Anhörung zu schweren Vorwürfen gegen Premier Djukanovic

3. November 2009, 15:25

Laut Ex-Mitarbeiter Knezevic soll Djukanovic in Mordanschlag auf kroatischen Journalisten verwickelt sein

Podgorica - Ein ehemaliger enger Mitarbeiter des montenegrinischen Premiers Milo Djukanovic soll zu seinen schweren Vorwürfen gegen den Ministerpräsidenten nun von Ermittlern befragt werden. Der seit Jahren in London lebende Ratko Knezevic hatte vor Monaten gegenüber Medien Premier Djukanovic beschuldigt, in die Ermordung des kroatischen Journalisten und Zeitungsverlegers Ivo Pukanic im Vorjahr verwickelt gewesen zu sein.

Als einen weiteren Komplizen bei dem Attentat hatte Knezevic den serbischen Geschäftsmann Stanko Subotic bezeichnet, nach dem seit dem Vorjahr in Belgrad wegen Zigarettenschmuggels in den späten 1990er Jahren gefahndet wird. Anlass für die Ermordung von Pukanic sollen laut Knezevic dessen 2001 veröffentlichten Zeitungsartikel über Zigarettenschmuggel auf dem Balkan gewesen haben. Darin waren Djukanovic und Subotic als "Bosse" des Zigarettenschmuggels bezeichnet worden.

Befragung per Videokonferenz

Knezevic informierte nun nach Angaben der Tageszeitung "Vijesti" die montenegrinische Staatsanwältin Ranka Carapic, dass er bereit sei, per Videokonferenz befragt zu werden. Nach Montenegro will der ehemalige Journalist, der kürzlich auch von montenegrinischen Ermittlern in Kroatien im Fall Pukanic angehört wurde, offenbar nicht reisen. In Zagreb und Belgrad sind vergangene Woche Anklagen gegen den sich in einem Belgrader Gefängnis befindenden Hauptorganisator des Anschlags auf Pukanic, den Belgrader Mafiaboss Sreten Jocic alias "Joca Amsterdam", und mehrere mutmaßliche Täter erhoben worden. Für die Tat sollen sie laut der Anklage rund 1,5 Mio. Euro kassiert haben. Mögliche Geldgeber wurden noch nicht ermittelt.

Der Zigarettenschmuggel der 1990er Jahre sorgte in der vergangenen Woche auch für eine heftige Debatte im montenegrinischen Parlament. Premier Djukanovic wies die Vorwürfe der Opposition zurück, wonach er sich in Italien, wo im März 2008 die jahrelangen Ermittlungen gegen ihn eingestellt worden waren, auf seine diplomatische Immunität berufen habe. Er will den Staatsanwalt in Bari verklagen, der eine entsprechende Aussage gemacht haben soll, verkündete Djukanovic im Parlament. Noch soll der Premier aber keine Klage gegen den italienischen Staatsanwalt eingereicht haben.

Djukanovic ist in Montenegro seit 20 Jahren an der Macht. Die meiste Zeit war er Premier oder Präsident Montenegros. Der Chef der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten hat sich um die Unabhängigkeit Montenegros nach einem Referendum im Mai 2006 verdient gemacht. (APA)

Der_Klingone
06
5.11.2009, 12:02
Etwas "witziges":

http://derstandard.at/fs/125380... -in-Zelten

Unter anderem findet sich auf der Titelseite ein Bericht über Slowenien und die jugoslawische Zentralregierung, bezüglich von den Slowenen eingeleiteter Gesetzesänderungen für mehr Eigenständigkeit. Damals, 1989, der langsame Anfang vom Ende Jugoslawiens.

Und ganz am Ende steht dann, daß der Montenegriner Milo Djukanovic mit dem Einsatz der Armee gedroht habe.

Tja, so ändern sich die Zeiten: Damals noch "verblendeter serbischer Nationalist" und "Kriegswütig" und heute schon Vorzeigedemokrat und jemand, der mit den Serbien niemals auch nur irgendwas zu tun hatte.

Warentester
02
5.11.2009, 00:54

Ui, wie überraschend. Die Vermutung das der Milo da seine Finger im Spiel haben könnte, stand allein hier in den Postings unter dem Artikel zum Anschlag ca. 3 Mal.
Bin eher überrascht, dass das erst jetzt aus diesen Anlass von den Medien aufgegriffen wird.

Z. Ristic
010
4.11.2009, 03:09

Das ist ein Fall für SuperJoschka, vielleicht kann er auch diesmal mit Koffern voll Geld die einzige Wahrheit erkaufen.

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