Knalleffekt im Opel-Poker

GM sagt Opel-Verkauf an Magna ab

4. November 2009, 10:41
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General Motors behält Opel selbst. Magna zeigt sich verständnisvoll, Kritik hagelt es seitens der deutschen und österreichischen Politik

Detroit - General Motors will Opel nun doch behalten. Der Verwaltungsrat des US-Mutterkonzerns entschied sich am Dienstag gegen den Verkauf des deutschen Tochterunternehmens an Magna. Die Verbesserung des Geschäftsumfeldes und die Bedeutung von Opel seien für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen, teilte GM mit. Konzernchef Fritz Henderson kündigte an, in Kürze einen Restrukturierungsplan für Opel vorzulegen. In Berlin wurde die Entscheidung bedauert. Auch bei den Opel-Arbeitern stieß der Plan auf Kritik. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht dadurch die Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet".

Die Kosten für die Sanierung bezifferte GM-Chef Fritz Henderson nach vorläufigen Schätzungen auf drei Milliarden Euro. "Das ist deutlich weniger als alle Investoren-Angebote". Im September hatte das GM-Gremium noch den Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und dessen russischen Partner Sberbank empfohlen. Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet und GM aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken. Magna hatte 4,5 Milliarden Euro Staatshilfen angestrebt.

Zugleich entschuldigte sich Henderson für die monatelange Hängepartie. "Wir verstehen, dass die Komplexität und die Länge der Angelegenheit für alle Beteiligten anstrengend war." Aber mit dieser Entscheidung habe GM die beste Lösung für seine Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Händler erreicht. Dies sei die stabilste und kostengünstigste Lösung, um die Zukunft von Opel und der Schwestermarke Vauxhall langfristig zu sichern. Noch vor zwei Wochen hatte Henderson einen Verkauf von Opel als die wahrscheinlichste Lösung bezeichnet.

Niederlage für Merkel

Die deutsche Bundesregierung erwarte nun, dass GM "den Konzern Opel in seiner Leistungsfähigkeit stärkt" und "die erforderlichen Anpassungen auf ein unverzichtbares Mindestmaß begrenzt", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht zum Mittwoch. Außerdem müsse der US-Konzern die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahlen. Das Thema Opel wurde für Mittwoch auf die Tagesordnung des Kabinetts gesetzt.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt die Kehrtwende bei GM - kurz nachdem sie die seltene Ehre erfahren hatte, vor beiden Häusern des US-Kongresses zu reden - einer Niederlage gleich. Sie hatte sich persönlich für Magna stark gemacht. Auch mit US-Präsident Barack Obama hatte sie gesprochen. GM war nur durch Staatshilfen gerettet worden, die US-Regierung verfügt bei dem Konzern über entscheidenden Einfluss. Die US-Regierung erklärte jedoch, sie sei bei der Entscheidung nicht beteiligt gewesen.

Kritik aus Hessen

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch übte scharfe Kritik. "Ich bin sehr betroffen und zugleich verärgert, dass die monatelangen Bemühungen, für Opel Europa eine möglichst gute Lösung zu finden, an GM gescheitert sind", erklärte Koch. Er mache sich große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze.

Die Opel-Treuhand, die 65 Prozent von Opel verwaltet, reagierte zurückhaltend. Der Beirat nehme diese Entscheidung zur Kenntnis. "Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft", erklärte der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin. Die Opelaner selbst wollen zunächst alle Zusagen über Einsparungen zurückziehen und über das weitere Vorgehen beraten. Erst kurz vor der überraschenden Entscheidung bei GM hatte der Opel-Betriebsrat den Weg freigemacht für einen Verkauf des deutschen Autobauers an Magna.

Die Arbeitnehmervertreter hatten sich von Beginn an für eine Trennung Opels von GM eingesetzt. Der Opel-Betriebsrat forderte nun erneut den Erhalt der deutschen Standorte. "Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa. Ich gehe davon aus, dass sie auch die Werke brauchen", sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel der "Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung" vom Mittwoch. Auch der im Frühjahr von GM vorgelegte zweite Rettungsplan sehe einen Erhalt der vier Fabriken vor. Einenkel drängte auf schnelle Entscheidungen. Die Hängepartie sei für die Mitarbeiter unerträglich. Der Finanzierungsrahmen der deutschen Regierung stehe nur bis Ende November. Am Mittwoch soll die GM-Entscheidung Thema der Betriebsrätekonferenz sein.

Magna hat Verständnis

Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf äußerte Verständnis für die GM-Entscheidung. "Wir verstehen, dass der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen ist, dass es im besten Interesse von GM ist, Opel zu behalten", erklärte er. Die deutsche Tochter spiele eine wichtige Rolle in der weltweiten Organisation des Konzerns.

In den vergangenen Wochen waren bei wichtigen Akteuren Zweifel aufgekommen, ob GM Opel immer noch verkaufen oder vielleicht doch in Eigenregie sanieren will. Ins Feld führten Skeptiker, dass GM für einen Neustart die moderne Opel-Technologie und den Zugang zum europäischen Markt brauche.

