Nachlese Tag 11

Mit Wintermänteln gegen den Notfallzauber

01. November 2009 17:59
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    Foto: robert newald

    Die Besetzung geht weiter - Ruhepausen inklusive.

Trotz ungeheizter Säle bleiben die Unis weiter besetzt - Das Notfallszuckerl von Minister Hahn kann keine Abhilfe schaffen

Der elfte Tag der Uni-Besetzung und es geht weiter. Heute fand um 14:00 eine "Strukturdebatte" im Wiener Audimax statt. Nach Eigendefinition ging es darum, "konkrete Vorschläge zu sammeln, wie wir unsere Selbst-Organisation strukturieren können, so das Kommunikation effektiver sowie Meinungsbildung und Entscheidungsfindung demokratischer und transparenter werden."

Um 15:00 war Sonja Grusch, bei den Nationalratswahlen 2008 Spitzenkandidatin der Linken, im Plenum zu Gast und redete über "Unikrise, Wirtschaftskrise, Rechtsextreme". Eine Stunde später wurde der Film "Here to stay" - ein Dokumentarfilm über Rassismus in Österreich - vorgeführt, mit einer anschließenden Diskussion mit dem Regisseur Markus Wailand.

Morgen sind ebenfalls einige Fixpunkte geplant: Unter anderem findet ein Vortrag von Christian Felber von attack statt, zu dem Thema: "Woher das Geld für die Bildung nehmen?". Gezeigt wird außerdem der Film "Gangster Girls", diverse Workshops und Diskussionsrunden sind ebenfalls geplant.

"Trauerfeier" an der Uni Graz

Die Uni Graz kündigt für morgen um 16:00 vor dem Hauptgebäude eine "Trauerfeier für die drei Verstorbenen 'Freier Hochschulzugang', 'qualitativ hochwertige Bildung' und 'Freiheit von Forschung und Lehre'" an. "Diese drei wichtigen Elemente des österreichischen Hochschulwesens sind in den letzten 10 Jahren verfehlter Bildungspolitik nach langer Krankheit von uns gegangen, so Susanne Zahadra, eine der Mitorganisatorinnen der Trauerfeier.

1.500 Euro Grundeinkommen

"Wir fordern nicht nur eine freie Universität sondern eine freie Gesellschaft. Ein freie Universität in mitten einer kapitalistischen Gesellschaft ist wie ein Leseraum in einem Gefängnis", befindet die "Besetzte Akademie der bildenden Künste". Um diese freie Gesellschaft zu erreichen, fordert sie ein Grundeinkommen von 1.500 Euro pro Monat. 

Mit dieser finanziellen Rückendeckung hätte alle Menschen die Freiheit, "zu entscheiden, was, wann und wie sie etwas tun wollen:  Wann sie eine Ausbildung machen wollen, wann sie wie tätig sein wollen, und wann nicht."

Verhandlung statt Blockade

Kritik an der Besetzung von Hörsälen und Studierenden-Protesten kommt von der Studienvertretung der IMC FH Krems, die sich mit einer Aussendung von der Vorgehensweise der Studenten distanzieren möchte.

"Unsere Arbeit basiert auf konstruktiven Dialogen, auf sachlichen und themenbezogenen Gesprächen und lösungsorientiertem Arbeiten, nicht jedoch auf Blockierung und Demonstrationen, bei welchen Sachschäden entstehen und Dritte zu Schaden kommen", so Veronika Lutz, Vorsitzende der Studienvertretung.

Mehr Informationen hier, derStandard.at wird weiterhin über die wichtigsten Ereignisse berichten. (red, derStandard.at, 1.11.2009)

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Wien - Die Unis bleiben weiterhin besetzt. Auch die 34 Millionen Euro, die Minister Johannes Hahn Freitagmittag aus der Notfallkasse zauberte, brachten die Studierenden dieses Wochenende nicht dazu abzuziehen.

