Grippeviren und Pharmateufel

2. November 2009, 18:56

Verschwörungstheorien zur H1N1-Impfung gefährden die öffentliche Gesundheit

Pharmakonzerne genießen in der Öffentlichkeit einen Ruf, der irgendwo zwischen dem der Ölmultis und der Mafia liegt. Sie gelten als geldgierige Scharlatane, die Innovation vorgaukeln, um durch überhöhte Preise die öffentlichen Gesundheitssysteme zu ruinieren; Ärzte korrumpieren, damit sie teure Mittel verschreiben; mit unausgereiften Mitteln die Gesundheit der Patienten gefährden; die Bewohner der armen Länder der Welt entweder ignorieren oder als illegales Testlabor verwenden - und nebenher auch Tiere quälen.

Taucht eine neue infektiöse Krankheit auf, für die entsprechende Medikamente entwickelt werden, dann heißt es, all das wäre bloß eine Erfindung der Pharmariesen, die damit ihre Umsätze ankurbeln wollen.

Selten zuvor ist dieser Vorwurf so offen ausgesprochen worden wie bei der Schweinegrippe. Ob in Blogs, Fernsehberichten, Zeitungskommentaren oder im aktuellen Profil - stets heißt es, dass von der WHO, Regierungen und Gesundheitsexperten eine falsche Panik geschürt wurde, hinter der die Pharmalobby steht. Dabei schwingt ein massiver Korruptionsvorwurf mit, als ob die Pharmabosse gleichzeitig WHO-Chefin Margaret Chan, US-Präsident Barack Obama und Gesundheitsminister Alois Stöger gekauft hätten.

Nun kann man tatsächlich Zweifel darüber äußern, ob die Ausrufung der höchsten Pandemie-Stufe durch die WHO im Juni gerechtfertigt war, ob für den Normalbürger die Impfung gegen das H1N1-Virus notwendig ist, und ob der so rasch auf den Markt gebrachte Impfstoff ausreichend getestet worden ist. Und ja: Die Pharmakonzerne verdienen an den Impfungen ganz ausgezeichnet.

Aber spätestens die Verschärfung der Lage in der Ukraine sollte die Abwiegler und Verschwörungstheoretiker zum Schweigen bringen. H1N1 mag sich immer noch als relativ harmloser Erreger erweisen, so wie einst die Vogelgrippe nie wirklich gefährlich wurde, aber das Bedrohungspotenzial ist zweifellos vorhanden. Und sollte die Zahl der Grippetoten tatsächlich explodieren, wie würden die Kritiker dann aufheulen, wenn die WHO nicht rechtzeitig gewarnt und die Pharmakonzerne nicht mit hohem Einsatz Impfstoffe entwickelt hätten?

Natürlich hat die Industrie nicht aus Selbstlosigkeit gearbeitet, sondern weil sie daran verdienen will. So ist das in der Marktwirtschaft. Glaubt irgendjemand, dass die öffentliche Hand oder Non-Profit-Gruppen Arzneimittel billiger und besser produzieren würden?

Das ständige Verteufeln der Pharmakonzerne ist unsinnig und kontraproduktiv. So lenkt in der heimischen Gesundheitsdebatte der ständige Ruf nach Preissenkungen bei Medikamenten von viel größeren Sparmöglichkeiten ab, vor allem dem Föderalismusunwesen bei den Krankenhäusern.

Das Misstrauen gegenüber der Branche führt dazu, dass höchst effektive Mittel vom Markt genommen werden müssen, sobald die Berichterstattung über gefährliche Nebenwirkungen überhand nimmt - wie etwa das Schmerzmittel Vioxx, dem viele Patienten immer noch nachtrauern. Je länger dann getestet wird, desto teurer werden neue Arzneien - was wiederum den Herstellern angekreidet wird.

Und während kritische Konsumenten Angaben der Pharmahersteller a priori bezweifeln, fallen sie reihenweise auf die völlig unbewiesenen Behauptungen der Homöopathie hinein.

Auch bei der Schweinegrippe ist die Anti-Pharma-Stimmung, zu der selbst Mediziner neigen, eine gesundheitspolitische Falle. Niemand sollte genötigt werden, sich impfen zu lassen. Aber solange das Ausmaß der Bedrohung nicht abschätzbar ist, muss man froh sein, dass Impfstoffe zur Verfügung stehen. Sie könnten tatsächlich Leben retten. (Eric Frey/DER STANDARD-Printausgabe, 3.11.2009)

Kommentar posten
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Marinos Yannikos
00
26.11.2009, 17:33
schlecht informiert wie immer

Ja, die öffentliche Hand könnte Medikamente billiger produzieren. Siehe Brasilien (übrigens auch bez. der Kartelle der Pharmakonzerne, typischer Fall von "Kapitalismus", der den Marktgesetzen nicht folgt).



