Das Betriebssystem bietet viele Neuerungen, in einigen Punkten muss jedoch noch nachgebessert werden, meinen Tester
Mit dem Motorola Droid, das in Deutschland unter dem Namen Milestone auf den Markt kommt, ist das erste Android-Handy mit Firmware-Version 2.0 erschienen. Die neue Version verspricht zahlreiche Verbesserungen und neue Features wie eine umfassendere Integration von Kontakten und Social Media, Exchange-Support, ein überarbeiteter Browser und eine neue Kamera-Applikation. Dennoch gibt es noch mehrere Kritikpunkte, die Google ausbügeln muss, meint Gizmodo im Test.
Oberfläche
Android 2.0 ist für größere Displays konzipiert und wurde dafür auch einer Schönheitskur unterzogen. Die Icons und Menüs sind polierter und die Icons wurden für die hochauflösenden Displays überarbeitet. Am Grundgerüst hat sich jedoch nichts geändert. Es gibt nach wie vor drei Home-Screens für Apps und Widgets, eine vom oberen Displayrand aufschiebbare Leiste für Benachrichtigungen sowie das am unteren Bildschirmrand angesiedelte Pop-Up-Menü mit sämtlichen installierten Apps und Games. Die Tester kritisieren die Oberfläche als etwas zu unübersichtlich. Durch die Benachrichtigungs-Leiste sei Multitasking auf den Android-Handys jedoch besonders einfach zu nutzen.
Usability
Die beste Verbesserung für die Usability seien die Universal-Suche und die Sprachkommandos. Allerdings funktioniere die Universalsuche nur für Apps, Kontakte, YouTube, Musik und das Web - E-Mails und Messaging seien davon ausgeschlossen. Die Sprachkommandos würden überraschend akkurat funktionieren. Gizmodo-Blogger Matt Buchanan stört sich in Punkto Usability jedoch daran, dass gewisse Aktionen in einer Anwendung nach wie vor nur über den Menübutton auszuführen sind. Android 2.0 bringt auch ein neues virtuelles Keyboard mit sich, das jedoch im Portraitmodus noch immer zu enge Tasten besitze. Mit der Multitouch-Unterstützung soll nun jedoch sichergestellt werden, dass beim schnellen Tippen mit zwei Fingern jeder Buchstabe erkannt wird.
Performance
Google hat Android 2.0 einen ordentlichen Performance-Schub verpasst, was vor allen beim Multitasking und bei Öffnen und Nutzen von Anwendungen zu bemerken sei. Buchanan kritisiert jedoch, dass Basis-Elemente der Benutzeroberfläche wie der Homescreen oder das Pop-Up-Menü oft nur verzögert reagieren. Seiner Meinung nach könne das nicht an der Hardware liegen - das Motorola Droid ist mit einem starken ARM Cortex A8-Prozessor ausgestattet.
Kontakte
Positives Feedback gibt es für die Unterstützung mehrerer Accounts in Gmail, für die Exchange-Unterstützung und die Integration von Facebook - Twitter wird noch nicht unterstützt. Allerdings können offenbar nur die Google-Kalender des Haupt-Gmail-Kontos mit dem Smartphone synchronisiert werden. Vom Facebook-Account können entweder alle Freunde oder nur jene übernommen werden, die auch in den Google-Kontakten zu finden sind. Auch das Adressbuch kann mit entsprechenden Facebook-Accounts synchronisert werden - bis auf einige Ausnahmen funktioniere die Synchronisierung sehr gut. Mit den Quick Contacts hat Google auch die Kontakt-Möglichkeiten erweitert. Ein Klick auf einen Kontakt öffnet ein kleine Leiste mit Icons für SMS/MMS, Telefon, E-Mail, Facebook oder Messaging.
Navigation
In Google Maps ist die größte Neuerung die Navigation, die nach dem Test-Urteil sehr gut funktioniere. Verwirrend sei jedoch, dass die Navi-Features sowohl in Maps integriert sind als auch über eine eigene App zugänglich sind. Auch die neuen Layer in Maps seien gewöhnungsbedürftig. Für jede Information werde ein eigener Layer angelegt - beispielsweise für Infos von Cafes in der Nähe und die Satelliten-Ansicht. Großer Minuspunkt ist laut Buchnanan, dass in der Maps-Anwendung nach wie vor kein Zwei-Finger-Multitouch-Zoom unterstützt wird.
Browser
Stark verbessert worden sei auch der Browser, der nun nach der Safari-Version vom iPhone der beste mobile Browser sei. Die Seiten würden sehr schnell aufgebaut und jede Website würde nun vollständig im Browser-Fenster angezeigt. Allerdings habe Google den Multitouch-Zoom auch für den Browser noch nicht aktiviert. Wieso Google hier hinterherhinkt sei unverständlich und an der "Freundschaft" zu Apple könne es ja nicht mehr liegen, meint Buchanan.
Kamera
Überarbeitet wurde auch die Kamera-Applikation. Sie unterstützt nun Fotolicht und bietet digitalen Zoom, Weißabgleich, verschiedene Effekte und Szenen sowie Macro-Fokus. Auf dem Droid habe die Kamera jedoch nur schlecht funktioniert. Ob das an der Software oder an der Hardware liegt, ist unklar.
Multimedia
Besonders schlechte Kritik stellt der Tester den Multimedia-Features aus, die sich auch unter Android 2.0 nicht verbessert hätten. Um Musikdateien auf das Handy zu spielen müssen man die Files entweder manuell in den Speicher des Telefons ziehen oder auf eine Sync-Anwendung eines Drittherstellers zurückgreifen. Auch dem Video-Player in der Galerie-Applikation stellt Gizmodo ein schlechtes Zeugnis aus.
Apps
Was Android laut Buchanan noch fehlt: die gleichzeitig Aktualisierung aller Apps und die Möglichkeit Apps am Google-Server zu speichern und somit auf einem anderen Smartphone wieder nutzen zu können. Zudem sei es unpraktisch, dass Games nur direkt am Telefon und nicht auf der SD-Karte gespeichert werden können, was sie im Umfang eingeschränke.
Fazit
Gizmodos Fazit fällt trotz einiger Kritikpunkte positiv aus. Multitasking funktioniere unter Android 2.0 exzellent. Die Google-eigenen Anwendungen seien die größte Stärke des Betriebssystems. Es sei zwar noch nicht so abgerundet wie iPhone OS, doch es werde schneller entwickelt als jedes andere System. Android besitze auf jeden Fall enormes Potential. (red)