Suche nach Leben im All abseits von irdischen Vorbildern

Plattform von ForscherInnen will mögliche Formen von exotischem Leben abseits von Kohlenstoff und Wasser als Lösungsmittel ausloten

Wien - Waren WissenschafterInnen auf der Suche nach Leben außerhalb unseres Planeten zu sehr auf irdische Vorbilder fixiert? Nach dieser Frage hat sich nun eine Plattform von seriösen ForscherInnen etabliert, welche mögliche Formen von exotischem Leben abseits von Kohlenstoff und Wasser als Lösungsmittel ausloten wollen. Die universitäre Plattform "Alternative Solvents as a Basis for Life supporting Zones in (Exo-) Planetary Systems" - kurz Exolife - wurde von Maria Firneis vom Institut für Astronomie in Kooperation mit Regina Hitzenberger von der Fakultät für Physik (beide Universität Wien) ins Leben gerufen.

Im Prinzip ist jegliches bekanntes Leben auf der Erde nach dem gleichen Muster gestrickt. So dienen durchwegs Kohlenstoff-Atome als Grundgerüste der Lebensmoleküle. Als Lösungsmittel, in dem etwa Stoffwechselvorgänge ablaufen dient - ebenso universell - Wasser. "Doch das muss nicht immer und überall so sein", erklärte Johannes Leitner, Mitarbeiter von Firneis. 

Alternatives Grundgerüst für Lebensmoleküle

Als alternatives Grundgerüst für Lebensmoleküle wird - nicht zuletzt in der Science Fiction-Literatur - immer wieder Silizium genannt. Aber gerade das hält Leitner für eher unwahrscheinlich. "Solche Verbindungen wären sehr starr und beispielsweise mit einer Evolution schwer zu vereinbaren", so der Astronom. Was nun ausgelotet werden soll ist daher weniger der Ersatz der Kohlenstoffes, sondern von Kohlenstoff-Partnern. Die Kombination aus Kohlenstoff und Sauerstoff - wie bei irdischen Lebensformen - hat beispielsweise den Nachteil, dass sie nicht sehr hitzestabil ist. Bei einer Kombination aus Kohlenstoff und Stickstoff würde die Sache schon wieder anders aussehen.

Ersatz von Wasser durch alternative Lösungsmittel ist ein weiteres heißes Thema der Plattform. Als solche kommen etwa Ammoniak, Formamid oder auch Schwefelsäure in Frage. Schwefelsäurewolken werden beispielsweise auf der Venus nachgewiesen. Wäre in solchen Substanzen irgendeine Form von Leben möglich - und sei es noch so fremd - würde sich die Zahl der möglichen bewohnten Orte im Universum deutlich erhöhen. Auch die relativ engen, sogenannten habitablen Zonen innerhalb von Planetensystemen könnten zu "Life supporting Zones" erweitert werden.

Eine eigenes Problem ist allerdings, wie man derart exotisches Leben auf fremden Planeten und Monden nachweisen könnte. Bisher gelingt es nicht einmal, sicher zu sagen, ob ein ferner Himmelskörper mit Leben in uns bekannten Bahnen gesegnet ist. Generell ist es den WissenschafterInnen um Firneis ein Anliegen "den astronomischen Geozentrismus" aufzubrechen und die Suche nach Spuren von Leben im All um neue Parameter erweitern. (APA, red) 

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