auch hier die Realos ("Wir fordern bessere Betreuungsverhältnisse." ) und die Fundis ("Kapitalismus abschaffen!" ). (Tanja Traxler/DER STANDARD-Printausgabe, 5. November 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 92
1 2 3
El Bulli
09.11.2009 15:21
"Männer sollen sich, bevor sie reden, überlegen, ob das, was sie sagen wollen, nicht schon eine Frau gesagt hat oder nicht auch eine Frau sagen könnte."

ah ja, sehr interessant.
darf ich im gegenzug auch verlangen, dass frauen, bevor sie den mund aufmachen, überlegen, ob das, was sie sagen wollen, überhaupt intelligent ist und sinn macht?
oder wär das jetzt sexistisch?

hitchhiker
09.11.2009 17:49
und warum ist dieser Satz nicht gegendert?

a'la: Personen sollten, bevor sie reden, überlegen, ob das, was sie sagen wollen, nicht schon eine Person gesagt hat oder nicht auch eine Person sagen könnte.
Wär mal eine positive Anregung: Leute denkt nach, bevor ihr den Mund aufmacht,
oder ganz einfach
Stille ...

Subs
08.11.2009 13:37

Ist ja alles schön und gut...Aufmerksamkeit schaffen, sich für seine Rechte einsetzen...ABER: Wenn in unserem Audimax Sachschäden entstehen geht das wirklich zu weit!! Und die Uni Wien, die ohnehin schon kein Geld hat, soll es büßen?
Alle fordern, alle wollen mehr Geld, aber wo soll es herkommen? Einkommenskürzungen bei Politikern und Topmanagern? Das wird nicht geschehen! Jeder will und will, was ich will ist studieren! Forderungen sind schön und gut, aber gratis Studienplätze für allle? Bleibt realistisch! Und bitte passt auf's Audimax besser auf! Es ist UNSER Audimax und jede Zerstörung, sei sie nun mit Absicht oder nicht, geht nicht gegen den Staat, sondern gegen die Uni und eure Mitstudierenden!!

cerberos69
 
08.11.2009 12:15
Versteh ich nicht...

Was genau ist an:
"Männer sollen sich, bevor sie reden, überlegen, ob das, was sie sagen wollen, nicht schon eine Frau gesagt hat oder nicht auch eine Frau sagen könnte."
ein "selbstbewusstes Frauenverständnis"?

Ich würde das ja eher als schlichte Diskriminierung bezeichnen - ein Quasi-Sprechverbot für Männer, weil das Argument, "das könnte ja auch eine Frau sagen", kann man immer bringen.

Sepp Kultura
 
07.11.2009 13:17

lustig. hab gerade die geschichte eines armen jungen mannes gehört, der sich in der ag sexismus einbringen wollte, aber nicht durfte, weil diese sich im frauenlesbentransgenderblaraum trifft und männer dort keinen zutritt haben.
sollte das stimmen, ist das nicht ein widerspruch? alle menschen sind gleich, trotzdem nur zutritt für frauen? wo ist denn hier die 50-50 quote?

reziprok
07.11.2009 22:53

die AG ist völlig daneben..

cannery row
07.11.2009 17:21
fanatismus..

ist nie was gutes.

fan of MASKULIST.de
07.11.2009 12:30

Es ist wichtig das Männern der wahre Charakter des Feminismus vor Augen geführt wird.

Mercury12
07.11.2009 10:35

Beispiel 1: Eine Frau diskutiert mit einem Mann über ein Thema. Der Mann sieht der Frau in die Augen, wartet aber nur bis sie endlich fertig gesprochen hat um dann seine Meinung hervorheben zu können.

Beispiel 2: Eine Frau diskutiert mit einem Mann über ein Thema. Der Mann blickt dabei auf verschiedene Körperteile der Frau, nimmt aber alles was sie sagt wahr und geht danach auf ihre Argumente ein.

