Jedem Landeschef sein eigener ORF

4. November 2009, 17:46
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    screenshot: cremer

    Das Treiben der Landesstudios im Spiegel der Satire: Erwin Steinhauer mimt den "Landeshauptmann von Mittelösterreich" und erklärt ORF-Mitarbeiter Florian Scheuba (links) sein Ortstafelproblem.

1000 Menschen beschäftigen die Landesstudios, mehr als jeder andere Teil des ORF - Selbst hohe Schwarze raten zum Sparen

Wien - Bedenkt Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll die Folgen seines Drangs? Weit beständiger als sich selbst in die Hofburg wünscht er Richard Grasl als Direktor auf den Küniglberg. Als Finanzdirektor, Grasl hat Wirtschaft studiert.

Pröll verliert so nicht nur einen Chefredakteur im Landesstudio, der manchmal scharf fragt und oft für üppige Präsenz des Landeschefs sorgt. Führt nicht mehr Grasl das Studio, muss ORF-Landesdirektor Norbert Gollinger öfter im Gustav-Peichl-Bau bleiben. So verliert Pröll auch einen ständigen Begleiter, von dem man im ORF behauptet, der Landeshauptmann sehe ihn häufiger als seine Frau.

Gollinger gebe Pröll persönlich das Gefühl, "der ORF ist ständig mit ihm" , sagt ein hoher Küniglberger, der den Landesdirektor stets "im Tross" Prölls sieht, hunderttausende Kilometer durchs Land. Hier wurden einst Spatenstiche wiederholt, weil der ORF vergessen hatte, ein Team zu schicken. So was passiert Chefredakteur Grasl nicht.

Bundesland heute zählt im Bundesschnitt zu den meistgesehenen Sendungen des ORF. Niederösterreich heute hatte 2008 den niedrigsten Marktanteil der neun. Und Jahr für Jahr steht Erwin Pröll ganz oben in der Rangliste von Mediawatch, welcher Landeschef in Bundesland heute am längsten vorkam.

Acht objektive Studios

Niederösterreich ist Prototyp des Prinzips Landesstudio. ORF-Chef Alexander Wrabetz schrieb im Frühjahr zu Dorfers Donnerstalk, der "suggerierte, dass alle ORF-Landesstudios politisch ,korrumpiert‘ wären" .Nein:Acht leisteten "unbestrittene objektive Arbeit" . Im neunten "bemühen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um guten Journalismus" . So eng wie an der Traisen gestaltet sich die Manndeckung ORF und Landeschef nicht in allen neunen. Aber Landeshauptleute empfinden ein ihrer Bedeutung entsprechendes Regionalstudio als Grundausstattung ihres Herrschaftsgebietes.

Grantig reagieren Landeshauptleute auf Sparpläne in ihrem Revier. Die Länder stellen neun von 35 Stiftungsräten des ORF, die alle fünf Jahre ORF-Chefs wählen.

Kärntens Regierung verabschiedete im Frühjahr eine "Resolution" an den Kanzler, "Personalabbau bei den Landesstudios zu verhindern" . Für die Steiermark protestierten Franz Voves und sein Vize Hermann Schützenhöfer beim ORF-General. Das Grazer Landesstudio hat das meiste Personal aller Länder-ORFs. Mit mehr als 20 nehmen dort laut ORF aber auch am meisten Mitarbeiter den GoldenHandshake zurFrühpension.

Die Landeshäuptlinge hätten es selbst in der Hand, ihre Studios in ansehnlicher Größe zu erhalten:Landesabgaben von 110 Millionen Euro schlagen sie auf die Rundfunkgebühren auf. Das Geld verwenden sie allerdings für Brauchtumspflege, Musikschulen, Altstadterhaltung und Kriegsopferfürsorge. Nur Oberösterreich und Tirol verzichten auf die Aufschläge.

131,221.300 Euro kosten die Landesstudios laut Finanzplan 2009, 100 Millionen davon für Personal. 1055 Mitarbeiter hatten sie vor dem jüngsten Sparprogramm. Als nächster Schritt kursiert intern das Konzept: Bei gleichbleibendem journalistischem Output könnte die Technik der Landesstudios, etwa Übertragungswagen, in drei oder vier Technikzentren zusammengezogen werden.

