Laut Ex-Mitarbeiter Knezevic soll Djukanovic in Mordanschlag auf kroatischen Journalisten verwickelt sein
Podgorica - Ein ehemaliger enger Mitarbeiter des
montenegrinischen Premiers Milo Djukanovic soll zu seinen schweren
Vorwürfen gegen den Ministerpräsidenten nun von Ermittlern befragt
werden. Der seit Jahren in London lebende Ratko Knezevic hatte vor
Monaten gegenüber Medien Premier Djukanovic beschuldigt, in die
Ermordung des kroatischen Journalisten und Zeitungsverlegers Ivo
Pukanic im Vorjahr verwickelt gewesen zu sein.
Als einen weiteren Komplizen bei dem Attentat hatte Knezevic den
serbischen Geschäftsmann Stanko Subotic bezeichnet, nach dem seit dem
Vorjahr in Belgrad wegen Zigarettenschmuggels in den späten 1990er
Jahren gefahndet wird. Anlass für die Ermordung von Pukanic sollen
laut Knezevic dessen 2001 veröffentlichten Zeitungsartikel über
Zigarettenschmuggel auf dem Balkan gewesen haben. Darin waren
Djukanovic und Subotic als "Bosse" des Zigarettenschmuggels
bezeichnet worden.
Befragung per Videokonferenz
Knezevic informierte nun nach Angaben der Tageszeitung "Vijesti"
die montenegrinische Staatsanwältin Ranka Carapic, dass er bereit
sei, per Videokonferenz befragt zu werden. Nach Montenegro will der
ehemalige Journalist, der kürzlich auch von montenegrinischen
Ermittlern in Kroatien im Fall Pukanic angehört wurde, offenbar nicht
reisen. In Zagreb und Belgrad sind vergangene Woche Anklagen gegen
den sich in einem Belgrader Gefängnis befindenden Hauptorganisator
des Anschlags auf Pukanic, den Belgrader Mafiaboss Sreten Jocic alias
"Joca Amsterdam", und mehrere mutmaßliche Täter erhoben worden. Für
die Tat sollen sie laut der Anklage rund 1,5 Mio. Euro kassiert
haben. Mögliche Geldgeber wurden noch nicht ermittelt.
Der Zigarettenschmuggel der 1990er Jahre sorgte in der vergangenen
Woche auch für eine heftige Debatte im montenegrinischen Parlament.
Premier Djukanovic wies die Vorwürfe der Opposition zurück, wonach er
sich in Italien, wo im März 2008 die jahrelangen Ermittlungen gegen
ihn eingestellt worden waren, auf seine diplomatische Immunität
berufen habe. Er will den Staatsanwalt in Bari verklagen, der eine
entsprechende Aussage gemacht haben soll, verkündete Djukanovic im
Parlament. Noch soll der Premier aber keine Klage gegen den
italienischen Staatsanwalt eingereicht haben.
Djukanovic ist in Montenegro seit 20 Jahren an der Macht. Die
meiste Zeit war er Premier oder Präsident Montenegros. Der Chef der
regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten hat sich um die
Unabhängigkeit Montenegros nach einem Referendum im Mai 2006 verdient
gemacht. (APA)