Brutalität als Selbstzweck in einer süßlichen Comicwelt: "Fairytale Fights" schlachtet eine magere Idee aus, und das auch noch schlecht.
Wenn Schneewittchens Sarg Glassplitter im Auge hinterlässt, wenn Rotkäppchen physikalisch korrekt ihre Märchenwaldgenossen in Stücke teilt, wenn Kettensägen, Schwertfisch oder irgendwelches Gemüse herhalten muss, um stumpfe Blutbäder anzuzetteln, hat man das große Pech "Fairytale Fights" zu spielen. In lieb gezeichneter Märchenwelt geht es darum, humoristischen Vorteil aus dem Abschlachten ihrer Bewohner zu beziehen.
Als Abfallprodukt des Märchen-Neuaufmischens, das mit "Shrek" oder "Harry Potter" noch halbwegs gut ging, kam man irgendwann auf die Idee, möglichst süßliche, märchenhafte Kitschcomics mit möglichst viel Gewalt zu konterkarieren. "Happy Tree Friends" hieß die bekannteste Ausgeburt, die darauf aus war, rohe Gemüter zu erfreuen. Die Neuauflage der TV-Idee als XBox- und PS3-Spiel im Märchenwald von Grimm und Andersen verbessert die Idee um keinen Deut.

Doch, doch, Gewaltdarstellung können lustig sein. Aber nicht nur, dass in "Fairytale Fights" auf jede ironische Ebene verzichtet wurde, die das Setting auch für ansatzweise denkende Menschen zugänglich gemacht hätte: Die Hack'n'Slay-Variante des Märchenschatzs stinkt punkto Humor (mit Riesenkarotte killen, haha) und Abwechslungsreichtum (Springen, Killen, Ende) völlig ab. Man muss sich mit dem optisch detailreichen Aufputz und herumfliegenden Blut und Körperteilen zufriedengeben.
Prinzipiell gedacht, erscheint die Gewalt, wie sie hier gebraucht wird, zudem problematischer als bei konventionellen Horror-Shootern oder Hack'n'Slays: Natürlich ist die Gewaltdarstellung harmloser. Aber hier ist Brutalität nicht Teil eines vorgeprägten Settings, sondern es geht um den Kontrast von Gewalt in einer als infantil und kindlich vorkonnotierten Welt. Gewalt ist nicht Teil des Spiels sondern alleiniges Thema. Das Erscheinungsbild als Kindercomic macht es wohl nicht nur für Erwachsene - es ist ab 18 freigegeben - interessant. Auch wenn man das nicht so eng sieht: Knappe 60 Euro für den Blödsinn sind eindeutig zu viel.