Immokonzept: Untermieter

Die bei schrumpfendem Personalstand freier und freier werdenden Flächen in den meisten Landesstudios will der ORF untervermieten, etwa an regionale Agenturen oder Produktionsfirmen. Auch das soll im Immobilienkonzept stehen, das die ORF-Spitze ihren Stiftungsräten heuer vorlegen will.

Selbst ein ranghoher Bundespolitiker der ÖVP mit hörbaren Länderwurzeln denkt im kleinen Kreis laut, dass die Landesstudios mit deutlich weniger Personal auskommen müssten. Die Landesdirektoren - teuerster wie repräsentativster Teil der Länder-ORFs - erwähnt der Mann nicht. (Harald Fidler/DER STANDARD-Printausgabe, 5. November 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
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derfalke
00
5.11.2009, 17:49
Das Landesstudio Kärnten gehört zum Besten, was der ORF überhaupt hat.

Mir gefällt die Struktur in Deutschland. Dort sind die Landesstudios alles eigenständige Sender und bilden in ihrer Gesamtheit die ARD.

Ich möchte, dass das bei uns ebenso geregelt wird.

Andreas Prucha
00
12.11.2009, 05:44

Das meinst aber nicht ernst, oder? Vergleich mal die Grösse Deutschlands mit der Österreichs. Dein Vorschlag entspricht ungefähr dem, wie wenn jeder bayrische Landkreis einen eigenen unabhängigen Fernsehsender bekäme. Der BR hat aber soviel ich in Erinnerung habe gerade mal 2 Regionalausgaben (Bayern Nord und Bayern Süd). Mehr als 2 oder 3 bräuchten wir in Österreich auch nicht.

Putin Okotie
02
5.11.2009, 17:09
unfassbar was da geld verbrannt wird

Nashwin_Fuller
 
01
5.11.2009, 16:49
Mehr als 1000 Mitarbeiter in den Landesstudios.


Und wieviele Mitarbeiter gibt es für die EU-Institutionen?
Zwei!

Und die sind dann gleich auch noch für London zuständig.

Aber die EU hat ja auch keinen Landeshauptmann, den man Spatenstichen und Toiletteneröffnungen filmen könnte.

ernst thaelmann1
00
5.11.2009, 15:23

bei dem tollen output, sollte man doch mal diskutieren ob nicht sogar in jedem viertel ein landesstudio ein thema sein sollte...

angelo6
03
5.11.2009, 12:40
bei uns in Pröllistan

h. meiler
00
5.11.2009, 12:15
die neue Postanschrift des ORF OÖ lautet:

ÖVP Parteizentrale
H. Gleißner Haus
Untere Donaulände
4020 Linz

anwesend ist dort der eigentliche LH von OÖ, Ludwig Scharinger, in seiner Vertretung Sepp Pühringer und sollte dieser verhindert sein ist Helmut Obermayr vom ORF OÖ der Ansprechpartner.
Buchungen für zu sendende TV Beiträge werden von diesen Personen nach eingehender Prüfung freigegeben.

donquichotesenior
03
5.11.2009, 11:55
"Bundesland Heute"

ist in NÖ wegen der PRÖLL Penetranz vorwiegend eine ÖVP Werbung. Als Gebührenzahler erwarte ich ein Eingreifen des ORF. Ich kenne kein anderes Landesstudio welches vom Landeshauptmann, auf Kosten der Gebührenzahler, so schamlos vereinnahmt wird.

suboptimal
 
03
5.11.2009, 11:05
ha ha

Für jeden Güterweg ein amtlicher Spatenstich in Anwesenheit des Landeshauptmanns und seines persönlichen ORF-Landesintendanten

*kugel*

Sobieski, Jan III.
03
5.11.2009, 10:31

Wozu benötigt ein kleines Land eigentlich neunfache Schattenstrukturen, vom ORF bis zur Engergieversorgung, vom Autofahrerclub bis unterschiedlichen Tierschutzgesetzen, von A-F?