Kritik aus Österreich

Ernüchterung macht sich auch in der österreichischen Regierung breit. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat am Mittwoch kritisiert, dass durch die nun gescheiterten Verhandlungen mit Magna ein Jahr wertvolle Zeit verloren wurde. Er erwarte jetzt "die rasche Vorlage eines tragfähigen Zukunftskonzepts für Opel Europa" und "die Beendigung des Pokerspiels um Finanzierungsmittel der beteiligten Standorte."

"Ohne rasche Vorbereitung eines neuen Konzepts durch General Motors könnte es große Probleme für mehrere Standorte in Europa geben", befürchtet Mitterlehner. Der Minister geht nicht davon aus, dass die überraschende Wendung negative Folgen für den Opel-Standort Aspern hat - das Opelwerk habe "hohe Fertigungsqualität" und "Entwicklungskompetenz".

Mitterlehner bekräftigte allerdings, dass auch GM als künftigem Eigentümer der Zugang zu österreichischen Garantieinstrumenten prinzipiell offen stehe: "Eventuelle Haftungen müssen im Einklang mit dem Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz (ULSG) stehen." (APA/Reuters)

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jonas7
00
5.11.2009, 12:52
das der deal platzen würde war geplant

mich wundert nicht, dass jetzt die meldung des geplazten deals kommt, sondern, dass sie erst jetzt gekommen ist.

es gab ein agreement gm mit magna, aber an einen echten verkauf war nie im leben gedacht. nach der deutschen wahl hätte man schon mit der meldung an die öffentlichkeit gehen können.
daher darf man sich auch nicht über die milde reaktion von magna wundern. alles nur schall und rauch. ein riesenschaden aber für die europäischen opel-standort und die betroffenen mitarbeiter und familien. aber das kümmert amerika und magna nicht.

Otto Ottinger
 
00
5.11.2009, 09:17
Lernunfähig!

Ein weiteres Beispiel wozu es führt wenn der Staat sich getrieben durch sozialisten, gewerkschaften, populisten und letzlich vor allem demokraten die um ihre wiederwahl fürchten in die wirtschaft einmischt.

Nicht das erste mal!

Aber allein ein blick ins standard forum belegt: die Idioten die sich permanenten staatsinterventionismus wünschen sterben nicht aus, im gegenteil: sie werden immer mehr!

Biko1
00
4.11.2009, 15:16
UND SIGI

Kaum zu glauben das Sigi Wolf jetzt nicht zum Deal steht. Das war sein "Deal" und Frank Stronach hat gesagt das es Sigi's Deal ist. So viel Zeit und Geld verschwenden kann nur Sigi ohne konzequenzen.

ositolindo
20
4.11.2009, 15:05

Letztverantwortlich ist und bleibt der Herr Nobelpreistraeger: auch fuer die Entlassungen.

Der Oley
00
4.11.2009, 15:02
Das einzig Vernünftige.

zitronen_bob
00
4.11.2009, 14:29
GESCHEITERT ...

... ist nun offensichtlich (und hoffentlich auch endgültig) nach dem x-ten Schwenk von GM der Verkauf von Opel. Das man mit der Bekanntgabe dieser Entscheidung bis nach der Wahl in D gewartet hat ist Wählerbetrug und die Vorspiegelung falscher Tatsachen in der deutschen Innenpolitik. (Ähnlich sieht das natürlich im Fall "Quelle D" aus.)

Magna kann aber wahrscheinlich ohnehin froh sein, diesem Klotz am Bein doch noch entkommen zu sein. Denn in Abhängigkeit von GM UND Russland (Sberbank) wäre der Handlungsspielraum wohl ohnehin gegen Null gegangen ...

Und jetzt wollen wir alle NICHTS MEHR HÖREN von dieser nervenden Endlos-Geschichte! Eine Bereinigung am mit Überkapazitäten gesegneten Automarkt tut wahrscheinlich nur gut ...

skip it
00
4.11.2009, 15:50
in der zwischenzeit...

...hat magna eine menge auftraege und kunden verloren, die "nicht bei der konkurrenz" kaufen wollten.

magna wird das vielleicht in russland und china wettmachen koennen, fuer die magna-arbeitsplaetze in oesterreich sieht's aber nicht gut aus.

ebenso fuer jene von GM in aspern.

el dus
 
23
4.11.2009, 13:26
Obama, der Chef von GM, hat wieder mal gezeigt, wo der Hammer hängt

Handibussi und wie können wir den USA niun helfen ist nun angesagt, Frau Merkel.
Erste Reihe fußfrei hat sich wie schon so oft wieder ausgezahlt. Ich bin komfortabel erheitert, wie sich die Deutschen nun weiter ihren Obama schönreden müssen, den Chef der Besatzungsmacht in Deutschland, was so gerne verdrängt wird ...........

timtoms
00
5.11.2009, 04:06


"chef der besatzungsmacht???

oh mein gott,was habe ich versäumt ??
ich dachte nur "dornröschen"schlief hundert
jahre.

