derStandard.at-Interview

"Natürlich steht Mountain­biking im Schatten"

03. November 2009 17:57
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    Foto: red bull/daher

    "Der Sieg im Gesamtweltcup ist natürlich was ganz besonderes, deswegen sehe ich mich aber noch lange nicht als Star."

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    "Natürlich steht der Mountainbikesport im Schatten anderer Sportarten, wir sind ja in Österreich medial kaum vertreten."

Elisabeth Osl wurde als eine von fünf Damen für die Wahl zur Sport­lerin des Jahres nominiert - Die Gesamtweltcupsiegerin über mediale Präsenz, Olympia 2012 und Räder am Straßenrand

Wien - Am Mittwoch wird Österreichs Sportlerin des Jahres geehrt. Die Kirchbergerin Elisabeth "Lisi" Osl wird es wohl nicht werden, dennoch kann die Mountainbikerin mit ihrer Saison weit mehr als zufrieden sein: ein Top Ten-Platz sollte es im Gesamtweltcup werden, dank dreier Weltcup-Siege in Pietermaritzburg, Champery und Schladming wurde es schließlich der erste Rang. Eilig hatte es Osl schon immer, so kam sie vor 23 Jahren auch nicht im Krankenhaus sondern im Krankenwagen Richtung Kitzbühel zur Welt. Philip Bauer sprach mit jener Sportlerin, die bereits als olympische Gold-Hoffnung für London 2012 gehandelt wird.

derStandard.at: Ihre Erfolge könnten in diesem Jahr größer kaum sein. Dennoch machen Sie sich wenig Hoffnung auf eine Auszeichnung als "Sportlerin des Jahres". Welche Erfolge müssten Sie als Mountainbikerin feiern, um für diesen Titel in Frage zu kommen?

Elisabeth Osl: Das hängt ja nicht nur von mir und meinen Leiststungen ab, man muss sich auch die Erfolge der anderen Damen ansehen und die sind nun mal sehr beachtlich. Aber natürlich steht der Mountainbikesport im Schatten anderer Sportarten, wir sind ja in Österreich medial kaum vertreten.

derStandard.at: Würden Sie sich für Ihre Leistungen mehr Anerkennung wünschen?

Elisabeth Osl: Ich betreibe den Sport ja nicht wegen der Anerkennung, sondern weil er mir einfach viel Spaß und Freude bereitet. Um ein professionelles Betreiben des Sports aber auch langfristig zu ermöglichen, ist eine breite Anerkennung bestimmt wünschenswert.

derStandard.at: Sie bekommen Gänsehaut, wenn Sie mit "so großen Namen wie Mirna Jukic und Katrin Zettel" in einem Atemzug genannt werden. Haben Sie seit Ihrem Sieg im Gesamtweltcup nicht selbst einen großen Namen?

Elisabeth Osl: Der Sieg im Gesamtweltcup ist natürlich was ganz besonderes, deswegen sehe ich mich aber noch lange nicht als Star.

derStandard.at: Kann man Ihre Leistung überhaupt mit jener von Jukic oder Zettel vergleichen?

Elisabeth Osl: Es sind natürlich komplett unterschiedliche Sportarten, aber die Basis der Erfolge bleibt immer die gleiche: man muss für den Sport leben und alles geben.

derStandard.at: Sie haben das Buch "Ein Tag in meinem Leben" von Felix Gottwald gelesen. Was kann man sich von Sportlern aus anderen Disziplinen abschauen?

Elisabeth Osl: Einstellung, Ernähung, Umgang mit Siegen und Niederlagen, Leben abseits des Sports - da kann man sich einiges herausfischen. Das Buch hat mich auf jeden Fall inspiriert.

derStandard.at: In ihrer Karriere ging es in den letzten zwei Jahren rasant bergauf. Muss man von einem "Naturtalent" sprechen?

Elisabeth Osl: Nein, da steckt sehr viel harte Arbeit dahinter. Nur von Talent zu sprechen würde der Sache nicht gerecht werden. In der Vorbereitung trainiere ich nicht weniger als 30 Stunden pro Woche.

derStandard.at: Sie werden von einschlägigen Medien bereits als "Gold-Hoffnung für Olympia 2012" bezeichnet. Ehre oder doch Bürde?

