Wikipedia-Community ist in zwei Lager gespalten

3. November 2009, 11:15
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    Wikipedia-Gründer Jimmy Wales

Was ist relevant und gehört in die Wikipedia? Über diese Frage streiten sich die ehrenamtlichen Autoren

"Tschunk" ist ein Cocktail mit Club-Mate und Rum. Hinter dem Begriff verbirgt sich aber weit mehr als ein Mixgetränk. Er steht exemplarisch für eine kontroverse Diskussion über die größte Internet-Enzyklopädie der Welt - Wikipedia. Denn die ehrenamtlichen Mitarbeiter streiten darüber, ob Dinge wie "Tschunk" in das Lexikon gehören. Eine Bestandsaufnahme über einen immer lauter werdenden Streit im Netz:

"Missbrauchsopfer gegen Internetsperren"

Schwelte der Streit in der Vergangenheit nur innerhalb der Wikipedia, haben jüngst Fälle auch außerhalb der Community - etwa bei Twitter und in diversen Blogs - große Wellen geschlagen. Dabei ging es neben dem Mischgetränk "Tschunk" vor allem um "MOGIS" - die Vereinigung "Missbrauchsopfer gegen Internetsperren".

Beide Seiten haben eines gemeinsam: Sie wurden nach langen Diskussionen wegen fehlender Relevanz aus der "Wiki" gelöscht - im Falle von "MOGIS" wegen einer umstrittenen Vereinsstruktur und fehlender Nachweise über die Mitgliederzahlen, und bei "Tschunk", weil nicht jedes Mixgetränk einen eigenen Eintrag benötige.

Was ist relevant und gehört in die Wikipedia?

Was ist relevant und gehört in die Wikipedia? Über diese Frage streiten die Wikipedianer, wie sich die ehrenamtlichen Autoren nennen, seit langem. Das Ergebnis des Zwists ist eine Spaltung der Mitglieder in zwei Lager. Auf der einen Seite sind da die sogenannten "Inklusionisten": Sie wollen möglichst viele Artikel ins Lexikon aufnehmen, solange diese gut geschrieben sind. Ihnen gegenüber stehen die "Exklusionisten", die auf die besagte Relevanz achten.

Im Grunde genommen streiten sich die Parteien also um eine Definitionsfrage. Wikipedia selbst erklärt den Begriff übrigens wie folgt: "Relevanz steht für Bedeutsamkeit, ein Maß für die Wichtigkeit einer Sache oder Information in der Realität." So einfach dies zunächst klingen mag, eine Antwort auf die Diskussionen kann sie nicht liefern.

"Genau wie ein normales Lexikon muss auch Wikipedia eine Auswahl bei den Artikeln treffen."

Dies sieht auch Nina Gerlach so. Sie ist seit Mitte 2004 als Administratorin bei Wikipedia unter anderem für die Löschung von Einträgen verantwortlich und zählt zu den Verfechtern einer strengen Relevanzkontrolle. "Genau wie ein normales Lexikon muss auch Wikipedia eine Auswahl bei den Artikeln treffen." Das Argument, im Internet gebe es keine Platzprobleme, lässt sie nicht gelten: "Wir wollen hier keine gelben Seiten sein. Qualität und Bedeutung der Artikel müssen immer im Vordergrund stehen." Unter der willkürlichen Freigabe aller Artikel würde ansonsten die gesamte Wikipedia leiden.

Endlosen Diskussionen

Aus der Sicht von Autoren wie Felix Neumann setzt die Diskussion an der falschen Stelle an: "Die Energie der Beteiligten sollte nicht in endlosen Diskussionen über die Löschungen vergeudet werden, sondern zur Verbesserung der Beiträge." Ihn störe es sehr, dass Artikel bisweilen nur Minuten nach der Veröffentlichung von anderen Mitgliedern zur Löschung vorgeschlagen würden. "Relevant ist doch, was abgerufen wird und nicht, was irgendwann einmal in Kriterien festgeschrieben wurde."

Bei Wikipedia stehen derzeit mehr als 854.000 registrierte Nutzer und unzählige anonyme Autoren einer Gruppe von 332 gewählten Administratoren gegenüber. Auch wenn die Standpunkte der Streitenden - sowohl innerhalb der einzelnen Gruppen als auch zwischen den Administratoren und den Autoren - weit auseinanderzuliegen scheinen, sind sie sich in einem einig: Die oft festgefahrenen und polemischen Diskussionen müssen wieder sachlicher und konstruktiver werden.

"Wikipedia soll eine Enzyklopädie sein und kein kommentiertes Google."

"Diskussionen wie diese werden nie ein endgültiges Ende haben, sondern müssen kontinuierlich geführt werden", sagt Pavel Richter, Geschäftsführer von Wikimedia-Deutschland. "Wikipedia soll eine Enzyklopädie sein und kein kommentiertes Google. Deshalb können Fragen wie "ist ein Verein wie MOGIS für Wikipedia interessant" immer nur im Einzelfall entschieden werden."