Ganz im Gegenteil ruft die Einmalzahlung etwa an der Akademie der Bildenden Künste gar Empörung hervor: "Ein Witzbetrag", heißt es. Da das Geld laut Hahn "direkt in die Hörsäle" fließen soll, "nehmen wir es dankend an", um es in die Besetzung zu investieren, wird Sonntagnachmittag mit Augenzwinkern erklärt. Bei der Medienaktion wurde für ein Grundeinkommen geworben, das auch Uni-Angehörige entprekarisieren würde.

Bei abgedrehter Heizung blieb das Audimax weiterhin besetzt - in Wintermänteln. Samstagnachmittag stellte sich Armin Thurnher, Chefredakteur des Falter, der Diskussion.

Aus Solidarität mit den Protesten wurde die Viennale-Premiere des Dokumentarfilms "Bock for President" am Samstagabend durch Viennale-Direktor Hans Hurch und Stadtkino-Chef Claus Philipp ins Audimax vorverlegt. Die Flüchtlingshelferin Ute Bock und die Regisseure Houchang Allahyari und Tom-Dariusch Allahyari diskutierten im Anschluss mit den zahlreichen Studierenden.

Auch die Rektoren kommen den Protestierenden immer mehr entgegen. Rektorenchef Christoph Badelt betonte, dass es nicht bei der Einmalzahlung bleiben könne. Er fordert, dass "nachhaltig zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden". Den Unis fehle "eine Milliarde im Jahr" sagte Badelt im Standard. TU-Rektor Peter Skalicky besuchte Freitagabend erstmals den im Freihaus besetzen Hörsaal und zeigte sich im Plenum teilweise verständnisvoll. Samstagmittag erklärte auch der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, ein "gewisses Verständnis" für die Proteste. Die Politik sei nun am Zug, "Verantwortung wahrzunehmen".

An der Uni Innsbruck nahm am Samstag Landtagspräsident Herwig Van Staa (VP) solidarisch am Mittagsplenum teil. Da die Besetzung von Rektor Karlheinz Töchterle toleriert werde, sieht er darin keinen "Hausfriedensbruch".

Solidarität gibt es auch im Ausland: In Berlin soll heute, Montag, um 16 Uhr ein solidarischer Flashmob in der Wiener Straße stattfinden, der die Straße in "Wiener Uni" umbenennen und mit einem Flammenlogo versehen wird. (Romana Riegler und Tanja Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2009)

Was bisher geschah: Tag 10 der Besetzung in der NACHLESE.

Kommentar posten
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Penelope Ody
02.11.2009 17:35
1500 Euro???

Wer träumt da solche Zahlen? Für genau diesen Betrag arbeite ich (Geisteswissenschaftlerin) 50 Stunden im Monat! Grundsicherung gut und schön, aber man sollte doch eine realistische Höhe anträumen.

knutrecht
03.11.2009 16:40

30 Euro/Stunde ist eh kein schlechter Lohn?!

Foromat
02.11.2009 22:16
naja

1500 EUR für 50 h im monat ist doch eh nicht schlecht ...

macht 4500 auf ein fte.

ach noch was
02.11.2009 12:45

Liebe PosterInnen und Poster,

man sollte nicht immer alles so ernst nehmen ;-))

Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor! (Goethe, Faust)

immer am Stand(ard)
02.11.2009 12:57

Demnach es hier inzwischen um mehrere Millionen bzw. angeblich um eine Milliarde Euro geht, finde ich schon das das Thema ernst genommen werden sollte!
Immerhin gehts hier auch MEIN Steuergeld, und nicht um das hartverdiente, nicht vorhandene Geld der Studenten!

ach noch was
02.11.2009 13:34

kann sie beruhigen ich nehme das thema sehr ernst und nicht nur weil es auch um mein steuergeld geht - hier ziehen sich kreise, über die sind sich nicht mal die streikenden bewusst.

und zum artikel: mir ist schon klar, eine person hat das mit den 1.500 euro transportiert aber dahinter stecken viiiiele. zwischen den zeilen zu lesen (körpersprache zu achten) bringt wahrheiten ans licht - die nirgends wo geschrieben stehen.

