UserInnen fragen, derStandard.at antwortet

Atomkontrollen: gleiches Recht für alle?

3. November 2009, 14:12
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    foto: reuters

    Der iranische Reaktor Bushehr.

Kontrolliert die IAEA nur die iranischen Atomanlagen oder auch die der westlichen Atommächte? derStandard.at hat nachgefragt

User rainer helmstreit fragt:  Hat die IAEA schon je einmal eine im Bau befindliche Anreicherungsanlage der großen Atommächte vor Fertigstellung begutachten dürfen? 

derStandard.at hat bei dem Innsbrucker Politologen Martin Senn, einem anerkannten Experten für Rüstungskontrolle, für Sie nachgefragt:

Martin Senn: Prinzipiell haben die offiziellen Nuklearmächte mit der UN-Atombehörde IAEA so genannte Safeguard-Agreements geschlossen. Man muss aber dazusagen, dass die Befugnisse der IAEA, in die Nuklearprogramme der Atommächte hineinzuschauen, sehr eingeschränkt sind. Die Behörde kann also nur jene Teile des Programms kontrollieren, bei denen die fünf offiziellen Atommächte (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China, Anm.) das auch wollen. Sobald etwas mit Nationaler Sicherheit zu tun hat, wird von vornherein abgeblockt.

derStandard.at: Was genau versteht man unter einem "Safeguard Agreement"?

Martin Senn: Der Atomwaffensperrvertrag von 1968, der die Weiterverbreitung von militärisch nutzbarer Nukleartechnologie verhindern soll, schreibt vor, dass sich Nicht-Atomwaffenstaaten keine militärische Nukleartechnologie aneignen dürfen. Auf der anderen Seite haben diese Länder aber das Recht auf zivile Nutzung der Nukleartechnologie. Nachdem der zivile und der militärische Nutzen eng beisammen liegen, muss die IAEA kraft des Safeguard Agreements überprüfen, ob ein Land seine Atomanlagen tatsächlich nur zivil nutzt.

derStandard.at: Reicht dieses Abkommen aus, um über die Nutzung der Atomtechnologie in einem Land zu urteilen?

Martin Senn: Nein, spätestens bei der Untersuchung des irakischen Atomprogramms in den Neunzigerjahren wurde klar, dass die Safeguard Agreements unzureichend und lediglich eine Art Lagerverwaltungsinstrument darstellen. Schließlich konnten die Kontrolleure nur jene Anlagen überprüfen, die der Irak angegeben hat. Man hatte kein Instrument um zu überprüfen, ob ein Staat der Behörde etwas verheimlicht und war voll abhängig vom Kooperationswillen der Staaten. Das hat sich mit dem Zusatzprotokoll geändert, das man sich als eine Art forensische Untersuchung vorstellen kann, etwa durch Strahlungsmessung in der Umwelt. So wollte man dem Verheimlichen einen Riegel vorschieben. In den vergangenen paar Jahren haben alle offiziellen Atommächte zugestimmt, wenn auch mit der Klausel, Anlagen von nationaler Bedeutung von der Kontrollbefugnis der IAEA auszunehmen. Der Iran weigert sich bis heute, dieses Zusatzprotokoll zu unterzeichnen.

derStandard.at: Lässt sich nicht aus jedem Brennstab Plutonium gewinnen?

Martin Senn: Eigentlich schon, nur brauchen Sie dafür eine Wiederaufbereitungsanlage, so wie etwa Nordkorea eine hat. Und das ist dann schon schwerer zu verheimlichen, so eine große Anlage braucht Energie und lässt sich unter Umständen von Satelliten aus orten.

derStandard.at: Wie sieht es mit Israel aus?

Martin Senn: Offiziell hat Israel keine Atomwaffen, es ist aber Mitglied der IAEA und hat ein eingeschänktes Safeguard Abkommen unterzeichnet.

derStandard.at: Wann wurden die USA und Frankreich zuletzt kontrolliert?

Martin Senn: Laut einem Bericht der IAEA wurden im vergangenen Jahr Kontrollen im Rahmen der Safeguards-Abkommen durchgeführt. Auch dieses Jahr wird es wieder routinemäßige Kontrollen geben. (red)

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Wafa
01
9.11.2009, 13:05
Iran und das Zusatzprotokoll

Entweder mangelt es Herr Martin Senn an eine gewiße Portion Objektivität oder die Redaktion hat nach redigiert.
Der Iran hat das Zusatzprotokoll im vorauseilenden Gehorsam freiwillig angewendet bevor das Parlament es ratifiziert hat. Als das Atomprogramm den Sicherheitsrat zugewiesen worden ist, hat man wie angekündigt das Zusatzprotokoll nicht mehr angewendet, was an sich auch nicht obligatorisch ist. Nun sagt der Iran, wenn sein Atomprogramm wieder der IAEA zugewiesen wird, das heißt nicht politisiert wird, wird man auch das Zusatzprotoll wieder anwenden.