Mehr Klarheit soll ein Treffen der Wikipedianer am 5. November in Berlin bringen. Erstmals in der Historie der Enzyklopädie wollen die Mitglieder dort an einem Verhandlungstisch diskutieren. Entgleisungen und Beleidigungen sollen danach wieder der Vergangenheit angehören.

Löschwahn

Wikipedianer wären übrigens keine Wikipedianer, würden sie nicht auch der laufenden Diskussion um die Löschungen einen - wenn auch internen - Eintrag widmen. So findet sich auf einer Projektseite unter dem Stichwort "Löschwahn" ein humorvoller Eintrag: "Der Löschwahn ist eine sehr milde Form der Manie. Die Krankheit grassiert besonders unter deutschen Wikipedianern." (APA/dpa)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 167
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GulGarak
00
23.11.2009, 15:16
Traurig aber wahr

Hier zeigt sich das wahre Gesicht von Open Source, wie es von Leuten wie eben den deutschen Wikipedia-Moots oder Richard Stallman gesehen wird. Nicht frei, sondern faschistoid frei. Wer die Freiheit nicht so will, wie wir es wollen, dem wird Sie aufs Aug gedrückt. Es wird wohl, unglaublich aber wahr, einen Fork der Wikipedia geben.

klofrau
02
7.11.2009, 01:33

eine herrliche diskussion ist rund um den donauturm entstanden, die frage ob der donauturm als fernsehturm im ersten satz bezeichnet werden soll löst meterlange diskussionen, beschimpfungen, anträge zwischen den editoren aus, einfach köstlich...

her wig
03
4.11.2009, 14:05

Warum macht man nicht einfach zwei Wikis, ein frei zugängliches, wo sich jeder kreativ betätigen kann der will, und ein kontrolliertes, wo sich die Ordnungshüter ausleben können. Der sicherheitsbetonte Konsument wählt das kontrollierte Wiki, der dynamisch-risikobewusste wählt das freie, und der Journalist schaut sich beide an.

net scout
00
4.11.2009, 21:50
ich bin auch für 2 wikis

und für werbung auf beiden, und mit dem geld daraus kann man opensource projekte unterstützen

die daten zu www.wikipedia.org

Net Worth € 306,436,552
Daily Ads Profits € 403,206
Daily Pageviews 200,668,672
Google Pagerank 9
Global Rank 6
Links to this site 9,360
IP-address server 84.115.67.112
Domain created on: 2001-01-13 00:12:14
Last update: 2009-10-30 18:27:1

w.p. r
01
4.11.2009, 15:21

Das frei zugängliche, wo sich jeder "kreativ betätigen" kann, würde wohl recht bald Stupidedia Konkurrenz machen.

http://www.stupidedia.org/stupi/Hauptseite

;)

her wig
01
4.11.2009, 19:12

Warum? Es wäre genauso wie die Wikipedia jetzt bzw. vor dem Beginn der Kontrollen.

CrazyBird
13
4.11.2009, 13:19
furstrierend

Für Gelegenheits- Wikipedianer wie mich ist die Vorgangsweise der Admins und "alten Hasen" tatsächlich frustrierend: Du legst einen Artikel an und nach 5 Minuten gibt's dafür einen "Löschantrag".

Beispiel: habe einen Artikel vom "Urban Artforms" - Festival anlegen wollen, der wurde gleich mal mit dem Löchantrag "Erforderliche Schöpfungstiefe nicht nachgewiesen" belegt - konnte dann gottseidank noch die "Schöpfungstiefe" nachweisen (2008 kamen 30.000 zum festival).

Solche Dinge schrecken einfach extrem ab - und langfristig wird die Wikipedia auf diese Weise wieder zu einem Elitenprojekt (von selbterannten Aposteln), was sie ja eiegtnlich nie sein wollte.

Vorschlag: Löschanträge erst nach einer gewissen Frist zulassen.

pep.
10
4.11.2009, 15:33

Naja, das ganze wurde innerhalb eines Tages erledigt, jemand anders hat die notwendigen Belege nachgetragen. Der Löschantrag lautete denn auch auf "Relevanz", nicht "Schöpfungstiefe" (ein Begriff, den es nicht gibt, nur "Schöpfungshöhe", aber das ist ein urheberrechtliches Konzept und hier irrelevant).

http://de.wikipedia.org/wiki/Wiki... C_LAE_1.29

Erwin Grubstaetter
00
23.11.2009, 17:15

Du bist sicher so ein Komiker von Wiki-Admin.

.

Ned Litam
12
4.11.2009, 13:09
wie kann man nur gratis arbeiten?

werwolfi
00
23.11.2009, 19:54

"geld ohne arbeit - sofort, arbeit ohne geld - niemals"

songtext ;o)
http://www.webindeklas.nl/songtexte... php?id=172

klofrau
01
5.11.2009, 00:06

naja, wenn einem im job langweilig ist, kann man ja einen artikel im wiki erstellen, oder runterspülen, ähhh löschen

Gummibam aus Surinam
11
4.11.2009, 20:56

Du denkst bei "Altruismus" vermutlich an eine Krankheit, nicht wahr?

