Elisabeth Osl wurde als eine von fünf Damen für die Wahl zur Sportlerin des Jahres nominiert - Die Gesamtweltcupsiegerin über mediale Präsenz, Olympia 2012 und Räder am Straßenrand
Wien - Am Mittwoch wird Österreichs Sportlerin des Jahres geehrt. Die Kirchbergerin Elisabeth "Lisi" Osl wird es wohl nicht werden, dennoch kann die Mountainbikerin mit ihrer Saison weit mehr als zufrieden sein: ein Top Ten-Platz sollte es im Gesamtweltcup werden, dank dreier Weltcup-Siege in Pietermaritzburg, Champery und Schladming wurde es schließlich der erste Rang. Eilig hatte es Osl schon immer, so kam sie vor 23 Jahren auch nicht im Krankenhaus sondern im Krankenwagen Richtung Kitzbühel zur Welt. Philip Bauer sprach mit jener Sportlerin, die bereits als olympische Gold-Hoffnung für London 2012 gehandelt wird.
derStandard.at: Ihre Erfolge könnten in diesem Jahr größer kaum sein. Dennoch machen Sie sich wenig Hoffnung auf eine Auszeichnung als "Sportlerin des Jahres". Welche Erfolge müssten Sie als Mountainbikerin feiern, um für diesen Titel in Frage zu kommen?
Elisabeth Osl: Das hängt ja nicht nur von mir und meinen Leiststungen ab, man muss sich auch die Erfolge der anderen Damen ansehen und die sind nun mal sehr beachtlich. Aber natürlich steht der Mountainbikesport im Schatten anderer Sportarten, wir sind ja in Österreich medial kaum vertreten.
derStandard.at: Würden Sie sich für Ihre Leistungen mehr Anerkennung wünschen?
Elisabeth Osl: Ich betreibe den Sport ja nicht wegen der Anerkennung, sondern weil er mir einfach viel Spaß und Freude bereitet. Um ein professionelles Betreiben des Sports aber auch langfristig zu ermöglichen, ist eine breite Anerkennung bestimmt wünschenswert.
derStandard.at: Sie bekommen Gänsehaut, wenn Sie mit "so großen Namen wie Mirna Jukic und Katrin Zettel" in einem Atemzug genannt werden. Haben Sie seit Ihrem Sieg im Gesamtweltcup nicht selbst einen großen Namen?
Elisabeth Osl: Der Sieg im Gesamtweltcup ist natürlich was ganz besonderes, deswegen sehe ich mich aber noch lange nicht als Star.
derStandard.at: Kann man Ihre Leistung überhaupt mit jener von Jukic oder Zettel vergleichen?
Elisabeth Osl: Es sind natürlich komplett unterschiedliche Sportarten, aber die Basis der Erfolge bleibt immer die gleiche: man muss für den Sport leben und alles geben.
derStandard.at: Sie haben das Buch "Ein Tag in meinem Leben" von Felix Gottwald gelesen. Was kann man sich von Sportlern aus anderen Disziplinen abschauen?
Elisabeth Osl: Einstellung, Ernähung, Umgang mit Siegen und Niederlagen, Leben abseits des Sports - da kann man sich einiges herausfischen. Das Buch hat mich auf jeden Fall inspiriert.
derStandard.at: In ihrer Karriere ging es in den letzten zwei Jahren rasant bergauf. Muss man von einem "Naturtalent" sprechen?
Elisabeth Osl: Nein, da steckt sehr viel harte Arbeit dahinter. Nur von Talent zu sprechen würde der Sache nicht gerecht werden. In der Vorbereitung trainiere ich nicht weniger als 30 Stunden pro Woche.
derStandard.at: Sie werden von einschlägigen Medien bereits als "Gold-Hoffnung für Olympia 2012" bezeichnet. Ehre oder doch Bürde?
Elisabeth Osl: Ich würde mich noch nicht so bezeichnen. Ich muss noch jede Menge Erfahrungen sammeln und mich optimal auf dieses Ereignis vorbereiten. Wenn ich derartiges lese, empfinde ich es aber eher als Ansporn. Druck macht man sich als Sportler ohnehin genug.
derStandard.at: Man liest, die kurzen Anstiege wären Ihre Schwäche. Welche Eigenschaften muss man für diese Stellen mitbringen?
Elisabeth Osl: Das stimmt tatsächlich: die kurzen, intensiven Anstiege liegen mir weniger. Ich denke, das hängt mit der Kraft zusammen. Schwerere, muskulösere Fahrerinnen tun sich da leichter.
derStandard.at: Sie sind 1,65 Meter groß und wiegen 44 Kilo...
Elisabeth Osl: Eher 45 oder 46 Kilo...
derStandard.at: Gut, dennoch gelten Sie nicht gerade als Schwergewicht. Ist ein niedriges Gewicht beim Mountainbiken empfehlenswert?
Elisabeth Osl: Vor allem muss man damit umgehen können. Es gibt langsame Muskelpakete, aber genau so gibt es langsame Dünne, denen die Kraft fehlt. Und es gibt auch bullige Fahrerinnen, die schnell sind. Das hängt von der Strecke ab. Wenn der Boden tief ist, haben leichtere Damen sicher einen Vorteil.
derStandard.at: Über Ihren WM-Verzicht wurde viel diskutiert, zuletzt meinten Sie, der Verband hätte nicht das nötige Betreuungspersonal zur Verfügung gestellt. Wieviel Betreuung benötigen Sie bei einem Rennen?
Elisabeth Osl: Ein Mechaniker, ein Physiotherapeut, einer der alles koordiniert - da werden schon ein paar Leute in Anspruch genommen.
derStandard.at: Die Betreuung bei Ihrem "Central Ghost Pro Team" lässt hingegen keine Wünsche offen. Auch ein Geheimnis Ihres Erfolges?
Elisabeth Osl: Definitiv, das Team hat viel zu den Erfolgen beigetragen. Ich kannte so eine Betreuung zuvor nicht. Da wird das Rad für den Wettkampf tiptop hergerichtet. Da bleibt der Kopf frei, da kann man sich voll auf den Sport konzentrieren.
derStandard.at: Ich fahre auch ein Ghost-Rad, wir sind also quasi Teamkollegen. Meines kostet rund 500 Euro, wieviel ist das Ihre wert?
Elisabeth Osl: (lacht ob der 500 Euro) Das ist sehr schwierig einzuschätzen, aber etwa 10.000 Euro werden es schon sein.
derStandard.at: Das lassen Sie also nicht ohne Schloss am Straßenrand stehen?
Elisabeth Osl: Das lasse ich auch nicht mit Schloss am Straßenrand stehen. (derStandard.at; 3. November 2009)