MSenn
 
02
9.11.2009, 16:11

@Wafa
Sie haben natürlich recht: Iran hat das AP am 18. Dezember 2003 unterzeichnet (siehe http://www.iaea.org/NewsCente... 1218.html) und setzte es bis zum 5. Februar 2006 freiwillig um. Im Oktober dieses Jahres bekräftigten der iranische Außenminister Mottaki und Irans Vertreter bei den VN in Wien Soltanieh, dass Iran weiterhin nicht an der Ratifikation des AP interessiert sei (siehe http://english.farsnews.com/newstext.... 07151714).
Vielen Dank für diesen Hinweis und bitte entschuldigen Sie meine Ungenauigkeit!

Wafa
00
16.11.2009, 13:14
Im Oktober dieses Jahres bekräftigten der iranische Außenminister Mottaki und Irans Vertreter bei den VN in Wien Soltanieh, dass Iran weiterhin nicht an der Ratifikation des AP interessiert sei (siehe http://english.farsnews.com/newstext.... 07151714

Das ist technisch richtig, und politisch nachvollziehbar. Denn in den Verhandlungen möchte der Iran offensiv über sein Recht verhandeln und nicht aus der Defensive heraus. Gespräche über das Zusatzprotokoll sind aus iranischer Sicht in Moment irrelevant, sofern die Sanktionen weiterhin bestehen, so lautet auch der Beschluss des iranischen Parlamentes.

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
4.11.2009, 13:43
Bei einer Atemkontrolle gibt es kein gleiches Recht für alle...

... Beteiligten! *fg*

Wafa
00
11.11.2009, 12:13
Im Oktober dieses Jahres bekräftigten der iranische Außenminister Mottaki und Irans Vertreter bei den VN in Wien Soltanieh, dass Iran weiterhin nicht an der Ratifikation des AP interessiert sei (siehe http://english.farsnews.com/newstext.... 07151714

Das ist technisch richtig, und politisch nachvollziehbar. Denn in den Verhandlungen möchte der Iran offensiv über sein Recht verhandeln und nicht aus der Defensive heraus. Gespräche über das Zusatzprotokoll sind aus iranischer Sicht irrelevant, sofern die Sanktionen weiterhin bestehen, so lautet auch der Beschluss des iranischen Parlamentes.

Devil's General1
13
4.11.2009, 12:34
Pruhharr :-) !

Wenn Israel offiziell keine Atommacht ist, wozu dann fast der gleiche Safeguard-Status?

Damit das Land verhindern kann, dass seine offiziell gar nicht existenten Gefechstköpfe inspiziert werden?

Motto: Wir haben keine Atomwaffen, sollten wir welche bauen, können wir IAEA-Inspektionen verhindern.

Gratuliere, äußerst clever! De homm sich 's g'richtet.

Fritz Wunderlich
00

68 npt, den zusammenhang musst du erst mal kapieren

Ernst Marx
10
4.11.2009, 12:06

gleiches Recht für alle
oder doch nicht vielleicht sind auch manche gleicher !!!
(Orwell)

flash7
11
4.11.2009, 07:57
Iran bald keine Intresse an Atom-Program ....

Brave student of Mazandaran ( North Iran) taking down picture of Ahmaninejad and rip it appart!!
http://www.youtube.com/watch?v=YD6x765x9ig

Als der Standard diese Nachrichten nicht bringt, verwenden wir Posting und bitten um Verezeihung, dass es nicht zum Thema passt.
Gute Chancen, dass Iran bald keine Intresse an Atom-Program hat, wenn das Volk siegt!!!

Abu Simbel
 
06
3.11.2009, 20:09
traurig

dass die staaten die keine atomwaffen haben und keine wollen nicht aufstehen und in der uno vollversammlung einen beschluss erwirken der jegliche(!) kontrolle der iaea erlaubt.
und sei es nur demonstrativ...

Neutraler
10
4.11.2009, 19:22
Auch der hochaggressiv gerüstete Satellitenhimmel gehört unter die Kontrolle der UNO gesetzt

Hier wäre doch Friedensarbeit für die Neutralen Staaten Europas gegeben:unermüdlich den hochkriminellen Massenvernichtungstechnologen das menschenverachtende Gehabe eindämmen.
Details darüber im demnächst erscheinenden Buch "Neutrales Europa"
www.neutopa.com

caranx
11
4.11.2009, 11:37
Du musst erst mal begreifen, was die UNO überhaupt ist.

Polit-Paparazzo
41
3.11.2009, 23:32

Die IAEO ist dazu da, zu verhindern, dass keine Nichtatomwaffen-Staaten neuen Atomwaffen bauen und zu entscheiden, ob ein Land nur zivile oder eben militärische Nukleartechnologien entwickelt. (So lese ich das jedenfalls aus dem Kurzinterview heraus.)

Die Gefahr dabei ist vor allem, dass man Angst hatte, dass instabile Staaten (zB Pakistan) bzw. Staaten mit instabilen Regierungschefs (zB Iran mit dem geistig scheinbar verwirrten Ahmedinejad) Atomwaffen erlangen könnten. Hätte Ahmedinejad Kontrolle über Atomwaffen würde ich es verstehen, wenn Leute in Israel es mit der Angst zu tun kriegen. Was, wenn er dann noch Hamas und Hisbollah mit Nukleartechnologie, und sein es nur schmutzige Bomben, versorgt?

