Uni-Proteste

Fachhochschulen für Faymann "gutes Beispiel" für Regulierung

3. November 2009, 17:39
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    foto: standard/cremer

    Stell dir vor, das Audimax der Uni Wien ist besetzt - und keiner von uns geht hin: In diesem Punkt sind sich Werner Faymann (re.) und Josef Pröll jedenfalls einig.

Wirtschaftsminister Mitterlehner soll eruieren, ob den Unis durch Infrastrukturprojekte zu helfen ist

Minister Mitterlehner, übernehmen Sie! Unter diesem Motto wurde Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) am Dienstag im Ministerrat dazu auserkoren, für die Regierung eine mögliche Schneise aus der Uni-Misere zu schlagen. Er soll herausfinden, ob Investitionen in die Infrastruktur der Universitäten "umgeschichtet" , also vorgezogen werden können, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im Pressefoyer nach dem Ministerrat.

Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) sprach von einer etwaigen "neuen Prioritätenreihung" von Bauvorhaben über die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die den Unis Erleichterung verschaffen sollen.

Zusätzlich beschloss der Ministerrat, dass das Uni-Budget bis 2020 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (und damit auf EU-Standard) ansteigen soll. Exakt das hat der Nationalrat bereits im November 2007 in einem Allparteienbeschluss beschlossen. Das wäre ein Zuwachs von etwa einer Milliarde Euro (in Summe 3,5 Milliarden Euro), wie von Rektorenchef Christoph Badelt im Standard bereits vorgerechnet worden war.

Zu den Punkten, in denen sich Faymann und Pröll einig waren - die Studiengebühren sind da sicher nicht dabei -, gehört, dass sie den Audimax-Besetzern nach wie vor den Verhandlungstisch - und zwar den bei Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) - ans Herz legen, aber bitte auch nur eine überschaubare Gesandtschaft, die die Interessen der anderen vertritt.

Traute Einigkeit mit sorgfältiger sprachlicher Differenzierung demonstrierte die rot-schwarze Spitze auch bei der Frage des Uni-Zugangs. Faymann bekräftigte sein Bekenntnis zu "Zugangsregelungen" , Pröll seines zu "Zugangsbeschränkungen" . Dass der Kanzler ausgerechnet die Fachhochschulen als "gutes Beispiel" für eine "funktionierende Regulierung" des Zugangs nannte, hörten Pröll und Hahn sicher mit Vergnügen. An den Fachhochschulen sind Aufnahmeverfahren Standard, und sie haben das, was die Rektoren für die Unis längst fordern: Studienplatzfinanzierung. Was voraussetzt, dass man auch sagt, wie viele Studienplätze man anbieten will.

Zur Bau-Vorzieh-Idee sagte Rektorenchef Badelt zum Standard: "Das greift ein dringendes Problem der Unis auf, auch wenn es nichts an den qualitativen Betreuungsverhältnissen ändert - aber unter den räumlichen Bedingungen leiden die Studierenden natürlich auch." Vorziehen würde den Unis "sehr helfen, weil wesentlich mehr Bauprojekte in der Pipeline sind, als im Augenblick finanziert sind."

Das ist der wunde Punkt. Vorziehen schön und gut. Vorziehen kann man alles - wenn man es auch zahlen kann. Und frisches Geld hat die Regierung den Unis am Dienstag ja nicht zugesagt. Keinen Euro.

Zuerst zahlen, dann vorziehen

"Vorziehen von Bauprojekten geht nur, wenn die Ressorts auch bestellen" , erklärte dazu Ernst Eichinger, Sprecher der BIG, die alle großen Bauvorhaben der Republik plant, organisiert und durchführt. Anders formuliert: "Bei allen Projekten - unabhängig von technischen oder anderen Notwendigkeiten - geht es letztlich darum, wie das finanziert werden kann."

Im Falle der autonomen Unis heißt das, dass diese in ihrem Budget das Geld für BIG-Bauprojekte haben müssen, damit die BIG überhaupt tätig wird. Die Unis zahlen die Investitionen, die die BIG über Geld vom Kapitalmarkt vorschießt, langfristig über Mieten zurück.

Konkrete Bauvorhaben, die man beschleunigen könnte, gäbe es genug: Zum Beispiel die Generalsanierung der Akademie der bildenden Künste oder der TU Wien. "Ein Riesenprojekt" , so Eichinger im Gespräch mit dem Standard. Tatsächlich aber stocken die Planungen dafür immer wieder "wegen fehlender Details" . Ein nicht unwichtiges: Geldmangel. Eichinger: "Wenn unser Partner TU sagt: ‚Wir haben die Summe XY‘, da könnten wir schon kräftig Gas geben."