someones
02.11.2009 11:38
grundeinkommen O_o

wenn jeder 1500 im monat bekommen würde, würden viele garnicht erst arbeiten gehen.
ausserdem: wer soll das zahlen?

fordert doch gleich 1 ferrari mit dazugehöriger villa für jeden fahrschulabsolventen -.-

mehr realitätsbezug muss her!

die_eidechse
02.11.2009 14:08

a) wer solls zahlen? der wohlstand ist ja da in unsere gesellschaft, er ist nur völlig schief verteilt

b) ob sie's glauben oder nicht: manche arbeiten nicht nur wegen des geldes. dne ganzen tag herumsitzen bringt ihnen weniger als nix.

immer am Stand(ard)
02.11.2009 15:40

Und seit wann kann jemand der in die Gesellschaft noch nicht einmal etwas eingebracht hat etwas von dieser fordern? Keine Ahnung welchen Stand sie in unserer Gesellschaft haben, aber sie könne gerne meinen Teil an den völlig überheblichen Forderungen übernehmen!

die_eidechse
03.11.2009 10:27

wie dumm muss man sein um zu glauben, dass studierende nichts "in die gesellschaft einbringen"? also zählt für sie kleingeist nur steuern als "etwas einbringen"?

immer am Stand(ard)
03.11.2009 11:47

Leider ist´s ja so das viele während ihrer Studienzeit nicht viel anderes tun als ein wenig zu lernen und sonst herumzuhängen.
Alleine IHRE Annahme das Steuern zu zahlen das einzige ist was man in eine moderne Gesellschaft einbringen kann zeugt wohl alleine von IHREM Kleingeist nicht von meinem!
Eventuell sollten die protestierenden Studenten zuerst dem "Fußvolk" die Vorteile einer Budget-Anhebung für die gesamte Gesellschaft näherbringen, da es momentan eher wie eine schlechte Lohnverhandlung klingt und immerhin ist der "Lohnzahler" ja auch der durchschnittliche Steuerzahler und nicht, wie manche fälschlicherweise der Annahme sind, das Parlament.
Anstatt die Bürger vor den Kopf zu stoßen sollte man sie auf ihre Seite bringen!

anonym92
02.11.2009 10:33

Liebe PosterInnen und Poster,

die ihr wohl großteils nicht in der Lage seid einen Zeitungsartikel sinnzusammenhängend zu lesen.

Die "Studenten" haben NIE solch ein Grundeinkommen von 1500,- Euro gefordert. Diese Forderung kam von einer Referentin im Audimax und WAR NIE BZW. IST AUCH JETZT KEINE FORDERUNG DER AUDIMAX BESETZER.

Es ist echt beeindruckend mit wie wenig Informationen viele PosterInnen hier einfach nur heiße Luft produzieren.

Kurzer Tipp:
1. Lesen
2. Denken
und
3. Posting verfassen.

Bitte versucht wenigstens das hinzubekommen, das erspart euch so manche Peinlichkeit.

Falls das nicht klappt, bitte erstmal sinnzusammenhängend lesen lernen.

DANKE!

Foromat
02.11.2009 22:31

also das mit den sinnerfassendem lesen kann man dann aber zurückgeben:

"Wir fordern nicht nur eine freie Universität sondern ...... Gefängnis", befindet die "Besetzte Akademie der bildenden Künste". Um diese freie Gesellschaft zu erreichen, fordert sie ein Grundeinkommen von 1.500 Euro pro Monat.

Also ich kann mir schon vorstellen dass ein Vertreter der linken oder ATTAC mensch ebensolches fordern nur stehen tut in dem artikel halt was anderes.

