Der Sozialmedizinerin Claudia Wild fehlen in der Debatte die Relationen
Wien - Kritik an der aktuellen Schweinegrippe-Debatte übte die Sozialmedizinerin Claudia Wild am Dienstag im Ö1-Morgenjournal: Es handle sich um eine nichts anderes als eine neue Grippevariante, wie es sie fast alljährlich gebe. So zeige das Verhältnis der weltweiten Todesfälle zur Gesamtzahl der Erkrankungen, "dass es dasselbe ist wie jede andere Wintergrippe auch". Die Schweinegrippe würde "nur einfach in die Medien gezerrt", so Wild in der ORF-Sendung.
Nach Ansicht der Leiterin des Ludwig Boltzmann-Instituts für Medizin-Folgenabschätzung fehlen in der Debatte die Relationen. Wenn von sechs Schwangeren berichtet wird, die in den USA an der Schweinegrippe gestorben sind, müsse man dies in Verhältnis setzen zu 3,1 Millionen Schwangeren in den USA.
Zweifel an Ukraine-Zahlen
Außerdem bezweifelt Wild, dass die jüngsten Zahlen aus der Ukraine stimmen. Dass die Schweinegrippe zum weltweiten Thema geworden ist, liege unter anderem an der Ausrufung der Grippe-Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies trage zur Panik bei, kritisierte Wild. Sowohl in der WHO als auch in österreichischen Expertengremien würden Ärzte sitzen, die an der Entwicklung von Impfstoffen beteiligt seien. Wild selbst meint laut dem ORF-Bericht, es existiere kein Nachweis, dass
Grippeimpfungen die Zahl von Krankenhausaufenthalten, also von schweren
Erkrankungen, verringern.
Die Sozialmedizinerin steht damit im Widerspruch unter anderem zum Vorsitzende des Impfausschusses im obersten Sanitätsrat, Ingomar Mutz. Dieser betonte, es gebe eine Vielzahl an Feldstudien, wonach Grippeimpfungen die Zahl der Erkrankungen reduzieren. Wild erklärte hingegen, der Vergleich von Österreich mit den USA, wo viel mehr geimpft wird als hierzulande, zeige, dass es keinen wesentlichen Unterschied gibt ob man geimpft ist oder nicht. (red)