Israel empört über Gaza-Resolution

6. November 2009, 19:09

EU brachte in der Uno keine einheitliche Position zum Goldstone-Bericht zustande

NewYork/Jerusalem - Gegen die Stimmen Israels, Deutschlands und der USA hat die UN-Vollversammlung den Goldstone-Bericht über Kriegsverbrechen im Gazakrieg angenommen. Nach zweitägiger Debatte votierten am Donnerstag 114 Länder für eine von arabischen Staaten eingebrachte Resolution, die Israel und die Palästinenser binnen drei Monaten zu Untersuchungen der Vorwürfe auffordert.

Der südafrikanische Sonderermittler Richard Goldstone wirft Israel und der palästinensischen Hamas Kriegsverbrechen vor. Israel reagierte empört: Die UN-Resolution sei völlig von jeder Realität entfernt, der sich Israel stellen müsse, teilte das Außenministerium am Freitag mit.

Insgesamt 18 UN-Mitglieder votierten gegen den Bericht, 44 enthielten sich. Die Europäische Union war trotz ihrer Bemühungen um eine gemeinsame Außenpolitik tief gespalten über die Resolution: Neben Deutschland votierten auch Italien, die Niederlande, Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei dagegen. Großbritannien, Frankreich und Österreich enthielten sich, während Irland, Portugal, Malta, Slowenien und Zypern mit der Mehrheit stimmten.

Die Resolution fordert UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dazu auf, den über 570 Seiten starken Bericht an den Sicherheitsrat weiterzuleiten. Ban solle zudem binnen drei Monaten über eine Umsetzung der Resolution berichten, die allerdings nicht bindend ist. Bei den Kämpfen im Jänner 2009 waren 1300 Palästinenser und 13 Israelis ums Leben gekommen.

Werben um Abbas

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf, doch erneut für sein Amt zu kandidieren. Mussa habe Abbas in einem Telefongespräch seine Unterstützung zugesichert und ihn gebeten, seinen Verzicht auf eine Kandidatur rückgängig zu machen, berichtete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Freitag. Auch die israelische Regierung ließ erkennen, Interesse an einem Verbleib des als moderat geltenden Abbas an der Macht zu haben. Mit öffentlichen Äußerungen hielt sie sich aber zurück.

Ein hoher Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, Israel betrachte Abbas als einen "Partner für den Frieden", solange er im Amt bleibe. Vize-Außenminister Danny Ajalon meinte, zwar mische Israel sich nicht in die "inneren Angelegenheiten anderer" ein. "Aber es ist klar, dass Israel und die USA ein sehr großes Interesse an einer pragmatischen und verantwortungsbewussten Palästinenserführung haben." Abbas erklärte seinen Verzicht, nachdem die US-Regierung ihre Forderung nach einem Siedlungsstopp fallen ließ. (Reuters, AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2009)

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Lünz
35
9.11.2009, 10:44
Angst vor Untersuchungen?

Das Verhältnis von 1300 zu 13 Opfern kommt mir
schon etwas spanisch vor. Da gehört mal nachgeharkt.

Außerdem braucht in diesem Konflikt keiner den Beleidigten markieren. Es haben schon beide Seiten ihren Beitrag geleistet.

wider den rechten Kanaillen
612
7.11.2009, 23:52
Das zweite Bild zeigt

die chirurgisch präzisen Militärschläge der israelischen Luftwaffe:
Um einen Hamasführer zu töten, radiert man einen ganzen Häuserblock aus.

Israel darf das und bleibt medial Opfer.
sogar über Sippenhaft weit hinaus, hier kann durchaus über Völkerhaft gesprochen werden.

venere nera
83
8.11.2009, 15:09

man sieht auch, wie "schlimm" die "flüchtlingslager" sind;-))))

Fritz Wunderlich
30
9.11.2009, 13:28

die aus zement erbauten flüchtlingslager

venere nera
40
10.11.2009, 12:36

sind vermutlich mit hochwertigeren baumaterialen erbaut. teuer verputz, mit balkonen und mit palmen auf den straßen.... grundsätzlich fänd ich meine äußerung respektlos, weil es wirklich größtenteils geflüchtete oder vertriebene (nicht nur von den israelis) oder deren nachkommen sind. aber die meisten poster hier schreiben über "flüchtlingslager", als ob die palis dort bei kälte wie hitze unter der dünnen verblichenen zeltplanen im schlamm oder staub hockten und wenige meter daneben ein isrelischer panzer oder wachturm ein mg auf sie richtete...

