Jetzt trauert Barroso Molterer nach

Thomas Mayer, DER STANDARD, 30. Oktober 2009, 21:04
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    foto: ap/logghe

Nach den Treffen der "Parteifamilien" am Rande des EU-Gipfels in Brüssel lichtet sich der Nebel über der österreichischen Kommissarsnominierung weiter. Dabei zeigt sich, dass nicht nur die beiden Großkoalitionäre Werner Faymann und Josef Pröll mit ihrem parteipolitischen Hickhack in Wien im Negativen einiges beigetragen haben, um ein einflussreiches Ressort für Österreich zu verhindern. Dazu wurde hier schon viel berichtet. Neu ist, dass sich offenbar auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wenig geschickt verhalten hat. Jetzt steckt er bei der Besetzung des Agrarkommissars offensichtlich in der Klemme.

Und trauert dem Agrarexperten Wilhelm Molterer von der ÖVP nach, der zwischen 1995 und 2002 Landwirtschafts- und Umweltminister war und über entsprechend viel Europaerfahrung verfügt. In diese Zeit fiel die große EU-Agrarreform Franz Fischlers.

Bisher ist unter den von den Regierungen vorgeschlagenen 16 Kandidaten nur einer, der für dieses extrem schwierige, aber in der Brüsseler Hierarchie mächtige Amt die fachliche Eignung mitbringt: der frühere rumänische Agrarminister Dacian Ciolos. Er soll aber nicht überzeugen. Dazu kommt, dass die Kommission mit Rumänien die größten Probleme hat wegen riesiger Subventionsbetrügereien. Viele Staaten sind nicht bereit, ausgerechnet das Agrardossier jemandem zu geben, der aus einem Land kommt, das von EU-Töpfen extrem profitiert. Den Hund auf die Knackwurst aufpassen zu lassen, sozusagen. Aber weil Molterer weg ist, obwohl er, wie berichtet, alle Chancen hatte zum Zug zu kommen, wenn Barroso am Ende des Nominierungsprozesses die Portfolios verteilt, muss der Präsident suchen und bitten. Irland und Dänemark, die ihren Kommissar noch nicht nominiert haben, könnten unerwartet zum Zug kommen, wie man hört. Die übrigen Länder wollen offenbar andere Dossiers.

So ist es gar nicht überraschend, dass Barroso beim Treffen der christdemokratischen Parteichefs mit der Königsmacherin Angela Merkel mitten im Personalpoker am Donnerstag in Brüssel darüber geklagt haben soll, dass Österreich Molterer zurückgezogen hat. "Er hätte das Agrarressort bekommen", notiert die Kleine Zeitung von morgen zu Gesprächen unter Parteifreunden. Sie hat Recht. Und Barroso war gar nicht der einzige. Mehrere christdemokratische Spitzen zeigten sich verwundert, dass Österreich auf Molterer und damit auf das Agrarressort verzichtet hat.

Bekanntlich behauptet ja Kanzler Faymann steif und fest, dass Barroso das Agrarressort nie konkret angeboten habe. Mag sein, dass er das so verstehen wollte. Und auch Pröll hat sich, wenn auch etwas weicher, diesbezüglich geäußert. Vielleicht haben die Herren in ihren vertraulichen informellen Gesprächen wochenlang ja nur aneinander vorbeigeredet. Wenn Barroso sagte, er könne keine Garantie geben, hat der Kanzler verstanden, es gäbe gar kein Angebot. Oder so ähnlich. Das sind alles rhetorische Tricks. Selbstverständlich war klar, von Anfang an, dass Molterer der Top-Kandidat auch für Agrarpolitik ist. Bei solchen Gesprächen zählt nicht das Formale, sondern das Informelle eben.

Vermutlich hätte Barroso deutlicher werden sollen von Anfang an. Er braucht aber nicht klagen. Er ist selber mitschuld. Denn er hat ja auch - typisch für ihn, den Unverbindlichen - ein Doppelspiel gespielt, indem der bei Pröll stets über Molterer sprach, der glaubte, alles sei klar. Und bei Faymann immer wieder einfließen ließ, wie toll doch Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sei und er eh viele Frauen als Kommissare brauche. Es wird für Faymann nicht schwer gewesen sein zu erkennen, wie leicht er die Christdemokraten gegeneinander ausspielen kann.

