1000 Menschen beschäftigen die Landesstudios, mehr als jeder andere Teil des ORF - Selbst hohe Schwarze raten zum Sparen
Wien - Bedenkt Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll die Folgen seines Drangs? Weit beständiger als sich selbst in die Hofburg wünscht er Richard Grasl als Direktor auf den Küniglberg. Als Finanzdirektor, Grasl hat Wirtschaft studiert.
Pröll verliert so nicht nur einen Chefredakteur im Landesstudio, der manchmal scharf fragt und oft für üppige Präsenz des Landeschefs sorgt. Führt nicht mehr Grasl das Studio, muss ORF-Landesdirektor Norbert Gollinger öfter im Gustav-Peichl-Bau bleiben. So verliert Pröll auch einen ständigen Begleiter, von dem man im ORF behauptet, der Landeshauptmann sehe ihn häufiger als seine Frau.
Gollinger gebe Pröll persönlich das Gefühl, "der ORF ist ständig mit ihm" , sagt ein hoher Küniglberger, der den Landesdirektor stets "im Tross" Prölls sieht, hunderttausende Kilometer durchs Land. Hier wurden einst Spatenstiche wiederholt, weil der ORF vergessen hatte, ein Team zu schicken. So was passiert Chefredakteur Grasl nicht.
Bundesland heute zählt im Bundesschnitt zu den meistgesehenen Sendungen des ORF. Niederösterreich heute hatte 2008 den niedrigsten Marktanteil der neun. Und Jahr für Jahr steht Erwin Pröll ganz oben in der Rangliste von Mediawatch, welcher Landeschef in Bundesland heute am längsten vorkam.
Acht objektive Studios
Niederösterreich ist Prototyp des Prinzips Landesstudio. ORF-Chef Alexander Wrabetz schrieb im Frühjahr zu Dorfers Donnerstalk, der "suggerierte, dass alle ORF-Landesstudios politisch ,korrumpiert‘ wären" .Nein:Acht leisteten "unbestrittene objektive Arbeit" . Im neunten "bemühen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um guten Journalismus" . So eng wie an der Traisen gestaltet sich die Manndeckung ORF und Landeschef nicht in allen neunen. Aber Landeshauptleute empfinden ein ihrer Bedeutung entsprechendes Regionalstudio als Grundausstattung ihres Herrschaftsgebietes.
Grantig reagieren Landeshauptleute auf Sparpläne in ihrem Revier. Die Länder stellen neun von 35 Stiftungsräten des ORF, die alle fünf Jahre ORF-Chefs wählen.
Kärntens Regierung verabschiedete im Frühjahr eine "Resolution" an den Kanzler, "Personalabbau bei den Landesstudios zu verhindern" . Für die Steiermark protestierten Franz Voves und sein Vize Hermann Schützenhöfer beim ORF-General. Das Grazer Landesstudio hat das meiste Personal aller Länder-ORFs. Mit mehr als 20 nehmen dort laut ORF aber auch am meisten Mitarbeiter den GoldenHandshake zurFrühpension.
Die Landeshäuptlinge hätten es selbst in der Hand, ihre Studios in ansehnlicher Größe zu erhalten:Landesabgaben von 110 Millionen Euro schlagen sie auf die Rundfunkgebühren auf. Das Geld verwenden sie allerdings für Brauchtumspflege, Musikschulen, Altstadterhaltung und Kriegsopferfürsorge. Nur Oberösterreich und Tirol verzichten auf die Aufschläge.
131,221.300 Euro kosten die Landesstudios laut Finanzplan 2009, 100 Millionen davon für Personal. 1055 Mitarbeiter hatten sie vor dem jüngsten Sparprogramm. Als nächster Schritt kursiert intern das Konzept: Bei gleichbleibendem journalistischem Output könnte die Technik der Landesstudios, etwa Übertragungswagen, in drei oder vier Technikzentren zusammengezogen werden.
Immokonzept: Untermieter
Die bei schrumpfendem Personalstand freier und freier werdenden Flächen in den meisten Landesstudios will der ORF untervermieten, etwa an regionale Agenturen oder Produktionsfirmen. Auch das soll im Immobilienkonzept stehen, das die ORF-Spitze ihren Stiftungsräten heuer vorlegen will.
Selbst ein ranghoher Bundespolitiker der ÖVP mit hörbaren Länderwurzeln denkt im kleinen Kreis laut, dass die Landesstudios mit deutlich weniger Personal auskommen müssten. Die Landesdirektoren - teuerster wie repräsentativster Teil der Länder-ORFs - erwähnt der Mann nicht. (Harald Fidler/DER STANDARD-Printausgabe, 5. November 2009)