Tekken 6: Zurück auf der Blutwiese

Zsolt Wilhelm, 1. November 2009, 11:29

Leichter Einstieg, aber hart zu meistern - Zwischen gutem alten Feeling und altbackenem Story-Modus

Ein Hoch auf die Verarbeitungsqualität der Spielkonsolen-Controller. So oft, wie bei Street Fighter IV Anfang dieses Jahres mein Gamepad durch das Wohnzimmer geflogen ist, ist es wirklich erstaunlich, dass das Material die gleiche Behandlung nun ein zweites Mal schadlos überstanden hat. Der Grund dafür: "Tekken 6".

Damit ist der zweite ganz große Klassiker der Beat'em'Ups zurück in den heimischen Wohnzimmern und drauf und dran abermals Freunde, Liebende und Geschwister zu entzweien. Denn gibt es ein frustrierenderes Freizeiterlebnis, als im virtuellen Ring zu Boden zu gehen?

Handkanten-Geschichte

Doch bevor es gegen menschliche Mitspieler auf die Blutwiese geht, wollen die Entwickler - der Positionierung im Menü nach zu urteilen - Spieler in die "Scenario Campaign" entführen. Mit einer sehr ansehnlichen Abfolge von schwarzweißen Artworks wird die Geschichte der Tekken-Serie aufgerollt und der Hintergrund zum aktuellen Kapitel erläutert. Wer dabei den Durchblick behält: Jin Kazama ist nun der Boss des Mishima Zaibatsu-Konzerns und strebt nach Weltherrschaft. Sein Vater Kazuya Mishima ist der Kopf der G Corporation und der einzige, der den Größenwahnsinnigen aufhalten kann. Um seinen Widersacher ein für allemal zu vernichten, verkündet Jin das sechste "The King of Iron Fist Tournament", um die Familienangelegenheit Mann gegen Mann zu regeln...

Spielerisch schlägt sich der C-Movie-Plot in einem modernen Abklatsch von "Double Dragon" nieder. Anders als in den Arcade-Kämpfen steuert man seinen Charakter frei durch die Levels und verprügelt eine Gegner-Welle nach der anderen.

Prinzip: Manga mag Mann eben

Ob der Story-Modus wirklich notwendig war, um Tekken-Fans zu begeistern, ist fraglich. Die Mischung aus Free-Raoming und dem bestehenden Kampfsystem wirkt unhomogen. Da bereiten die Prügel-Sequenzen in Action-Adventures wie Uncharted 2 oder Batman: Arkham Asylum mehr Freude, wenngleich sie natürlich nicht einmal ansatzweise so komplex sind. Auch die Erzählung selbst trägt nicht viel zum Tekken-Erlebnis bei. Abseits wiedergekäuter Manga-Klischees (muskulöse Männer oder Monster und Frauen mit Strapsen, weitem Dekolletee und kindlicher Stimme) gibt auch die Charakterisierung der 8 Neuankömmlinge nicht viel mehr her, als man im altbewährten Arcade-Modus schon mitbekommt. Auch die optische Präsentation gefällt nur bedingt. Zwar sind die Akteure recht ansehnlich, die Ausarbeitrung der Schauplätze des Story-Modus ist der Leistungskraft moderner Konsolen nicht würdig.

Ich will doch nur Spaß

Da gefallen die Arenen und knallharten Matches allein gegen den Computer oder zu mehrt vor dem Fernseher oder auch online weit besser. Hier kommt dann auch das gute alte Tekken-Feeling auf, wie man es bereits auf der PlayStation 1 erlebte. 42 Charaktere stehen zur Wahl. Unter den genannten 8 Neuankömmlingen ist die Androidin Alisa Boskonovitch herauszustreichen, die nicht nur charmant ihren Kopf fallen lässt, wenn sie jemandem in die Eingeweide tritt, sondern auch mit Kettensägenarmen zu Werke geht. Der Endgegner Azazel, ein 6 Meter hoher Drache wirkt hingegen völlig übertrieben. Als menschlicher Gegner geht man ihm etwa bis zum Knie und kann ihm dennoch gefährlich werden. Everybody Favorites wie Law oder Nina lassen einen dafür nicht im Stich. Dem allgemeinen Trend zur Individualisierung huldigend wurde ein Charakter-Editor eingebaut, der Freiraum für die kreative Entfaltung lässt.