Ein Mahner
52
4.11.2009, 12:39
Es war nicht anders zu erwarten

denn die kapitalistischen Blutsauger aus den USA haben nichts anderes im Sinn, als schnell noch Milliarden an Staatsgeldern abzuräumen, bevor sie dann zusperren und die Beschäftigten elendiglich verhungern lassen.
Al Kaida hat leider das falsche Ziel gewählt, sie hätten die amerikanische Automafia killen sollen.

Mark_Anton
00
5.11.2009, 01:10

mit dem KdF Wagen wäör dass alles nöcht passört ....

Hans Müller1
 
00
4.11.2009, 12:53
das verdient schon fast ein grün wenn ich nicht wüsste

dass Sie das ernst meinen, lolz

J_***
00
4.11.2009, 14:31
solche Sprüche ...

... verdienen nie und keinesfalls ein Grün. Entweder es ist zynischer Humor oder krankes Denken!

Idefix der zweite
 
00
4.11.2009, 16:06

Na ja, zynischer Humor, aber doch sehr lustig. Diese Anti-US-Fanatiker sind immer wieder ihre eigene Karikatur, aber diese Wortmeldung ist schon besonders gelungen.

mag2412
00
4.11.2009, 12:15
österreich ist völlig unwichtig und magna ebenso

die amis wollten die merkel für die nächsten 5 jahre an der spitze der deutschen br. daher hat man ihr die bittere nachricht erst nach der wahl präsentiert.

und fertig

wäre das vor den wahlen so entschieden bzw. veröffentlicht worden, hätte das u.u. die meinung der deutschen beeinflusst.

Ggg14
00
4.11.2009, 12:54

Wieso verkauft man Opel überhaupt an die Amis?

-Ciac-
00
4.11.2009, 14:09

Opel ist seit 1929 ein Teil von GM.
Also ist Opel eher ein amerikanischer Konzern mit deutschen Traditionen.

Der kleine Lord
00
4.11.2009, 12:11
Genialer Schachzug

Überbrückungskredit vom Staat eingesackt, Opel bleibt trotzdem bei GM, Leute können jetzt massenhaft unter dem Titel Umstrukturierung gefeuert werden - wofür wieder der Staat blecht. Und Merkel bleibt trotzdem am Ruder. So funktioniert das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft. Und so nebenbei hat man den Magna ein bisserl geschwächt, quasi als Umwegrentabilität.

Sabine Werner
00
5.11.2009, 08:44

Die Kohle wird von GM wieder zurückgezahlt, also kein Grund sich darüber aufzuregen. Dann geht halt Opel in die Insolvenz, auch wurst. Geht vielen anderen genauso, das schert keinen einen Deut.

Der kleine Lord
00
5.11.2009, 08:54
"Die Kohle wird wieder zurückgezahlt"

LOL, you made my day!

-Ciac-
11
4.11.2009, 14:16

"Überbrückungskredit vom Staat eingesackt"

Dieser wurde Seitens D zum 30. Nov zurückgefordert, und wird auch wieder zurückgezahlt!

"Leute können jetzt massenhaft unter dem Titel Umstrukturierung gefeuert werden"

Hätten bei der Magna Lösung nicht auch tausende Mitarbeiter Ihren Job verloren?

"Und Merkel bleibt trotzdem am Ruder. So funktioniert das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft"

Eher das Zusammenspiel zwischen Ihrer Einbildung und Paranoia! Dieses Opel-Theater hat doch Merkel nichts gebraucht, im Gegenteil Sie steht nun wie der Vollidiot da, da sich die dt. Regierung von einem ausländischen Konzern ver*rschen hat lassen!

Der kleine Lord
00
5.11.2009, 08:58

Und woher nimmt Opel das Geld, um den Kredit zurückzuzahlen, wenn sie insolvent sind?

Klar, dass bei einer Übernahme durch Magna auch Leute geflogen wären, aber sicher nicht so viele.

Und Merkel hat das Ganze geschickt so gedreht, dass es erst nach der Wahl rauskommt. Sie können mir nicht erzählen, dass das keine abgekartete Sache war. Selbst wenn Merkel jetzt dumm dasteht, bis zur nächsten Wahl denkt keiner mehr daran.

naja2009
 
00
4.11.2009, 19:06
...ergänzend...

die ganze Opel Aktivität wurde vom SPD -Ex-Vorsitzendem Steinmeier im Wahlkampf inszeniert-jetzt sitzt er in der zweiten Reihe und lässt andere die Suppe auslöffeln!

aunty
00
4.11.2009, 12:59

genial?

ich würde eher sagen heimtückisch......

der den becher leert
00
4.11.2009, 11:49
Aspern wird halbiert

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