Casus Maximus

30. Oktober 2009, 18:36
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Das Mindeste wäre, dass sich endlich ein Regierungspolitiker ins Audimax bequemt

Sie setzen seit Tagen ein machtvolles Zeichen mit kreativem Protest und intellektueller Intervention ins Uni-politische Luftloch. Auf vitale Art zeigen die Studenten, dass sie die Politik herausfordern wollen. Sie haben, wie schön!, noch Visionen, und zwar nicht nur für die Unis, die sie mit unbekümmertem Idealismus erfrischend und klug artikulieren. Und mit der Okkupation des symbolischen Kraftfelds der Uni Wien, des Auditorium Maximum, tun sie genau das, was die Gesellschaft von ihnen erwarten darf: Sie sagen, wir wollen lernen, aber so, wie es derzeit ist, können wir das nicht so, wie wir sollten, und darum sagen wir Nein. 

Und die Politiker? Was tun die angesichts dieses Casus Maximus? Des großen Uni-Problems? Sie verschanzen sich in ihren Palais oder hinter Presseaussendungen - und rücken etwas von dem Geld raus, das sowieso den Unis gehört, weil es von ihrem Budget einbehalten wurde. Der Wissenschaftsminister machte auch kein Hehl daraus, dass das die Misere nicht löst, sondern maximal für den Moment etwas lindert. Soll sein. Ist gut. Reicht aber nicht. Bei weitem nicht.

Es ist ein symbolisches Friedensangebot, das die Besetzer intellektuell unterfordern dürfte. Auch wenn deren Forderungen teils den Charakter von Denkaufgaben für die Gesellschaft haben, wäre es das Mindeste, dass sich endlich ein Regierungspolitiker ins Audimax bequemt. Natürlich wird er dort kein Problem lösen oder Ergebnisse zusagen können. Darum geht es gar nicht. Es geht um Respekt. Den haben die studentischen Besetzer und ihre Anliegen verdient. (Lisa Nimmervol, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2009)

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