Hammer-hart

Ein spielerisch neues und gutes Element ist das Rage-System. So verstärkt sich die Schlagkraft von besonders geschwächten Spielern, um den Kampf gegen Ende hin noch einmal spannender zu gestalten. Gegen den Computer endet die unkoordinierte Tastenklopferei damit abermals rascher, als zuvor. Ab dem zweiten Schwierigkeitsgrad bereits kommt man mit einfachen Kombos nicht mehr weit und wird gezwungen die Deckung und Tricks gezielt einzusetzen. Wer üben möchte, kann jederzeit die Kombo-Liste einblenden und im Alleingang sich in den vielen Modi wie Time-Attack oder Survival erproben. Dann klappt es auch gegen den Nachbarn.

Hübsch, mit technischen Ärgernissen

Tekken 6 versucht im Gegensatz zu Street Fighter IV grafisch keine neuen Wege zu beschreiten. Das optische Update ist mit spektakulären und animierten 3D-Schauplätzen, den hoch detaillierten Charakteren und den Partikeleffekten durchaus gelungen, enttäuscht aber auch mit technischen Ungereimtheiten. So wurde die Auflösung im Story-Mode auf 576p heruntergeschraubt und erreicht damit kein echtes HD-Bild. Im Arcade-Modus wird dieses Manko wieder gut gemacht. Allgemein lähmend sind die ewigen und ununterbrochenen Ladezeiten. Nach jeder Einstellung und jedem Menü-Wechsel, zwischen Spiel und Zwischensequenz - immerzu unterbricht ein Lade-Bildschirm den Spielfluss. Gerade bei einem Spiel, das sich nur mal so zum Zocken zwischendurch eignet, ist das unzumutbar. Die optionale Installation auf die Festplatte ist daher in jedem Fall empfehlenswert, um die Wartezeiten in Grenzen zu halten.

Fazit

Tekken 6 macht zu mehrt immer noch genau so viel Spaß wie einst und ist für Fans des Prügelspiels daher auch in jedem Fall empfehlenswert. Die Charaktervielfalt ist enorm und die Steuerung auf den Punkt gebracht. Schade, dass die großen Neuerungen, wie der Story-Modus derart altbacken wirken und die technischen Unzulänglichkeiten die ansonsten schöne Präsentation trüben. Während Street Fighter IV vor allem die Kombo-Cracks und Old-School-Freunde glücklich macht, positioniert sich Tekken 6 mehr am gegenüberliegenden Spektrum der Prügelspiele als leichter zugängliches Party-Game unter Freunden. Wer mehr will, wird aber auch hier rasch seinen Meister finden.

(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 1.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
borake
00
20.11.2009, 10:58
cool!

Chronox
00
5.11.2009, 08:56

Also die Ladezeiten können einem schon ganz schön den Spielspass verderben :(

Und das Spiel ist sooooo elendig langsam. Der Endboss eine Frechheut sondergleichen und der Storymodus grottenschlecht. Schade.
Werd wohl bei (Super) Street Fighter 4 bleiben.

slaine mcroth
00
3.11.2009, 23:42

"positioniert sich Tekken 6 mehr am gegenüberliegenden Spektrum der Prügelspiele als leichter zugängliches Party-Game unter Freunden."

BAH! Banause! Ich hab früher wie verrückt Tekken gespielt. Das Faszinierende ist ja, dass es Eddy-irgendwas-Drückern genau so viel Spaß macht, wie wirklich guten Leuten; das Spiel ist sehr tief, es ist extrem viel möglich, ich glaub nicht, dass sie das entfernt haben.

FerrignoLou
01
2.11.2009, 21:37
HADOKEN!...

...forever!!!

pixelhaufen
00
3.11.2009, 20:15
Shoryuken!

bei dem schwierigkeitsgrad von sfIV ist selbst das training des pai mei ein ferienlager gegen den herausforderungsmodus. seither ist jedes andere prügelspiel was für schwermotoriker.

maxauthority
01
2.11.2009, 17:12

Mortal Kombat! Das einzige wahre Kampfspiel. Hoffentlich gibts da endlich bald eine neue - gute - PS3 version (vl. sogar schon anfang naechsten jahres mit dem motion controller).

badoli from Hell
00
2.11.2009, 14:47

Passt... ich kann bei SFIV bleiben.

Die Volksfront von Judäa
00
2.11.2009, 09:20

der grottenschlechte onlinemode wäre erwähnenswert gelesen.

lag und desync probleme am laufenden band, noch schlechterer netcode als Soul Calibur. warum nicht mehr fighting games den exzellenten GGPO netcode verwenden (so wie dies zB bei Street Fighter HD Remix gemacht wurde) ist mir ein rätsel.

kann auch daran liegen, dass die turnierszene in japan generell nur auf automaten spielt....

habitus
01
1.11.2009, 21:22
sieht nett aus...

...habe aber nach dem 3. teil aufgehört mich damit zu bechäftigen. marvel vs. capcom 2 sagt mir da eher zu...