Erwin Grubstaetter
00
23.11.2009, 17:17

Du glaubst der Geltungsdrang und Zwangsstörungen der Wiki-Admins hat mit Altruismus was zu tun?

.

Georg Scholz
15
4.11.2009, 10:09

Ich bearbeite die Wikipedia nur noch in englischen Artikeln. Die deutschen Lösch- und Ordnungsfanatiker sind unerträglich. Vor allem die Relevanz-Frage ist lächerlich. Für mich gilt: Je mehr Wissen drin ist, desto besser.

Ansonsten größte Kritik an der Wikipedia: Ein einzelner cashed massiv ab, die eigentlichen Artikelschreiber kriegen nichts. Auf meine Anfragen zum Financial Statement 2007 habe ich nur vernebelte Aussagen bekommen. Ich spende daher aus Prinzip NICHTS.

yomellamo
10
4.11.2009, 11:31

.. sobald die artikelschreiber was dabei verdienen wuerden, waere wikipedia zerstoert. Weil es dann einigen gierammeln nur noch darum ginge schnell ein paar artikel zu erfinden um geld einzuheimsen.

BumbleBee
10
4.11.2009, 11:06
Verschwörungstheorie?

Wer soll da bitte abcashen?

Georg Scholz
11
4.11.2009, 11:10

Jimmy Wales.

der Zacharias
03
4.11.2009, 09:48
Streitets euch nur, liebe ,,Wikipedianer" - ich schreib eh schon lang nicht mehr mit.

Ich habe nämlich die Willkür von ein paar Hansln ohne jegliches Fachwissen /aber/ mit dem Finger auf dem Löschknopf unendlich satt.

,,Exklusionisten" - wenn ich das schon höre! Dass es sowas überhaupt gibt (Anmerkung: http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklopädie - SCHAUT NACH, WAS DAS HEIßT!), das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass das Wiki-Projekt als solches nicht mehr existiert, und einfach nurmehr als Spielwiese persönlicher Eitelkeiten dient.

Die WP ist damit endgültig nurmehr zum Nachschlagen von Allgemeinplätzen brauchbar, und zu nichts sonst, denn den SINN der ,,Relevanz-Regel" kapieren die ,,Admins" nämlich schon lange nicht mehr, und viele Autoren haben diesem Kindergarten daher schon lange den Rücken zugekehrt.

BumbleBee
21
4.11.2009, 09:46
Während

sich hier viele aufregen, dass in der deutschen Wikipedia so viel zensuriert wird, wächst sie pro Tag (!) um rund 400 Artikel und wird bald die 1 Million Artikel-Grenze erreichen.

Run Wiki, Run!
04
4.11.2009, 18:55
Während

in der deutschen Wikipedia so viel zensuriert wird, könnte sie täglich um mehr als die lächerlichen 400 Artikel wachsen und hätte bereits seit langer Zeit die 1M Grenze überschritten.

(!)

her wig
04
4.11.2009, 08:29

Ich bin dafür dass die Wikipedia ab 1.1.2010 heilig gesprochen wird, auf neudeutsch ein Freeze durchgeführt wird, die Kontrolle dann an den Vatikan übertragen wird, der soll als erstes die Wikipedia von zweifelhaften Einträgen bereinigen und dann das hl. Buch des Internet für alle Ewigkeit in vollendeter Form den Gläubigen zur Verfügung stellen. Wer etwas dagegen hat, soll halt eine neue, protestantische Wikipedia gründen.

ghandi2000
02
4.11.2009, 06:22
die exclusionisten sind imho a bissl peinlich...

die platzfrage sollte auf ohnehin schon fetten servern egal sein, somal die nicht so relevanten artikel wohl auch nicht so umfangreich sind, wie wichtigere. wichtig ist es dennoch, diese artikel zu haben, denn die wikipedia ist noch lange nicht lückenlos. warum sollte man also einer informationsdatenbak informationen entziehen? die wird ja nicht schlechter nur weil mehr drin steht.

ein anderes thema ist die artikelqualität. die hat meiner meinung nach aber nichts mit der quanitität zu tun und sollte in jedem fall gewährleistet sein.

flame on!

Der 0 Standard
28
4.11.2009, 04:25
das ist ein rein DEUTSCHES problem

seltsam wie viele wikipedia artikel über deutsche oder österreichische themen, die den TEUTONEN nicht relevant genug sind, sich ganz selbstverständlich im englischen wikipedia wiederfinden.
die grossväter haben bücher verbrannt, die enkel löschen halt artikel …

Peter the Sleeper
01
4.11.2009, 09:32
muss leider zustimmen

und obwohl ich hier jetzt ein pauschalurteil bediene, ein wenig(mehr) wahrheit ist doch drin:
warum sind die deutschen in ihrem korrektheitswahn immer so unentspannt....

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