Eine besondere Rolle spielte dabei offenbar Ferrero-Waldner, die ganz auf Faymann und Barroso setzte und ihre Partei düpierte. Darüber bei anderer Gelegenheit.

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Posting 1 bis 25 von 62
1 2
powerpack
00
4.11.2009, 11:54

und was bitte genau ist jetzt so wunderbar am agrarressort, dass ö dort unbedingt den kommissar stellen muß? mag sein, dass dort sehr viele mittel drin sind, wie wär's aber zur abwechslung mal mit einem echten zukunftressort wie technologie etc? mal ganz abgesehen davon, dass der handlungsspielraum im agrarressort sehr begrenzt ist, nehme ich an, dass ö auch ohne den kommissar weiterhin sehr viele milliarden aus den agrarsubventionen erhalten wird - mit oder ohne das ressort.

Der G€RRµ
00
2.11.2009, 11:18
Molterer kann froh sein, nicht nominiert worden zu sein...

Der LW-Kommissar hat's in Brüssel die nächsten Jahre sicher nicht leicht. Die Budgetmittel für das Ressort werden deutlich sinken. Und die Agrar-Kompetenzen werden aller Voraussicht nach in die Regionalpolitik übergehen.

Zinnmo
 
11
2.11.2009, 16:36

Fischler hatte es auch nicht leicht. Manche Leute lieben Herausforderungen.

Gerade weil das Umfeld schwierig ist, wäre ein Österreicher auf dieser Position immens wichtig. Aber Faymann macht lieber politisches Kleingeld, auch wenn er dem Land schadet.

Heiner Müller
23
1.11.2009, 21:52
Der Einzige

der dem Molterer nachtrauert ist ein gewisser Herr Mayer.

onlooker
00
3.11.2009, 16:46
sie sagen es,

spoevpfg .
21
2.11.2009, 13:40
faymann sollte ein brille tragen

gegen seine kurzsichtigen aktionen...
...wiedereinmal bewiesen dass er es als bundeskanzler nicht drauf hat!

ich erinnere an das absolut schwachsinnige 5 punkte programm vor der wahl!!! und wieder nur parteipolitisch motiviert absolut kurzsichtig und überhaupt kein erfolg weder für ihn noch für österreich!
kopfschüttel
!

asdf 1234
00
17.11.2009, 12:46
Und wenn Sie sich jetzt 5 Minuten Zeit nemen und fragen,

warum es die letzte NR-Wahl gegeben hat, werden Sie nur eine Antwort finden: Es war "es reicht!" eines gewissen Herrn Molterer. Und das nach eineinhalb Regierungsjahren.
Also bitte nicht beschweren. Sondern sich selbst bei der Nase nehmen. Denn das hatt die Bevöljerung nicht verdient, was sich ja im Wahlergebnis der ÖVP entsprechend wiederspiegelte.

nullachtfünfzehn_
52
1.11.2009, 15:28
Darüber bei anderer Gelegenheit

leider schreibt der Standard über Faymanns Fehlentscheidung bis jetzt nichts (oder hat es sehr gut versteckt)
Die anderen Medien berichten bereits alle, teilweise auch oin der Printausgabe über Faymanns Partei-Hickhack.

Anscheinend hat nun der Faymann nach dem Onkel Dichant einen neuen Freund beim Standard , der schützend die Hand über den Werner hält

Red Zone
00
1.11.2009, 18:51

0815, hirn wie fuchs ...

erdbär
22
1.11.2009, 11:35

Bravo Österreich, Bravo SPÖ.

VvL
12
1.11.2009, 16:01
wenn Sie alles glauben,

was die ÖVP behauptet ...