Sind beide Beispiele Fälle von Sexismus? Nur eines? Welches der beiden? Ist zweiteres einfach nur unhöflich oder gar unmöglich? Ist ersteres ein anderer Fall von Sexismus? Sinds einfach nur beschissene Beispiele?

hitchhiker
07.11.2009 09:32
Basisdemokratie und Kollektiv sind eine nette Theorie

meiner Meinung nach aber eine Illusion.
alleine die Idee des Kollektivs ("Wir sind Borg" - Star Trek *gg*) scheitert am Individualismus. Kann man ja schon in diesem Artikel lesen (Erwähnung von Lou Hefner als Einzelperson)
Die Basisdemokratie scheitert an der Meinungsvielfalt. Schon klar - es gibt auch hier Diskussionen und verschiedene Meinungen, aber eine echte Opposition ist nicht möglich.
Daher ist es auch notwendig, dass gewisse Personen und Gruppen von vorn hinein von dieser Aktion ausgeschlossen werden (z.B. aufgrund ihrer Fraktions- oder Vereinszugehörigkeit) da sonst das Kollektiv gespalten würde.
Klar, bei einem gemeinsamen Konsens funktioniert Basisdemokratie, allerdings hat sie nie den Anspruch, "für alle" zu sprechen

leser_3
06.11.2009 17:41
Weil ich hier immer von Sexismuns und Feminismus lese:


Ich bin ja auch dafür, dass Frauen nicht benachteiligt werden und nicht sexistisch behandelt werden. Aber mal ganz im Ernst. Wenn eine Frau ein Oberteil mit rieeeeeßigem Ausschnitt trägt, dazu noch einen Pushup BH damit ja alles schon rausschaut ... dann darf sie sich nicht wundern wenn der ein oder andere mal einen Blick riskiert!

Viele machen es auch gar nicht absichtlich sondern schweifen hald einfach während eines Gespräches nur mal kurz ab, konzentrieren sich aber dann eh wieder aufs Gesicht.

Aber sich immer aufdonnern um ja die ganze Aufmerksamkeit zu erhaschen aber sich dann über die Reaktionen zu beschweren ist bullshit.

Reisebegleiterin
06.11.2009 21:31

tut ma leid, aba um sowas gehts beim sexismus gar ned:P

spiral block
05.11.2009 21:53
feminismus

es gibt sicher aussagen die mehr das denken provozieren sollen, als 100 %ig umgesetzt zu werden

aber, und das darf man nicht vergessen existiert sexismus sehr wohl, und das erlebe ich oft genug selbst
ich studiere medizin, und oft genug werden weibliche stud. geschickt um akten zu holen, nicht der "herr kollege"
wenn es daran geht bei ops zu assistieren wird die möglichkeit zu 80% zuerst einem männlichem studenten angeboten, und das liegt nicht an der fachlichen qualifikation

und manchmal muss man vielleicht provozieren um auf in unseren köpfen verankerten rollenbilder aufmerksam zu machen, und zum nachdenken anzuregen

OssiP
 
05.11.2009 19:41
NEPALHILFEVORTRAG wegen Alten AKH Besetzung abgesagt.


NEPALHILFEVORTRAG wegen Alten AKH Besetzung abgesagt.
Wegen der Besetzung des Alten AKH durch Studenten wurde die Veranstaltung "FEEL THE HIMALAYA" abgesagt.
Es handelte sich hierbei auch um eine karitative Veranstaltung für die Nepalhilfe, deren Ziele es auch ist den Schulbau in Nepal zu unterstützen.
Bei allem Verständnis für die Probleme der Studenten ist das eine echt miese Aktion gegenüber der Nepalhilfe und deren Organisatoren.
Auf der Strecke bleiben die nepalesischen Kinder, die wie ich aus eigenen Erlebnissen bezeugen kann, jede Hilfe benötigen.

. Kramar
 
06.11.2009 00:05

Schuld san de studenten....

Reisebegleiterin
06.11.2009 21:32

genauuu

kruazimuageli
05.11.2009 14:11
kollektiv? basisdemokratie?

vielleicht verstecken sich da auch nur ein paar selbstsüchtige agitatorInnen vom NSDStB in anonymität.
ne, war natürlich nur spaß.

