Franz, Detlef und René haben sich schon winterfit gemacht. Mit durchaus ungewöhnlichen Ansätzen.
Franz hat sein Fahrrad für heuer schon an den Nagel gehängt. Ganz genau gesagt, ist der Nagel ein Haken an der Decke des Kinderzimmers seines Sohnes. Der ist erst drei Jahre alt, und den stört es nicht, wenn in der Altbau-Wohnung ein Rad neben dem Luster hängt. Franz wintert jetzt ein, weil es ihm zum Radfahren schon zu kalt ist. Er mag nicht mehr und ist sogar recht froh über die Zweirad-Pause. "Im Frühling, wenn die Sonne rauskommt, brenne ich schon wieder aufs Radln, aber jetzt mag ich wirklich nicht mehr." Und wenn das Rad im Kinderzimmer hängt, dann braucht er kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er nicht regelmäßig in den Fahrrad-Keller schauen geht, ob es wohl eh noch steht, wo er es gelassen hat.
Detlefs Radlkeller
Wie der Franz hat auch Detlef eine Wohnung in Wien. Auch ihm wird es zusehends zu kalt, um am Wochenende eine seiner Runden zu fahren. "Die Mischung, dass mir von der Anstrengung heiß ist und die dem Fahrtwind exponierten Stellen frieren, brauche ich nicht", sagt er. Darum hat er sich jetzt endlich diesen Wein-Kühlschrank gekauft. Dort kann er über 50 Flaschen richtig temperiert lagern. Den Wein-Schrank hat er sich ins Wohnzimmer gestellt. "Mit der Glastüre schaut er fesch aus, und weil man immer sieht, wie viele Flaschen man noch hat, ist man rechtzeitig vorgewarnt, wenn es wieder Zeit ist, nach zu bunkern", scherzt er.
Was das mit dem Fahrradfahren zu tun hat? Sehr viel! Seine Weine hat Detlef nämlich bis vor kurzem im Keller gelagert. Sein nicht einmal 10 Quadratmeter großes Kellerabteil hat er komplett ausgeräumt und dort eine Art Fahrradraum installiert. Die Rolle, mit der er letztes Jahr im Winter ab und an im Wohnzimmer gefahren ist, hat mit dem Wein Platz getauscht. "Im Wohnzimmer auf der Rolle zu fahren, war nicht ganz ideal. Zum einen war es recht laut, man schwitzt, und im frischen Küchendunst zu treten, wenn meine Frau das Essen vorbereitet, ist auch nicht des Sportlers letzter Kick."
Im Keller ist fast nie jemand, es ist kühler als in der Wohnung, und auch das Geräusch der Rollen stört im Keller niemanden. Nicht einmal den Detlef selbst. Der hat sich nämlich zur Unterhaltung einen kleinen Fernseher mit einer ordentlichen 5.1-Anlage in den Keller gebaut. Dort schaut er sich jetzt DVDs aus seiner Live-Konzerte-Sammlung an. "Ein kleiner Fernseher tut es für mich leicht. Wichtig ist mir, dass ich mitten in der Musik fahren kann", erzählt er stolz. Sein Rad steht zwischen den Boxen, und das Vorderrad hält auf den Center-Speaker zu.
Ausdauer-Koordinations-Training
René trainiert den Winter über viel am Rad. Er fährt fast jeden Tag, auf einem Hometrainer und nicht auf der Rolle, 120 Minuten sind da keine Seltenheit. René macht das aber weniger, weil es ihm so viel Spaß macht, sondern weil er nächstes Jahr wieder seinen Staatsmeistertitel mit nach Hause nehmen will. Der passt gut ins Wohnzimmer. Weil der René aber nicht ganz so begeistert vom Training ist, braucht er einen größeren Bildschirm als der Detlef. Während unten Renés Beine fliegen, martern oben seine Finger das Control-Pad der Playstation. Damit ihm das Dröhnen der Motoren nicht abgeht, spielt er vor allem Motorrad- und Auto-Race-Games. Außerdem ist unten Treten und oben Spielen eine sehr gute Koordinationsübung - aber das ist eine Ausrede, weil Koordinationstraining macht er ja sowieso auch noch. (Guido Gluschitsch)