"Die deutsche Unterschicht versäuft die Kohle ihrer Kinder!"- "Explosiv", ein RTL-Boulevardmagazin und als solches prinzipiell eine Dreckschleuder ohne Genierer, wollte es genauer wissen
"Die deutsche Unterschicht versäuft die Kohle ihrer Kinder!" Mit dieser Diagnose sprach sich Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, zuletzt in markiger Tradition gegen das Ausbezahlen eines Kindergelds in Höhe von 150 Euro im Monat aus. Dieses soll Eltern zustehen, wenn sie ihre Kinder statt in einer Kita (Kintertagesstätte) zu Hause betreuen würden. Im Jahr 2013 soll das in Kraft treten.
Dieser Ausspruch empörte in Deutschland und führte zu einer anhaltenden Diskussion, in der Buschkowsky noch nachlegte und von "gesellschaftspolitischer Tieffliegerei" sprach und Kinder zum Einkommensfaktor degradiert sieht. Hat was.
Explosiv, ein Boulevardmagazin des deutschen Senders RTL und als solches prinzipiell eine Dreckschleuder ohne Genierer, wollte es am Dienstag genauer wissen: Was würden Hartz-IV-Empfänger mit Babys in Neukölln tatsächlich tun, würde man ihnen 150 Euro zum Wohle ihres Nachwuchses geben. Würde sie die Kohle ihrer Kinder tatsächlich versaufen?
Feldversuch jetzt! Zu diesem Behufe wurden einige arbeitslose Familien heimgesucht, es wurde ihnen erklärt, worum es geht, die 150 Euro wurden auf den Tisch gelegt - anschließend hat man sich empfohlen.
Im Anschluss an die Geldspendenaktion verfolgte ein RTL-Team mit versteckter Kamera die nämlichen Familien beim Einkauf und konfrontierte sie anschließend mit den Aufnahmen aus dem Supermarkt. Denn alle Familien kauften neben diversem Kinderkram auch Alkohol. Ein Sixpack hier, ein paar Flaschen da, ein Sektflascherl dort. Nun sollen hier keine Steine geworfen werden, aber möglicherweise haben sogar Politiker manchmal einfach Recht. Prost! (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 5.11.2009)