Kontrahent1
00
4.11.2009, 11:46
Aber die Weitergabe

wird nicht verhindert, oder ? Oder nur an bestimmte, befreundete Länder erlaubt ? Das Ganze ist wirklich sowas von hahnebüchen und einfach Geldverschwendung zur Beschaffung genehmer Berichte.

Evelyne R.
01
4.11.2009, 11:06
Sie haben aber auch wirklich gar nichts verstanden!

caranx
11
4.11.2009, 11:36
Wer hat da nichts verstanden?

Das brennendste Problem der Zeit (plus Überbevölkerung) ist die Weitergabe von Atomwaffen/Vehinderung von Neubesitzern. Und da darf man Pakistan,Iran, Syrien wohl ganz oben auf die Liste setzen.
Natürlich kann mann abstrakt eine generelle Abrüstung verlangen. Da aber gegenwärtig vollkommen illusorisch, macht das keinen Sinn.
Eine Einfrierung der Bestände auf die gegenwärtigen Besitzer wäre zunächst schon ein sehr grosser Erfolg.

Polit-Paparazzo
00
4.11.2009, 11:08

Vielleicht haben Sie Recht. Wollen Sie mich erleuchten und mir sagen, was ich nicht verstanden habe und was ich hätte verstehen sollen?

presonic
04
3.11.2009, 20:41

was heißt demonstrativ!
das ist längst überfällig. man sieht, welchen stellenwert die uno hat.
sie ist handlanger bestimmter staaten. das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern.

politisch verfolgt
113
3.11.2009, 14:33
muahaha

"offiziell hat israel keine atomwaffen."
der iran hat offiziell auch keine und die anderen zeigen nur das her, was ihnen in den kram paßt.
wunderbar.
so sind wir auf dem weg zu einer besseren welt.

p u r z l
 
33
3.11.2009, 15:31
mit muahaha allein

kommen wir aber auch nicht auf einen besserern weg. diverse politische führer dieser welt sahen und sehen die macht und die sicherheit ihrer völker eben nur durch noch größere verheerendere ... waffen gewährleistet, wir leben also mal in einer welt mit atomwaffen.

was wäre denn ihrer meinung nach der bessere weg, als freiwillige kontrollen, die wenigstens einigermaßen eine transparenz in die atomare entwicklung der welt bringen? "verdächtige" länder durch militärische intervention in die technologische steinzeit befördern? genau dagegen wollen die sich ja wappnen! wer soll entscheiden, wer gut und wer böse ist?

natürlich, ein bisschen besser kann mans immer machen, aber dazu braucht es potentere vorschläge als "muahaha, so geht des ned."

Thousand
119
3.11.2009, 16:21
machtlosigkeit

ich denke, der poster "politisch verfolgt" wollte mit seinem "muahaha" zum Ausdruck bringen, dass sämtliche Versuche, Transparenz in die atomare Entwicklung der Welt zu bringen, von vornherein zum Scheitern verurteilt und damit lächerlich bzw. lachhaft sind.

Angesichts des Standpunkts der Atommächte, "Anlagen von nationaler Bedeutung von der Kontrollbefugnis der IAEA auszunehmen" fragt man sich, was für die IAEA dann noch zum kontrollieren übrigbleibt. Offenbar nur Iran.

Und auch die Phrase "offiziell hat israel keine atomwaffen" löst zurecht ein "muahaha" aus. Auch wenns nicht lustig ist.
Aber das ist eben der Unterschied zwischen lustig und komisch.

natoll
00
4.11.2009, 07:42

die sache mit nationaler bedeutung gilt ja auch nur für bereits bestehende atomwaffen-länder.

was willst denn bei denen kontrollieren? ob sie eh nicht die waffen haben die sie ohnehin zugeben?

beim rest ist es sehr wohl möglich auf basis von sat aufnahmen und anderen informationen viel mitzubekommen. eine atomanlage lässt sich nicht anonym betreiben. da wissen zuviele bescheid.

ein "muahaha" ist a bisserl wenig für menschen die zwar viel raunzen, aber nicht ein gramm aufwand investieren um etwas zu ändern.

tramezzino
152
3.11.2009, 14:48

der iran ist in der tat zu dumm, um atomsprengköpfe herzustellen. die schaffen es ja nicht einmal, aus ihrem öl genügend benzin herzustellen.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
00
4.11.2009, 08:24

macht doch nichts andere länder sind zu dumm ihre eigenen landes grenzen richtig anzugeben,da Sie keinen haben.

Floyd Paranoid
02
3.11.2009, 22:42
das dürfte recht einfach zu erklären sein

die Amerikaner haben (wie zb auch in Libyen) die Ölinfrastruktur im Iran gebaut.
Nachdem die Amerikaner raus mussten, haben sie Schritt für Schritt jedes denkbare Ersatzteil auf die Sanktionsliste gesetzt.
So verfallen die Anlagen mit der Zeit und der Iran hat es schwer, Förderung und Raffinierung aufrecht zu erhalten. Mit Dummheit hat dies konkret recht wenig zu tun.

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