Elisabeth Osl: Ich würde mich noch nicht so bezeichnen. Ich muss noch jede Menge Erfahrungen sammeln und mich optimal auf dieses Ereignis vorbereiten. Wenn ich derartiges lese, empfinde ich es aber eher als Ansporn. Druck macht man sich als Sportler ohnehin genug.

derStandard.at: Man liest, die kurzen Anstiege wären Ihre Schwäche. Welche Eigenschaften muss man für diese Stellen mitbringen?

Elisabeth Osl: Das stimmt tatsächlich: die kurzen, intensiven Anstiege liegen mir weniger. Ich denke, das hängt mit der Kraft zusammen. Schwerere, muskulösere Fahrerinnen tun sich da leichter.

derStandard.at: Sie sind 1,65 Meter groß und wiegen 44 Kilo...

Elisabeth Osl: Eher 45 oder 46 Kilo...

derStandard.at: Gut, dennoch gelten Sie nicht gerade als Schwergewicht. Ist ein niedriges Gewicht beim Mountainbiken empfehlenswert?

Elisabeth Osl: Vor allem muss man damit umgehen können. Es gibt langsame Muskelpakete, aber genau so gibt es langsame Dünne, denen die Kraft fehlt. Und es gibt auch bullige Fahrerinnen, die schnell sind. Das hängt von der Strecke ab. Wenn der Boden tief ist, haben leichtere Damen sicher einen Vorteil.

derStandard.at: Über Ihren WM-Verzicht wurde viel diskutiert, zuletzt meinten Sie, der Verband hätte nicht das nötige Betreuungspersonal zur Verfügung gestellt. Wieviel Betreuung benötigen Sie bei einem Rennen?

Elisabeth Osl: Ein Mechaniker, ein Physiotherapeut, einer der alles koordiniert - da werden schon ein paar Leute in Anspruch genommen.

derStandard.at: Die Betreuung bei Ihrem "Central Ghost Pro Team" lässt hingegen keine Wünsche offen. Auch ein Geheimnis Ihres Erfolges?

Elisabeth Osl: Definitiv, das Team hat viel zu den Erfolgen beigetragen. Ich kannte so eine Betreuung zuvor nicht. Da wird das Rad für den Wettkampf tiptop hergerichtet. Da bleibt der Kopf frei, da kann man sich voll auf den Sport konzentrieren.

derStandard.at: Ich fahre auch ein Ghost-Rad, wir sind also quasi Teamkollegen. Meines kostet rund 500 Euro, wieviel ist das Ihre wert?

Elisabeth Osl: (lacht ob der 500 Euro) Das ist sehr schwierig einzuschätzen, aber etwa 10.000 Euro werden es schon sein.

derStandard.at: Das lassen Sie also nicht ohne Schloss am Straßenrand stehen?

Elisabeth Osl: Das lasse ich auch nicht mit Schloss am Straßenrand stehen. (derStandard.at; 3. November 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 72
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Karl-Friedrich Sattmann (ehem. Tschuggi)
31.03.2011 09:37
Die ist soooo süß!

Herzogin
11.03.2011 15:52
Mountainbiking !

Meiner meinung sind downhill rennen ein suizidalakt !

Redaktion derStandard.at/Sport
06.01.2010 20:46
Nachtrag:

Ich hätte mein Ghost auch besser mit ins Zimmer nehmen sollen...

Helel ben shachar
08.11.2009 14:13
Danke für das Interview!

Lieber standart.at mehr davon bitte!
Viele geniale Sportarten vegetieren am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit dahin dabei hätte gerade Mountainbiken(dass ja doch von verhältnismäßig vielen Leuten privat betrieben wird) irrsinniges Potential!

Weniger Fußball, weniger Skifahren, mehr für alle Anderen!
(ja mir is schon klar,dass das Ungleichgweicht viele tiefschichtigere Gründe hat aber hier handelt sichs nur um eine subjektive Forderung ;-)

Mathias
 
11.11.2009 15:14
JAWOHL

Kann das nur unterstützen. Vor allem mit Schwerpunkt "Österreich". Es gibt im Land so viele Randsportarten, die kaum in der Öffentlichkeit aufscheinen! Mehr Werbung würde auch mehr Sponsoren und Interesse bringen - würde der "eintönigen" Sportlandschaft sicher gut tun, wenn ein bischen "Konkurrenz" herum wäre ...

