Blumige Aussichten für Öko-Textilien

03. November 2009 18:48
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    Foto: archiv

    Mit den kräftigen Blüten der Färberkamille wurden Stoffe gefärbt, bevor es synthetische Farbstoffe gab. Jetzt greifen Forscher wieder auf pflanzliche Methoden zurück.

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Grüne Mode wird immer beliebter - Was hinter dem Trend steckt und welche Textil-Technologien es gibt, hat das Projekt "ecofashion" untersucht

Daneben wird erforscht, wie aus Blüten, Rinden und Abfällen natürliche Farbstoffe hergestellt werden können.

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Unmenschliche Produktions- und Arbeitsbedingungen, der Einsatz schädlicher Chemikalien und CO2-verschleudernde Transportwege: Man kennt die schlimmen Vermutungen beim Blick aufs Label des T-Shirts, wo hinter "Made in ..." oft ein Billiglohnland steht. Doch das generell gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit lässt Modebewusste immer öfter zu "Green Fashion" greifen - hat doch Öko-Mode mittlerweile den Nimbus von grober Jute im Hippie-Look verloren und den Weg in den Massenmarkt gefunden.

Das Projekt "ecofashion" der Wiener Umweltberatung hat sich im Rahmen der Programmlinie "Fabrik der Zukunft" des Ministeriums für Innovation und Technologie dem Ziel verschrieben, der ökosensiblen Mode den Sprung aus der Nische zu erleichtern und damit auch das Angebot sowie heimische Produzenten und Händler zu stärken. Die Ergebnisse werden auf einer Tagung am 10. November sowie in Unterrichtsmaterialien für Pädagogen präsentiert.

"Es hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren", sagt Projektleiterin Michaela Knieli. "Immer mehr kleine Labels arbeiten mit Ökotextilien, wobei eindeutig ein Trend zum Online-Verkauf festzustellen ist. Der Bekanntheitsgrad von Öko-Mode ist nicht zuletzt dadurch gestiegen, dass sie nun auch von großen Ketten wie H&M und C&A vertrieben wird."

Bio-Anbau boomt

2007 wurde Biobaumwolle - die Ökofaser Nummer eins - in 17 Ländern angebaut, vor allem in der Türkei, den USA, Indien und Peru. Derzeit kommen aber nur 0,1 Prozent der rund 25 Millionen Tonnen Baumwolle jährlich aus der Bio-Produktion. Die Anbauflächen nehmen aber rasch zu: 2008 stieg das Volumen ökologisch angebauter Baumwolle um 150 Prozent auf weltweit 145.000 Tonnen.

"Das Problem ist, dass meist Naturfasern als Alternative zu synthetischen Stoffen gesehen werden, obwohl die Herstellung etwa von konventioneller Baumwolle massive ökologische Probleme mit sich bringt", betont Knieli. So werden 25 Prozent der weltweit eingesetzten Insektizide und zehn Prozent der Pestizide beim Anbau von Baumwolle versprüht. Insgesamt werden bei der Herstellung je zwei Millionen Tonnen Textilhilfsmittel und Chemikalien sowie 250.000 Tonnen Farbstoffe verbraucht - wovon ein großer Teil ins Abwasser fließt.

An einer Alternative zur Textilfärbung mit synthetischen Farben arbeitet das Österreichische Ökologie-Institut, das im Vorjahr das Spin-off-Unternehmen "Colors of Nature" gegründet hat. Dort soll umgesetzt werden, was in mehrjähriger Forschung gemeinsam mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck erarbeitet wurde, nämlich die Entwicklung umweltschonender Pflanzenfarbstoffe.

Dabei bediente man sich historischer Erfahrungen mit Färbepflanzen wie Färberhundskamille, Resede und Goldrute. Daneben werden biogene Reststoffe aus der Nahrungsmittelproduktion wie Zwiebel- und Walnussschalen sowie Rindenabfälle von Esche und Erle genutzt. "Ziel ist, Extrakte von Pflanzenfarbstoffen als Pulver herzustellen, die in der Textilindustrie genauso wie synthetische Farbstoffe verwendet werden können", schildert Antonia Wenisch vom Ökologie-Institut, die das von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der Fabrik der Zukunft unterstützte Projekt leitet.

Erste Tests in Zusammenarbeit mit Biobauern und Vorarlberger Textilunternehmen waren bereits erfolgreich, die Extraktionsmethode wurde patentiert. Für das Beizen zum Fixieren der Farbe werden nur nichttoxische Mittel verwendet, zusätzlich sollen schonende Waschmittel gleich mitverkauft werden. "Es gibt großes Interesse bei Jungdesignern, aber auch bei Herstellern von Wäsche, Sport- und Kinderbekleidung", berichtet Wenisch.

Wenig Daten

Wie die verschiedenen Fasern in ihren Ökobilanzen abschneiden, haben Michaela Knieli und Gabriel Wittner von der Umweltberatung recherchiert (siehe Grafik). Die Ökobilanzen enthalten allerdings keine Werte für die Weiterverarbeitung. "Es gibt nur sehr wenige Kennzahlen", bedauert Knieli. "Zu den Naturfasern Flachs und Seide wie für Kunstfasern aus recyceltem PET und Polyacryl gibt es kaum wissenschaftlich belegte Daten."

Bio-Baumwolle schneidet generell am besten ab: Sie hat den niedrigsten Energieverbrauch und damit auch den geringsten CO2-Ausstoß, da chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide verboten sind, wie Knieli erläutert. Auch Hanf ist schädlingsresistent, wächst schnell und braucht wenig Wasser. Bei Wolle schlägt sich die Schafzucht in einem hohen Wasserverbrauch nieder.

Polyester, das aus Rohöl hergestellt wird, und Viskose, die auf Basis von Zellulose in einem aufwändigen chemischen Verfahren gewonnen wird, haben die schlechtesten Ökobilanzen. Für natürliche und zugleich fließende Stoffe gibt es eine neue Alternative: Die Brennnesselfaser (nettle), die aber bisher noch ein Nischenprodukt ist.

Es ist auch nicht alles öko, was als solches angeboten wird, warnt Knieli: So wird Bambusfaser im selben Verfahren wie Viskose gewonnen, nur eben aus Bambus.

Für ökobewusste Shopper gilt: "Qualität geht vor Quantität. Am besten ist es immer noch, die Kleidung lange zu nutzen", resümiert Knieli. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 04.11.2009)

Hakkari
04.11.2009 17:15

dass bio-baumwolle eine gute ökobilanz hat kann ich glauben, aber keine gute wasserbilanz, da baumwolle soviel säuft wie der durchnschnitts-SUV. man sollte sich also gut überlegen, wo man die pflanze anbaut...

ist faymann ein dead man walking ?
04.11.2009 11:13
sehr, sehr interessante entwicklung

freue mich in einer interessanten zeit zu leben
:-)

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