Rechnungshof zerpflückt Sportförderung

4. November 2009, 10:38

"Unübersichtlich" und "schwerpunktlos" - Sportminister Darabos begrüßte die Systemkritik

Wien - Geringe Transparenz; begrenzte Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten des Förderungsgebers; unübersichtliche und komplexe Strukturen; mangelnde Bedarfsorientierung; fehlende Trennung zwischen Förderungsgeber und Förderungsnehmer - quasi ein Bild der Unsitten zeichnet jener Rechnungshofbericht zur Sportförderung des Bund und in den Ländern Oberösterreich und Tirol (Berichtszeitraum 2005 bis 2007), der am Dienstag dem Nationalrat vorgelegt wurde.

Nachfrage angekündigt

Natürlich nicht bloß zur freundlichen Kenntnisnahme. Innerhalb der nächsten drei Monate müssen die Erkenntnisse des Rechnungshofes in den zuständigen Gremien - im Rechnungshofausschuss des Nationalrates sowie in den Kontrollausschüssen der Länder - diskutiert werden. Um die Diskussionsergebnisse und deren Umsetzung kümmert sich der Rechnungshof im Zuge eines Nachfrageverfahrens im nächsten Jahr mit der Möglichkeit eines Follow-ups im Jahr 2011.

Das ist genau jener Zeitraum, in dem eine von Sportminister Norbert Darabos eingesetzte Reformgruppe ein neues Bundes-Sportförderungsgesetz erarbeiten soll. Darabos begrüßte am Dienstag den Rechnungshofbericht als "Rückenwind für eine umfassende Förderreform" . Die Kritik am derzeitigen System, das im Wesentlichen noch aus der Nachkriegszeit stamme, sei durchaus berechtigt.

Viel Geld, kaum Durchblick

Zwischen 2003 und 2007 sind die Mittel der Bundes-Sportförderung von jährlich 52,9 auf 91,5 Millionen Euro oder um rund 72,9 Prozent gestiegen. Der Förderungsgeber, im untersuchten Zeitraum das Bundeskanzleramt (seit 1. Februar 2009 ressortiert der Sport in Darabos' Verteidigungsministerium), hätte aber nur über begrenzte Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten verfügt, kritisiert der Rechnungshof.

Durch die gesetzliche Festlegung der Förderungsempfänger und der Mittelverteilung seien zudem etwa Dach- und Fachverbände sowie der österreichische Fußballbund privilegiert gewesen. Außerdem hatten die Verbände direkt und indirekt an der Zuteilung von Mitteln aus der Bundes-Sportförderung und auch an der Kontrolle ihres Einsatzes mitgewirkt.

In Oberösterreich und Tirol fand der Rechnungshof analoge Systemschwächen: nicht ausreichend koordinierte Förderungsbereiche mit anderen Gebietskörperschaften und Förderungsgebern, fehlende Schwerpunktsetzungen, geringe Transparenz der Mittelströme bei der Dachverbandsförderung sowie eine zumindest teilweise fehlende Übersicht über die Gesamtfinanzierung und die Gesamtgebarung der Empfänger.

Ein verfehltes Ziel

Untermauert hat der Rechnungshof seine Kritik mit Beispielen, darunter die "Challenge 2008 - Der österreichische Weg" . Ziel des Ausbildungsprogrammes des ÖFB sei es gewesen, eine Nationalmannschaft für die EURO zu finden, die zumindest das Viertelfinale erreichen könne. Das Bundeskanzleramt förderte über fünf Jahre mit insgesamt 2,8 Millionen Euro. Weder Förderungsbedarf noch -höhe sind für den Rechnungshof sachlich nachvollziehbar. Nachsatz des Rechnungshofes: Das Viertelfinale wurde nicht erreicht.

Der ÖFB reagierte prompt auf die Kritik. "Jeder von den Fördermitteln in der Gesamthöhe von 1,816.825 Euro für das Projekt verwendete Cent wurde mit Belegen dokumentiert, die vom Bundeskanzleramt für Sport sorgfältig geprüft und schlussendlich anerkannt wurden", hieß es in einer Aussendung des Verbandes. (lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE - 4.11. 2009)

ludwig
01
4.11.2009, 17:16

Wenn Darabos das als "Rückenwind" ansieht, warum vertraut er dann weiter genau jenen Leuten, die am meisten Dreck am Stecken haben? Oder hat er das noch nicht bemerkt? Und bitte nicht die Revolution des Sportfördersystems mit einem Punktesystem koppeln, das jene Verbände am meisten belohnt, wo am meisten gedopt wird.

ghul dukat
10
4.11.2009, 07:27
Könnte sich der RH bitte einmal selbst prüfen!

Wieviele Prüfungen ohne Folgen wollen die noch machen!? Rausgeschmissenes Geld, wenn dann eh nix passiert. So wie gestern - RH: Bei der ÖBB verschwanden 8600 Handys - ÖBB: Kein finazieller Schaden dadurch entstanden - Gut is.

Gemeindeamt
00
4.11.2009, 11:50
ihre Logik möcht ich haben...

den Rechnungshof abschaffen wollen, weil die aufgezeigten Mängel von Seiten der Regierung nicht aufgegriffen und bereinigt werden....

Deswegen ein kleiner Test für Sie-->
Wer ist Schuld drann dass aufgezeigte "Mängel" nicht bereinigt werden?

rot: Der, ders aufdeckt (Rechnungshof)
grün: Der ders umzusetzen hat (handelnde Poltiker/Innen

Bevor sie den Rechnungshof kritisieren, seien sie lieber froh dass es in diesem Lande noch Menschen/Institutionen gibt , die sachgerechte Kritik üben und Missstände aufzeigen!!!

Ps.: Auch der Erbsenzähler_Poster unter mir ,darf sich dem test gerne stellen.


ich wollte gerade dasselbe schreiben...
00
4.11.2009, 07:19
Wieder einmal diese Erbsenzähler vom Rechnungshof!


Die Sportförderung ist schon in Ordnung - nicht umsonst beneidet uns die ganze Welt um unsere sportlichen Erfolge und die Höchstleistungen der österreichischen Sportlerinnen.
Namen wie Trixi Schuba, Annemarie Pröll, Adi Übleis, Markus Rogan usw werden in allen Erdteilen ehrfürchtig erwähnt, von den vielen Skibob- und Grasski-Weltmeistern, den Handballerinnen von Hypo-Südstadt und unseren Skispringern gar nicht zu reden.

Gemeindeamt
00
4.11.2009, 11:53

Ohh- Verzeihung!!! ...Herr/Frau-- "ich wollte gerade das selbe schreiben"... tut mir leid dass ich die Ironie in ihrem Posting nicht gleich erkannte....
-->Sie müssen sich meinem Test natürlich nicht stellen !

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.