Barolo39
04.11.2009 20:08
Bravo Lisi;

ich komme aus demselben Wohnort und kenne Lisi Osl schon ganz lange. Sie ist auch durch ihre tollen Erfolge noch nicht verdorben.
Ich denke, das unterscheidet intelligente Ausdauersportler (und Mountainbike bedeutet nicht nur Kraft in den Beinen zu haben!) von reinen Kraftsportlern!
Ich würde mich für freuen, wenn Lisi sich die Freude an ihrem Sport bewahren kann, egal ob sie Sportlerin des Jahres wird oder nicht. Und wenn es ihr gelingt, noch ein bissl mehr Geld zu verdienen dann ist es ihr wohlgegönnt!!!
Barolo39

Lucien
05.11.2009 14:55

Mama Osl??

Katana79
04.11.2009 17:26
ganz nettes Mädl...

aber so wie die meisten Profis wenig bis keine Ahnung vom Material. 10 000 Euronen für des Radl? eher die Hälfte...

ein Fachmann

derStandardmeint
06.11.2009 03:25
Wie die meisten Poster keine Ahnung.

Ist der Rahmen aus Titan oder Carbon? Ist er eine Einzelanfertigung? Sind ausschließlich Titan-Teile verbaut? Hat Frau Osl den Händlereinkaufspreis genommen, oder den unverb. empfohlenen Richtpreis, hat sie eventuelle Rabatte nicht bedacht?
Ich will nicht recherchieren, sagen Sie´s mir.

Katana79
07.11.2009 13:28

Titan wird von profis nicht verwendet, einen Preis hat sie sicher nicht bezahlt weil sie das von ihrem Ausrüster bekommt, in diesem Fall "GHost", und selbst wenns eine Einzelanfertigung war, was ich nicht glaub, kostets keine 10 000.

Eddie Argos
04.11.2009 20:45

die leichtesten bikes sind die teuersten. das ist ein vorteil beim bergauffahren. beim runterfahren ist doch eigentlich ein eher mittelschweres rad besser. "driften" ist da zb unmöglich. wird da schon an einem mittelding gefeilt? (bin kein fachmann ;)

Karl Joda
23.12.2009 01:26
(bin kein fachmann ;

Stimmt : Niemand ist da "Fachmann". "Die E. Osl " ist "halt" eine Frau ;-) Und die weiss schon welches Radl zu Ihr passt.- Sie ist eine tolle Profisportlerin- Ob Carbon Alu oder gar Titan....o) Ihr Besserwisser halts Euch einfach zruck.. ;-) Freut euch ob der Erfolge.

Katana79
05.11.2009 00:18
gratis trinken
04.11.2009 17:57

woher willst du das wissen?

Katana79
05.11.2009 00:16

manche sachen weiss man eben...

gratis trinken
05.11.2009 17:06

also um 10riesen stell ich locker ein rad zusammen ;)

GreyPaladin
04.11.2009 17:01

Gratulation dazu das sie es als weibliche Sportlerin in die Sportrubrik geschafft hat.

goldstandard
04.11.2009 15:47
Ehrlich gesagt,

noch nie was von der Dame gehört, aber kommt im Interview sehr sympathisch rüber.

cousine der muku-muku
04.11.2009 14:28
ich muss es einfach loswerden...

...ich liebe ihr!

knoxville...
04.11.2009 17:33
aber

Mama sagt, sie ist der TEUFEL! :p

HLH
04.11.2009 14:18
Tolle Leistung,

zu unrecht wenig beachtet. tolles bescheidenes maedel, gutes interview!! Vielleicht mal wieder eine richtige SPORTLERIN !!??!!

johann potakowskyj
 
04.11.2009 12:13
bei so vielen bäumen

gibt es halt viel schatten ...

mxmu
04.11.2009 12:03

Sympathische Sportlerin, herzliche Gratulation zum Weltcupsieg und weiterhin viel Erfolg!

ODB Wu
04.11.2009 08:58
auf jeden Fall

eine super Sportart, zum selbst machen sowieso. und zum zuschauen vielleicht auch. habs noch nie im tv gesehen, hat aber sicher potenzial...

natoll
04.11.2009 11:21

übertragung bei den olympischen spielen war gut. gibt auch viele videos auf youtube.

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