Wegen Folter und Mord an Dissidenten in geheimen Lagern
Buenos Aires - Der letzte argentinische Junta-Chef Reynaldo Bignone steht seit Montag wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht. Mit ihm sind fünf frühere Generäle und zwei weitere Personen angeklagt. Die Anklage bezieht sich auf von den Streitkräften während der Militärdiktatur betriebene geheime Gefangenenlager. Darin sollen Dissidenten illegal festgehalten, gefoltert und ermordet worden sein.
Der heute 81-jährige frühere Offizier Bignone wurde im Juni 1982 argentinischer Machthaber, nachdem sein Vorgänger Leopoldo Galtieri wegen des verlorenen Falkland-Krieges gegen Großbritannien gestürzt worden war. Er blieb bis Ende 1983 im Amt, danach übernahm der gewählte Präsident Raul Alfonsin das höchste Staatsamt.
Insgesamt verschwanden während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 Schätzungen zufolge rund 30.000 Junta-Kritiker und Oppositionelle. Der Oberste Gerichtshof Argentiniens hatte im Jahr 2005 die Aufhebung der von Bignone gewährten Amnestie für Angehörige der Militärjunta bestätigt. Seither wurden mehrere ranghohe Verantwortliche der Militärjunta vor Gericht gestellt.
Das nun eröffnete Verfahren dürfte sich laut einem Opferanwalt bis Februar hinziehen. Die Angeklagten, fast alle über 80 Jahre alt, stehen unter Hausarrest. (APA/AP)