Irgendwie verstehe ich das wirklich nicht, aber vermutlich bin ich sowieso nur auf die vielen gut versorgten Günstlige neidisch.

Motosan
00
5.11.2009, 13:07
Habe es zu nichts gebracht.

Bin auch sowas von neidisch. Buhuuu hu

wasweißich?
00
5.11.2009, 10:06
am schönsten ist dann wenn im ORF wieder mal geschrieben wird

heute 20:15 Film XXX als Free-TV-Premiere

ORF als Free-TV - höchstens Sinn-Free

kotttan
00
5.11.2009, 09:30
Pröll TV NÖ und ORF verliert, weil

jeden Tag nur selbstherrlichen Erwin Pröll und anschliessend populistischen Josef Pröll schon zum Kotzen.

1116er
010
5.11.2009, 09:19
eigentlich reichen 2 mitarbeiter pro landesstudio völlig!

einer, der dem landeshäuptling die hand hält.
und einer, der ihm die füße küsst.

Maulwurf/in
00
5.11.2009, 09:15
Immer wenn privilegierte Kasten

es zu wild treiben, und sich schamlos bereicherten, und das Volk darben und hungern musste, genügte ein Funken und die Revolution war da. Fehlt jetzt nur noch das darben und hungern....

sepp schilehrer
10
5.11.2009, 09:05

Natürlich kann man dabei viel Geld einsparen.

Was aber schon auffällt: warum soll immer nur in den Ländern gespart und gesperrt werden. Drehen wir doch mal irgendwas in Wien zu....

Andreas Prucha
00
12.11.2009, 05:56

Wien ist doch genauso nur ein Bundesland.

Markus1975
00
5.11.2009, 12:22
Wien ist auch ein Bundesland

Dimple
00
5.11.2009, 10:06
Es würde ja auch bei Wien das Landesstudio gespart

und auch die Wiener Verwaltung müsste massiv zurückgestutzt werden (auch wenn die Verwaltung einer 1.7 Mio-Gemeinde noch immer um einiges größer ist, als von einer 15.000 EW-Gemeinde).

Was hier angedacht und diskutiert wird, ist eine Verwaltungsvereinfachung, eine Neuverteilung von Rechten und Pflichten für Bund und Länder - wovon Wien - nach Ihrer Sicht - ja doppelt betroffen wäre (Arbeitsplätze in der Verwaltung): Als Bundesland und als Sitz der div. Institutionen des Bundes.

Aber der Wien-ist-böse - Reflex läßt anscheinend keine Differenzierung zu.

lg
Dimple

NELGA
02
5.11.2009, 09:13
Radio Wien

ist aber keine "Landespolitikerplattform" - im Gegensatz zu Radio Pröll - wollte sagen Radio NÖ!

uncle sam3
00
5.11.2009, 08:34
alt. headline

"Jedem Landeschef seine Propagandamaschine".

Ich weiß nicht wie es anderswo ist, in OÖ. ist es grausam.

Radi Ator
01
5.11.2009, 07:25
kein mensch braucht

z. b. drei sprecher bei einer 15 minuten bundesland heute sendung oder beim ö3 wecker. die anzahl der landesstudios gehört sowieso auf maximal drei (ost, mitte, west) reduziert.

Robert Niessner
 
00
17.11.2009, 15:48

3 eigene Sprecher?
Die Beiträge werden von den Redakteuren selbst eingesprochen. Und nur weil ein TV-Beitrag kurz ist, heißt das nicht, dass nicht viel Aufwand dahinter steckt.

Foromat
00
5.11.2009, 07:59

sowie die verwaltungsbezirke ... die landesstudios sind ein symptom und nicht die ursache :-)

Und da kann man mehr als 130 Mio einsparen.

silent_trust
 
02
5.11.2009, 06:46
Der ORF muss es finanziell ja ganz dick haben,

dass er sich für die Propagandasender der Landeshäuptlinge 131 Millionen Euro pro Jahr leisten kann. Ahja - hab ich vergessen - sind eh unsere Gebühren. Und wenn die nicht reichen, dann erhöht man sie einfach mal wieder. Mit uns kann man das ja machen!

MIR IST SCHLECHT!!!!

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