Das Ma'In Resort macht gesund
In Jordanien ist das Rauchen überall erlaubt. In Gaststätten, in Hotels und - Wahnsinn - sogar am Flughafen. Und trotzdem kehrt man vom kleinen Wüstenland im Mittleren Osten gesünder zurück, als man hingekommen ist. Dem auch in europäischen Wellness-Oasen angepriesenen schwarzen Schlamm sei Dank. Ihn findet man am Toten Meer im Original. Von der Zwei-Millionen-Hauptstadt Amman zieht es Jordanien-Besucher deshalb meist gleich hinunter in den Süden zu den Gewässern: Totes und Rotes Meer.
Jordanien hat sich neben den ihm angestammten Bibel- und Studienreisen (die berühmte Felsenstadt Petra - Indiana Jones! - besucht man am besten jeweils vor dem Massenansturm um neun Uhr früh) vor allem auf seine Wellness-Kapazität besonnen. Fünf-Sterne-Hotels mit allen möglichen Thalasso-Angeboten säumen die Küsten der beiden Meere. Wobei die Hoteldichte am Toten Meer erfreulich gering ist. So lässt sich ein Kuraufenthalt gut an: mit Sonne, Strand und Meer. 35 Grad hat es im September, im November um die 20.
Hier, in der Nähe von Suwaymah, auf einer der schönen Terrassen des Kempinski (oder Mövenpick) Resorts, blickt man an klaren Tagen hinüber ans andere "Ufer" des Toten Meeres (das geht!) und erspäht am Horizont die Umrisse der Stadt Jerusalem. Man selbst steckt dabei vielleicht gerade im Schlamm, beziehungsweise: Man hat sich selbst mit dem am Strand in ehernen Tonnen bereitstehenden Gatsch eingekleistert. Das macht Spaß. Und in kürzester Zeit sieht man aus wie ein Teufel. Mindestens dreißig Minuten lang soll man die Schlammschicht am Körper trocknen lassen.
Das beim gegenseitigen Anblick aufkeimende Gekreische, vorwiegend von Totes-Meer-Debütanten, schreckt so manchen Lifeguard auf, der dann ans Wasser gelaufen kommt und dort eh wieder nur hysterische Touris vorfindet, die ihm den schon angepickten Fotoapparat in die Hand drücken. "Please!"
Wer sich dann irgendwann so nicht mehr sehen kann, trägt seine teuflische Maske ins Meer. Der hochprozentige Salzgehalt empfiehlt das vorherige Unterlassen von Rasur; auch offene Wunden schmerzen im Salzwasser. Sonst aber führt auch das Baden prompt wieder zu Mordsgekicher - über die eigentümlichen Verrenkungen beim Schwimmversuch. Die Leibesmitte lässt sich bei dem Auftrieb nur schwer kontrollieren. Dafür ist nach so viel akrobatischer Peinlichkeit die Haut wie ein Gedicht. Wie viele Schuppenflechten müssen hier schon kuriert worden sein!
Auch bei der Behandlung von Arthritikern hat man hier Erfahrung. Eine vierzigminütige Autofahrt ins Landesinnere entfernt, dreht sich eine staubige Landstraße in ein unübersichtliches Tal hinab zu einer Oase inmitten von nackten Kalksteinfelsen. Dort, 264 Meter unter (!) dem Meeresspiegel, hat sich früher schon der babylonische König Nebukadnezar seine maroden Gelenke pflegen lassen.
Sagt zumindest die Evason-Hotelkette. Sie, die sich mit naturverträglicher Architektur einen Namen (und auch Preise) gemacht hat, eröffnete im Frühling am untersten Punkt dieser Kalksteinschluchten das Ma'In Resort. Das Ma'In ist ein die Heißwasserquellen umschmeichelndes Gehöft an Luxussuiten und Gärten und einer großen Spa-Anlage. Der rustikale Schick (Bambus, Sisal usw.) der Anlage ist Geschmacksache. Auch ein Openair-Kino bietet es seinen Gästen, und in diesem ist natürlich Lawrence of Arabia Pflicht.
Der Spa-Bereich liegt direkt unter dem großen Wasserfall, der regelmäßig von einem Regenbogen geschmückt ist. Wer also auf der Massagebank noch ein Auge aufbringt, wird mit natürlicher Schönheit belohnt. Um die geht's auch in den Beauty-Behandlungen. So schön wie die jordanische Königin wird man dabei zwar nicht, aber dafür gesund.
Shoppingtrips nach Amman, Ausflüge zu Beduinen, Fahrradtouren oder die hauseigenen Kochkurse sorgen für Abwechslung. Besonders ambitionierten Gästen, die neben dem Körper auch noch den Geist in Schwung bringen wollen, stehen Arabisch- oder Kalligrafiekurse zur Verfügung.
Wunderschön sind die Abende, an denen man auf den von unzähligen dicken Polstern bequem staffierten Terrassenbänken den köstlichen Vorspeisen frönen kann, während in bizarrer Nähe die Wasserfälle plätschern. Auch von hier kann man bei Nacht das erleuchtete Jerusalem sehen. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD/Printausgabe/31.10.2009)