"Lorenzaccio" im Wiener Burgtheater

31. Oktober 2009, 10:10
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Ein tief zerrissener, von der Last seines Vorhabens beinahe erdrückter Titelheld

Wien - Alfred de Mussets höfisches Drama Lorenzaccio umreißt eine dekadente Gesellschaft, die im Florenz der Hochrenaissance aufgrund fehlender oder verantwortungsloser Politik in einen Strudel aus Depression und Resignation hinabgleitet, und sich von dort höchstens noch in verzweifelt abgeschmackten Bällen zu Wort meldet. Das Volk leidet an der selbstherrlichen Regentschaft eines lasterhaften Herzogs der Medici.

Regisseur Stefan Bachmann bewies bei der Premiere am Freitagabend im Burgtheater, dass dieses selten gespielte Mantel- und Degen-Stück noch ganz schön zünden kann. Mit einem fabelhaften Ensemble und einer die vielfältigen Maskierungen und Spiegelungen dieses großen Täuschungsstücks glanzvoll betonenden Ausstattung (Johannes Schütz) hat er einen elegisch grundierten Psychothriller gemacht, in dem ein moralisch handelnder Mann - Lorenzaccio - dem Treiben ein Ende (Mord des Herzogs) macht.

Michael Maertens gibt einen tief zerrissenen, von der Last seines Vorhabens beinahe erdrückten Titelhelden, Nicholas Ofczarek brilliert im goldenen Bühnenkäfig als leidenschaftlicher Widerling (unter anderem in goldenen Strumpfhosen). Alles zusammen ein schöner Anblick. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 31.10/01.11.2009)

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