Georg Schütt
72
8.11.2009, 15:02
Der Hamas-Führer ist ein legitimes Ziel.

Von seiner Bekämpfung muss nicht abgesehen werden, nur weil er sich unter Zivilisten mischt.

Lesen Sie die Genfer Konvention, wenn Sie schon den Empörten markieren.

Lichtfreak
03
10.11.2009, 15:56
Zu Hause sein ist unter Zivilisten mischen?

Ihre Aussage würde stimmen, wenn die Palästinenser ein Militär hätten und nicht ganz Gaza besiedelt wäre. Aber so?

southfields
25
8.11.2009, 15:28
Stimmt nicht ganz!

Zwar dürfen Zivilpersonen nicht als Abschirmung benützt werden. Das enthebt allerdings Israel nicht seiner Verpflichtung zum Schutz der Zivilbevölkerung.

venere nera
42
8.11.2009, 19:42

sorry, du liegst falsch, in dem augenblick, wo man sich bewusßt unter zivilisten versteckt, ist als verantwortlicher für etwaige zivile opfer anzusehen opfer. man kann nicht krieg erklären, und dann fordern, dass nach den folgenden regeln gekämpft wird: ich darf dich bekriegen, du mich aber nicht. einleuchtend??

southfields
00
11.11.2009, 16:38
Einleuchtend???

Möglicherweise. Die rechtliche Seite ist da schon komplizierter. Die Verantwortung trägt der Angreifer. Empfehle die Lektüre des ersten Zusatzprotokolls zu den Genfer Konventionen.

venere nera
00
12.11.2009, 11:44

sorry, rechtlich bin ich sattelfest.

tony bennett
14
8.11.2009, 23:37

das ist halt eine moralische frage - soll ich draufballern, obwohl dort viele unschuldige/unbeteiligte sind? recht hin oder her

venere nera
41
10.11.2009, 12:47

im krieg ist es oft auch eine existenzfrage für die eine seite....

israle musste sich in mehreren kriegen gegen eine übermacht wehren, die seine tilgung von der landkarte wollte, und nur knapp davon entfernt war.
sollen sich die israelis täglich dutzendfach mit raketen beschießen lassen, die eine immer größere reichweite und sprengkraft besitzen, bis es irgendwann keinen fleck in israel mehr gibt, an dem man sicher leben kann? die neuesten, noch nicht eingesetzen, raketen sollen bereits tel aviv erreichen. die mauer wurde auch nur deshalb erbaut, weil man sich nicht täglich in die luft sprengen lassen kann. deren verlauf ist 100% abzulehnen, aber die palis sind selber schuld. die zweite intifada war ein klassicher schuss, der nach hin

Hubert Ungeist
 
00
14.11.2009, 11:47
WÄhrend des Waffenstillstands

und auch danach gab es keine dutzendfachen Raketen - das ist Lüge.

Während des Waffenstillstands gabs zuerst 6 tote Palästinenser und dann kamen Raketen und natürlich weitere tote Palästinenser.

Währende des Gazakriegs gab es 14 tote Israel - alle davon Soldaten und KEINE Zivilisten. Davon 6 durch friendly fire getötet.

Hingegen gab es 1400 tote Palästinsenr darunter etwa die Hälfte Zivilisten. (Weil auch nicht alle Männer Hamaskämpfer waren). Und bgegonnen hat es mit dem Beschuß einer Polizeistation ca. 380 Tote, bei einer ANgelobungsfeier.

Andreas Globus
00
14.11.2009, 14:44
Natürlich wissen wir es, dass sie lieber hätten

@ungeist

... wenn weit mehr Israelis fallen würden.
Eine schreckliche Frustration für sie.