Graf Bobby
33
1.11.2009, 10:53
Danke für den Blog + Faymann ist untragbar


1. Danke für den neuen Blog. Europapolitische Bericherstattung/Kommentare kommen sonst viel zu kurz.

2. Es zeigt sich einmal mehr, welch Elefant Faymann auf europäischer Bühne ist. Ich bin keiner mit Bildungsdünkel, der etwas über seine Fremdsparchekenntnisse wissen will. Aber es ist sträflich wie Faymann Europa und seine internationale verantwortung als BK vernachlässigt und unsere internationalen chancen verstreichen läßt.

onlooker
00
3.11.2009, 16:52
diese kommentare, wer spricht ihrer meinung nach

gut englisch? ein schüssel? ein pröll?
sehr wenige unserer politiker sprechen gut englisch,
aber hr mayer hat so etwas noch nie erwähnt,
warum dass so ist,
bleibt mir ein rätsel, warum nicht den lesern reinen wein einschenken?

urs debhilet
01
2.11.2009, 18:30
Es kann einem schlecht werden

wenn man daran denkt, daß diese Leute von uns bezahlt werden, um im Interesse Österreichs zu handeln. Sie sind auch alle auf die Verfassung vereidigt und nicht auf Onkel Hans, SPÖ, ÖVP oder wen/was immer. Daß Pater Willi auch schon mehrmals vom Vertrauenskonto abgebucht hat, ist für mich evident. Aber Faymann ist entweder so inferior oder er muß ein Maulwurf der ÖVP sein. Daß allerorten die Gusi- Nostalgie ausbricht ist, bezeichnend für den Leidenszustand dieser Partei.

VvL
10
1.11.2009, 18:32
Danke für den ÖVP-Blog

gerade SIE müssten das wissen ...

spoevpfg .
00
2.11.2009, 13:44
meingott!!!

mal kurz nachdenken!? hahn oder molterer hm agrarresor oder bildungsresor in der EU!?!?

wer von beiden hat mehr erfahrung!? "RAUS AUS DER parteiecke! weg aus dem längst überholten lagerdenken!!!!!

Bluestone
01
1.11.2009, 04:45

Machen`s aus dem Hahn im EU Parlament eine Henne?

Bluestone
01
1.11.2009, 04:44

Warum wollte er dann eine Frau für das Amt?

Sind die dort im EU-Parlament mit dieser Genderei schon so verwirrt?

Christoph ************
10
1.11.2009, 12:22

Weil Barroso, zumindest den derzeitigen Frauenanteil der Kommission halten wollte. Was schon jetzt illusorisch aussieht. Ein verständliches Vorhaben.

FatFaceRicky
00
1.11.2009, 03:57

Ich hätt ja den Busek als Erweiterungskommissar ins Rennen geschickt (in SüdOst-Europa kennt er sich aus). Und als ehemaliger Vizekanzler hätte er auch genug Reputation für den Job (mehr als Pater Willi jedenfalls).

el peregrino
47
1.11.2009, 01:50
molterer war parteisoldat und wadlbeisser schüssels

und er hat offenbar millarden öffentlicher gelder verspekuliert, wie sollte so ein mensch eine europäische integrationsfigur werden - witzfigur im besten falle !!

spoevpfg .
00
2.11.2009, 13:46
...

so ein riesen haufen schei...!
wer von unseren politikern hat keine millarden verspekuliert!? werder rot noch schwarz kann man in diesem fall trauen!
dieses absolut dumme ewige lagerdenkgezanke ist nicht zum aushalten in österreich!

Schnabeltierfresser
01
1.11.2009, 00:44
Die Iren

hatten schon längst jemand für das Agrarressort nominiert, den das Parlament aber abgelehnt hatte.

VvL
01
31.10.2009, 18:59
"Dossier"

jeder schreibt es ab, aber keiner hinterfragt den Begriff!

bei der Verteilung von Zuständigkeiten geht es um Ressorts iSv Aufgaben- oder Geschäftsbereichen

ein Dossier (französisch soviel wie Aktendeckel) hingegen bezeichnet ein Bündel von Unterlagen, ein Konvolut an Schriftstücken, aber sicherlich keine politischen Machtbereiche

Nedobrovolny Slovak
35
31.10.2009, 18:50

Aus Kränkung und sonstigen nur für Kroneleser nachvollziehbaren Gründen den Agrarkommissar und somit einen der allerwichtigsten Posten (mit dem absolut größten Budget) in Brüssel zu verschenken, lässt wirklich an der Vernunft von Faymann zweifeln. Egal, was man von Molterer hält, er hätte sicher nicht die schlechteste Figur in der Kommission abgegeben. Vielleicht hätte man ja in AUT auch noch einen Agrarfachmann gefunden, bevor man einen Hahn dorthin entsendet, für den man das Kommissariat erst noch erfinden bzw. auf seine Fähigkeiten hin schneidern muss.

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