Da weiß man, was man hat

2. November 2009, 18:59
56 Postings

Slayer und ihr neues Album "World Painted Blood"

Wien - Slayer ist die beste Band der Welt. Für ihre Fans. Auf Slayer ist Verlass. Seit 1983 wird der Untergang besungen, auf Wellen des Blutes gesurft (man kommt aus Kalifornien) und von der Einsicht, dass Gott uns alle hasst, eine gleichzeitig lebensfrohe wie plakativ defätistische Mentalität gepflegt, die sich bei aller Diversifizierung auf einige Konstanten einigen kann: Bier, Tätowierungen, schwarze Klamotten sowie Tom Araya, Jeff Hanneman, Kerry King und Dave Lombardo. Diese vier sind Slayer, waren immer Slayer und werden immer Slayer sein - auch wenn Lombardo den Fans Absenzen und Seitensprünge zugemutet hat und etwa bei der Schlager-Combo Melvins als zweiter Drummer aushalf.

Nun ist das neue Album der Thrash-Metal-Überväter erschienen, und schon der Titel lässt sich wieder einmal urgeil in Runenschriftzeichen auf noch freie Hautstellen tätowieren: World Painted Blood (Sony). Für den Laien klingt das wie immer und wahrscheinlich schrecklich und ein Lied wie das andere und das Gebrüll - also, wie kann man nur?

Für Eingeweihte, für assoziierte Mitglieder dieser globalen Gemeinschaft, ist es hingegen das, was ein neuer Harry Potter für die Kaulquappen ist: Ein üppiges Abenteuer mit bekannten Figuren, ewigen Themen und einem sehr wahrscheinlich blutigen Ende. Zuerst muss man aber reinschnuppern, die Intensität des Geböllers von Lombardos Doppel-Pedal-Schlagzeug werten, die Soli am diesbezüglichen Geilometer ablesen sowie die (üble) Laune des Vortragenden an den Lyrics messen. Und wieder und wieder und wieder. Schließlich muss man beim nächsten Konzert die Songs unterscheiden können, und das ist im Falle von Slayer etwas schwieriger als, sagen wir, bei den Heulsusen von Metallica.

Schon daran merkt man, dass die Einordnung dieses zehnten Studioalbums etwas dauern kann. Einerseits. Andererseits sind Slayer Slayer, also sakrosankt. Das muss man mitdenken. Ehrfurcht muss sein. Auch wenn ein Reim wie "Eternity" auf "Misery" in Snuff schon einen Bart hat. Aber das wird schon. So wie bisher auch. Immer. Darum verehrt man diese Band ja, weil, da weiß man, was man hat: Slayaaaaa!!! (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 03.11.2009)

Info

Slayer live: Am 7. 12. Gasometer, 1030 Wien, 20.00 Uhr

  • Die Zielgruppe feiert: Es gibt ein neues Slayer-Album!
    foto: epa

    Die Zielgruppe feiert: Es gibt ein neues Slayer-Album!

Share if you care.