Kaiser Schmarren
00
17.11.2009, 14:23
Milliardengeschäft mit dem Grippevirus

http://derstandard.at/fs/125674... rippevirus

René Monet
 
00
8.11.2009, 13:46
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

schreibt zb das: http://www.akdae.de/46/20090910.pdf

FAQs des Robert Koch-Instituts zur Impfung:
http://www.rki.de/cln_091/n... __ges.html

Paul-Ehrlich-Institut:
http://www.pei.de/cln_116/n... 09/05.html

Iris Wagnsonner
 
00
4.11.2009, 22:37
Medien

Beim Lesen der Berichterstattung zu H1N1 könnte man fast meinen das einzige um sich davor zu schützen oder nicht daran ernsthaft zu erkranken ist eine Impfung oder die einnahme von tamiflu, deren nebenwirkungen verherrend sein können (beschrieben im lancet eines der top-medizin journale). ich frage mich was unsere großmütter gegen eine grippe unternommen haben? sind all diese über jahrhunderte bewährten hausmittel in vergessenheit geraten? was ist mit ruhe, leichter und frischer nahrung, wechsel- u. fussbäder und wickel, lindenblüten- oder holunderblütentee, zitrone. etc.etc.- nach einer diagnose und beratschlagung mit dem arzt des vertrauens.

Godesberg
00
5.11.2009, 11:56

Meinten Sie das mit dem Lancet-Zitat?

http://derstandard.at/?url=/pli... 8/14626327

LCMSMS2
14
3.11.2009, 20:44
Sorry

Eine ehrliche Entschuldigung an all jene, die auf mein Posting (03.11.2009 07:10) mit "Unsinn" und "Masernparty" etc. geantowrtet haben.

Ich habe ja die Meinung vertreten, dass eine Infektion mit H1N1 eine gute Sache sei, da man durch diese ungefährliche Grippe in Zukunft immun gegen gefährlichere Mutationen ist.

Es tut mir nun wirklich leid, aufklären zu müssen, dass diese Meinung in Wahrheit von Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Graninger, Leiter der klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin im AKH Wien, vertreten wird.

Siehe aktuelles Profil, oder Artikel im Standard vom 10. September.

Ich will jetzt keine Namen nennen, aber das war wohl eine schöne Blamage für so manchen Gscheidwaschl.

HAL 9000
12
4.11.2009, 06:32
Es ist besonders perfide

den Pharmagläubigen mit ärztlichen Autoritäten zu kommen, da wird jetzt so mancher eine dissoziative Störung entwickeln (Persönlichkeitsspaltung), um das zu verarbeiten.

0wned

utarefson
80
3.11.2009, 22:04
da wurde mit Sicherheit etwas verdreht, oder aus dem Zusammenhang herausgerissen!

suboptimal
 
03
4.11.2009, 01:36
Internist Graninger: Schweinegrippe eine "Wohltat"

Wer sich jetzt mit der Neuen Grippe anstecke, sei immun gegen mögliche künftige Formen der Erkrankung, so der Leiter der Infektionsabteilung im AKH.

Impfungen empfiehlt er nur Risiko-Personen.

http://diepresse.com/home/pano... 9/index.do


und tschüss!

Godesberg
00
4.11.2009, 08:43
zum Thema "jetzt"

Diese Meinung stammt vom 10.9.

suboptimal
 
02
4.11.2009, 12:14
und? An seinen immunologischen Kernaussagen ändert sich nichts,

an seiner Kompetenz auch nicht.

"Doch nicht einmal das Kriterium einer neuen Virenmutation scheint wirklich erfüllt. Weltweit zeigt sich, dass ältere Menschen zu einem hohen Anteil immun gegen die Schweinegrippe sind, diesen Viren also in der Vergangenheit schon begegnet sind."
http://www.profil.at/articles/... aindustrie

hm

utarefson
41
3.11.2009, 20:14
Aus dem tobenden Narrativum des Hirns von Rudolf Steiner:

„Als Heilmittel gegen die angstverbreitenden ahrimanischen Mächte wirken die Eisenkräfte im Blut, die sich makrokosmisch in den Meteoritenschwärmen zeigen, die Ende August herunterregnen. Das Eisenphantom des Blutes bewirkt eine Entängstigung. Die Imagination Michaels leuchtet auf, der mit der Kraft, die von seinem Herzen strömt, die Meteoritenschwärme zu eisernem Schwert zusammenschmilzt und damit den ahrimanischen Sulfur-Drachen besiegt.“

lehmannsbruder
01
4.11.2009, 10:27

Sie werfen hier mit Mottenkugeln auf den Kleiderschrank, in der Hoffnung die Wirksamkeit der Mottenkugeln nachzuweisen...lächerlich!