Georg Schütt
43
8.11.2009, 18:42
Natürlich besteht immer ein Spannungsverhältnis zwischen der Notwendigkeit, legitime Feinde angreifen zu können, und der Notwendigkeit, Unbeteiligte zu schützen.

Hier im Forum scheinen aber etliche der Auffassung zu sein, der bloße Aufenthalt von Zivilisten führe zu einem automatischen Verbot von Angriffshandlungen; weer also angreife, wenn Zivilisten in der Nähe seien, begehe automatisch Kriegsverbrechen.

Und das ist definitiv nicht so.

southfields
00
11.11.2009, 16:48
Automatisch ist´s sicher kein Kriegsverbrechen.

Die Genfer Konventionen sind da ein wenig schwammig, der militärische Erfolg muß im Verhältnis zu zivilen Opfern stehen.

venere nera
00
12.11.2009, 11:46

israles vorgehen ist kriegsrechtlich völlig legitim. wirf lieber eine moralische frage auf, die rechtliche ist klar beantwortet.

southfields
00
12.11.2009, 17:19
Israel vestößt oft gegen die Genfer Konventionen.

Im gegenständlichen Fall ist´s eine Streitfrage. Das erste Zutzprotokoll sagt:
"...ein Angriff, bei dem damit zu rechnen ist, dass er auch Verluste an Menschenleben unter der Zivilbevölkerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen verursacht, die in keinem Verhältnis zum erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil stehen..."
Die Frage ist ob ein Hamas-Führer die Zerstörung eines ganzen Wohnblocks rechtfertigt.

venere nera
00
12.11.2009, 22:32

ich kenn mich im völker-und kriegsrecht eigentlich gar nicht so schlecht aus;-) würd sogar behaupten, dass ich mich ziemlich gut auskenne;-) brauche keine zitieren von normen oder interpretationen;-)
kleine aufgabe: weshalb kannst du mit dieser norm allein diesen fall nicht lösen? welche musst du noch heranziehen?;-)

southfields
00
13.11.2009, 13:29
Ist wohl eine Sache der Auslegung.

MeinerAnsicht nach ist´s nicht gerechtfertigt, hunderte Menschen obdachlos zu bomben, nur um einen Hamas-Führer zu töten.

Zumal es für Israel wahrscheinlich kontraproduktiv ist. Wie viele dieser Leute werden sich aktiv der Hamas anschlideßen, um an Essen und Wohnraum zu kommen?

venere nera
00
13.11.2009, 17:44

in rechtlichen angelegenheiten geht es aber nicht darum, was der eine oder andere für ansichten hat, sondern darum, was das gesetzt, der (völkerrechtliche)vertrag oder eine sonstige norm eben vorschreiben.;-) das verständnis der norm erleichtern zumeist ebenso rechtlich festgelegte interpretationsrichtlinien und daduch ist es zumeist recht klar, was "der wille" der vorschrift ist.
was diskussionen betrifft, so meine ich, sollte man politischen argumente vorbringen, wenn man einen politischen standpunkt vertritt und nicht rechtliche normen bemühen. die haben da nichts verloren und sind auch fehl am platz;-) find ich halt;-)
ob sich die leute der hamas verstärkt anschließen werden, darüber diskutier ich gerne;-) ist ne politsche einschätzu

southfields
00
14.11.2009, 08:00
Dann wäre es vielleicht angebracht,

unabhängige Instanzen über so einen Fall entscheiden zu lassen. Nachdem sich Israel sicher ist, keine Kriegsverbrechen verübt zu haben, dürfte eine Untersuchung ja kein Problem darstellen. Oder die Verantwortlichen vor den IStH. Ein Freispruch müßte ja sicher sein.

venere nera
00
16.11.2009, 10:26

es geht eben um die unabhängigkeit;-))) lies mal irgendeine po, gleich ob zibil oder straf, und schau dir den teil zu den richtern an.
und dann schau an, wer den istgh ernennt;-)))

erman turk
28
8.11.2009, 10:04
@ WIEDER D RECHTEN KANAILLEN - DANKE!

LESENSWERTE KOMMENTARE SIND RAR - danke für diesen beitrag!

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