Die monetäre Handbremse aber hat die Regierung (noch) nicht gelöst. Und ohne Geld kein Gas. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 4.11.2009)

Tag 13 der Uni-Proteste auf derStandard.at als Nachlese

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derbrain
01
6.11.2009, 19:34

Immer wird auf die "faulen Bummelstudenten" geschimpft, die angeblich nur Geld kosten und lieber arbeiten gehen sollten.
Wo bitte kosten Langzeitstudenten Geld? Die Stipendien laufen in der Zeit längst aus, daher arbeiten die meisten Studenten zusätzlich. Durch ihre Ausgaben (gespart werden kann bei diesen Einnahmen nicht) sind sie ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor.
Und Platz an den Unis verbrauchen sie auch nicht mehr, schließlich machen sie mehr oder weniger die selbe Anzahl an Vorlesungen, nur über einen längeren Zeitraum verteilt. Pro Vorlesung ist es egal, wie lange jemand schon studiert oder wie viel Pause dazwischen liegt.
Keine Uni hat sich bisher über Langzeitstudierende beschwert, nur die ÖVP schlachtet sie aus.

fan fantastic
01
13.11.2009, 17:51

auf der Meduni hat man sie sogar selbständig produziert indem eine Warteliste (1-3 Jahre) eingeführt wurde, weil man für alle Absolventen des 1. Studienabschnittes nicht Studienplätze sichern konnte.
Wahrscheinlich stellen die Langzeitstudierende nur dann ein Problem dar, wenn sie nicht aus Selbstproduktionsstätte von ÖVP stammen...
Ich frage mich, ob man zufällig daran denkt den Betroffenen eine Entschädigung für die ungewollt verlorene Zeit zu gewähren.
z.B. ein durschnittliches Jahreseinkommen eines Arztes/verlorenes Jahr würde ich als angemessen betrachten, wenn schon längere Studienzeiten so negativ gesehen werden.

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
00
7.11.2009, 12:53

...und mittlerweile leider auch die spö. weit hommas brocht...

mistvieh666
 
01
4.11.2009, 21:49

warum zugangsbeschraenkung?
studieneingangsphase 1 jahr, massenvorlesungen, multiple choice tests, halbwegs anspruchsvolle pruefungen, aber nicht uebertrieben, so wie zb auf der wu wien.
meine erweiterung zur derzeitigen praxis:
damit man an der studieneingangsphase "teilnehmen" kann zahlt man fuer die 15 pruefungen 1500 euro, bei jeder bestandenen pruefung bekommt man 100 euro zurueck. zb 10 pruefungen muss man gemacht haben, dann darf man die restlichen sachen des bachelor abschnitts beginnen.
unbuerokratisch, unproblematisch, versteh nicht, was man da dagegen haben kann. und dann darf auch jede putzfrau studieren. und es ist okay, dass wir alle dafuer zahlen. basta.

Karl-heinz Grill
10
4.11.2009, 10:57
die österr. bundesregierung

vermittelt studenten als kostgänger an ihre privilegierten pensionisten.
jeder darf so lange studieren wie sein pesionist lebt. im schnitt ergibt das locker 60 semester.
jetzt mal im ernst: jeder will mehr geld und freiheit, das versteh ich ja. aber wohin soll uns das führen? diese unsere gesellschaft hat ein recht auf eine bilanz des zustandes und ein recht zu erfahren wo uns das hinführen soll. was ist mit den betriebswirtschaftlern/bankenzockern?
medien/pressekonzentration/-freiheit
medizin/geschäfte der klinikvorstände(gierich)/ turnusärzte, pharmaindustrie....
antworten werden nicht von den bonzen kommen die ihre pfründe verteidigen und es ist auch zuwenig wenn der nachwuchs an eben diese pfründe will. also liebe zukünftige elite...?

frangas, non flectes
01
4.11.2009, 20:59

Wohin soll uns das führen, wenn man mehr Geld in Bildung investiert? Direkt in den Untergang des Abendlandes, was sonst? Und Freiheit auch noch wollen? Nicht mit uns, Ordnung muß sein!

Titus Feuerfuchs
02
4.11.2009, 11:30
Soweit ich das von der Ferne beurteilen kann,

demonstrieren die Studierenden nicht für mehr Geld, sondern für Investitionen in die tertiäre Bildungspolitik. Und die wirft Rendite ab, das ist eine Tatsache (OECD-Bericht).

frangas, non flectes
00
4.11.2009, 21:00

Hauptsache etwas wirft Rendite ab. Möglichst hoch, von der OECD berechnet. Weil Bildung an sich - welchen Wert hat das heutzutage noch?

Titus Feuerfuchs
00
5.11.2009, 15:28
Rendite

legitimiert Investitionen. Punkt, aus, basta.