Kehrseite
05.11.2009 13:25
tief beeindruckt

Bisher hat man dieser Generation jegliches Engagement abgesprochen. Und jetzt präsentiert sich hier eine politische und organisatorische Kultur, die den Alten so einiges voraus hat.
Woher haben die das? Woher können die das? Sind unsere Schulen mittlerweile so gut? Wie nennen wir die se Generation jetzt? Und wo bleiben die Politiker, die sollten hier versuchen ihren Nachwuchs zu akquirieren.

FrenchConnection
06.11.2009 13:59
Sie sind aber leicht zu beeindrucken!

Diese Generation hat sich für wichtige Dinge bisher noch nie engagiert: nicht als Bush den Irak völlig rechtswidrig besetzte, nicht als die internationalen Konzerne 1000de Mitarbeiter entließen und gleichzeitig ihren Managern Millionengehälter bezahlten und nicht als zockende Bänker und Golden Boys unser Finanzsystem an den Abgrund brachten. Das wären nur drei der vielen guten Gelegenheiten gewesen.

Aber jetzt, wo es um ihr eigenes Geld und Wohlbefinden geht, demonstrieren sie. Und wie? Basisdemokratisch, wie in den 68gern. In der Zwischenzeit hat sich international für diese Art politischen Vorgehens auch der Ausdruck "chaotisch" durchgesetzt.

Wie schon gesagt - Sie sind wirklich sehr leicht zu beeindrucken.

danae d
06.11.2009 14:32
Sie sind aber leicht zu beeindrucken!


ich auch! mir gefällt dieser stil.

chaotisch sind für mich straßenschlachten mit brennenden autos und eingeschlagenen auslagen.

Kehrseite
06.11.2009 14:18

Sie haben den Klimawandel vergessen. Dagegen haben diese Nichtsnutze auch nichts unternommen.

und den Kommunismus in China gibt's auch noch und den kläffenden Hund vom Nachbarn und der Geruch in der U1 und den Stau auf der Tangente und meine Hämorrhoiden ...

FrenchConnection
06.11.2009 15:37

Tut mir Leid zu hören, dass Sie Hämorrhoiden haben.

Vielleicht haben Sie ja deshalb mein Posting nicht genau gelesen. Ich schrieb ja nicht, dass die Studenten etwas gegen die Mißstände dieser Welt "unternehmen" sollten - wie denn auch, bitte - sondern, dass sie sich bisher für oder auch gegen nichts wirklich engagiert bzw. demonstriert hatten.

Kehrseite
06.11.2009 15:53

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Aber nicht jeder zeigt politisches Engagement. Wenn es jemand dann tut, dann respektiere ich das und zähle nicht auf, was er sonst noch alles hätte tun können.

Und danke, meinen Hämorrhoiden geht es eh gut. Obst, Gemüse und Ballaststoffe sei dank! Ich hätte damit nicht anfangen sollen ;-)

Chris Quast
06.11.2009 00:59

geh bitte !!! also was ich da gelesen hab holt vielleicht einen ultralinken vorm offen hervor, aber dieser zug ist bei mir wahrscheinlich abgefahren.

gegenderte rednerliste ?!? aber konkrete sinnvolle verwirklichbare vorschläge hab ich bis jetzt nicht viele gesehen. kannst einfach mit mehr geld von heute strukturen schaffen die statt x, 2 x verkraften. rede jetzt von überlaufenen studien. gibts deshalb innert 1-2 semestern doppelt soviele assis, profs (die wachsen nicht auf bäumen !!), also geld allein wird wohl nicht überall helfen.

ok die selbstorganisation klappt nicht so schlecht, dies dürfte zt auch den neuen medien und dem für erlernten umgang damit geschuldet sein.

RadikalDemokrat
05.11.2009 12:10
Ich habe selbst solche Feminismus/Sexismus...

... Debatten miterlebt. Seitdem schau ich im Hörsaal nur mehr auf den Boden, damit sich keine Frau von mir ausgezogen und entblößt fühlt! :-)

Nein, im Ernst: Feminismus ist gut und notwendig in unserer Gesellschaft; diese Form des Feminismus, die jedoch bei diversen Besetzer_innen vorzufinden ist, schadet meiner Meinung nach der Bewegung. Dies verursacht innerhalb der Bewegung Grabenkämpfe.

Männliche Besetzer als Sexisten zu beschimpfen macht die Sache nicht einfacher...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 92
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.