Ramirez
03
3.11.2009, 23:26

kennen Sie den Begriff Themenverfehlung?

utarefson
21
3.11.2009, 20:09
Der Paradigmenwechsel oder was ist Henne und wo liegt das Ei begraben

Aus einer Homöopathiebroschüre von E. Fräntzki, Titel: Die Idee der Wissenschaft bei Samuel Hahnemann (1976) :
Mit der neuen, homöopathischen Konzeption des Heilverfahrens hat HAHNEMANN, so läßt sich sagen, die kopernikanische Wende innerhalb der Medizin vollzogen. Denn jetzt richtet sich das Wissen um das Heilen nicht mehr nach den in immer neuen Weisen auftretenden, im Grunde nie einholbaren Krankheiten wie in der Allopathie, sondern Krankheit muß sich nach dem Wesen um das Heilen richten. Das heißt, homöopathisch gesehen tritt als Krankheit nur auf, was im voraus in der reinen Arzneimittellehre schon ausgemittelt worden ist. Darin ist impliziert, daß es – wiederum homöopathisch gesehen – natürliche Krankheiten nicht gibt …

utarefson
22
3.11.2009, 20:00
Angst ist das Geschäftsgeheimnis alternativer und komplementärer Schraltane

Jemanden seine ausgesprochenen und vor allem
seine unausgesprochen Ängste zu bestätigen, wird immer leichter sein als zu widersprechen und sie ihn ausreden zu wollen. Diese Methode gleicht dem Populismus in der Politik! Wenn latente Angst nicht ausreicht, um Logik und Skepsis zum Geschäftemachen auszuhebeln, so kann ja noch ein wenig nachgeholfen werden. Es läßt sich Angst vor Schulmedizin, Angst vor Impfungen, Angst vor Strom, Angst vor Mobiltelefonen, Angst vor Technik, Angst vor der Mikrowelle und dergleichen unterschwellig schüren, und Scheinlösungen Lösungen können dazu angeboten werden. Davon lebt die Gesundheitsscharlatanerie

utarefson
33
3.11.2009, 19:54
Alternativer Medizin-Faschismus

Das Komplementäre und Alternative, wie auch die Homöopathie, faszinieren mit einfachen, alles erklärenden praktischen Simpelthesen anstelle unverständlicher Gelehrtenwissenschaft. Im komplementären und alternativen Bereich können Laien der Schulmedizin die Praxis der Praktiker entgegenhalten. All das hat glühende Anhän-
ger bis in die höchsten politischen und auch wissenschaftlichen Kreise. Rationale Argumentationen prallen an der von guten Ge-
fühlen geschützten neuen Wahrheit ab.

lehmannsbruder
01
3.11.2009, 20:04

waren Sie schon mal mit einer akuten und schweren Mittelohrentzündung bei einem homöopathischen Arzt? Warhscheinlich nicht, denn dann wüsten Sie, dass der erst einmal ein entsprechendes Antibiotikum verschreibt, Ihnen dann erklärt wie man einen Zwiebelumschlag macht und dann noch ein paar Globuli mit gibt. Was hat das bitte mit dem zu tun was Sie hier schreiben? Und was hat das mit dem Thema dieses Forums zu tun?

utarefson
01
3.11.2009, 21:58
der alternative Aufputz echter medizin. Behandlung ist Mogel

dafür wurde auch Geld verlangt und Zeit verschwendet, oder nicht? Ist das ethisch?

utarefson
23
3.11.2009, 19:48
teures nutzloses Heilimage

Wenn die Möglichkeiten der evidenzbasierten Medizin erschöpft sind, wenden sich die Menschen enttäuscht von der „Schulmedizin“ dem Alternativen und Komplementären zu. Und wenn dann der altern. u. komplem. Behandlungszirkus vorbei ist, ohne geholfen zu haben, herrscht meist Schweigen; nicht einmal um das Geld wird gejammert. Die Betroffenen oder die Angehörigen sind keineswegs von den letztlich unzureichenden alternativen und komplementären Behandlungen enttäuscht, sehr wohl aber von den Mißerfolgen der „Schulmedizin“.