Schlapsi
04
4.11.2009, 10:48
Trauerspiele

Die FH s dürfen sich ihre Studierenden aussuchen, die Unis müssen den Rest ungschaut schlucken und bekommen dann noch den Vorwurf, dass die Ausfallsrate zu hoch ist, ein Trauerspiel.

frangas, non flectes
00
4.11.2009, 21:01

Auf den FH´s gibt´s Studenten? Ich dachte immer das sind in die Jahre gekommene Schüler?

saarinen
46
4.11.2009, 10:36
faymanns idee ist gut

ich bin selber fh studentin und bin sehr dafür, auch auf unis eine fixe anzahl von studienplätzen zu vergeben - mit harten aufnahmeverfahren und auch gern mit quotenregelung für ausländische studenten (oder ausgleichszahlungen wie in skandinvischen ländern!!).
wer will und talent sowie intelligenz für sein wunschstudium hat, soll einen platz bekommen. ein möglicher und wünschenswerter nebeneffekt wäre eine positivere, dankbarere und ernsthaftere einstellung zum studium ("wenn ich den platz schon hab, muss ich es auch nutzen").
die studiengebühren sind auch kein problem - sogar wenn man nicht unbedingt "arm" ist, kriegt man die in form der studienbeihilfe eh zurück.

also dann ...
00
7.11.2009, 18:22
ich unterrichte ... u.a. an FH`s ... und halte die aufnahmeverfahren

...wenn ich mir die "qaulität der studies" ansehe...
einfach nur für eins : k o r r u p t !

die töchterln, söhne...
von den kammer-beamten bis hin zu allen anderen "die es sich richten" können - haben keinerlei problem aufgenommen zu werden...
die - vielen - anderen schon !

als hören sie auf...
solchen schmarrn zu posten !

soledad juntos
 
01
5.11.2009, 12:05

Ich bin auch FH-Studentin, aber nur aus einem einzigen Grund: meinen Studiengang gibt´s nur auf der FH, auf der Uni gibt´s nichts vergleichbares.
Ich halte die Studienplatzbegrenzung für ein extrem zweischneidiges Schwert, einerseits wird dadurch zwar ein aktzeptables Betreuungsverhältnis garantiert, andererseits kann die Korrelation der Studienplätze mit den Erfordernissen am Arbeitsmarkt nur eine extrem kurz gegriffene Taktik sein.
Abgesehen davon muss auch unterschieden werden: FHs bieten in erster Linie AUSbildung, während die Unis (v.a. Gruwi u Gewi) auf BILDUNG abzielen und weniger auf eine eindeutige Berufszuordnung nach dem Studium. Zugangsbeschr. beschränken dann auch den freien Bildungszugang, auf den wir stolz sein sollten!

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
00
5.11.2009, 12:14

jep.

frangas, non flectes
00
4.11.2009, 21:02

"ich bin selber fh studentin"

alles klar!

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
00
4.11.2009, 18:27

genau.

und wenns ned parieren die gfrasta, sollens scheitl knieen.

und jeden tag in der früh in der aula 10 ave stan&ollie.

breakbeat
35
4.11.2009, 13:32

FH und student ist ein widerspruch in sich.

Papageibecher
01
4.11.2009, 10:13
Lösung?

Jetzt mal ganz neutral, mit Verständnis für beide Seiten.
Wie sehen denn konkrete, machbare Lösungsvorschläge der Studenten aus?
Wer will denn von den Audimaxbesetzern & Co die Verantwortung für 1 Milliarde mehr Geld übernehmen, wenn das nicht mal der Regierung zugetraut wird?

Lünz
13
4.11.2009, 10:10

Wo bleibt eigentlich der Ruf nach freier Bildung
für jene, die mit 15 eine Lehre gemacht haben?

Berufsreifeprüfung kostet ca. soviel wie ein ganzes
Studium mit Studiengebühren.

reziprok
01
10.11.2009, 04:37

dem würden sicher viele der demonstranten zustimmen.. aber solang es keiner einbringt wird danach keiner schreien!

Thomas Bayer
10
5.11.2009, 12:48
Die SPÖ hats verbockt

mit der kostenpflichtigen BRP. Ich habe die Studienberechigungsprüfung abgelegt. Wenn man an einem Lehrgang teilnimmt hat man auch Anspruch auf ein Stipendium.
Mein Vorschlag wäre, dass der Lehrabschluss die Zulassung zur Studienberechtigung bedeutet und das (tw. vorhandene) Allterslimit (> 21J) abgeschafft wird. Ist vielleicht nicht so spektakulär wie die BRP aber deutlich effektiver.

fleur 76
02
4.11.2009, 11:27
Abendgymnasium

Man kann als Berufstätiger auch auf's Abendgymnasium gehen und dort die Matura nachholen - das kostet nix!

Hans Hugo
00
4.11.2009, 15:44
Die gute alte Studienberechtigungsprüfung...

...die gibt's auch noch.

fannyfein
00
4.11.2009, 13:13
nur wenn sie in einer Landeshauptstadt wohnen

oder in diese 2 bis 4 mal wöchentlich pendeln können

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