iPhone-Verkaufsstart lässt Chinesen ungerührt

31. Oktober 2009, 15:04
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Beim offiziellen Verkaufsstart von Apples Smartphone blieben die Schlangen kaufwilliger Menschen aus

Seit zwei Jahren lässt Apple das iPhone in China fertigen. Doch erst seit Freitag ist es im Reich der Mitte offiziell zu haben. Während beim Marktstart in den USA, Europa und Japan die Menschen vor den Filialen der Apple-Mobilfunkpartner Schlange standen, hielt sich der Zulauf im bevölkerungsreichsten Land der Welt in überschaubaren Grenzen.

Auf dem Schwarzmarkt

Grund für die Zurückhaltung ist nicht nur der hohe Preis. China Unicom und Apple haben für das iPhone 7000 Yuan, etwa 700 Euro ohne Vertrag festgelegt. Mit einem Zweijahresvertrag subventioniert der Netzbetreiber das Gerät umgerechnet mit etwas mehr als 400 Euro. Dann werden monatlich zwischen 13 und 90 Euro fällig. Das mangelnde Kaufinteresse rührt auch daher, dass viele Chinesen, die sich ein solches Gerät leisten wollen, bereits eines besitzen. Zwischen zwei bis fünf Millionen iPhones sollen Schätzungen zufolge bereits einen Besitzer gefunden haben. Aus den USA, Hongkong oder Taiwan ins Land geschmuggelt, sind sie preiswerter und entsperrt auf dem Schwarzmarkt oder gar in diversen Elektroshops zu haben.

iPhone-Plagiate

Noch günstiger gibt es vielerorts iPhone-Plagiate zu kaufen. Und anders als die Geräte, die bei Unicom ausgeliefert werden, verfügen die Grauimporte über ein WiFi-Modem, mit dem sich ihre Nutzer in ein offenes Netz, etwa bei der Kaffeehauskette Starbucks, ins Internet einwählen und - soweit in China möglich - uneingeschränkt im World Wide Web surfen können. Denn noch gibt es in China ein offizielles Verkaufsverbot für Geräte mit Wifi-Zugang, dem sich Apple und Unicom beugen mussten. Worüber der Mobilfunkbetreiber derzeit vermutlich nur bedingt traurig ist. Denn Chinas zweitgrößter Netzanbieter hofft, mit dem iPhone die Vorteile des schnellen 3G-Netzes mit seinen mobilen Datendiensten schmackhaft machen zu können. Denn der 3G-Markt befindet sich im Land mit den weltweit meisten Handynutzern (rund 720 Millionen) erst im Aufbau. Unicom sitzt nicht zuletzt aufgrund der hohen Investitionen ins 3G-Netz auf einem Schuldenberg von rund 7,7 Mrd. Euro - bei einem etwa doppelt so hohen Jahresumsatz.

Warten auf die Alternativen

China Mobile, Platzhirsch mit 500 Millionen Nutzern, hat allerdings ein iPhone-Konter schon in der Pipeline: das OPhone von Lenovo, das bald für 400 Euro in die Läden kommen soll.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 31.10.2009)

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    Für Chinas Polizei gab es beim offiziellen iPhone-Start keinen Grund, ordnerisch eingreifen zu müssen - mangels Menschenmasse.

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