
10.11.2009 08:47 | Andreas Proschofsky
GNOME 3.0 kommt erst im Herbst 2010
Desktop-Projekt will sich mehr Zeit lassen, um gesetzte Ziele zu erreichen - Statt dessen GNOME 2.30 im März - Neues Konfigurationssystem kommt hinzu - 1 Foto
In den letzten Wochen hat es sich bereits abgezeichnet, nun hat das GNOME-Projekt eine offizielle Entscheidung gefällt: Statt GNOME 3.0 wird es im kommenden März noch eine weitere Release der 2.x-Reihe geben, der große Versionssprung soll nach der aktuellen Planung nun im Herbst - also einfach einen Schritt später im gewohnten Sechs-Monats-Zyklus - erfolgen.
Keine Verschiebung
Die EntwicklerInnen weisen dabei explizit darauf hin, dass das Frühjahr 2010 immer nur als erstmöglicher Termin im Gespräch war, nie als fixe Zusage. Mit der Entscheidung für Herbst 2010 will man sicher stellen, dass all die anvisierten Vorhaben auch tatsächlich vollständig abgeschlossen werden können und GNOME 3 gleich von Anfang an jene Qualität erreicht, die man sich zum Ziel gesetzt hat.
Mahnungen
Mehrfach wurde im entscheidenden Treffen des GNOME Release Teams - Anfang November - dabei darauf hingewiesen, dass man eine Situation wie bei der Veröffentlichung von KDE 4.0 - das in einem äußerst fragmentarischen Zustand freigegeben und dafür heftig kritisiert wurde - vermeiden wolle. Weiter sechs Monate würden dazu beitragen, dass man zu 99 Prozent fertig sei und nicht nur zu 80 Prozent, wie es für den März wahrscheinlich gewesen wäre.
GNOME Shell
Bereits in den letzten Tagen hatten auch die EntwicklerInnen der GNOME Shell - und damit des neuen User Interfaces für GNOME 3.0 - verkündet, dass man den Frühjahrs-Termin für eine erste stabile - und mit dem nötigen Feinschliff versehene - Release kaum einhalten könne. Statt dessen schlug man vor im März ein GNOME 2.30 mit einem zusätzlichen GNOME3-Preview-Set auszuliefern.
Aufräumen
Neben einer neuen User Experience stellt das Aufräumen mit der eigenen Softwareplattform ein zentrales Ziel für GNOME 3.0 dar. Veraltete Bibliotheken wie die libgnome|ui, die früher zur Interface-Entwicklung genutzte libglade oder auch das Komponenten-Framework Bonobo sollen endgültig in die Open-Source-Pension geschickt werden. Außerdem sollen alle Programme GTK+3-kompatibel gemacht werden, also keine für die Entfernung aus dem Toolkit vorgesehen Funktionen mehr enthalten.
dconf
Zu all dem kommt nun noch ein weiteres Ziel: Das Konfigurations-Framework GConf soll ebenfalls abgelöst und durch das wesentlich schlankere dconf ersetzt werden. dconf wiederum benutzt die neuen GSettings-Funktionen die mit der kommenden Release fix in die Glib-Bibliothek wandern sollen. Eine der Stärken von dconf ist das wesentlich schnellere Einlesen von Einstellungswerten, die NutzerInnen sollen dies vor allem an einer stark beschleunigten Login-Geschwindigkeit bemerken - Gconf war hier mit seinen vielen Einzeldateien bislang eine der Hauptbremsen.
Neuzugang
Parallel zur Verkündigung der GNOME-3.0-Entscheidung hat man auch gleich das Verdikt zur Aufnahme neuer Komponenten für GNOME 2.30 verlautbart. So soll nun etwa das Paketmanagement-Tool packagekit-gnome - das unter anderem bei Fedora und openSUSE zum Einsatz kommt - in das offizielle Release Set wandern. Eine weitere Neuaufnahme ist nautilus-sendto, ein kleines Tool mit dem direkt aus dem File Manager heraus Dateien per Mail oder Instant Messaging verschickt werden. Die Software wird dabei ohnehin schon von dem meisten Distributionen fix mit ausgeliefert.
Desktop-Suche
Für die Integration in den Desktop vorgeschlagen war außerdem die Desktop-Suche Tracker, die in den letzten Monaten nicht zuletzt durch das Engagement von Nokia für Maemo deutliche Fortschritte gemacht hat. Trotzdem gab es noch einige Kritikpunkte des Release Teams, wodurch es "nur" zu einer Absegnung als externe Abhängigkeit reichte.
Ablehnung
Abgelehnt wurde hingegen couch-db, das unter anderem in der aktuellen Ubuntu-Release für die Anbindung an das Synchronisationsservice Ubuntu One sorgt. Hier sei es einfach noch zu früh für einen breiteren Einsatz, auch gebe es kaum existierende Lösungen jenseits von Ubuntu, so die Kritik.
Zeitplan
Die nächste Testversion für GNOME 2.30 soll nun bereits kommende Woche veröffentlicht werden, die fertige Release wird für den 31. März anvisiert. GNOME 3.0 soll dann im September 2010 folgen, ein exaktes Datum gibt es hier bislang noch nicht. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 10.11.09)
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Links
Nachlese
GNOME Shell 2.28: Preview für das neue Desktop-Interface
GNOME 3.0: Ein frischer Look für die kommende Desktop-Generation