Jürgen Mayer
03
1.11.2009, 17:48
Wie ich diese Serie

liebe. Meine Favoriten sind das boxende Känguruh, die aktuelle Jodelmusik bei den Schafen und diese ebenfalls neue, Rüschen-besetzte Heldin ganz in weiß :schwelg: Oder wie Katsuhiro Harada sie beschrieben hat: ein Roboter erschaffen in der Vorstellung von Dr. Boskonowitches Tochter. Geppetto Boskonovitch, geheim freischaltbar in Tekken 3. Und natürlich der allseits beliebte Herr Vorstandsvorsitzende himself!

Theodor Schule
01
2.11.2009, 18:02

Sie verwechseln da zwei Damen: die junge Frau in weißen Rüschen ist Lili und KEIN Roboter. Der Roboter ist Alisa, angeblich die Tochter von Dr.B. und trägt defaultmäßig keine (weißen) Rüschen.

Jürgen Mayer
00
2.11.2009, 18:40

Richtig. Danke für den Hinweis!

Ben Ohm
05
1.11.2009, 17:14
„Dann klappt es auch gegen den Nachbarn“

:-D

Endless_Zockerin
00
1.11.2009, 14:06

Tz... Ich glaube, ich bleibe lieber bei Hack´n Slay

Famous Blue Raincoat
00
1.11.2009, 14:12
Hack'n Slay?

Ich verstehe den Zusammenhang nicht? Da könntest du gleich sagen "ich bleibe lieber bei flugsimulationen" ... ^^

ja, gefällt nicht jedem, ich mag aber beat em ups weil man einfach mit freunden vor der konsole hockt und sich gegenseitig abkloppt und wer verliert muss den controller weitergeben ... da kann es sehr schöne momente geben :D

Endless_Zockerin
00
1.11.2009, 14:22

Ich hab früher Beat em ups gespielt, aber irgendwie kommt da nie was neues, deshalb bin ich auf Hack´n Slay umgestiegen.
Und wie es aussieht ist Tekken 6 genau wie die Vorgänger und ich will nicht immer das selbe Spielen.

Außerdem gehören Flugsimulatoren in eine andere Kategorie von Spielen (meiner Meinung nach).
Immerhin hat man da keine richtige Story

sicsche
00
1.11.2009, 14:30

Naja ein Beat em Up und ein HnS haben aber auch in etwa soviel gemein wie Äpfel mit Birnen ;)

Von daher ist der Post wirklich vergleichbar mim Flugsim Beispiel.


PS: Hack'n'Slay hat seine Wurzeln im RPG :)

Endless_Zockerin
02
1.11.2009, 18:34
Äpfel und Birnen

Na das wäre dann schon mal einiges:
-Beide sind gesund
-Beide wachsen an einem Baum (aber nicht am selben XD)
-Beide gehören zum Kernobstgewächs
-Enthalten ungefähr gleich viel Zucker

hagane
01
1.11.2009, 15:43

mmm eher umgekehrt, RPGs haben ihre Wurzeln im HnS :D "Rogue" war wohl eins der Ersten

sicsche
00
1.11.2009, 21:19

Henne-Ei Frage wenn wir das ganze jetzt ausdehnen auf die "klassischen" RPGs vor Zeiten der PC Spiele ;)

Aber PC Only gesehen könnts umgekehrt natrl stimmen :D

Zacki
04
2.11.2009, 10:37
WAS?!

Es gibt eine Zeit vor PC-Spielen?!

sicsche
00
2.11.2009, 15:27

Ja muss sowas wie das dunkle Mittelalter gewesen sein. Hab auch nur von Menschen gehört die jemanden kannten der darüber gelesen hatte :)

Philipp Wrann
11
1.11.2009, 11:57

Wer sich vor Jahren mal einen Tekken Teil gekauft hat, kann auf alle Nachfolger verzichten. So wenig innovation, so wenig neues, so wenig interessantes in einem Spiel, traurig.

Jürgen Mayer
00
2.11.2009, 23:52
Die Serie hat zugegeben

nicht gerade den Ruf die anspruchsvollste zu sein, dafür verfügt sie über das mit Abstand lebendigste Universum und das mitunter halt auch schnellste Geschehen

Famous Blue Raincoat
10
2.11.2009, 02:03
Das würde ich nicht sagen ...

... solche Spiele dienen der Unterhaltung mit Freunden, hier kommt es nicht auf große Innovationen an, höchstens verbesserte Grafik und bessere Steuerung zählt. Es gehört halt in jede Spielsammlung damit man bei einer Party mit freunden spielen kann ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.