Viennale schloss mit Gala, Preisvergaben und einer Parteinahme für die Audimax-Besetzer
Wien - Die 47. Viennale ist am Mittwochabend mit der Preisverleihung
und dem Abschlussfilm "A Serious Man" von Joel und Ethan Coen im Wiener
Gartenbaukino zu Ende gegangen. "Wir sind ein bisschen müde und sehr glücklich",
fasste Festivaldirektor Hans Hurch zusammen und bedankte sich vor allem beim
Publikum und beim Team. Vom Abschlussfilm - einer Variante des biblischen Hiob-Motivs, angesiedelt im Midwest-jüdisch-konservativen Suburb-Milieu von St. Louis Park, wolle er nicht behaupten, dass man nun
einen lustigen Film sehe: "Aber wenn Sie den Film sehen, werden sie sehen, was
ich für einen lustigen Film halte."
Die Preisverleihung zeitigte zuvor glückliche Gesichter vor dem großen roten
Vorhang des Kinos. Jessica Hausner, die für "Lourdes" den Wiener Filmpreis für
den besten österreichischen Spielfilm des vergangenen Jahres erhielt, sagte, die
Auszeichnung werde ihr "ein Ansporn sein, in Zukunft ganz schwierige und
seltsame und kontroverse Themen zu verfolgen". Peter Kerekes, der Regisseur der
ebenfalls mit dem Wiener Filmpreis prämierten Doku "Cooking History", erzählte,
dass seine Großmutter ihm gesagt habe, dass sein Humor nur zu Hause verständlich
sei. "Und ich glaube, sie hat recht: Für einen Ungar, der in der Slowakei lebt,
fühlt sich Wien fast wie daheim an."
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny freute sich über eine
"einmal mehr sehr, sehr erfolgreiche Viennale", die "eines der anspruchvollsten
Filmfestivals weltweit" sei. Er begrüßte auch die Solidarität des Festivals mit
den protestierenden Studenten im Audimax, wo kurzerhand die Doku "Bock for
President" gezeigt wurde. "Ich könnte lange ausholen, um zu betonen, wie wichtig
und richtig die Ansinnen der Studierenden sind und wie irritierend manche
Stimmen aus der Politik, etwa zu Zugangsbeschränkungen, sind", ergriff
Mailath-Pokorny Partei für die Audimax-Besetzer.
Der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik ging an den Chinesen Yu
Guangyi für "Xiao Li Zi" (Survival Song), der überglücklich versprach, mit
seinen Filmpreisen auch weiterhin die Familien seiner Hauptdarsteller aus dem
Norden Chinas zu unterstützen. Der "Standard"-Publikumspreis ging an den Iraner
Asghar Farhadi für "Darbareye Elly" (About Elly), der in seiner Grußbotschaft
der Jury, dem Viennale-Team und dem Wiener Publikum herzlich dankte. Eine
Lobende Erwähnung von der Wiener-Filmpreis-Jury erhielt zudem Gustav Deutsch für
"Film ist. A Girl and a Gun".
Die Viennale 2010 wird wieder in der zweiten Oktoberhälfte stattfinden, der
genaue Termin steht allerdings noch nicht fest. (APA)