utarefson
22
3.11.2009, 19:40
komplementäre Abzocke

Die Argumentation für das Alternative und Komplementäre lauft immer auf eine Schuldzuweisung an die „Schulmedizin“ hinaus. Das ist im Zeitgeist und zieht immer. Vom kleinsten Fehler bis hin zu Verbrechen, sei es von „Schulmedizinern“oder Leuten im Naheverhältnis zu Pharmafirmen, kann alles, ohne Widerspruch zu ernten, als typisch bezeichnet werden und als Argument für die Lauterkeit und Richtigkeit alternativer Methoden und Mittel sowie für die Integrität alternativer Behandler herangezogen werden. Außerdem ist es üblich, reflexartig den Erzeugern registrierter Präparate unerlaubtes Gewinnstreben vorzuhalten. Wie jeder weiß, lebt die alternative Gesundheitsindustrie vom Herschenken ihrer Produkte. Alles geschieht aus reiner Nächstenliebe!

utarefson
23
3.11.2009, 19:32
Alternative Kurpfuscherei

Angewendet werden die Methoden der Paramedizin meist von sogenannten Heilern, die keine fundierte medizinische Ausbildung haben. Früher nannte man sie kraß „Kurpfuscher“ und „Quacksalber“. Heute spricht man von sanfter Medizin, Erfahrungsheilkunde, Naturmedizin, von unkonventioneller und biologischer Medizin, oder Komplementär- und Alternativmedizin. Diese Begriffe sollen suggerieren, daß es hier um Verfahren mit speziellen, natürlich-biologischen Merkmalen geht, die in der „verstaubten Schulmedizin“, wie sie gern abwertend genannt wird, nicht vorhanden seien.

utarefson
02
3.11.2009, 19:24
Homöopushing versus Pharmabashing

In Interviews ist es schick, sich der „Beschäftigung“ mit Homö-
opathie und Co. zu rühmen. „Beschäftigung“ ist kein Euphe-
mismus für dilettantisches Tun, sondern die dezente Umschrei-
bung, sich als „Experte“ in Gebieten zu outen, von denen man
keine Ahnung hat. Dilettanten wissen in ihrem Fach meist sehr gut
Bescheid. Wenn man es aber in der Society-Hierarchie bis hinauf
in die Seitenblickegesellschaft geschafft hat, kann man mit geist-
vollen Worten und verklärtem Blick erzählen, mit den Verstorbe-
nen kommunizieren zu können, ohne fürchten zu müssen, Ziel
einer psychiatrischen Einlieferung zu werden. In früheren Zeiten
waren solche Auffälligkeiten lebensgefährlich. Heute müssen
berühmte Söhne ihre Mütter nicht mehr vor der I

Laín Coubert
20
3.11.2009, 19:23
seufz - Daß dieser Frey von Medizin und Epidemiologie keine Ahnung hat...

..kann man ihm - obwohl er recherchieren hätte können - nicht vorwerfen, aber die Verfassung der obigen Verdrehungen schon.

Daß seit diesem Jahr bezügl. h1n1 eine Kampagne läuft, die Goebbels vor Neid erblassen lassen hätte, kann ein halbwegs klarsichtiger Mensch wohl nicht mehr übersehen.

Aussagen wie "Verschärfung der Lage in der Ukraine" stimmen in den Propagandachor ein - die epidemiologischen Kennzahlen wie Inzidenzrate, Letalität entsprechen eher denen einer normalen Grippewelle (in Ö und Resteuropa weeeit darunter).

Einzig die Lautstärke und Häufigkeit der Meldungen von Politikern und Journalisten sind erhöht.

Also Herr Frey, alles wird gut.
http://www.youtube.com/watch?v=qAQrsA3m8Bg

Zaphod Beeblebrox III
00
5.11.2009, 10:12
Hm, Äh, Tschuldigung...

Aber selbst wenn die H1N1-Grippe nicht schlimmer ist als die saisonale Grippe:

Gegen die wird doch auch jedes Jahr geimpft ?
Und mit ähnlichen Werbekampagnen wie bei der H1N1-Impfung ??

Kann es sein, dass es einfach DIESES Jahr nötig ist, zweimal zu impfen, um die gleiche Wirkung zu erzielen wie in den Vorjahren ?

Und was ist so schlimm, auf dieses simple Faktum hinzuweisen ??

Das einzige Unangenehme ist, dass aus Einspargründen der H1N1 Impfstoff nur in Zentren abgegeben wird und nicht in Apotheken.

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