Aber ich verstehe schon, so eine Forderung würde die unterstützung in der bevölkerung nicht unbedingt stärken und die eigentlich richtigen forderungen für mehr geld für die unis entgehenwirken.

sub standard
 
02.11.2009 17:18

naja......die sich über diese 1.500 grundeinkommen ereifern, sind zumeist besetzungsgegner, denen JEDER anlaß willkommen ist, um sich über die initiative der studenten/studentinnen zu echauffieren.
die leute können sehr wohl lesen - aber sie blenden absichtlich aus.

immer am Stand(ard)
02.11.2009 12:51

Wenn sich da jemand dem Standard auf diese Weise offenbart (Susanne Zahadra, eine der Mitorganisatorinnen der Trauerfeier von der Uni-Graz) dann hat das für mich sehrwohl etwas mit der Meinung der Allgemeinheit zu tun.
Wenn sie nicht die Meinung der "Besetzer" vertritt, sondern nur ihre eigene, dann sollte sie den Mund halten!!!

Matador
 
02.11.2009 10:28

die globalisierungskritische vereinigung heisst natürlich nicht attack sondern attac - association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens.

cut back
02.11.2009 10:17
studienwahl

wie gut sind die jobaussichten noch bei ueberlaufenen studien wie publizistik, psychologie, diplomstudium spanisch etc? soll man bei wachsenden studienzahlen wirklich immer mehr plaetze anbieten? klar haben diese faecher alle ihre berechtigung bzw. sind auch wichtig.. nur wenn der arbeitsmarkt mit absolventen ueberschuettet wird die er nicht mehr aufnehmen kann finanzieren wir hier vielen ein interesse oder hobby, aber keine ausbildung/zukunft. und die berufliche zukunft ist nicht immer unbedingt das, woran junge menschen bei der studienwahl denken. irgendwann machen zugangsbegrenzungen eben auch sinn. jene, die in ihrer fachrichtung gut und motiviert sind werden ohnehin immer die moeglichkeit haben, zu studieren was sie wollen

anonym92
02.11.2009 10:29

...vielen ein interesse oder hobby, aber keine ausbildung/zukunft...

Und es wäre einmal angebracht, wenn sie den Unterschied zwischen "Bildung" und "Ausbildung" lernen. Vorher sollten sie hier nicht mehr posten, das ist nämlich ziemlich peinlich für sie.

anonym92
02.11.2009 10:28

...bei ueberlaufenen studien...

Was bitte ist ein überlaufenes Studium und wer legt fest, was überlaufen bedeutet? Sie etwa? :-)

jcMaxwell
02.11.2009 10:22

gerade der letzte satz hat mit der realität an vielen unis österreichs nichts gemein.

cut back
02.11.2009 10:30

der letzte satz bezog sich auf zugangsbeschraenkungen, sollte es mal welche geben

The Chemist
02.11.2009 10:15

Also ich würde bei 1500€ Grundeinkommen wohl trotzdem arbeiten gehen, aber ich (und alle anderen Arbeitnehmer/geber) möchten deswegen nicht zusätzliche Steuern zahlen. Somit bin ich ebenfalls dafür.

Liebe Kollegen an der Kunstuni, was wäre wenn ihr fertig studiert und dann die entstehende Steuerlast tragt? Oder wollt ihr gar nicht fertig studieren? Wo wollt ihr das Geld einsparen, das bei 1500€ pro Kopf fehlt?

immer am Stand(ard)
02.11.2009 10:00

Ich kenn mich jetzt nicht recht aus: für wen solln die 1500 Grundeinkommen sein?

ljack
02.11.2009 11:20
Für alle.

Und zwar egal ob sie einen Job haben oder nicht.
Das ist auch der Vorteil gegenüber einer Grundsicherung. Denn die Grundsicherung lässt die Leute zu Recht fragen, warum sie arbeiten sollen, nur um um 50€ mehr zu kriegen als Leute die keine Job haben.

immer am Stand(ard)
02.11.2009 11:26

Also sollten alle die fertig studiert haben, oder alle die das erste mal Arbeiten mind. 1500€ verdienen?
Oder sollte sich das auch auf noch studierende beziehen?

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